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Posts Tagged ‘Dunkelheit’

Es ist Nacht. Ich sitze im Wohnzimmer im Dunkeln und blicke in die vier brennenden Kerzen meines Adventsgestecks. Noch zwei Tage bis zum heiligen Abend. Ich lasse das Jahr Revue passieren, denke nach über dies und das – was ist, was war und was in nächster Zeit ansteht. Es ist die „stade Zeit“ und die Zeit der Rauhnächte. Ich spüre das große Bedürfnis, mich total zurück zu ziehen, aber ich merke, wie ich innerlich unter Strom stehe. Mit so vielen lieben Menschen hätte ich mich vor Weihnachten noch „schnell“ auf einen Glühwein treffen wollen – und hab’s einfach nicht geschafft, bei so vielen müsste ich mich wenigstens noch per Telefon oder Mail melden, ihnen noch liebe Grüße überbringen. Ich will, dass sie wissen, dass ich an sie denke, wie wichtig sie mir sind, wie lieb ich sie habe… Aber eigentlich mag ich jetzt nur noch bei mir sein. Darf ich das? Am liebsten würde ich mich gerade komplett aus der Welt zurückziehen, kein Telefon, kein Internet, kein Reden. Einfach nur Stille, einfach nur ein paar Kerzen, einfach nur ich – sonst nichts! Mir wird bewusst, wie die letzten Wochen und Monate an mir vorbei gerast sind. Ich habe mir keine Zeit mehr für Stille genommen, zu wenig Zeit für echte Entspannung, zu wenig Zeit für mich. Jetzt wird mir bewusst, wie sehr mir das fehlt.

Je länger ich ins Kerzenlicht schaue, umso ruhiger wird mein Geist, ich werde leer. Das fühlt sich gut an. Und plötzlich wird mir wieder eine ganz banale Wahrheit bewusst: Ein einziges kleines Licht reicht aus, um die Dunkelheit zu erhellen, um das Hier und Jetzt  mit Klarheit, Bewusstheit und Kraft zu füllen. Noch nie konnte die Dunkelheit dem Licht etwas anhaben – das Dunkel kann niemals in einen hellen Raum eindringen. Aber diese vier kleinen Kerzen vermögen mein ganzes Wohnzimmer zu erhellen. Ich frage mich, wie viele Kerzen wohl nötig wären, um alle Dunkelheit zu vertreiben und den Raum taghell erscheinen zu lassen?

Licht ist Liebe. Es ist das einzig wirklich Existente. Die größte Kraft im Universum. Und oft ist es das einzige – und immer das wichtigste – was wir anderen geben können. Wenn uns Menschen in Schmerz und Not begegnen, denken wir sofort, wir müssten ihnen kluge Ratschläge erteilen, einen Aktionsplan erarbeiten und Lösungen anbieten. Doch in Wirklichkeit geht es nur darum, dem anderen in seiner Dunkelheit die Hand zu reichen und das Licht für ihn zu halten. Ihn einfach nur SEIN zu lassen, ins Fühlen zu begleiten und ihm den sicheren Raum zu geben, sich in existenzielle menschliche Erfahrungen hineinfallen zu lassen. Leider befürchten wir oft, einfach „nur“ in Liebe da zu sein, sei nicht genug. Doch es ist das mächtigste Geschenk. Es zeigt dem anderen: Du bist nicht allein, ich nehme dich wahr in deinem Schmerz und ich respektiere dein Gefühl, denn es ist auch meines. Ja, Mitgefühl und Liebe sind die größten Heiler! Was hättest du größeres und segensreicheres zu verschenken, als deine liebevolle Präsenz, dein ursprüngliches, lichtvolles Sein? Einfach nur Da-Sein, Be-Rühren, Halten, Mit-Fühlen, Anerkennen. Keine Worte der Welt und keine Therapie vermag mehr!

Und so möchte ich zum bevorstehenden Weihnachtsfest viele kleine Lichter entzünden, um die Welt ein bisschen heller zu machen:

Ein Licht für alle Menschen, die Krieg, Unterdrückung und Folter erleiden
Ein Licht für all die, die krank und hoffnungslos sind
Ein Licht für all die, die von dieser Welt Abschied nehmen müssen und für die, die neu geboren werden
Ein Licht für all die, die in Trauer um einen geliebten verstorbenen Menschen sind
Ein Licht für all die, die in Armut, Hunger und Kälte leben müssen
Ein Licht für all die, die einsam und verlassen sind
Ein Licht für all die, die in Angst, Sorge und Verurteilung gefangen sind
Ein Licht für all die, die nicht gesehen und gehört werden
Ein Licht für all die, die mutlos und verzweifelt sind
Ein Licht für dich, der bzw. die du diese Zeilen liest
Ein Licht für mich und all das, was in mir im Unfrieden und im Schmerz ist

Wie hell wird die Welt, wenn wir einfach nur in reiner Liebe wahrnehmen was ist, und mit offenem Herzen unsere Gefühle teilen.

Das ist das Wundervolle am Menschsein: Wir sind die, die im Dunkel stehen und auf ein Licht warten, und gleichzeitig sind wir die Lichtbringer für andere. Wir sind eins – kein Mensch macht eine Erfahrung für sich alleine. Solange auch nur ein einziger Mensch auf dieser Welt in Hunger, in Angst, in Krankheit, in Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt lebt, sind wir alle nicht frei. Wir dürfen uns gegenseitig Licht schenken und Verantwortung füreinander übernehmen, nur so kann Frieden und Liebe auf die Erde kommen.

Alles was uns in der Welt begegnet, ist entweder Liebe oder ein Schrei nach Liebe. Leider beantworten wir den Schrei nach Liebe allzu oft mit Gewalt, Ausgrenzung und Angst. Doch die einzige Antwort auf einen Schrei nach Liebe kann nur die Liebe selbst sein. Und so möchte ich dich animieren, in den Weihnachtstagen ganz bewusst ein paar Kerzen zu entzünden: für dich selbst und alles was in dir nach Liebe und Heilung schreit, für deine Familie, Freunde und Bekannte, die ein Licht brauchen, sowie für Machthaber, Völker, Regionen, Pflanzen und Tiere, deren Unterstützung dir am Herzen liegt. Sei dir bewusst, wie viel Heilung du mit deinem Licht in die Welt bringst. Es stimmt nicht, dass du klein und machtlos bist. Du kannst so unendlich viel Gutes tun:

Entzünde ein Licht!
Sei ein Licht!
Du bist das Licht der Welt!

Ich wünsche dir ein gesegnetes, fröhliches und liebevolles Weihnachtsfest!

„Je nai nan“ ist eine Version des „Herr, erbarme dich“ der koptischen Christen. Lass dich tragen vom Licht der Liebe dieses wundervollen Liedes:
http://www.youtube.com/watch?v=vI5LLN7tKgs

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Wer mehr Bewusstheit, Licht und Liebe in sein Leben bringen will, wird unweigerlich mit seinen Schatten konfrontiert. Das erwachende Bewusstsein ist wie ein Scheinwerferlicht, das das Dunkel in uns gnadenlos ins Blickfeld rückt und an die Oberfläche holt. Das macht oft Angst. Wir wollen den Weg des Lichts und der Liebe gehen, und statt dessen scheint es so, als würde das Schlimmste und Widerlichste in uns wachgerufen. Doch genau dies ist die Chance, die die Liebe uns bietet. Sie bringt ins Bewusstsein, was noch der Heilung in uns bedarf: Neid, Hass, Eifersucht, Geiz, Wut, Gier, Gewalt, Verurteilung, usw. Der höchste Zweck der Liebe ist es, zu integrieren, ganz zu machen, sich selbst zu erkennen. Erst wenn wir den Mut haben, die Schatten in uns anzuerkennen und in Liebe anzunehmen, dann verlieren sie ihre Macht über uns. Sie sind (nur) ein Teil von uns. Und sie sind der Teil von uns, der nicht in der Liebe ist. Wir können sie nur heilen, indem wir sie mit den Augen der Liebe erfassen. Sie entstammen unserer Identifikation mit der Materie, und nicht unserem heiligen, göttlichen Selbst.

Da wir gewählt haben, uns als geistige Wesen in der Welt der Materie und der Polarität zu erfahren, tragen wir alle einen Teil in uns, der die Nicht-Liebe ist. Es ist das Kleid des Vergessens, des Ego und der Angst, das sich über unsere lichtvolle Seele gelegt hat. Ein Kleid, gewoben aus Erfahrungen des Leids und der Getrenntheit, die wir in diesem und in vergangenen Leben gesammelt haben.

Viele spirituell Suchende begehen den Fehler, ihr ganzes Sein in ein rosarotes Wölkchen von Licht und Liebe zu hüllen. Unter der Oberfläche aber brodelt es gewaltig. Wer nicht der Lieblosigkeit in sich selbst ins Auge geschaut hat – und immer wieder schaut -, kann nie wirklich frei werden. Wer nicht JA gesagt hat zu seinen niedersten Gefühlen und sie in Liebe heilt, wird nie ganz und in der Einheit sein. Die Liebe lässt sich nur erfahren, indem wir die Nicht-Liebe anerkennen – beides sind die zwei Seiten ein und derselben Medaille. Wenn du das eine leugnest und ablehnst, lehnst du auch das andere ab.

In meiner Praxis erlebe ich es oft, dass Menschen wahnsinnige Angst davor haben, ihre Schatten anzuschauen. Warum sollten sie sich mit diesem Gefühl verbinden, das sie doch so verabscheuen und einfach nur loswerden wollen? Und dann noch in Liebe annehmen? Wie soll das denn gehen? Das „Böse“ und „Schlechte“, das ich in anderen so gern verurteile, in mir selbst zu finden, hat etwas sehr schmerzliches an sich – aber es ist der Weg in die Heilung; der einzige!

Vielleicht hilft es dir bei der Auseinandersetzung mit deiner Dunkelheit, dir bewusst zu machen, dass es sich bei deinen Schatten eben nicht um etwas immanent Böses, Schlechtes handelt, sondern um Verletzungen deiner Seele. Stell dir einen verwundeten Wolf vor, der  blutend, geschwächt und ängstlich durch den Wald streift. Sobald sich ein anderes Tier oder ein Mensch nähert, wird dieser Wolf anfangen die Zähne zu fletschen, zu knurren, aggressiv zu werden und um sich zu beißen. Er tut das nicht, weil er aus sich selbst heraus böse ist, sondern weil er verletzt ist und Angst hat. Er hat Angst davor, das andere Tier könnte seine Verletzung erkennen, ihn angreifen oder gar töten. Genauso tun wir es auch. Wir sind alle zutiefst verletzte Wesen, die aus Schutz vor weiteren Angriffen blind um sich schlagen. Laß dein Mitgefühl fließen und erkenne, dass dein Neid, deine Verurteilungen, dein Hass, dein Geiz nur Reaktionen auf die Verletzungen deiner Seele sind, und deiner Angst und deiner Illusion der Getrenntheit entspringen. Nimm dir Zeit, deine Verletzungen anzuschauen. Oder suche dir einen Begleiter, der sich deinen Wunden in Liebe zuwendet und dir hilft, dein Herz für Erkenntnis, Annahme und (Selbst-)Vergebung zu öffnen.

Solange wir Anstoß nehmen an bestimmten Verhaltensweisen unserer Mitmenschen, haben wir den entsprechenden Schatten in uns selbst noch nicht geheilt. Alles, womit wir im Außen im Unfrieden sind, ist in uns selbst noch im Unfrieden. Schäme dich nicht für das Dunkle in dir. Es ist in allen von uns. Heil werden und das Dunkel transformieren kann aber nur derjenige, der sich ihm ehrlich und mutig zuwendet und es annimmt. Die Liebe ist das Licht, das dir dabei den Weg durch die Dunkelheit weist.

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