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Posts Tagged ‘Einheit’

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Die Weisheit spricht nicht immer aus dem Kopf und auch nicht immer aus dem Herzen. Manchmal lässt sie ihre Stimme aus dem Bauch heraus erbeben – bei uns Frauen zumindest. Denn im Bauch liegt unser Kraftzentrum: Über die Gebärmutter sind wir mit dem Herzschlag von Mutter Erde verbunden und aus diesem Zentrum heraus gebären wir in jedem Augenblick das Universum. Wir sind im Bauch der großen Göttin und die große Göttin ist in uns.

Vom Bauch ausgehend beginnt das weibliche Erwachen. Die Religionen und esoterischen Wege, die heute überwiegend praktiziert werden, sind sehr stark männlich geprägt: Körperlichkeit, Sinnlichkeit und Sexualität – urweibliche Kräfte – werden dabei oft tabuisiert und müssen überwunden werden, um zur Erleuchtung zu gelangen. Der Weg des Erwachens spielt sich fast ausnahmslos in den oberen Chakren und den Verstandeswelten ab: Es geht um das Studium spiritueller Texte, Geistesschulung, komplexe Weltanschauungen, Meditation, Auslöschung des Egos, „harte Arbeit“ an sich selbst, Erlangung übernatürlicher Kräfte, sowie Rückzug aus dem weltlichen Leben.

Der weibliche Weg ist seit Urzeiten genau entgegengesetzt: In inniger Verbindung zu Mutter Erde, ist es ein Weg der Einfachheit und Hingabe, der den Körper, das Leben und die Lebendigkeit preist, die sexuelle Vereinigung als mystische, schöpferische Erfahrung verehrt, und tief verwurzelt ist mit den Kräften der Natur.

Beide – der männliche und der weibliche Zugang – müssen kein Gegensatz sein, sondern dürfen sich wechselseitig durchlichten und in einander übergehen. Es gibt keine Wertung. Beides sind einfach unterschiedliche Pfade zur Wahrheit. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass die spirituellen Wege des Erwachens, die wir bis heute kennen und überwiegend praktizieren, nur für wenige Menschen wirklich in die Freiheit führen. Sobald auch nur eine einzige menschliche Erfahrung ausgeschlossen wird, kann der Weg niemals in die Ganzheit führen. Und sobald dem unbeschreiblichen Mysterium des Lebens auch nur ein einziges Konzept aufgezwungen wird, kann er niemals frei machen.

Die Zeit ist reif, um die „Energien der Göttin“ wieder in die Welt zu holen und damit dem weiblichen Prinzip die Tore zu öffnen – zum Wohle aller Geschöpfe und des Überlebens unserer Mutter Erde. Der weibliche Weg ist zutiefst lebensbejahend und mit den Rhythmen des Lebens verwoben, und kann auch die erreichen, die bisher keinen Zugang zu ihrer Spiritualität hatten. Er basiert auf der Hingabe, der urweiblichsten Qualität schlechthin. Schon allein der Klang dieses Wortes bringt alles Erstarrte wieder in Fluss und lässt alle Anspannung abfallen. Wie sehr ich dieses Wort liebe! Es ähnelt dem Loslassen, geht aber sooo viel tiefer. Loslassen hat immer noch eine aktive Komponente, und es schwingt noch ein letztes Fünkchen an Kontrolle mit, während die Hingabe um so viel radikaler und reiner, und ganz und gar passiv ist.

Hingabe hat für mich drei wesentliche Merkmale:

– Sich dem Mysterium des Lebens ergeben
Viele spirituell Suchende sehnen sich nach dem Besonderen und vergessen darüber, wie Besonders das Leben selbst ist. Wir verpassen das Leben, wenn wir nach etwas suchen, das noch großartiger sein sollte. Es gibt nichts „Besondereres“ als das Leben! Und das Leben ist und bleibt ein großes Geheimnis. Die weibliche Spiritualität sucht nicht danach, das Mysterium zu enträtseln und damit zu trivialisieren. Sie weiß, dass es auf das Mysterium keine letztgültigen Antworten gibt. Daher verehrt das göttlich Weibliche die Frage und gibt sich der puren Erfahrung hin, statt nach Antworten, Erklärungen und Konzepten im Außen zu suchen.

– Sich öffnen und verschmelzen
Der weibliche spirituelle Weg trachtet nicht danach, alles vom Verstand her zu analysieren und intellektuell zu begreifen. Der Suchende in seiner Hingabe verbindet sich auf der Herzensebene mit allem was existiert in tiefer Liebe, und wird dadurch des Wesens aller Dinge und seiner Selbst gewahr. Er muss es nicht verstehen, es reicht, es zu lieben! Je mehr Liebe praktiziert wird, umso leichter dehnt diese sich auf alles aus, was existiert, ohne Ausnahme. Wir verehren die bunte Vielfalt, in der sich das Leben individuell ausdrückt und erleben gleichzeitig in tiefer Verschmelzung die Einheit allen Seins und transzendieren damit die Dualität.

– Sich in Gleichgültigkeit üben
Hingabe drückt sich in einem wahrhaftig und tief empfundenen JA zu allem was ist, aus. Jegliches Urteilen entfällt. Es gibt kein „gut“ und „böse“ mehr, kein „ich will“ und „ich will nicht“. Indem aller Widerstand und alle Anhaftung gleichermaßen wegfallen, fließen wir in Anmut und Leichtigkeit mit dem Leben. Es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft, nur den gegenwärtigen Moment. Wir erleben ihn wach und mit allen Sinnen, wir lassen uns berühren und schwingen mit. Was auch immer geschieht, alles ist gleich-gültig.

Ein Bild, das sich mit meiner Vorstellung vom weiblichen spirituellen Weg deckt, ist die Konversation zwischen Devi (dem göttlich Weiblichen) und Shiva (dem göttlich Männlichen) im „Vigyan Bhairav Tantra“ (zu Deutsch: „die Technik, über das gewöhnliche Bewusstsein hinaus zu gelangen“), einer viele tausend Jahre alten tantrischen Schrift, die Osho in dem Werk „Das Buch der Geheimnisse“ interpretiert hat. Alle tantrischen Sutras basieren auf dem Dialog zwischen Devi und Shiva. Devi fragt und Shiva antwortet. Doch zwischen beiden herrscht keine Schüler-Lehrer Beziehung, sondern es ist ein Dialog zwischen zwei Liebenden. Wahre Erkenntnis ist nicht möglich ohne Liebe, ohne Einssein mit dem Objekt, das man erfassen möchte. Du musst zu einem Liebenden werden, damit sich das Höchste durch dich ausdrücken kann. Das ist das weibliche Wesen der Spiritualität!

Das wahrhaft Besondere an dem Dialog der beiden Liebenden aber ist die Tatsache, dass Shiva keine konkrete Antwort gibt, und dennoch antwortet. Er überbringt Devi als Antwort eine Technik, die ihr die Erfahrung des Transzendenten ermöglicht und sie die Antwort in sich selbst finden lässt. Genauso funktioniert die „weibliche Spiritualität“: Devi öffnet sich in vollkommener Hingabe und Liebe. Sie ist erfüllt von dem aufrichtigen Wunsch, das Leben in seiner Ganzheit zu er-fahren und öffnet ihr leeres Gefäß. Indem sie sich einer konkreten Frage hingibt, stellt sie der grenzenlosen Existenz einen Kanal zur Verfügung, sich ihr zu offenbaren und ihr ganzes Wesen zu durchdringen. Sie erwartet keine oberflächliche Antwort oder intellektuelle Erklärung, sondern wird eins mit dem Bewusstsein (Shiva) und gelangt zu Erkenntnis durch Erfahrung. Devi ist der bereitete, fruchtbare Boden und Shiva ist das Samenkorn.

Die Hingabe als Ausdruck der weiblichen Kraft ist energetisch mit dem Sakral- oder Svadhisthana-Chakra verbunden. Das Sakralchakra hat eine ganz klar weibliche Schwingung (im Gegensatz zum Wurzelchakra, das eine männliche Energie besitzt). Dieses Chakra ist das Reservoir unserer sexuellen Energie, unserer Kreativität, feurigen Begeisterung und Sinnlichkeit. Der körperlich-sinnliche Ausdruck, das Erträumen und kreative Erschaffen, Lebensfreude, Genuss, Tanz, Musik, Poesie, das Fördern und Nähren alles Lebendigen und Lebensspendenden sind für eine Frau (und natürlich auch für die Shaktikraft im Mann!) existenziell. Und sie können unser Vehikel ins Erwachen und in ein Leben in Gesundheit, Liebe und Freude sein. Wir machen diese menschliche Erfahrung nicht, um das Menschliche zu verleugnen, zu erniedrigen, und in geistige Welten abzudriften. Wir sind hier, um das Leben zu feiern und uns mit jeder Faser unseres Seins ins Abenteuer zu stürzen. Wir sind hier, um die gesamte Schöpfung in unser Herz und unseren Bauch zu nehmen und zu lieben wie unser eigenes Kind.

Die weibliche Shaktienergie im Körper wird oft als Kundalini bezeichnet. Sie repräsentiert die Sexual- und Lebenskraft schlechthin und wird traditionell als zusammengerollte Schlange dargestellt, die ihren Sitz am unteren Ende der Wirbelsäule hat. Laut yogischer Lehren soll die Kundalinienergie im Zuge des spirituellen Erwachens erweckt und mithilfe bestimmter Übungen und Atemtechniken nach oben gelenkt werden, um die sexuelle Energie zu transzendieren und sich mit dem reinen Bewusstsein zu verbinden. Nachdem ich intensiv in die Thematik eingetaucht bin, zeigt sich mir die Sache allerdings anders. Es kann für mich nicht darum gehen, diese Kraft nach oben zu lenken. Eine weibliche Energie bewegt sich nicht, steigt schon gar nicht auf. Sie kann sich nur öffnen oder verschließen. Welche Intention dahinter steckt, eine weibliche Energie aufsteigen zu lassen, darüber will ich nicht spekulieren. Vielleicht ist es einfach nur der alte alchemistische Traum, das sogenannte Unedle in Edles zu verwandeln.

Aber eines ist für mich klar: es sind männliche Yang-Energien, die sich bewegen, die auf- oder auch absteigen, aber niemals eine Shaktikraft. Das widerspricht vollkommen dem Wesen des Weiblichen. So geht es für mich bei der Erweckung der weiblichen Kraft einfach nur darum, sie zu öffnen, damit die männliche Energie absteigen und sie „befruchten“ kann. Das ist dann Verschmelzung, Einheit, Erwachen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich gleich mit einem anderen Missverständnis (für mich!) aufräumen: Wir beziffern die Chakren von unten nach oben, also das Wurzelchakra als erstes und das Kronenchakra als siebtes Chakra. Auch dieses energetische Konzept soll möglichweise vermitteln, dass der Körper, dass Lebendigkeit, dass Sinnlichkeit etwas Niederes ist, und dass das Menschsein überwunden werden und die Materie in geistige Energie umgewandelt werden muss. Aber ist es nicht vielmehr so, dass wir geistige Energie sind, die sich in das Körperliche hinein manifestiert? So wie ich es sehe, geht es auf dem spirituellen Weg darum, das reine Bewusstsein vollkommen in die Körperlichkeit einsinken zu lassen. Unser Denken, unser Fühlen und unser Tun mit reinem Bewusstsein zu durchdringen und damit die Göttlichkeit in die weltliche Erfahrung zu bringen. Somit fließt in diesem Fall die Energie von oben nach unten. Und da haben wir wieder das Bild von Devi, die ihren Weltenschoß (Kundalini) voller Hingabe öffnet um sich vom Bewusstsein (Shiva) durchdringen zu lassen und zur vollkommenen Erkenntnis zu gelangen.

Letztendlich – das ist mir natürlich sehr bewusst – ist auch die Lehre der Chakren und der Kundalini nichts weiter als ein Konzept. Und auch dieses, wie alle Konzepte, dürfen wir getrost loslassen. Es gibt keine Notwendigkeit, darüber zu streiten oder die Theorien allzu ernst zu nehmen. Für unser Leben hat es nicht wirklich Relevanz, wie viele Chakren es gibt, welchen Charakter die Kundalini Energie hat oder welche Energien wohin fließen. Alles was wirklich relevant ist, können wir mit unseren Sinnen wahrnehmen. Das was wir sehen, hören, spüren, riechen, schmecken, was uns die Natur in ihrem ewigen Kreislauf spiegelt, beinhaltet alles was wir wissen müssen. Jeder einzelne Augenblick trägt alles in sich. Und in jedem Augenblick entscheiden wir neu, ob wir wach sind oder im Tiefschlaf. Fest steht: je mehr wir uns mit Analysieren beschäftigen und Konzepten nachhängen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir nicht wach sind.

Der weibliche spirituelle Weg ist ein Weg der Freude, der Liebe, der Leichtigkeit und der wachen Präsenz im Körper. Wir müssen nicht ewig an uns arbeiten, uns verbessern und „ver-feinstofflichen“. Menschsein ist etwas Heiliges und kein Verbrechen, keine Sünde und keine Schwäche – wann verstehen wir das endlich? Wir sind gut und vollkommen, so wie wir sind. Wir brauchen keine Gurus und keine spirituellen Lehrer, weil es da nichts zu lehren gibt. Wir brauchen keine Priester, die als Vermittler zwischen uns und etwas „Heiligem“ außerhalb von uns selbst fungieren, weil wir All-Eins sind. Wir brauchen keine Heiler, weil es letztendlich nichts zu heilen gibt. Wir brauchen keine Wahrsager, Channels und Medien, weil wir alles Wissen in uns tragen. Was wir brauchen sind Wiedererinnerer: Menschen, die uns an die Liebe und die Vollkommenheit in uns erinnern. Die uns daran erinnern, wie wir wieder in Kontakt mit unserem Herzen und mit unserer inneren Weisheit kommen. Die uns daran erinnern, dass alles Richtig ist so wie es ist. Die uns daran erinnern, dass sich das Leben nur im Hier und Jetzt  – in diesem winzigen und gleichzeitig ewigen Augenblick – abspielt, und dass Vergangenheit und Zukunft keine Bedeutung haben. Die uns an die heilige männliche Kraft und die heilige weibliche Kraft – an Shiva und Shakti in uns – erinnern. Die uns daran erinnern, wie wertvoll Leben ist und dass es nichts Großartigeres gibt. Die uns daran erinnern, wie sich Freude, Liebe, Mitgefühl, Frieden, Leichtigkeit, Freiheit und Gesundheit anfühlen, und die uns gleichzeitig ermutigen, durch Schmerz, Wut, Hass, Trauer, Gier und Eifersucht fühlend hindurch zu gehen. Und: die uns daran erinnern, das Leben zu feiern, jeden Tag.

Wir brauchen Menschen, die sich voller Begeisterung und gleichzeitig mit wachem Bewusstsein in die Erfahrung Leben stürzen. Die das Leben in seiner bunten Fülle mit allen Sinnen genießen und gleichzeitig in der meditativen Stille ihres Herzens zu Hause sind. Menschen, die aus sich selbst heraus leuchten und anderen ein Licht sind.

Ich freue mich auf Männer, die die wilde Schönheit und Macht der Weiblichkeit wieder anerkennen und der Göttin Raum und Sicherheit geben, um ihre ganze Kraft zu entfalten. Die dem Träumen und der Intuition wieder ihren Wert geben, und die den Mut haben, ihr Herz zu öffnen, Liebe zu leben, Gefühle frei fließen zu lassen und die ihre männliche Kraft und Stärke in den Dienst der Erhaltung des Lebens stellen. Und ich freue mich auf Frauen, die sich wieder auf ihre eigene, innewohnende Macht und Weisheit besinnen, und ihre lustvolle Sinnlichkeit und ekstatische, heilige Schöpferkraft selbstbewusst und mitfühlend leben. Die den Mut haben, Altes, dem Leben und der Liebe nicht mehr dienliches zu zerstören und Neues ins Dasein zu tanzen. Die alles Leid und allen Schmerz bedingungslos vergeben und die wahre männliche Kraft wieder verehren können.

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!
Deine Christine Samira

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Nach langer Zeit nun endlich mal wieder eine Nachricht von mir. Es ist gerade viel in Bewegung, im Umbruch, in Heilung – daher war ich ein wenig im Rückzug und viel mit mir selbst beschäftigt. Ich hoffe, es geht euch gut und ihr genießt die Herbstsonne… 😉

Ich möchte euch gern mitteilen, dass ich seit sechs Wochen vegan lebe und mich besser fühle als je zuvor! Nachdem ich schon ca. elf Jahre lang Vegetarierin bin (mit der Ausnahme, dass ich ab und zu noch Fisch gegessen habe), habe ich nun endlich den Schritt zur Veganerin vollzogen. Schon lange hatte ich damit geliebäugelt und Freunde bewundert, die es „geschafft“ hatten, aber aus mehreren Gründen hatte ich mich immer wieder davor gedrückt. Zum einen konnte ich als Käseliebhaberin mir ein Leben ohne Käse nur schwer vorstellen, und zum anderen hatte ich Angst davor, mich durch mein „anderes“ Essverhalten sozial auszugrenzen und mit Familie, Freunden, Bekannten anzuecken. Und natürlich war auch ein sehr großer Teil Bequemlichkeit dabei, der mich bisher daran gehindert hat, diese Ernährung konsequent umzusetzen.

Letztendlich hat mich mein eigener Körper in die richtige Richtung gelenkt. Ich war dieses Jahr wahnsinnig viel krank – langwierige Erkältungen, Eiterungen, Entzündungen… selbst mit den besten Naturarzneien, Heilpflanzen und Nahrungsergänzungen bin ich dem Übel nicht mehr Herr geworden. Während ich schon Jahre kaum mehr Milch trinke, war mein Käsekonsum in den letzten Monaten wieder extrem angestiegen. Intuitiv wusste ich, dass mich das krank machte. Milch und Käse schwächen durch ihre Eiweißstruktur das Immunsystem und „verschlacken“ die Lymphe. Außerdem habe ich bei einem Blick in mein feinstoffliches System und in meine Seele einen deutlichen Konflikt gespürt: einen Wahrhaftigkeitskonflikt. Fast täglich rate ich in meiner Praxis Patienten davon ab, Milch und Milchprodukte zu sich zu nehmen. Ich erkläre ihnen, welche schädlichen Auswirkungen diese Produkte haben und was sie damit für einen Medikamenten-, Hormon-, Fett- und Eiweißmix zu sich nehmen. Ganz wesentlich bedingt vom Weglassen von Milch und (v.a. Kuhmilch-)Käse habe ich in der Praxis schon viele Wunder erleben dürfen: Neurodermitis und andere Hautkrankheiten heilen ab, Kinder mit Asthma, obstruktiver Bronchitis, chronischer Mittelohrentzündung und Dauerinfekten werden rasend schnell gesund, Unterleibszysten verschwinden, Allergien und entzündliche Darmerkrankungen bessern sich, usw. Ja, meinen Patienten gab ich immer wieder diesen Rat mit auf den Weg, und selbst hatte ich gegen besseres Wissen wieder regelmäßig und in relativ großen Mengen Käse gegessen. Solche Wahrhaftigkeitskonflikte sind nicht zu unterschätzen, die Seele kann damit auf Dauer nur schwer umgehen! Als mir der Zusammenhang zwischen Körper und Seele bewusst wurde, habe ich von heute auf morgen die Entscheidung getroffen, mich fortan vegan zu ernähren. Und ich sage euch: es lebt sich sooooo gut ohne Fleisch, Fisch, Milch, Käse, Eier, Butter, Sahne und Co.! Und meine Symptome sind seither weg!

Meine eigene Gesundheit ist dabei aber nur ein kleiner Teil meiner Motivation – sozusagen der letzte A…-tritt den ich brauchte. Viel bedeutender als die Gesundheit eines einzelnen ist die globale Tragweite. Mit dem Verzehr von tierischen Produkten tragen wir aktiv zum Leid unserer tierischen Mitgeschöpfe und zur Zerstörung der Umwelt bei (Stichwort: CO2-Ausstoß, Abholzung der Regenwälder für riesige Sojamonokulturen, Vertreibung der indigenen Landbevölkerung in Lateinamerika, hoher Einsatz von Pestiziden und Herbiziden, extremer Wasserverbrauch in der Tiermast, Verseuchung des Grundwassers durch riesige Güllemengen, Überfischung der Weltmeere mit Ausrottung vieler Arten usw.). Wir müssen uns bewusst sein, dass wir mit dem Konsum von Fleisch, Fisch, Milch und Eiern unserem Körper nicht nur tote Materie, Leichengifte, sowie einen unüberschaubaren Mix aus Hormonen, Giften und Medikamenten zuführen, sondern uns auch feinstofflich die Energie des Leids, des Schmerzes, der Verzweiflung, der Depression, des Missbrauchs, der Aggression, der Angst und des Todes einverleiben.

Leider haben unsere „Nutztiere“ (schrecklicher Ausdruck), die auf dem Teller landen, keine Lobby. Wie heißt es so schön in Orwells „Farm der Tiere“: „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher als die anderen.“ Wir kuscheln und schmusen mit Hunden und Katzen, würden nie dulden, dass unser Pferd zu Salami verarbeitet wird, und empören uns, wenn in anderen Kulturen Hunde, Affen oder Meerschweinchen gegessen werden (wobei es uns hier auch vor immer weniger graut. So hat es mich fast geschüttelt, als ich kürzlich auf einem chinesischen Büffet Krokodil-, Känguruh-, Frosch-, Hai- und ich weiß nicht was alles für exotisches Fleisch gesehen habe). Aber Schweinen, Kälbern, Hühnern, Fischen, Ziegen oder Garnelen sprechen wir anscheinend jegliche Seele und Empfindsamkeit und Intelligenz ab. WARUM? Warum können wir mit diesen Tieren kein Mitgefühl empfinden und sie schützen? WARUM müssen diese Tiere leiden, während wir für unseren Waldi alles tun würden?

Vielen ist heutzutage glaube ich auch der Zusammenhang zwischen Essenszufuhr und Körperaufbau überhaupt nicht mehr klar. Wir essen nicht nur, um unseren knurrenden Magen zu füllen oder unsere Gelüste zu befriedigen. Wir verleiben uns mit dem Essen etwas ein, machen es uns zu eigen und formen unseren Körper daraus neu. Das ist Transformation in Reinform, eigentlich ein Akt der Liebe (Wie wenn du mit deinem Partner im Sex verschmilzt und aus zwei eins wird): Wir nehmen etwas Fremdes von außen auf, wandeln es um und machen es zu unserm eigenen Selbst. Das was dabei herauskommt, kann nur so gut sein, wie das, was wir rein geben. Mit tierischen Produkten verleiben wir uns Tod, Angst, Stress, Depression, Krieg und (Auto-)Aggression ein. Es fällt alles auf uns zurück! Überlege dir, woraus du deinen Körper immer wieder neu erschaffen willst und welche Energie dein Sein, dein Fühlen und Denken, durchströmen soll. Erkennst du die spirituelle Dimension der Ernährung?

Ich spüre die Auswirkungen meiner veränderten Ernährung nicht nur daran, dass sich mein Körper gerade deutlich entgiftet und verjüngt und ich mich wacher und energiegeladener fühle, sondern dass sich auch in meinem feinstofflichen Körper vieles verändert. Die Stimme meines Herzens wird immer deutlicher, ich bin fast pausenlos in einem Zustand der Inspiration, der „Eingebung“ und der Kommunikation mit meiner inneren Quelle, und die Chakren werden klarer und dehnen sich aus. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, warum ich je anders gegessen habe, warum ich nicht schon vor Jahren angefangen habe, mich vegan zu ernähren. Allein das Gefühl, zu wissen, dass wegen mir (zumindest schon mal für mein Essen) kein einziges Tier mehr leiden und sterben muss, beflügelt mich regelrecht. Mittlerweile habe ich auch schon Einladungen und Partys hinter mir, und es war kein Problem. Alle waren so lieb, irgendwelche tierfreien Sachen anzubieten, und es hat mich nicht mehr als ein Lächeln gekostet, Käse, Desserts und sogar Schwarzwälder Kirschtorte (für die ich früher gestorben wäre!) links liegen zu lassen.

Wir dürfen nicht aufhören, uns mit den unerträglichen Bildern aus europäischen Schlachthöfen, mit dem Leid der Hühner und Milchkühe, mit der Unterdrückung, Ausbeutung und dem Schmerz der ärmsten Menschen, die unter unserer Gier nach Fleisch leiden müssen, zu konfrontieren. Wir müssen dem Grauen in die Augen schauen und uns im tiefsten Inneren berühren und das Leid in unser Herz lassen, um unser Verhalten zu ändern. Ich habe mir in den letzten Wochen auf youtube nochmal geballt so manches grausame Video „reingezogen“. Das erleichtert eine klare Entscheidung wirklich ungemein. Schau dir dieses Leid an, von dem du ein Teil bist. Und wenn du dann noch weiter tierische Produkte essen willst, dann halte dich zumindest zurück mit Bekundungen deiner Liebe zum Menschen, zu Tieren und zu Mutter Erde. Das ist nicht ehrlich. Wenn dir die zerstörerische Tragweite des Konsums von tierischen Produkten bewusst wird, dann hast du keine Wahl, wenn du dich für die Liebe entscheiden willst. Liebst du die Welt und die Vielfalt der Arten, die Meere, Flüsse und Seen, die Wälder und Wiesen, und liegt dir etwas an ihrem Erhalt? Betrachtest du Tiere als deine Freunde und göttlichen Mitgeschöpfe? Liegt dir etwas an den Kindern dieser Welt und einer lebenswerten Zukunft? Hältst du dich für spirituell und gehst du davon aus, dass alles göttlich und beseelt ist, dass alles eins ist? Träumst du von einer Erde, auf der niemand mehr Hunger leiden muss und in der die Menschen gesund und in Frieden alt werden können? Dann hast du keine Wahl! Mir ist bewusst, dass ich selbst jahrelang eine Heuchlerin war, denn ich wusste – wie die meisten Menschen – schon lange von den Zuständen in den Schweinemast-, Milchkuh- und Hühner-KZs, und habe mich trotzdem daran mitschuldig gemacht und das Leid für meinen eigenen „Genuss“ und meine Bequemlichkeit und Gewohnheit stillschweigend in Kauf genommen. Dass ich schon seit vielen Jahren nur Bioprodukte kaufe, macht die Sache leider auch nicht viel besser. Aber wir sollten nicht zurückschauen und uns verurteilen. Nein, wir sollten es JETZT besser machen und JETZT eine neue Entscheidung treffen.

Wenn ich mit anderen Menschen über dieses Thema diskutiere (ich will niemanden missionieren, aber ich will mich rechtfertigen, wenn ich gefragt oder angegriffen werde, und ich will schon auf meine Beweggründe aufmerksam machen und ein Lichtchen der Bewusstheit entzünden), dann höre ich immer wieder als schnelles Fazit den Satz: „Naja, letztendlich muss das jeder für sich selbst entscheiden, was er essen will.“ Punkt! Ende der Diskussion! Lass mein schlechtes Gewissen bitte schnell wieder in Ruhe! Nein, es tut mir leid, aber so einfach ist das nicht. Unsere Welt ist drauf und dran, an diesem Fleisch-Wahnsinn kaputt zu gehen. Und die Gier nach billigem Fleisch, Fisch, Käse und Eiern wächst ständig. Unser Ökosystem steht kurz vor dem Kollaps und die Qualen für Mensch und Tier verdunkeln unsere Seele immer mehr. Die Frage nach unserer Ernährung ist längst keine Frage der individuellen Entscheidung mehr nach dem Motto, „es schmeckt mir aber so gut“… Es geht um nicht weniger als um das Überleben unseres Planeten. Und es geht um wahre Menschlichkeit. Wenn ich mir so anschaue, was unsere ach so hochentwickelte Spezies unseren tierischen Mitgeschöpfen antut (oder antun lässt und dabei bequem wegschaut und so tut als wüsste sie von nichts), dann schäme ich mich, ein Mensch zu sein. Wie sollen wir da als Menschen untereinander jemals in Frieden, Respekt und Liebe miteinander umgehen und füreinander Verantwortung tragen? Wir sind grausam. Lasst uns doch wenigstens da, wo wir auf einfache Art und Weise Einfluss nehmen können, etwas zum Positiven verändern. Durch bewusstere Ernährung und bewussteren Konsum können wir ganz konkret ganz viel tun.

Ich bin so ziemlich das Gegenteil eines disziplinierten Menschen. Was ich schaffe, das schafft jeder andere mit Leichtigkeit. Du musst es nur tun. Und du musst dein Herz öffnen um zu erkennen was richtig und falsch ist. Du musst dich vom Unrecht und Leid berühren lassen und du musst die Erkenntnis der Liebe in die Tat umsetzen. Das ist alles! Tu’s einfach, sei nicht bequem. Tu’s dir, deinen Kindern, den Tieren, deinen Mitmenschen und Mutter Erde zuliebe. Sei konsequent!  Fang JETZT an! Je mehr wir werden, umso einfacher wird’s für alle.

Es gibt mittlerweile so viele tolle vegane Kochbücher. Lass dich doch mal inspirieren. Alle veganen Rezepte, inklusive Desserts und Kuchen, die ich bisher nachgekocht und –gebacken habe, waren einfach nur phänomenal! Allerdings muss ich auch sagen, dass der häufige Verzehr von hochverarbeiteten Tofuprodukten und Fleischersatz auf Glutenbasis (Saitan), der in der veganen Szene leider sehr verbreitet ist, sicherlich auch keine gesunde Alternative zu Fleisch darstellt. Für mich wird jedenfalls die Umstellung auch mehr und mehr zu einer Rückkehr zur Einfachheit. Es gibt doch nichts Besseres als frisches, saisonales Gemüse, einfach nur gedünstet mit leckeren Kräutern und Gewürzen, oder frisches Obst, Nüsse, Sprossen etc. Das Einfache ist gut und gesund! Und schmeckt am besten. Meiner Meinung nach ist das, was wir anstreben sollten, eine vegane biologische, saisonale und möglichst regionale Küche mit einem hohen Anteil an Rohkost. Das ist echte Licht- und Friedensnahrung für Körper, Geist und Seele.

Und noch etwas: Eines der liebsten Argumente, mit dem Allesesser uns Veganer treffen wollen, ist der Vorwurf, wir wären genussfeindlich. Naja, zunächst mal muss ich sagen, es gibt offensichtlich unterschiedliche Definitionen von Genuss. Wer es bei voller Bewusstheit wirklich als Genuss empfindet, bereits verwesende Leichenteile zu essen (der Gourmet bezeichnet das dann als mürbes, gut abgehangenes Fleisch) und Tierbabys ihre mit artspezifischen Wachstumshormonen versetzte Milch wegzutrinken, bitteschön! Aber ich muss sagen, die meisten Vegetarier und Veganer, die ich kenne, strahlen mehr Schönheit, Freude, Vitalität und Sinnlichkeit aus, als die Mehrzahl der Fleischesser. Und wer in einer hohen, lichtvollen Schwingung ist, hat sicher mehr Power, Liebe zu machen und sich den fleischlichen Genüssen im Schlafzimmer (und an anderen schönen Orten) statt im Esszimmer hinzugeben! 😉 Spätestens ab vierzig beginnt man einem Menschen meiner Meinung nach sehr deutlich anzusehen, wie er sich ernährt (hat). Aber glücklicherweise ist eine Umkehr nie zu spät, und der Körper kann sich schnell von seiner Zivilisatose erholen und regenerieren.

Ein weiteres beliebtes Argument lautet: „Aber da muss man ja auf so viel verzichten, was kann man denn da überhaupt noch essen?“ Ich weiß nicht, ob die Frage wirklich ernst gemeint ist??? Aber selbst im größten Metzgergeschäft wirst du nicht die Fülle vorfinden, die die Natur uns an unterschiedlichem Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst, Nüssen, Kräutern (wir dürfen das Wort „Unkraut“ aus unserem Wortschatz streichen) und Beeren zu bieten hat! Und die Angst vor dem Verzicht verfliegt schnell angesichts der Fülle, die dich bei dieser Ernährung erwartet – und angesichts des Wohlbefindens, das sich schon nach kurzer Zeit einstellt. Anfangs zweifelte ich auch noch ein bisschen, wenn ich an Kässpätzle oder Schafskäse oder Spaghetti mit Parmesan oder Gorgonzolasoße oder ein Sonntags-Frühstücksei dachte. Aber jetzt sehe ich nur noch den Gewinn und die „Befreiung“. Ich verzichte auf NICHTS, ich habe sooo viel gewonnen. Und das nach sechs Wochen! Ich denke, das ist genauso wie mit der Treue in einer Liebesbeziehung. Wenn du deinen Seelenpartner gefunden hast und ihr auf allen Ebenen in Liebe miteinander verbunden seid, dann stellt Treue keinen Verzicht, keine Einschränkung und keine Herausforderung mehr dar. Dann ist Treue ein natürlicher, glückseliger Zustand, der berauscht und beflügelt und euch immer noch tiefer zusammen bringt und der erst ekstatische Zustände ermöglicht. Es ist ein Gewinn für eure Liebe. Es fällt nichts weg, sondern es kommt ganz viel dazu – und das in vollkommener Freiheit und Leichtigkeit. Und ebenso ist die vegane Ernährung ein großer Gewinn für die Lebendigkeit, für Liebe, Weisheit, Spiritualität, Mitgefühl und Menschlichkeit.

Die (Rück?-)Besinnung auf vegane Ernährung ist ein wichtiger Teil der spirituellen Evolution. Sie ist ein Ausdruck liebender Güte, gelebten Tier- und Umweltschutzes und eines Bewusstseins, das uns alle als miteinander verbunden betrachtet. Es ist eine Möglichkeit, uns zu emanzipieren aus dem schlafenden Massenbewusstsein und auszubrechen aus einer absolut unbewussten kollektiven Übereinkunft des rücksichtslosen Konsumterrors, der Gewalt, der Ausbeutung, Gier, Verachtung und Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben. Eine Gelegenheit, wahrhaftig spirituell zu reifen. „Die gegenwärtige Veganismus-Bewegung (…) ist revolutionär, denn sie schwört dem gewalttätigen Kern der Viehzüchterkultur, in der wir leben, ab und überwindet ihn. (…) Sie kündigt die Geburt eines neuen Bewusstseins an, die Wiederauferstehung der Intelligenz und des Mitgefühls sowie die prinzipielle Abkehr von Grausamkeit und Herrschaftsdenken. Sie ist die einzig wahre Hoffnung für die Zukunft unserer Spezies, denn sie setzt sich mit der Wurzel des Übels auseinander. (…) Es ist schon komisch, wie wir nach tiefgreifendem Wandel rufen, ohne uns selbst verändern zu wollen! (…) Veganismus ist nach wie vor eine äußerst seltene Erscheinung, sogar bei Menschen, die sich selbst als spirituell interessiert verstehen, denn die Macht unserer frühen Sozialisierung ist schwer zu brechen. Und doch sind wir Menschen hierzu aufgerufen; andernfalls wird unsere Kultur zu nichts anderem führen als zu weiterer Zerstörung und letztlich zum Selbstmord.“ (Tuttle, Will: Ernährung und Bewusstsein)

Wenn du dich von diesem Text angegriffen oder gemaßregelt fühlst, dann sei versichert, dass das ist nicht meine Absicht ist. Aber für mich selbst war dieser Schritt zur veganen Ernährung ein solcher Quantensprung und eine solche Befreiung, dass es mich nur traurig macht, dass ich ihn nicht schon vor Jahren vollzogen habe. Wenn ich doch gewusst hätte, wie einfach es in Wirklichkeit ist… Ich hätte mir viel Leid erspart – viel innere Zerrissenheit und Heuchelei, die Illusion von Getrenntheit, und viel individuelles und kollektives verdrängtes Schuldgefühl – und ich hätte vielen fühlenden Wesen und Mutter Erde Leid erspart. Aber unsere Reise ist eben ein Bewusstseinsprozess… , daher müssen wir liebevoll mit uns selbst umgehen! Und jetzt fühle ich mich einfach nur erleichtert, begeistert, so frei und so reich beschenkt – durch das was ich weglasse… komisch, oder? Das ist es, was ich dir weitergeben möchte: Kein schlechtes Gewissen oder Druck, sondern Mut und Begeisterung, aus diesem System der Folter, Zerstörung und Massenhypnose auszubrechen. Und ich danke allen meinen Freunden, die schon voraus gegangen sind und den vielen jungen Menschen da draußen, denen diese Welt und das Schicksal der Erde, ihrer Mitmenschen und ihrer tierischen und pflanzlichen Mitgeschöpfe nicht egal ist. So viele junge Menschen, die uns mit ihren kreativen und lebendigen Internet-Blogs Lust auf vegane Ernährung machen, die wundervollste Kochbücher schreiben obwohl sie gar keine Kochausbildung haben (ja, die leben aus dem Herzen!) und die uns zeigen, wie verantwortungsvolles und spirituelles Leben down-to-earth wirklich aussieht. So viele wunderbare junge Menschen, die sich einer besseren und liebevolleren und bewussteren Welt verpflichtet haben. Wie schön, dass es euch gibt!

Mach doch mit bei diesem Wandel.  Ich würde mir wünschen, dass ich dich mit meiner Begeisterung anstecken kann, es selbst einmal auszuprobieren. Versuch es nur vier Wochen, und ich bin mir ziemlich sicher, du willst nie wieder zurück! Vielleicht können wir dann gemeinsam auch andere aufwecken und durch eigenes Vorbild überzeugen. Liebe ist nicht nur ein theoretisches Konstrukt im Kopf, sie zeigt sich in aktivem und engagiertem Handeln. Für die Kinder dieser Welt, für das Tier- und Menschenrecht auf Würde, Selbstbestimmung und Leben, für ein friedlicheres Miteinander, für eine gesunde Erde, für die Achtsamkeit, für die Wiedererinnerung der Einheit allen Seins, für das Erwachen!

Lokah samasta sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!

PEACE & LOVE. We are one world, one love!
Deine Christine Samira

 

Als Literatur kann ich dir empfehlen:
– Tuttle, Will: Ernährung und Bewusstsein. Warum das, was wir essen, die Welt nachhaltig beeinflusst. (Sehr, sehr, sehr empfehlenswert, wenn du mehr über die Auswirkungen des Fleisch-, Fisch-, Milch- und Eierkonsums für dich, die Tiere und das Ökosystem erfahren willst! Dieses Buch sollte jeder lesen, der Essen zu sich nimmt! 😉 Das Buch ist sehr provokativ und nimmt kein Blatt vor den Mund, ist aber dennoch ganz spürbar aus einem liebenden Herzen heraus geschrieben.)
– Dahlke, Rüdiger: Peace Food. Wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt.
– Sezgin, Hilal: Artgerecht ist nur die Freiheit: Eine Ethik für Tiere oder warum wir umdenken müssen.

Und hier ein paar youtube-Videos, die dir vielleicht helfen:
– Nie wieder Fleisch! Arte-Dokumentation: http://www.youtube.com/watch?v=MQDozUfoinc
– Meet your meat (englisch): https://www.youtube.com/watch?v=sZs1vodBxP0. Für die deutsche Version muss man sich mit Altersangabe anmelden: http://www.youtube.com/watch?v=IUA5JxOOa2Y Schon gefährlich, wenn unsere Teenies mal sehen, wo ihr Schnitzel und ihre Würstchen herkommen… Aber Hauptsache, unsere Kinder kommen ungehindert an Pornos, Gewalt- und Hetzvideos ran… und an Werbung…
– Das Klagen der Kühe – ein kritischer Film über die Milchwirtschaft: http://www.youtube.com/watch?v=RMAIz5dwCuU
– Bis zum letzten Fang – Das Geschäft mit dem Fisch: https://www.youtube.com/watch?v=GBfR1_w67rc
– Earthlings (Erdlinge) – Ein eindringlicher Film über unseren Umgang mit Tieren: http://www.youtube.com/watch?v=eHsTeiQdn8E (englisch mit deutschem Untertitel)
– Wir essen nur Pflanzen – Vegan leben in Berlin: http://www.youtube.com/watch?v=EvsoxrlHdBE

– Und noch 2 schöne Songs gegen den Fleischwahnsinn und Tierquälerei:
– Eine Million: http://www.youtube.com/watch?v=ZnsfT-Du76I
– 10.000 Tränen: http://www.youtube.com/watch?v=IS_mantk3tA

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Viele Menschen in meinem Umfeld denken darüber nach, wie sie die Gesellschaft verändern können, ob sie in die Politik gehen, eine Partei gründen, oder sich in irgendwelchen spirituellen Gemeinschaften zusammenschließen sollen. Ich weiß nicht, ob das wirklich ein sinnvoller Weg ist. Ich denke, es geht vielmehr darum, feste Strukturen zu überwinden und überflüssig zu machen. Gesellschaftliche, politische und spirituelle Strukturen funktionieren immer über Richtlinien, Dogmen, Weltanschauungen und Abgrenzung – Einteilungen was gut und schlecht, richtig oder falsch ist, Ansichten wie „man“ oder die Gemeinschaft zu sein hat und Widerstand gegen das, was anders ist. Selbst wenn die beste Absicht dahinter steht, macht das genauso wieder unfrei und unselbstständig – es schnürt unser Herz ab und trennt uns von der All-einheit. DU allein musst der Wandel sein, den DU dir wünschst. Wenn DU dich veränderst, verändert sich die ganze Welt. So viele Menschen sind unglücklich mit ihrer Partnerschaft, ihrem Job und ihrem ganzen Leben. Aber sie trauen sich einfach nicht, authentisch zu sein, wirklich sich selbst einzubringen, mit ihren Gefühlen, ihren Visionen und wahren Gedanken. Aber von wem soll der Wandel ausgehen, wenn nicht endlich jeder einzelne anfängt, wieder wirklich MENSCH zu sein, Herzenslicht zu sein, Freude zu sein? Denk nicht darüber nach, wie du im Außen etwas verändern kannst, wie du die anderen zum Umdenken und zum „besseren“ Handeln bewegen kannst, oder gar sie retten kannst. Kümmere dich um dich und um dein Leben! Damit hast du genug zu tun, und nur so kann sich im Großen etwas verändern. Du wirst zum Leuchtturm – und viele kleine Leuchttürme werden zum großen Licht, an dem sich andere orientieren können. Wenn sie es möchten. Unterschätze deine Macht nicht. DU kreierst deine Welt. Alle Macht, die ein Mensch hat, beschränkt sich auf ihn selbst. Dies ist die einzige, aber eine unbeschreiblich große Macht! Und deine Macht beschränkt sich auch auf das Hier und Jetzt. Du lebst weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. SEI einfach der Wandel, den du dir wünschst – jetzt! Kümmere dich nicht um äußere Strukturen und „die Gesellschaft“. Erobere du selbst dir deine Freiheit zurück und lebe.

Freiheit ist das oberste Lebensprinzip. Aber mit Freiheit können nur Menschen umgehen, die in der LIEBE und EINHEIT sind, die klar sehen können, die wirklich innerlich frei sind von allem – von Glauben, von Moralvorstellungen, von Konzepten von „Richtig“ und „Falsch“, von der Zugehörigkeit zu einer spirituellen oder politischen Gruppe, einer Nationalität oder „Rasse“, von Gegenständen und „Krücken“, von der Vergangenheit und der Zukunft. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Fan von Osho bin, und wer meinen Blog verfolgt, ahnt wohl, dass ich in vielen Dingen von ihm inspiriert bin. Was er als Mensch für Schwierigkeiten, Probleme und Eitelkeiten hatte, interessiert mich nicht. Auch er hatte sein Ego, ist sicherlich in verschiedenste Fallen getappt und vermutlich haben sich in seinem Leben wie im Leben jedes Menschen Momente der Klarheit, der tiefen Herzensverbundenheit und Weisheit mit Momenten der Angst und Egozentrik abgewechselt. Wer will ihm das vorwerfen? Muss ein Mensch perfekt sein? Nein, denn wer nach außen hin immer eine perfekte Hülle und stets weiße Weste präsentiert, der ist vermutlich noch tiefer auf dem Holzweg und im Verrat seines eigenen Herzens, als einer der abwechselnd Erleuchteter und  Vollidiot ist. Ich habe diesen Menschen nicht persönlich gekannt, deshalb maße ich mir kein Urteil an, will ihn weder niedermachen noch verteidigen. Ich stehe von meinem Gefühl her auch nicht hinter allem, was er gesagt und gelehrt hat, aber ganz vieles geht mit meiner eigenen Wahrheit in tiefe Resonanz. Und das berührt mich.

Kurzum, was ich an Osho genial finde, ist, dass er den Menschen immer wieder auf sich selbst zurück wirft. Er nimmt dir alle Sicherheiten, er provoziert bis aufs Äußerste und stellt alles in Frage. Er fragt so lange, bis du nichts mehr weißt, er bohrt so lange in deinen Gefühlen, bis du nichts mehr fühlst. Er nährt und verehrt den Zweifel. Zweifel hat in unserem Menschsein und v.a. in spirituellen Glaubensrichtungen und esoterischen Traditionen keinen Platz. Du sollst nicht zweifeln. DOCH, DU SOLLST! Zweifle an allem was dir richtig scheint, an allem was du tust und zu wissen glaubst, an allem was du zu sein scheinst, an allem was du siehst und hörst. Zweifle so lange, bis du an einen Punkt kommst, wo NICHTS mehr ist, wo du dich an nichts mehr klammern kannst. Dann bekommst du eine Ahnung von deinem wahren SELBST, dann erst wirst du langsam immer freier. Wer bist du, wenn du nicht mehr der Ingenieur oder die Lehrerin bist, wer bist du, wenn es keinen Gott gibt, wer bist du, wenn es keine Regeln und Vorschriften mehr gibt, wer bist du ohne deinen Besitz und deine Diplome, wer bist du, wenn du nicht der große Heiler bist, wer bist du, wenn es keine Engel, keine Chakren, keine früheren Inkarnationen, kein Atlantis gibt, wer bist du ohne deine anerzogene Moral, Gebote und Wertvorstellungen, wer bist du, wenn es keine Etiketten und Schubladen mehr gibt, wer bist du, ohne all das vermeintliche Wissen über die Welt, das man dir eingetrichtert hat, wer bist du, wenn man dir deinen Namen, dein schönes Gesicht und deinen Körper nimmt, wer bist du, wenn du von deinem Partner, deinen Eltern oder Kollegen nicht mehr geliebt wirst. Wer bist du, wenn NICHTS mehr ist, was dich und deine Welt definiert und ausmacht? Hab den Mut, deine ganze Welt zum Einsturz zu bringen. Sie ist sowieso nichts als eine Scheinwelt. Du wirst in ein tiefes Loch, in eine tiefe Depression fallen, aber nur indem du dich verlierst, kannst du dich wirklich finden.

Frei kannst du nur werden, wenn du dich von allem frei machst. Gerade von dem, was dir am meisten Sicherheit bietet. Du glaubst an dein angelesenes Wissen? Wirf es weg, es ist nichts wert! Du glaubst an Gott? Er gibt dir Sicherheit, Trost, Führung und Sinn? Dann wirf deinen Gott weg! „Wenn du Buddha triffst, töte ihn“, heißt es in einem Zen-Spruch. Du traust dich nicht – aber du glaubst trotzdem, du seist spirituell??? Glaube ist das Gegenteil von Spiritualität. Spiritualität ist ein anderes Wort für Freiheit. Den Weg der Spiritualität zu gehen, heißt, sich nach und nach von ALLEM frei zu machen und alle Sicherheiten, alles Wissen, allen Glauben, alle Konzepte und alle Hilfsmittel loszulassen. Oh je, und so viele machen genau das Gegenteil, sie beladen sich auf ihrem spirituellen Weg mit immer noch mehr Ballast und Illusion. Dogmen, Regeln und Glaubenslehren (einfach nur die alten eingetauscht gegen neue), spirituelle Namen, übersinnliche „Fähigkeiten“, die einen über andere erheben, Identifikation mit früheren Inkarnationen, Lichtkörper, spirituelle Auszeichnungen und Titel, Hilfsmittel, die Kraft und besondere Autorität verleihen sollen, Konzepte von Richtig und Falsch, Gut und Böse, Gesund und Krank, usw. Du sollst weniger werden, nicht mehr! Du sollst freier werden, nicht noch unfreier! Nackt sein! Die spirituelle Szene ist sehr lustig! Wir sind lustig!

Wir müssen uns wieder trauen, zu zweifeln. Aber das trainieren wir ja schon unseren Kindern ab. Kinder sind wunderbare Lehrer. Warum meinen eigentlich immer die Erwachsenen, sie müssten Kinder erziehen? Umgekehrt sollte es sein, wir sollten uns von unseren Kindern unsere Erziehung wieder wegnehmen lassen und wieder echt und wahrhaftig werden. Unschuldig , rein, lachenden und liebenden und neugierigen Herzens! Und wir sollten ihnen die Freiheit schenken, denkende und fühlende Wesen zu werden statt geprägter und vergewaltigter Roboter. Wachsen lassen, Raum geben zu erblühen, nicht er-ziehen!!! Gab’s da nicht schon mal einen, der gesagt hat, wir sollten wieder werden wie die Kinder, um in den „Himmel“ zu kommen? Er hat nicht gesagt, dass wir die Kinder in unsere Hölle ziehen sollen.  Was heißt „Himmel“? „Himmel“ heißt für mich zu leben, wirklich zu leben, aus dem Herzen heraus zu SEIN. Wer tut das schon? Mir wird immer ganz übel, wenn ich so kleine, zugeschnittene Bonsaibäumchen sehe. Es macht mich traurig, einen großen, freien Baum so beschnitten und in eine rigide Form gezwängt zu sehen. Aber genau das passiert mit uns Menschen. Genauso sind unsere Eltern vergewaltigt worden, genauso haben sie uns vergewaltigt, und genauso vergewaltigen wir unsere Kinder. Wann hat der Wahnsinn ein Ende? Wann dürfen wir unsere Zweige wieder in den Himmel wachsen lassen? Wann dürfen wir wieder sein, so wie wir sind? Oder besser gesagt, wann erlauben wir es uns endlich? WANN WOLLEN WIR FREI SEIN UND UNSERE KINDER ZU FREIEN, GLÜCKLICHEN MENSCHEN AUFWACHSEN LASSEN? Es mag sein, dass du als junger Mensch beschnitten und geformt wurdest. Aber jetzt bist du es selbst, der die Schere ansetzt und sein eigenes Wachstum beschneidet. Wirf Schere und Draht weg, und spreng dein enges Töpfchen, dann wird aus dem Bonsai wieder ein echter, großer, wilder, freier Baum!

Mit ihren „Warums?“ hätten unsere Kinder die Macht, uns zu erlösen und zu erleuchten. Aber wir verbieten ihnen das Fragen, denn wir haben Angst, an den Punkt geführt zu werden, an dem die Beschränktheit, Lächerlichkeit und Unsinnigkeit unserer Regeln, Dogmen und unseres Verhaltens und  vermeintlichen Wissens ans Licht kommen. Wir haben Angst davor, zu sagen, „ich weiß es nicht“, Angst, keine Rechtfertigung für unseren eigenen Blödsinn mehr zu finden. Angst davor, dümmer zu sein, als so ein kleines Kind. Aber es ist leider Fakt: Wir sind dumm! Wir wissen, dass wir selbst uns verloren haben und nur noch dumme, unfreie, nachplappernde, funktionierende, angepasste Marionetten sind. Wir wissen tief drinnen, dass wir unser Leben auf Sand gebaut haben. Und den lassen wir uns nicht gern abgraben. Lieber stürzen wir unsere Kinder in dasselbe Unglück. Warum auch nicht, denken wir uns, solange keiner zu rütteln und zu graben anfängt, lebt es sich im Treibsand doch ganz gut. Und wer hat uns schon versprochen, dass das Leben Freude und Lust ist? Und außerdem haben wir uns doch so viele tolle Sicherheitsnetze aufgebaut, die uns vorm Versinken schützen. Wenn WIR schon nicht leben durften und es uns jetzt wo wir könnten, nicht mehr trauen, dann gönnen wir auch unseren Kindern kein Leben. Wir können richtige Monster sein! Und das alles, weil wir aufgehört haben zu denken und zu fühlen, Dinge selbst zu er-fahren. Weil wir unser Fühlen, unsere Herzenssehnsucht, unsere Talente, unsere Weisheit und Einzigartigkeit verraten haben. Weil wir verlernt haben zu zweifeln. Weil wir gelernt haben, alle Brocken, die uns hingeworfen werden, schön brav zu fressen – egal ob von der Kirche, dem Staat, den Meinungsführern und Autoritäten, der Esoterik, der Wirtschaft, den Medien, den Schulen und Universitäten. Weil wir ETWAS sein wollten, statt einfach zu SEIN. Und weil wir jetzt nicht mehr den Mut haben, alles loszulassen, was wir uns in dieser Scheinwelt so hart erarbeitet haben und was uns Sicherheit und Identität und Anerkennung gibt. Weil wir nicht mehr den Mut haben, an unserem Leben und Denken und Glauben zu zweifeln. Weil wir nicht mehr den Mut haben, dieses Haus auf Sand zum Einsturz zu bringen. Weil wir uns nicht trauen, frei zu sein.

„Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“, hat Albert Einstein gesagt. Es wird Zeit, unseren bequemen, warmen Pelz abzustreifen und aus der Herde auszubrechen!!! Oder ziehst du die Sicherheit deiner Schafherde vor? Dann beklag dich aber nicht übers Schafsein…

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Zur Zeit bereite ich ein Paarseminar mit dem Titel „Lass uns einfach unbeschreiblich glücklich sein“ vor. Entsprechend beschäftige ich mich gerade viel mit den Themen Partnerschaft, Liebe und Sex. Was ist die Basis einer Liebesbeziehung in den Zeiten des Bewusstseinswandels? Sind Zweierbeziehungen überhaupt noch zeitgemäß oder geht es vielleicht ausschließlich um die Entwicklung einer universellen, bedingungslosen Liebe zu allen Wesen? Was gehört zu einer erfüllenden Sexualität? Gibt es so etwas wie die ewige, große Liebe?

Vielleicht erst mal zur letzten Frage, die für mich persönlich am einfachsten zu beantworten ist. Viele Menschen warten ihr ganzes Leben lang auf die große Liebe, in der Annahme, das sei etwas, was von außen kommt. DER Mr. Right oder DIE perfekte Traumfrau. Dabei ist es ausschließlich eine Frage deines Herzens, wie „groß“ du lieben kannst. Ich bin überzeugt davon, dass jede Begegnung zwischen zwei Menschen, die sich verlieben, etwas heiliges ist. Sich lieben heißt, sich wieder erkennen. Etwas in mir erinnert sich an etwas in dir (vgl. John O’Donohue, „Anam Cara – Das Buch der keltischen Weisheit“). Wo zwei Herzen für einander entbrennen, entsteht ein neues Herz, ein heiliges Band zwischen zwei Menschen, die fortan geführt sind von einer höheren Macht. So gesehen ist für mich jede Liebe eine große Liebe, wenn ich es zulasse, mein Herz ganz zu öffnen und mich vollkommen zu verströmen. Ein bisschen lieben geht genauso wenig, wie ein bisschen schwanger zu sein. Wer seine Liebe zurück hält und „dosiert“, liebt nicht. Er betrügt sich selbst und den Partner. Die große Liebe ist also nur eine Frage deines eigenen großen Herzens und hat nichts mit dem „perfekten“ Partner zu tun. Und genauso ist in jeder Liebe der Keim der Ewigkeit enthalten. Macht es überhaupt einen Sinn, mit einem Menschen zusammen zu sein, mit dem ich nicht auf ewig in partnerschaftlicher Liebe verbunden sein will? Ich spreche hier nicht von äußeren Versprechungen und Gelübden, die vielmehr fesseln, statt frei zu machen. Ich meine auch hier das Gefühl von Ewigkeit im Inneren. Für die Liebe existiert keine Zeit. Es geht darum, wirklich mit dem Geliebten verbunden zu sein, nicht im Rad der Vergangenheit und Zukunft, sondern in der Ewigkeit des Moments. Es ist sozusagen die Verpflichtung, den Partner jedesmal wieder mit neuen Augen zu sehen, mit den Augen der Liebe, und wirklich präsent zu sein. Wir meinen, alles zu kennen, weil wir es mit unseren alten Augen betrachten. Dann wird das Wundervollste zur Selbstverständlichkeit, es langweilt uns, wir suchen nach neuen Reizen. Dabei gibt es nichts Altes, nichts Vertrautes, alles entsteht in jedem Moment neu. Du bist jetzt nicht mehr der, der du gestern warst. Aber ich betrachte dich mit den Augen von gestern, weil ich nicht wach bin, nicht im Jetzt bin, gar nicht anwesend, nicht wirklich bei dir bin. Die Augen von gestern sind nicht die Augen der Liebe, sie töten die Lebendigkeit. Ewigkeit bedeutet im Jetzt sein, immer wieder neu sein – und wenn du deinen Partner jetzt vollkommen liebst, wie sollte diese Verbundenheit jemals enden können? In einer Liebesbeziehung ans Ende zu denken und mit dem Ende zu planen, ist pervers. Das heißt, dass du nicht liebst, weil du nicht im Jetzt bist, weil du dich nicht fallen lässt in dein Herz. So kannst du die ewige, echte Liebe nie finden.

Und was ist mit Sexualität, kann die überhaupt in einer partnerschaftlichen Beziehung auf Dauer erfüllend und befriedigend sein? Auch hier kommt es meiner Meinung nach allein darauf an, mit welcher inneren Einstellung du deinem Partner begegnest. Es ist schon seltsam… in allen Bereichen des Lebens entwickeln wir uns irgendwie weiter, aber was den Sex betrifft, bleiben die meisten Menschen auf dem Stand eines Jugendlichen stehen. Wenn du heute mit 35, 40, 50 Jahren noch den gleichen Sex hast wie mit 20, dann stimmt etwas nicht. Das wonach wir eigentlich im Sex suchen, ist die Erfahrung, mit einem geliebten Menschen zu verschmelzen. Die Erfahrung von Einheit, von der Aufhebung der Polaritäten. Wenn wir verschmelzen, dann gibt es kein männlich und weiblich mehr, kein positiv und negativ, kein Ich und Du. Wir werden eins, und für einen kurzen Augenblick verpufft unser Ego, wir lösen uns einfach auf. Sexualität ist eigentlich eine mystische Erfahrung. Komisch, dass das selbst vielen spirituellen Menschen nicht bewusst ist, wo doch Sex und Liebe einer der einfachsten Wege zur Erleuchtung wären. Aber aus Angst vor der vollkommenen Hingabe und dem Verlust des Ego, haben wir sie zu einer rein körperlichen Erfahrung verkommen lassen – verklemmt, tabuisiert, unbewusst, angstbehaftet und leistungsorientiert. Auch hier, wie in den meisten Bereichen des Lebens, geht es nicht ums Sein, ums Sich-verströmen, sondern darum, etwas zu leisten, zu kontrollieren, zu gefallen und Erwartungen zu erfüllen. Dementsprechend sind die meisten Männer und Frauen im Genitalbereich total verpanzert und gefühllos. Eine tiefe, entspannte, sinnliche Empfindung ist hier für die meisten Menschen fast nicht mehr möglich. Es bedarf großer Achtsamkeit, Geduld und liebevoller Zuwendung um diese Verpanzerungen gemeinsam zu heilen.

Wir suchen also unbewusst im Sex eine tiefe, spirituelle Erfahrung von Einheit und Verschmelzung, bleiben aber in der Realität total an der Oberfläche einer rein körperlichen Spannungsentladung stecken. Was passiert? In letzter Konsequenz bleibt der Sex immer unbefriedigend und wir suchen beim nächsten Partner weiter, wissen aber gar nicht, wonach. In der Regel sind wir im Sex überhaupt nicht präsent und bewusst. Alles läuft mechanisch, nach „Schema F“, so wie schon all die Jahre zuvor. Wir spüren uns nicht mehr und wir spüren unseren Partner nicht mehr. Wir sind angespannt und brauchen immer stärkere körperliche und visuelle Reize, um überhaupt noch etwas zu fühlen. Wir driften in Fantasien ab, um unsere Leistung besser abrufen zu können, und entfernen uns dadurch immer noch mehr von uns selbst, vom Partner und von einer sinnlichen, ganzkörperlichen, ekstatischen Erfahrung. Denn diese ist nur in der Hingabe, im Loslassen, in der Entspannung möglich.

Und wie schon im vorherigen Abschnitt erläutert, sind auch in der sexuellen Begegnung unsere Augen blind geworden, wir sehen nicht mehr mit den Augen der Liebe, sondern mit den alten Augen. Wir sehen nicht mehr den einzigartigen Menschen vor uns, sondern einen Mann oder eine Frau, wie wir schon viele zuvor hatten, und den wir im Speziellen schon meinen in- und auswendig zu kennen. Im Tantra beginnt die sexuelle Begegnung mit dem „Namasté“-Gruß: „Das Göttliche in mir grüßt und verehrt das Göttliche in dir“. Verbunden ist dieser Gruß mit einer Verneigung vor dem anderen und einem tiefen, liebevollen Blick in die Augen – ein Blick, der nicht an der Oberfläche verhaftet bleibt, sondern die Seele des anderen berührt. Ein schönes Ritual, das den Sinn hat, ganz im Jetzt anzukommen, das Liebesspiel bewusst zu gestalten, sich Zeit füreinander zu nehmen und den anderen wirklich in seiner Einzigartigkeit und Göttlichkeit wahr zu nehmen. Nur wenn wir Seele und Körper auch im Sex als eine Einheit erleben, ist Ekstase und echte Liebe möglich. In der sexuellen Begegnung betreten wir die heilige Welt eines anderen Menschen, sind ihm näher als wir jemals einem Wesen außer uns sein können – und das völlig unbewusst! Was für ein Jammer, wir sind dem Göttlichen so nah und doch so fern! Wenn Sex für euch also weiterhin eine rein körperliche Angelegenheit bleibt, dann wird es vermutlich nicht lange dauern, bis ihr einander überdrüssig seid. Wenn ihr aber den Mut habt, das Altbekannte loszulassen und euch in einer neuen, bewussten Art und Weise zu begegnen, dann muss der Sex in einer Liebesbeziehung immer schöner und erfüllender werden, denn ihr geht einen abenteuerlichen Weg miteinander, der euch euch selbst und dem Partner immer näher bringt. Ihr beginnt, tatsächlich in das Mysterium der Liebe einzutauchen. Fangt an, euch im Sex wirklich zu begegnen, nehmt euch Zeit, verabredet euch – frei von Druck und absichtslos – zu zärtlichen Stunden, erkennt euch in eurer Liebe, seht euch als die, die ihr seid, lasst euer Herz, eure Seele und euren Körper sich vereinen, seid fantasievoll, kreativ und lustvoll, seid neugierig, wach und verspielt, lacht und tanzt und berührt euch in der Tiefe eures Seins! Lasst euch fallen – ihr fallt weich, denn ihr fallt in die Arme der Liebe!

Aber sind Zweierbeziehungen überhaupt noch zeitgemäß oder geht es vielleicht viel eher um die Entwicklung einer universellen, bedingungslosen Liebe zu allen Wesen? Natürlich gibt es einen großen Unterschied zwischen der partnerschaftlichen Liebe und der bedingungslosen Liebe. Die partnerschaftliche Liebe ist „nur“ ein Gefühl, die bedingungslose Liebe dagegen ist unser natürlicher Seinszustand, die Quelle, aus der wir kommen. Aber das Gefühl der Liebe für deinen Herzens- und Seelenpartner ist der Wegweiser zum unendlichen Ozean der Liebe in dir. Wie sonst willst du zum Ozean gelangen, wenn du nicht einmal den Mut hast, dich in den Fluss zu stürzen? Wie willst du in den heiligen Raum deines Herzens vordringen, wenn du nicht einmal die Tür zum Vorhof öffnest? Wenn wir wirklich lieben, sind wir ganz im Jetzt, und wir sind gleichzeitig in uns und im anderen. Solch eine Erfahrung ermöglicht uns nur die Liebe. Sie gibt uns eine Ahnung davon, wer wir in unserer tiefsten Essenz sind. Wenn du die bedingungslose Liebe, die du bist, kennen lernen willst, dann darfst du keine Angst vor Gefühlen haben. Nur über das Fühlen gelangst du in den Raum jenseits des Fühlens. Wenn du einen Menschen gefunden hast, der dich liebt, und den du lieben darfst, dann feiere ein Fest – jeden Tag! Es ist ein Geschenk des Himmels, der dich willkommen heißen will. Nimm es dankbar an, du bist gesegnet!

Was gehört überhaupt zu einer guten Liebesbeziehung? Der tiefste Wunsch der menschlichen Seele ist es, gesehen zu werden. Wir sehnen uns nach einem Partner, der uns mit seiner Liebe die Sicherheit gibt, uns völlig öffnen und in unserem So-Sein zeigen zu können – ohne jegliche Masken, Rollen und Verstellungen. Einfach SEIN zu dürfen! Und gleichzeitig wünschen wir uns, uns im geliebten Menschen selbst erkennen zu können. In unserer Gesamtheit können wir uns selbst nicht sehen, wir haben einen „blinden Fleck“ auf unserer Seele, der sich unserem eigenen Licht entzieht. Wer wäre besser dazu geeignet, uns einen Spiegel vorzuhalten, als der Mensch, der uns am meisten liebt? Der Partner, der dich wirklich liebt, hält dir den Spiegel auf andere Art und Weise vor als jeder andere Mensch. Durch seine Liebe und Akzeptanz gibt er dir die Möglichkeit, deine Verletzungen und Schatten zu heilen, statt in Widerstand und Abwehr zu gehen. Allerdings geht es nicht, ohne dass du deinem Geliebten vertraust und dein Herz für das Licht seiner Liebe öffnest. Und auf der anderen Seite kommt es auch hier wieder darauf an, mit welchen Augen du deinen Partner betrachtest. Mit den leuchtenden Augen der Liebe oder durch den trüben Schleier der Vergangenheit und des Urteilens. Sei dir bewusst: Du kannst etwas nur mit den Augen der Liebe sehen, oder du siehst es überhaupt nicht!

Ein weiterer, wichtiger Aspekt einer heiligen Partnerschaft ist es, sich mit einem anderen Menschen auf einer tiefen Ebene zu verbinden und trotzdem seine Eigenständigkeit und Einzigartigkeit zu bewahren. Nur ein Mensch, der mit sich selbst im Reinen ist und es gut mit sich selbst aushält, hat auch wirklich etwas zu geben. So kommen zwei zusammen, weil es gemeinsam noch schöner ist, und sie ihre Fülle teilen wollen, und nicht, weil sie sich brauchen und ihnen ohne den anderen etwas fehlt. Im Idealfall wird aus zwei glücklichen, authentischen, lebensfrohen, offenen Menschen ein glückliches, authentisches, lebensfrohes Paar. Wenn du dir also eine erfüllte Partnerschaft wünschst, dann frage dich immer wieder, was du selbst dir noch geben darfst, um glücklich, lebendig und zufrieden zu sein. Und wenn dein Herz voll ist, dann reiß es auf und teile! Einen Menschen zu lieben bedeutet, mutig sein eigenes Potenzial zu entfalten und ebenso dem Partner die Freiheit und Unterstützung zu geben, der Beste zu sein, der er sein kann. Ihr geht beide euren eigenen Weg der Ganzwerdung und reicht euch liebevoll die Hände ohne einander die Verantwortung abzunehmen. Ihr pflegt gemeinsame Visionen und Träume für euch als Paar, genauso wie jeder einzelne seine eigenen inneren und äußeren Ziele verfolgen darf. Eine heilige Partnerschaft heißt nicht „Wir gegen den Rest der Welt“, sondern „Wir beide, in der großen Kraft unserer gemeinsamen Liebe vereint, für die Liebe in der ganzen Welt und zum Segen für alle lebenden Wesen.“

Eines der wertvollsten Geschenke, das wir unserer Liebe machen können, ist Aufmerksamkeit. Eine Pflanze, der du kein Wasser und keinen Dünger mehr gibst, verkümmert. Und so verkümmert auch das Herz eines Menschen, der nicht mehr gesehen wird. Wenn du etwas am Leben halten willst, musst du etwas dafür tun! Ein Feuer, um das du dich nicht kümmerst, dem du nicht permanent Luft zufächelst und Holz nachlegst, erlischt irgendwann. Für manche Menschen stellt es offenbar eine Bürde und unzumutbare Belastung dar, ihrem Partner Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken. Kann das dann wirklich Liebe sein? Wer liebt, für den ist es die größte Freude, sich selbst zu verschenken, den Geliebten zu überraschen, aufmerksam und wach zu sein, gemeinsame, intensive Zeiten des Glücks und der Ausgelassenheit zu verbringen, Sinnlichkeit, Zärtlichkeit und Nähe zu teilen, Worte der Liebe zu finden, um das Unsagbare irgendwie auszudrücken, kurz: Herzensenergie fließen zu lassen. Es ist ein heiliges Gebot der Achtsamkeit, der Ehrfurcht und Bewusstheit gegenüber der Liebe, die einen umgibt. Wenn zwei liebende, offene Herzen zusammen kommen, für die es jeweils die größte Freude ist, aus der eigenen Fülle heraus alles zu geben, dann entfaltet sich ein gemeinsames Leben in Reichtum und Segen. Wenn aber einer nur gibt, und der andere nur nimmt, und noch nicht einmal die Geschenke der Liebe wertschätzen und sich daran freuen kann, dann muss die Beziehung zerbrechen. Frage dich nicht, wozu der andere dir nützlich sein kann und was er dir geben kann, sondern frage dich: was kann ich meinem Geliebten geben? Entdecke die Fülle in deinem Herzen und lass sie fließen. Sei nicht geizig! Du verlierst dadurch nichts, sondern gewinnst alles. Je mehr du gibst, umso reicher wirst du und gleichzeitig freier! Die Liebe macht dich frei. Wir begegnen uns nicht als Bedürftige und Abhängige, sondern in echter Nähe, Zugewandtheit und Bewusstheit. Es geht nicht darum, einen Partner zu haben, sondern sich selbst als liebender Partner zu verschenken.

Letztlich ist die Liebe nur möglich, wenn wir wirklich leben. Beachte die Verwandtschaft der Worte „Lieben“ und „Leben“. Im Spanischen schreibt man am Anfang eines Rufsatzes das Ausrufezeichen auf dem Kopf stehend. „Lieben“ ist demnach „Leben“ mit Ausrufezeichen „¡“!, oder die „Liebe“ ist das „i-Tüpfelchen“ im „Leben“. Der Klang „i“ aktiviert das Stirnchakra oder Dritte Auge. Also könnte man auch sagen, „Lieben“ bedeutet „Leben“ mit voller Bewusstheit, Klarheit und offenen Sinnen, die Welt mit dem „einen Auge“ zu sehen, also als Einheit, nicht in der Dualität, zu verschmelzen vom Ich und Du zum Wir. Die Fähigkeit zu lieben hängt ganz entscheidend von unserer Hingabe ans Leben ab. Wenn du dich nicht betören lässt vom bunten Reichtum der Schöpfung, wie soll ein Mensch in seiner Schönheit dein Herz berühren? Wenn du dich nicht mehr begeistern lässt von den unendlichen Möglichkeiten, die das Leben dir bietet, wie kannst du die Seele eines Menschen in seiner unendlichen Tiefe ehrfürchtig erfahren? Wenn du dich nicht verführen lässt vom Prickeln der Schneeflocken auf deiner Wange, wie kannst du sanfte Zärtlichkeit genießen? Wenn du nicht weinen kannst angesichts des Leids in der Welt, wie können Worte der Liebe dein Herz erreichen? Wenn du nicht lachen kannst ohne Grund, wie solltest du ohne Grund lieben können? Und wenn du nicht niederknien kannst vor dem Geringsten, wie kannst du je die Liebe in ihrer Größe erkennen, wenn sie an der Tür deines Herzens anklopft? Ohne das Leben zu lieben kannst du die Liebe nicht leben, und ohne die Liebe zu leben, kannst du das Leben nicht lieben. Liebe ist pure Freude, Leichtigkeit, Lachen, Lust, Lebendigkeit. Lass es nicht zu, dich mit weniger zufrieden zu geben! Du hast es verdient, zu leben, zu lieben und geliebt zu werden!

Liebe das Leben und lebe die Liebe!

 

P.S. Puh, das ist aber heute ein ganz schön langer Blogtext geworden… 😉 Hat irgend jemand ihn bis zu Ende gelesen? Und ich hätte noch so viel mehr dazu sagen können ;-)… So ist das mit der Liebe – man kann tausendseitige Abhandlungen über sie schreiben, und gleichzeit ist eigentlich jedes Wort zu viel. Denn du kannst sie nur fühlen und erfahren, die Liebe. Wenn wir wirklich verstehen würden, hätten auch zwei Worte gereicht: „Liebe ist!“

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Wer mehr Bewusstheit, Licht und Liebe in sein Leben bringen will, wird unweigerlich mit seinen Schatten konfrontiert. Das erwachende Bewusstsein ist wie ein Scheinwerferlicht, das das Dunkel in uns gnadenlos ins Blickfeld rückt und an die Oberfläche holt. Das macht oft Angst. Wir wollen den Weg des Lichts und der Liebe gehen, und statt dessen scheint es so, als würde das Schlimmste und Widerlichste in uns wachgerufen. Doch genau dies ist die Chance, die die Liebe uns bietet. Sie bringt ins Bewusstsein, was noch der Heilung in uns bedarf: Neid, Hass, Eifersucht, Geiz, Wut, Gier, Gewalt, Verurteilung, usw. Der höchste Zweck der Liebe ist es, zu integrieren, ganz zu machen, sich selbst zu erkennen. Erst wenn wir den Mut haben, die Schatten in uns anzuerkennen und in Liebe anzunehmen, dann verlieren sie ihre Macht über uns. Sie sind (nur) ein Teil von uns. Und sie sind der Teil von uns, der nicht in der Liebe ist. Wir können sie nur heilen, indem wir sie mit den Augen der Liebe erfassen. Sie entstammen unserer Identifikation mit der Materie, und nicht unserem heiligen, göttlichen Selbst.

Da wir gewählt haben, uns als geistige Wesen in der Welt der Materie und der Polarität zu erfahren, tragen wir alle einen Teil in uns, der die Nicht-Liebe ist. Es ist das Kleid des Vergessens, des Ego und der Angst, das sich über unsere lichtvolle Seele gelegt hat. Ein Kleid, gewoben aus Erfahrungen des Leids und der Getrenntheit, die wir in diesem und in vergangenen Leben gesammelt haben.

Viele spirituell Suchende begehen den Fehler, ihr ganzes Sein in ein rosarotes Wölkchen von Licht und Liebe zu hüllen. Unter der Oberfläche aber brodelt es gewaltig. Wer nicht der Lieblosigkeit in sich selbst ins Auge geschaut hat – und immer wieder schaut -, kann nie wirklich frei werden. Wer nicht JA gesagt hat zu seinen niedersten Gefühlen und sie in Liebe heilt, wird nie ganz und in der Einheit sein. Die Liebe lässt sich nur erfahren, indem wir die Nicht-Liebe anerkennen – beides sind die zwei Seiten ein und derselben Medaille. Wenn du das eine leugnest und ablehnst, lehnst du auch das andere ab.

In meiner Praxis erlebe ich es oft, dass Menschen wahnsinnige Angst davor haben, ihre Schatten anzuschauen. Warum sollten sie sich mit diesem Gefühl verbinden, das sie doch so verabscheuen und einfach nur loswerden wollen? Und dann noch in Liebe annehmen? Wie soll das denn gehen? Das „Böse“ und „Schlechte“, das ich in anderen so gern verurteile, in mir selbst zu finden, hat etwas sehr schmerzliches an sich – aber es ist der Weg in die Heilung; der einzige!

Vielleicht hilft es dir bei der Auseinandersetzung mit deiner Dunkelheit, dir bewusst zu machen, dass es sich bei deinen Schatten eben nicht um etwas immanent Böses, Schlechtes handelt, sondern um Verletzungen deiner Seele. Stell dir einen verwundeten Wolf vor, der  blutend, geschwächt und ängstlich durch den Wald streift. Sobald sich ein anderes Tier oder ein Mensch nähert, wird dieser Wolf anfangen die Zähne zu fletschen, zu knurren, aggressiv zu werden und um sich zu beißen. Er tut das nicht, weil er aus sich selbst heraus böse ist, sondern weil er verletzt ist und Angst hat. Er hat Angst davor, das andere Tier könnte seine Verletzung erkennen, ihn angreifen oder gar töten. Genauso tun wir es auch. Wir sind alle zutiefst verletzte Wesen, die aus Schutz vor weiteren Angriffen blind um sich schlagen. Laß dein Mitgefühl fließen und erkenne, dass dein Neid, deine Verurteilungen, dein Hass, dein Geiz nur Reaktionen auf die Verletzungen deiner Seele sind, und deiner Angst und deiner Illusion der Getrenntheit entspringen. Nimm dir Zeit, deine Verletzungen anzuschauen. Oder suche dir einen Begleiter, der sich deinen Wunden in Liebe zuwendet und dir hilft, dein Herz für Erkenntnis, Annahme und (Selbst-)Vergebung zu öffnen.

Solange wir Anstoß nehmen an bestimmten Verhaltensweisen unserer Mitmenschen, haben wir den entsprechenden Schatten in uns selbst noch nicht geheilt. Alles, womit wir im Außen im Unfrieden sind, ist in uns selbst noch im Unfrieden. Schäme dich nicht für das Dunkle in dir. Es ist in allen von uns. Heil werden und das Dunkel transformieren kann aber nur derjenige, der sich ihm ehrlich und mutig zuwendet und es annimmt. Die Liebe ist das Licht, das dir dabei den Weg durch die Dunkelheit weist.

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