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Die Weisheit spricht nicht immer aus dem Kopf und auch nicht immer aus dem Herzen. Manchmal lässt sie ihre Stimme aus dem Bauch heraus erbeben – bei uns Frauen zumindest. Denn im Bauch liegt unser Kraftzentrum: Über die Gebärmutter sind wir mit dem Herzschlag von Mutter Erde verbunden und aus diesem Zentrum heraus gebären wir in jedem Augenblick das Universum. Wir sind im Bauch der großen Göttin und die große Göttin ist in uns.

Vom Bauch ausgehend beginnt das weibliche Erwachen. Die Religionen und esoterischen Wege, die heute überwiegend praktiziert werden, sind sehr stark männlich geprägt: Körperlichkeit, Sinnlichkeit und Sexualität – urweibliche Kräfte – werden dabei oft tabuisiert und müssen überwunden werden, um zur Erleuchtung zu gelangen. Der Weg des Erwachens spielt sich fast ausnahmslos in den oberen Chakren und den Verstandeswelten ab: Es geht um das Studium spiritueller Texte, Geistesschulung, komplexe Weltanschauungen, Meditation, Auslöschung des Egos, „harte Arbeit“ an sich selbst, Erlangung übernatürlicher Kräfte, sowie Rückzug aus dem weltlichen Leben.

Der weibliche Weg ist seit Urzeiten genau entgegengesetzt: In inniger Verbindung zu Mutter Erde, ist es ein Weg der Einfachheit und Hingabe, der den Körper, das Leben und die Lebendigkeit preist, die sexuelle Vereinigung als mystische, schöpferische Erfahrung verehrt, und tief verwurzelt ist mit den Kräften der Natur.

Beide – der männliche und der weibliche Zugang – müssen kein Gegensatz sein, sondern dürfen sich wechselseitig durchlichten und in einander übergehen. Es gibt keine Wertung. Beides sind einfach unterschiedliche Pfade zur Wahrheit. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass die spirituellen Wege des Erwachens, die wir bis heute kennen und überwiegend praktizieren, nur für wenige Menschen wirklich in die Freiheit führen. Sobald auch nur eine einzige menschliche Erfahrung ausgeschlossen wird, kann der Weg niemals in die Ganzheit führen. Und sobald dem unbeschreiblichen Mysterium des Lebens auch nur ein einziges Konzept aufgezwungen wird, kann er niemals frei machen.

Die Zeit ist reif, um die „Energien der Göttin“ wieder in die Welt zu holen und damit dem weiblichen Prinzip die Tore zu öffnen – zum Wohle aller Geschöpfe und des Überlebens unserer Mutter Erde. Der weibliche Weg ist zutiefst lebensbejahend und mit den Rhythmen des Lebens verwoben, und kann auch die erreichen, die bisher keinen Zugang zu ihrer Spiritualität hatten. Er basiert auf der Hingabe, der urweiblichsten Qualität schlechthin. Schon allein der Klang dieses Wortes bringt alles Erstarrte wieder in Fluss und lässt alle Anspannung abfallen. Wie sehr ich dieses Wort liebe! Es ähnelt dem Loslassen, geht aber sooo viel tiefer. Loslassen hat immer noch eine aktive Komponente, und es schwingt noch ein letztes Fünkchen an Kontrolle mit, während die Hingabe um so viel radikaler und reiner, und ganz und gar passiv ist.

Hingabe hat für mich drei wesentliche Merkmale:

– Sich dem Mysterium des Lebens ergeben
Viele spirituell Suchende sehnen sich nach dem Besonderen und vergessen darüber, wie Besonders das Leben selbst ist. Wir verpassen das Leben, wenn wir nach etwas suchen, das noch großartiger sein sollte. Es gibt nichts „Besondereres“ als das Leben! Und das Leben ist und bleibt ein großes Geheimnis. Die weibliche Spiritualität sucht nicht danach, das Mysterium zu enträtseln und damit zu trivialisieren. Sie weiß, dass es auf das Mysterium keine letztgültigen Antworten gibt. Daher verehrt das göttlich Weibliche die Frage und gibt sich der puren Erfahrung hin, statt nach Antworten, Erklärungen und Konzepten im Außen zu suchen.

– Sich öffnen und verschmelzen
Der weibliche spirituelle Weg trachtet nicht danach, alles vom Verstand her zu analysieren und intellektuell zu begreifen. Der Suchende in seiner Hingabe verbindet sich auf der Herzensebene mit allem was existiert in tiefer Liebe, und wird dadurch des Wesens aller Dinge und seiner Selbst gewahr. Er muss es nicht verstehen, es reicht, es zu lieben! Je mehr Liebe praktiziert wird, umso leichter dehnt diese sich auf alles aus, was existiert, ohne Ausnahme. Wir verehren die bunte Vielfalt, in der sich das Leben individuell ausdrückt und erleben gleichzeitig in tiefer Verschmelzung die Einheit allen Seins und transzendieren damit die Dualität.

– Sich in Gleichgültigkeit üben
Hingabe drückt sich in einem wahrhaftig und tief empfundenen JA zu allem was ist, aus. Jegliches Urteilen entfällt. Es gibt kein „gut“ und „böse“ mehr, kein „ich will“ und „ich will nicht“. Indem aller Widerstand und alle Anhaftung gleichermaßen wegfallen, fließen wir in Anmut und Leichtigkeit mit dem Leben. Es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft, nur den gegenwärtigen Moment. Wir erleben ihn wach und mit allen Sinnen, wir lassen uns berühren und schwingen mit. Was auch immer geschieht, alles ist gleich-gültig.

Ein Bild, das sich mit meiner Vorstellung vom weiblichen spirituellen Weg deckt, ist die Konversation zwischen Devi (dem göttlich Weiblichen) und Shiva (dem göttlich Männlichen) im „Vigyan Bhairav Tantra“ (zu Deutsch: „die Technik, über das gewöhnliche Bewusstsein hinaus zu gelangen“), einer viele tausend Jahre alten tantrischen Schrift, die Osho in dem Werk „Das Buch der Geheimnisse“ interpretiert hat. Alle tantrischen Sutras basieren auf dem Dialog zwischen Devi und Shiva. Devi fragt und Shiva antwortet. Doch zwischen beiden herrscht keine Schüler-Lehrer Beziehung, sondern es ist ein Dialog zwischen zwei Liebenden. Wahre Erkenntnis ist nicht möglich ohne Liebe, ohne Einssein mit dem Objekt, das man erfassen möchte. Du musst zu einem Liebenden werden, damit sich das Höchste durch dich ausdrücken kann. Das ist das weibliche Wesen der Spiritualität!

Das wahrhaft Besondere an dem Dialog der beiden Liebenden aber ist die Tatsache, dass Shiva keine konkrete Antwort gibt, und dennoch antwortet. Er überbringt Devi als Antwort eine Technik, die ihr die Erfahrung des Transzendenten ermöglicht und sie die Antwort in sich selbst finden lässt. Genauso funktioniert die „weibliche Spiritualität“: Devi öffnet sich in vollkommener Hingabe und Liebe. Sie ist erfüllt von dem aufrichtigen Wunsch, das Leben in seiner Ganzheit zu er-fahren und öffnet ihr leeres Gefäß. Indem sie sich einer konkreten Frage hingibt, stellt sie der grenzenlosen Existenz einen Kanal zur Verfügung, sich ihr zu offenbaren und ihr ganzes Wesen zu durchdringen. Sie erwartet keine oberflächliche Antwort oder intellektuelle Erklärung, sondern wird eins mit dem Bewusstsein (Shiva) und gelangt zu Erkenntnis durch Erfahrung. Devi ist der bereitete, fruchtbare Boden und Shiva ist das Samenkorn.

Die Hingabe als Ausdruck der weiblichen Kraft ist energetisch mit dem Sakral- oder Svadhisthana-Chakra verbunden. Das Sakralchakra hat eine ganz klar weibliche Schwingung (im Gegensatz zum Wurzelchakra, das eine männliche Energie besitzt). Dieses Chakra ist das Reservoir unserer sexuellen Energie, unserer Kreativität, feurigen Begeisterung und Sinnlichkeit. Der körperlich-sinnliche Ausdruck, das Erträumen und kreative Erschaffen, Lebensfreude, Genuss, Tanz, Musik, Poesie, das Fördern und Nähren alles Lebendigen und Lebensspendenden sind für eine Frau (und natürlich auch für die Shaktikraft im Mann!) existenziell. Und sie können unser Vehikel ins Erwachen und in ein Leben in Gesundheit, Liebe und Freude sein. Wir machen diese menschliche Erfahrung nicht, um das Menschliche zu verleugnen, zu erniedrigen, und in geistige Welten abzudriften. Wir sind hier, um das Leben zu feiern und uns mit jeder Faser unseres Seins ins Abenteuer zu stürzen. Wir sind hier, um die gesamte Schöpfung in unser Herz und unseren Bauch zu nehmen und zu lieben wie unser eigenes Kind.

Die weibliche Shaktienergie im Körper wird oft als Kundalini bezeichnet. Sie repräsentiert die Sexual- und Lebenskraft schlechthin und wird traditionell als zusammengerollte Schlange dargestellt, die ihren Sitz am unteren Ende der Wirbelsäule hat. Laut yogischer Lehren soll die Kundalinienergie im Zuge des spirituellen Erwachens erweckt und mithilfe bestimmter Übungen und Atemtechniken nach oben gelenkt werden, um die sexuelle Energie zu transzendieren und sich mit dem reinen Bewusstsein zu verbinden. Nachdem ich intensiv in die Thematik eingetaucht bin, zeigt sich mir die Sache allerdings anders. Es kann für mich nicht darum gehen, diese Kraft nach oben zu lenken. Eine weibliche Energie bewegt sich nicht, steigt schon gar nicht auf. Sie kann sich nur öffnen oder verschließen. Welche Intention dahinter steckt, eine weibliche Energie aufsteigen zu lassen, darüber will ich nicht spekulieren. Vielleicht ist es einfach nur der alte alchemistische Traum, das sogenannte Unedle in Edles zu verwandeln.

Aber eines ist für mich klar: es sind männliche Yang-Energien, die sich bewegen, die auf- oder auch absteigen, aber niemals eine Shaktikraft. Das widerspricht vollkommen dem Wesen des Weiblichen. So geht es für mich bei der Erweckung der weiblichen Kraft einfach nur darum, sie zu öffnen, damit die männliche Energie absteigen und sie „befruchten“ kann. Das ist dann Verschmelzung, Einheit, Erwachen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich gleich mit einem anderen Missverständnis (für mich!) aufräumen: Wir beziffern die Chakren von unten nach oben, also das Wurzelchakra als erstes und das Kronenchakra als siebtes Chakra. Auch dieses energetische Konzept soll möglichweise vermitteln, dass der Körper, dass Lebendigkeit, dass Sinnlichkeit etwas Niederes ist, und dass das Menschsein überwunden werden und die Materie in geistige Energie umgewandelt werden muss. Aber ist es nicht vielmehr so, dass wir geistige Energie sind, die sich in das Körperliche hinein manifestiert? So wie ich es sehe, geht es auf dem spirituellen Weg darum, das reine Bewusstsein vollkommen in die Körperlichkeit einsinken zu lassen. Unser Denken, unser Fühlen und unser Tun mit reinem Bewusstsein zu durchdringen und damit die Göttlichkeit in die weltliche Erfahrung zu bringen. Somit fließt in diesem Fall die Energie von oben nach unten. Und da haben wir wieder das Bild von Devi, die ihren Weltenschoß (Kundalini) voller Hingabe öffnet um sich vom Bewusstsein (Shiva) durchdringen zu lassen und zur vollkommenen Erkenntnis zu gelangen.

Letztendlich – das ist mir natürlich sehr bewusst – ist auch die Lehre der Chakren und der Kundalini nichts weiter als ein Konzept. Und auch dieses, wie alle Konzepte, dürfen wir getrost loslassen. Es gibt keine Notwendigkeit, darüber zu streiten oder die Theorien allzu ernst zu nehmen. Für unser Leben hat es nicht wirklich Relevanz, wie viele Chakren es gibt, welchen Charakter die Kundalini Energie hat oder welche Energien wohin fließen. Alles was wirklich relevant ist, können wir mit unseren Sinnen wahrnehmen. Das was wir sehen, hören, spüren, riechen, schmecken, was uns die Natur in ihrem ewigen Kreislauf spiegelt, beinhaltet alles was wir wissen müssen. Jeder einzelne Augenblick trägt alles in sich. Und in jedem Augenblick entscheiden wir neu, ob wir wach sind oder im Tiefschlaf. Fest steht: je mehr wir uns mit Analysieren beschäftigen und Konzepten nachhängen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir nicht wach sind.

Der weibliche spirituelle Weg ist ein Weg der Freude, der Liebe, der Leichtigkeit und der wachen Präsenz im Körper. Wir müssen nicht ewig an uns arbeiten, uns verbessern und „ver-feinstofflichen“. Menschsein ist etwas Heiliges und kein Verbrechen, keine Sünde und keine Schwäche – wann verstehen wir das endlich? Wir sind gut und vollkommen, so wie wir sind. Wir brauchen keine Gurus und keine spirituellen Lehrer, weil es da nichts zu lehren gibt. Wir brauchen keine Priester, die als Vermittler zwischen uns und etwas „Heiligem“ außerhalb von uns selbst fungieren, weil wir All-Eins sind. Wir brauchen keine Heiler, weil es letztendlich nichts zu heilen gibt. Wir brauchen keine Wahrsager, Channels und Medien, weil wir alles Wissen in uns tragen. Was wir brauchen sind Wiedererinnerer: Menschen, die uns an die Liebe und die Vollkommenheit in uns erinnern. Die uns daran erinnern, wie wir wieder in Kontakt mit unserem Herzen und mit unserer inneren Weisheit kommen. Die uns daran erinnern, dass alles Richtig ist so wie es ist. Die uns daran erinnern, dass sich das Leben nur im Hier und Jetzt  – in diesem winzigen und gleichzeitig ewigen Augenblick – abspielt, und dass Vergangenheit und Zukunft keine Bedeutung haben. Die uns an die heilige männliche Kraft und die heilige weibliche Kraft – an Shiva und Shakti in uns – erinnern. Die uns daran erinnern, wie wertvoll Leben ist und dass es nichts Großartigeres gibt. Die uns daran erinnern, wie sich Freude, Liebe, Mitgefühl, Frieden, Leichtigkeit, Freiheit und Gesundheit anfühlen, und die uns gleichzeitig ermutigen, durch Schmerz, Wut, Hass, Trauer, Gier und Eifersucht fühlend hindurch zu gehen. Und: die uns daran erinnern, das Leben zu feiern, jeden Tag.

Wir brauchen Menschen, die sich voller Begeisterung und gleichzeitig mit wachem Bewusstsein in die Erfahrung Leben stürzen. Die das Leben in seiner bunten Fülle mit allen Sinnen genießen und gleichzeitig in der meditativen Stille ihres Herzens zu Hause sind. Menschen, die aus sich selbst heraus leuchten und anderen ein Licht sind.

Ich freue mich auf Männer, die die wilde Schönheit und Macht der Weiblichkeit wieder anerkennen und der Göttin Raum und Sicherheit geben, um ihre ganze Kraft zu entfalten. Die dem Träumen und der Intuition wieder ihren Wert geben, und die den Mut haben, ihr Herz zu öffnen, Liebe zu leben, Gefühle frei fließen zu lassen und die ihre männliche Kraft und Stärke in den Dienst der Erhaltung des Lebens stellen. Und ich freue mich auf Frauen, die sich wieder auf ihre eigene, innewohnende Macht und Weisheit besinnen, und ihre lustvolle Sinnlichkeit und ekstatische, heilige Schöpferkraft selbstbewusst und mitfühlend leben. Die den Mut haben, Altes, dem Leben und der Liebe nicht mehr dienliches zu zerstören und Neues ins Dasein zu tanzen. Die alles Leid und allen Schmerz bedingungslos vergeben und die wahre männliche Kraft wieder verehren können.

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!
Deine Christine Samira

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In dem wundervollen Geschichtenbuch „Aus Liebe zum Leben“ der amerikanischen Ärztin Rachel Naomi Remen habe ich vor kurzem etwas gelesen, das mich zutiefst berührt hat: In alten Kulturen sei es gang und gäbe, kleine Fehler in die traditionellen Kunstwerke, die dort kreiert werden, einzufügen – als Würdigung der Spuren, die das Leben auf allem hinterlässt, was es berührt. So belassen Zen-Gärtner in Japan absichtlich einen dicken Löwenzahn inmitten der streng zugeschnittenen und ritualisierten Meditationsgärten. Im Iran fügen die besten Teppichweber einen absichtlichen Webfehler in die kostbarsten Teppiche ein. Und die amerikanischen Indianer stickten in jede ihrer prachtvollen Perlenstickereien eine zerbrochene Perle mit ein, die sogenannte „Geist-Perle“. All diese „Fehler“ verwandeln Perfektion in Ganzheit.

Als ich die Geschichte von der Geist-Perle gelesen hatte, kamen mir fast die Tränen. Wie oft halten wir unsere Energie zurück aus Angst, nicht perfekt, nicht gut genug zu sein! Wie oft verurteilen wir uns aufgrund von Schwächen und kleinen Schönheitsfehlern! Wie oft hadern wir mit dem Leben, weil so vieles anders gelaufen ist, als wir es geplant hatten! Wie oft sind wir voller Wut und Trauer gegen uns selbst! Doch dieses Bild von der Geist-Perle erinnert uns daran, dass wir unendlich kostbar sind, genauso wie wir sind! Dass es gerade die Brüche in unseren Biographien, in unseren Körpern, in unseren Seelen sind, die uns einzigartig machen, uns ganz werden lassen, und die unserem SEIN den Geist, den Spirit, einhauchen. Eine einzige kleine, zerbrochene Perle in einem Kunstwerk vermag, was die ganze perfekte Ordnung und Schönheit um sie herum nicht fertig bringt: Sie bricht versteinerte Herzen auf, sie be-rührt und tröstet. In dem Wissen um die Gegenwart einer Geist-Perle können wir entspannen und erleichtert durchatmen. Denn ein Kunstwerk, das seine Brüche offenbart, reflektiert unendlich viel Liebe und Mitgefühl für die Brüche in uns selbst! Ein MENSCH, der seine Brüche offenbart, heilt die ganze Welt!

Wenn wir gegen unsere Geist-Perlen kämpfen, kämpfen wir gegen das Leben und gegen all das, was Wahrhaftig, Wertvoll und Besonders ist. Es geht nicht darum, etwas möglichst perfekt zu machen. Es geht nicht darum, einen perfekten, ewig jungen Körper zu haben oder Prestige, Reichtümer und Wissen anzuhäufen. Es geht darum, dem Leben mit jedem Tag wieder neugierig, offen und unvorbereitet zu begegnen, Momente der Liebe, der Freude, der Weisheit, aber auch des Schmerzes und der Trauer miteinander zu teilen, mutig und authentisch den Tanz des Lebens zu tanzen – und uns selbst anzunehmen als Gezeichnete des Lebens.

Perfektion fühlt sich so ungeheuer hart, so tot und unbarmherzig an. Und tatsächlich ist sie ein eindeutiges NEIN zum Leben. Lebendigkeit entsteht erst da, wo wir akzeptieren, dass alles im Fluss ist, im ständigen Werden. Wo wir uns selbst erlauben, auf dem Weg zu sein, noch nicht angekommen zu sein. Wo wir unseren Körper als heiligen Tempel wertschätzen mit allen Spuren, die das Leben auf ihm hinterlassen hat.

Wie viele Geist-Perlen befinden sich in deinem Lebensgewebe? Wie viele Fehler, Brüche, Narben, Enttäuschungen, Widersprüche, Misserfolge, Krankheiten? Vielleicht möchten sie nichts weiter, als dich auf die Ganzheit in dir hinweisen. Dir zeigen, was wirklich wichtig ist im Leben, und dir zuflüstern: „Lass los und sag einfach Ja!“

Ich bin gerührt von diesen verrückten Zen-Gärtnern, Teppichwebern und Perlenstickern – wenn es sie denn tatsächlich (noch) gibt. Was für eine Demut gegenüber der Kunst und dem Leben selbst muss ein Mensch haben, der etwas Perfektes gestalten könnte und dann seinem Kunstwerk absichtlich einen Makel zufügt. Dem kann nur eine tiefe Verneigung vor der Großartigkeit des Universums und großes Mitgefühl gegenüber dem Menschsein zugrunde liegen.

Diese Haltung wünsche ich uns allen.

Wir bräuchten keine Schönheitschirurgen mehr, keine Drogen und vermutlich auch viel weniger Ärzte und Psychiater, wenn wir alle unsere Geist-Perlen anerkennen und einander offenbaren würden, und uns selbst und alles Leben mit den Augen der Liebe betrachten könnten. Die Augen der Liebe suchen nicht nach kühler Perfektion. Sie suchen nach Ganzheit, nach Tränen des Lachens und der Verzweiflung, nach Menschlichkeit, Wärme, Lebendigkeit und wahrhaftigem Selbstausdruck.

„On ne voit bien qu’avec le coeur. L’essentiel est invisible pour les yeux.“ – „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ (Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz)

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!

Deine Christine Samira

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Deine Augen, Geliebter, machen mich sichtbar.
Dein Mund, er ruft mich ins Leben.
Durch dich bin ich – Ich bin!
Ein kühner Traum, aus dem mein Licht geboren wurde
und deine Liebe, die mein Leuchten bezeugt.
Da – für immer.
Lebendig.

Ich schaue aus dem Fenster und erfülle mit Leben was ich sehe. Da ist diese Birke, deren Blätter sanft im Wind sich wiegen… Der weiße Schmetterling, der fröhlich vorbei flattert… Die Schwalbe, die sich im Sturzflug windet… Die Wolken, die sich voneinander lösen und neu formieren. Würde all das existieren, wenn ich es nicht bezeugen könnte? Wenn nicht ich – wenn niemand – es sehen würde? Oder wird es erst lebendig durch mein Sein, durch die Beziehung zu mir? Für dich existiert diese Birke nicht, du wirst nie diese Wolke gesehen haben, von der ich Zeuge geworden bin für einen kurzen Wimpernschlag der Ewigkeit. Und der Schmetterling, der mein Herz zum Lachen gebracht hat, er ist dir gleichgültig, denn du hast dich nicht berühren lassen von seiner Existenz.

Dies ist das Geheimnis der Liebe: ein Wesen (egal ob Pflanze, Tier oder Mensch) bewusst wahr-zu-nehmen und es damit sichtbar zu machen, ihm Leben und Bedeutung zu geben, sich mit ihm zu verbinden und eins zu werden. Erst in der Beziehung zu einer anderen Wesenheit wird eine Existenz wahrhaftig und real. Ich bin, weil du mich wahr-nimmst. Ich bin, weil du bist.

Die größte Sehnsucht jedes Menschen ist es, erkannt zu werden. Wirklich gesehen zu werden mit liebenden Augen, die nicht an der Oberfläche Halt machen. Mit Augen, die frei von Projektionen schauen, frei von Erwartungen und Ängsten. Ein Schauen, das es dem Betrachteten ermöglicht, augenblicklich alle Masken fallen zu lassen und sich in seiner Nacktheit zu zeigen – in vollkommener Schönheit und gleichzeitig mit allen vermeintlichen „Makeln“. Ein Schauen, das bereit ist, das göttliche Leuchten, die besondere Gabe, die Seelenmedizin eines Menschen zu erkennen und zu bezeugen – und damit ins Leben zu rufen. Es gibt fast nichts Schlimmeres, als in seinem wahren Sein verkannt zu werden. Viele kennen diese schmerzhafte Erfahrung aus der Kindheit – nicht um seiner selbst willen geliebt und in seiner Herzensessenz gestärkt zu werden, sondern Erwartungen erfüllen zu müssen. Leider zieht sich dieses Muster oft durch das ganze Leben. Wir verlieren mehr und mehr den Mut, unser einzigartiges Leuchten zu zeigen, wir werden unsicher, büßen die Verbindung zu unserer eigenen Medizin ein. Und den meisten Menschen an unserer Seite fehlt die Liebe, Achtsamkeit und uneigennützige Bereitschaft, uns wahrhaftig zu erkennen. So enthalten die Menschen dem Leben seit tausenden von Jahren ihr göttliches Potenzial vor und verweigern der Welt ihren Segen. Welch eine Tragödie, wenn man bedenkt, was für einzigartige Reichtümer jeder Mensch in sich trägt. Ja, vermutlich hat jeder einzelne von uns die Macht, diese Welt im tiefsten Innersten zu verwandeln – wenn da nur einer kommt und uns mit seinem sanften Blick und seinem entschlossenen Rufen an uns selbst erinnert und uns zum Leben erweckt. Wir wären im Paradies, wenn wir alle auch nur einen einzigen Menschen um uns hätten, der uns in unserem wahren Sein erkennt, ermutigt und bestärkt. Stattdessen gehen wir durch die Hölle, weil zu wenige Lichter brennen.

Allein die Liebe hat die Kraft, uns über uns hinaus wachsen zu lassen. Was für eine wundersame Fügung ist das, wenn zwei Seelen sich finden, zwei Herzen sich lieben, zwei Körper sich vereinen. Und doch machen wir uns das Leben zur Hölle, solange wir uns nicht gegenseitig mit wachen und liebenden Augen erkennen. Gott sagt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ Gott – die Liebe, das Leben – vergisst niemanden. Das Leben selbst kennt dein Strahlen, deine Essenz, deine Einzigartigkeit. Es wird dich nie verwechseln. Wenn flüchtige Bekannte unseren Namen vergessen, ist das kein Drama. Doch wenn die, die uns nahe sind, uns nicht erkennen, dann verletzt das ganz tief. Wir fühlen uns verloren, vergessen, einsam. Den Namen eines Menschen zu kennen signalisiert: Du bist wertvoll, du bist einzigartig, ich (er)kenne dich, ich stehe in einer Beziehung zu dir, ich liebe dich. Und Gott fügt noch hinzu „Fürchte dich nicht!“. Wer dein wahres Selbst schaut und dich erkennt, bei dem bist du sicher. Wer sich einmal in reiner Liebe mit dir verbunden hat, wird dich nie verletzen können. Und dann sei mutig: Fürchte dich nicht davor, deinen eigenen Namen laut auszusprechen, deine Essenz zu leben, denn die Liebe dessen, der dich erkannt und gerufen hat, steht dir immer bei.

Der chilenische Dichter und Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda hat den wunderschönen Satz geschrieben: „Niemandem gleichst du, weil ich dich liebe!“ Die Liebe erniedrigt uns nicht und sie erhöht uns nicht. Aber sie ruft uns bei unserem ureigenen Namen und feiert unsere Einzigartigkeit. Sie holt uns aus der Anonymität und gibt uns einen Wert. Einen Menschen zu lieben beinhaltet die Verpflichtung, mit aller Kraft der Entfaltung seines inneren Strahlens zu dienen. Ja, richtig, dem Partner dienen! Wenn ich mich nur für das interessiere, was einen Menschen oberflächlich ausmacht, womit er gerade sein Geld verdient oder was er in der Vergangenheit getan hat, dann werde ich dem Menschen nicht gerecht. Und wenn ich keine Beziehung zu seinem wahren Selbst aufbauen kann, dann bleibt er mir für immer verborgen. In jedem Menschen gibt es etwas, das einen vor Rührung, vor Glück, vor Bewunderung und Wahrhaftigkeit zum Weinen bringt. Dies ist der Schatz, der gehoben werden will. Wenn du das in einem Menschen nicht finden kannst oder es dich nicht wirklich berührt und interessiert, dann ist dieser Mensch nicht der Richtige für dich. Dann mach den Platz frei für einen, der das Licht dieses Menschen sehen, schätzen und es zum Strahlen bringen kann. Dann liebst du vielleicht nur dein eigenes Bild von deinem Partner, aber es wird sich nie eine heilige Liebe durch euch erfüllen.

Gerade ist ein lieber Mensch aus meinem Umfeld in der Psychiatrie. Hat er vielleicht einfach seinen Namen vergessen? Hat ihn vielleicht zu lange keiner mehr – oder vielleicht noch nie in diesem Leben je einer – bei seinem Namen gerufen? Ich fühle großen Schmerz und verbinde mich tief im Herzen mit diesem Menschen und hoffe, dass er mein Rufen hört. Möge er sich erinnern, wer er ist und sich selbst wieder finden. Gott, – ich sage lieber: das Leben – vergisst uns nicht. Aber es sollte auch kein Mensch je von Menschen vergessen werden. Lasst uns uns gegenseitig in der Tiefe erkennen und uns in Demut und Wertschätzung unserem Leuchten dienen!

Ich habe mir immer sehr ein Kind gewünscht – vergeblich leider. Und ich hatte schon einen Namen für dieses Kind: Nayeli. Ich war einmal mitten in der Nacht aufgewacht und hatte den Klang dieses Namens im Kopf und ihn dann sofort gegoogelt. Es ist ein mexikanisch-zapotekischer Name und bedeutet „Ich liebe dich“. Der Name hat mich sofort verzaubert, denn ich konnte mir nichts Wundervolleres vorstellen, als dass ein Kind (und natürlich auch später die erwachsene Frau) jedes Mal, wenn es gerufen wird, die Botschaft „Ich liebe dich“ erhält. Was das wohl aus einem Menschen macht? Stell dir vor, du hörst zig Mal am Tag „Ich liebe dich“. Wäre das nicht himmlisch? Hm, ich vermisse Nayeli, meine Tochter, die es nie gab, sehr. Und trotzdem wünsche ich jeden Tag, dieses Kind zu gebären, indem ich versuche, die Welt um mich in Liebe wahrzunehmen. Achtsam zu sein, alles immer wieder mit neuen Augen zu sehen, wirklich bei dem Menschen präsent zu sein, mit dem ich gerade bin, das Leuchten, das Potenzial, das Beste in einem Menschen zu sehen – und ihn bei seinem Namen zu rufen und seinem Strahlen zu dienen.

Wir sind alle zumindest schon ein einziges Mal bei unserem Namen gerufen worden. Und wir können uns wieder erinnern. Ich wünsche mir, dass jeder wenigstens einen Menschen findet, der ihn erkennt und in reiner Liebe ruft. Einen Menschen, für den er aus der Masse heraus sticht und der aus tiefstem Herzen und voller Aufrichtigkeit sagen kann: „Niemandem gleichst du, weil ich dich liebe!“

In Wahrheit heißen wir alle Nayeli! Ich liebe dich!

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!

Deine Christine Samira

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Jetzt wo der Herbst kommt und die Ernte eingefahren wird, ist die richtige Zeit, die Fülle in uns und die Fülle, die uns umgibt, wahrzunehmen und zu segnen. Mit der Fülle ist es genauso wie mit der Dankbarkeit. Wenn du erst einmal deinen Blick und deine Aufmerksamkeit auf die Fülle ausgerichtet hast, dann erkennst du plötzlich, dass es in deinem Leben kaum etwas gibt, was nicht Fülle ist. Du erkennst, wie viel du hast, was du bereits bist und kannst. Wenn du ein anderes Gefühl hast – sich zum Beispiel unbezahlte Rechnungen stapeln, dein Konto mal wieder im Minus ist, du dich einsam fühlst oder dein letztes Projekt in der Arbeit kläglich gescheitert ist, du überzeugt bist, im Vergleich mit anderen nicht gut genug zu sein – dann liegt das nicht daran, dass da keine Fülle und kein Überfluss wäre, sondern dass du dich vom Fluss der Fülle in dir und in der Welt abschneidest.

Fülle fließt dahin, wo Freude, Begeisterung und Lebendigkeit ist. In der hinduistischen Mythologie gilt die Göttin Lakshmi als Verkörperung von Fülle, Schönheit, innerem und äußerem Reichtum und Segen. Sie beschenkt die Menschen, die sich auf das Wahre und Ewige ausrichten, die ehrlich zu sich selbst sind und sich mutig in den Fluss des Lebens stürzen. Die reinen Herzens ihre Talente und Begabungen mit Freude leben – zu ihrem eigenen höchsten Wohle und zum Segen der gesamten Schöpfung. Versuche also, dein Leben immer mehr zum Gebet zu machen, aus deinem Herzen heraus zu wirken und mehr und mehr dein eigenes Lied zu singen. Schau in die Natur – die Fülle ist immer da: Überfluss, Üppigkeit, Wachstum, Leben, Farben, Vielfalt, Pracht und Schönheit. Warum sollte es in deinem Mikrokosmos anders sein? Warum solltest ausgerechnet du Mangel leiden, einsam, hässlich und nicht richtig sein, energielos, klein und unbedeutend? Warum sollte ausgerechnet bei dir alles so schwer sein, wo doch in der Natur der winzigste Keimling sich seinen Weg durch die dicke Erdschicht bahnt und leicht und mühelos wächst? Wo jeder Baum die Rhythmen des Lebens kennt und einfach so weiß, wann es Zeit ist zu blühen, Früchte zu tragen oder sein Laub abzuwerfen. Warum also solltest ausgerechnet du so hilflos, isoliert, traurig, unbegabt und arm sein? Wenn es bei dir anders ist als in der Natur, ist das nur ein Zeichen, dass du gegen ein Naturgesetz verstößt. Dass du gegen die Stimme deines Herzens und gegen den Fluss deines Lebens ankämpfst statt dich von ihm tragen zu lassen. Dass du die Geschenke des Lebens nicht annimmst, dich zurückziehst und versteckst, anstatt deine Gaben zu teilen. Dass du an deiner Richtigkeit und deinem Wert zweifelst statt dich in deiner ganzen Größe zu sehen und zu zeigen. Dass du dich vergleichst und urteilst statt zu wissen, dass du so wie du bist, genau richtig bist. Dass du versuchst, einem Bild (deinem oder auch dem anderer Menschen oder der Gesellschaft) zu entsprechen, dich einschnürst, beschneidest und deinen Wuchs kontrollierst statt einfach wild, frei und mühelos zu gedeihen.

Eines der wichtigsten Naturgesetze ist für mich das Gesetz der Resonanz. Du kannst nur das sein und in dein Leben ziehen, womit du in Resonanz bist. In einem permanenten unterschwelligen Gefühl des Mangels und der Wertlosigkeit kannst du schwerlich auf Dauer Wohlstand, Erfolg und Fülle anziehen. Richte dich also innerlich aus auf deine wundervollen und einzigartigen Begabungen, gehe in die Natur und fülle dich auf mit ihrem Überfluss und ihrer Pracht, lerne dich selbst zu lieben, sieh das Leuchten in dir und in jedem Wesen, übe Wertschätzung für alles was dir im Leben begegnet und fühle in jedem Moment den Reichtum, der in dir ist und von dem du umgeben bist. So verbindest du dich immer stärker mit dem Feld der Fülle. Und versäume es nicht, dein Herz zu öffnen und deine Arme auszubreiten für den Einstrom der Segnungen und Geschenke des Lebens. Viele Menschen sind zwar gut im Geben, können aber nur schwer Geschenke, Komplimente, Lob, Hilfe, Heilung und Liebe annehmen. Wenn du daran zweifelst, es wert zu sein, dass du reich, erfolgreich, glücklich, gesund, geliebt und frei sein darfst, wie sollst du es dann sein? Vertraue dir selbst – deinen Talenten, deinen Träumen und Visionen, deinem Aussehen, dem Platz auf den du gestellt wurdest – und erobere dir deinen Wert zurück. Du bist wunderbar so wie du bist. Du musst es niemandem recht machen und niemandes Erwartungen erfüllen. Du darfst niemand anderes sein und nicht das Leben der anderen führen. Lebe aus deinem Herzen, sei du selbst und stehe dazu, wer und was DU bist! Breite deine Arme aus um die Geschenke anzunehmen, die das Leben dir täglich zufließen lässt. Du bist es wert! Und dann lasse es aus dir heraus fließen. Nur wenn du dich leer machst, kannst du auch wieder empfangen. Spüre die rhythmische Natur deines spirituellen Herzens – die Harmonie von Geben und Nehmen ist ein Naturgesetz der Liebe. Vertraue dem Fluss!

Die Fülle hat zwei wunderbare Geschwister, ohne die sie nicht existieren kann: die Dankbarkeit und das Teilen. Ohne die beiden wird Fülle zur Last und zieht Einsamkeit, Gier, Neid und Angst nach sich. So sei dankbar für alles was du bereits bist, kannst und hast, und sei bereit deinen Reichtum, deine Weisheit, deine Seelenmedizin, deine Begabungen und deine Liebe zu teilen und zu verströmen. Halte nichts fest! Wenn du deine Quelle verschließt und andere nicht mehr von deinem Wasser trinken lässt, versiegt die Quelle irgendwann. Dein Brunnen wird faulig, giftig und stinkend. Dein Reichtum ist nicht dein Reichtum und deine Gaben sind nicht deine Gaben. Du bist ein Instrument, durch das sich das Göttliche ausdrückt, auf dass die ganze Welt daran teilhaben darf!

Ich bin keine Anhängerin irgendeiner Religion, und dennoch finden sich in vielen religiösen Schriften ungeheuer wertvolle Perlen der Weisheit. So auch in der Bibel: „Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch das genommen was er hat.“ Klingt erst mal ein bisschen ungerecht. Die Reichen sollen immer reicher werden und den Armen wird sogar noch das bisschen genommen, was sie haben? Natürlich ist das nicht wörtlich zu verstehen, sondern kann nur mit der Intelligenz des Herzens richtig interpretiert werden. Für mich bedeutet dieser Satz, dass jeder Mensch mit besonderen Gaben, Talenten und Erfahrungen ausgestattet ist, die eine Verpflichtung darstellen. Wenn du nicht bereit bist, das was du bist und was du hast zu leben, weiter zu geben und zu teilen, dann wird es dir wieder genommen. Wirklich arm dran ist nicht der, der nichts hat, sondern der, der viel hat und es nicht sehen und wertschätzen kann. Wenn du dich also dauernd vergleichst, ewig Angst hast, dein wahres Wesen und deine Talente zu leben, wenn du an deinen Fähigkeiten zweifelst, ängstlich an deinem Besitz festhältst und deine Quelle verschließt statt deinen Reichtum wertzuschätzen und mit vollen Händen zu teilen, dann verkümmert dein Schatz und verliert jeglichen Glanz. Nach dem Resonanzprinzip können auf einem Haufen Bitterkeit, Schutt und Asche keine Goldstücke wachsen. Wenn du dich als arm und wertlos empfindest, dann wirst du tatsächlich immer ärmer. Wenn du aber ein Herz voller Dankbarkeit, Begeisterung und Wertschätzung pflegst und dem Leben all das zurück gibst, was es dir geschenkt hat, dann wirst du mit noch mehr Reichtum und Segnungen überhäuft. Dann bist du angeschlossen an den göttlichen Strom. Dann bist du wieder ein Teil der üppig blühenden weisen Natur geworden.

Reichtum darf nie missverstanden werden als die reine Anhäufung von Besitz. Wer im Herzen verankert ist, der weiß wie wertvoll Freundschaft, Liebe, Familie, Achtsamkeit, eine sinnhafte und erfüllende Tätigkeit, Gesundheit, Zeit, Stille, Naturerlebnis, Meditation, Singen, Tanzen und Feiern ist. All das sind Dinge, die man sich für kein Geld der Welt kaufen kann und die gleichwohl unbeschreiblich kostbar sind. Du darfst natürlich auch materielle Wünsche haben, du darfst dich am materiellen Wohlstand und deinem Besitz freuen (kannst du wertschätzen und genießen was du besitzt?), aber vernachlässige nicht deinen inneren Reichtum. Alle äußeren Ziele und Begierden sollten immer mit der Bereitschaft für inneres Wachstum und dem Wunsch nach Erwachen und Bewusstheit einhergehen. Sonst wird das Leben hohl und sinnlos. Wenn du feststellst, dass dein Besitz zur Last wird – wenn du Angst hast, du könntest alles verlieren oder dir könnte etwas gestohlen werden; wenn du argwöhnisch und neidisch deinen Wohlstand mit dem deiner Nachbarn und Freunde vergleichst; wenn du Anflüge von Überheblichkeit, Gier und Manipulation wahrnimmst; wenn du geizig wirst und nicht mehr teilen magst; wenn du nicht mehr von Herzen schenken und Einladungen aussprechen kannst; wenn du anfängst, den Wert eines Geschenkes von seinem materiellen Wert abhängig zu machen, und Geschenke gegeneinander „aufzurechnen“; wenn du unflexibel und süchtig nach Sicherheiten wirst; wenn du Angst vor der Zukunft bekommst; wenn du in einem inneren Hamsterrad von „größer-schneller-weiter“ gefangen bist – dann ist das ein untrügliches Zeichen, dass es genug ist. Dass du bereits zu viel angehäuft hast und es an der Zeit ist, loszulassen, zu geben, zu verschenken. Spür mal, welch eine Gnade in den Worten „Es ist genug“ steckt. Vergiss diese Formel nicht: „Es ist genug“! Wenn du dich traust, diese drei Worte auszusprechen, dann entstehen Raum und Zeit, in denen sich das wirklich Wichtige entfalten kann: die Gnade des Schenkens frei von Bedingungen und der Reichtum des Herzens – das einzige, das du mitnehmen kannst, wenn du diese Welt eines Tages wieder verlässt.

Entscheide dich heute dafür, voller Wertschätzung und Reinheit im Herzen deiner Berufung zu folgen und deinen Platz mit Freude auszufüllen. Hilfe und Unterstützung fließt all jenen zu, die aus ihren Handlungen und Worten nicht nur eigenen Profit schlagen wollen, sondern das Wohl aller im Auge behalten. Denn Reichtum, der auf Be-reich-erung auf Kosten anderer fußt, bringt letztlich nichts als Unglück. Richte dich also aus auf das Wahre und Ewige, auf innere Schönheit und Fülle. Gib dich dem Leben hin und vertraue, dass alles zu deinem höchsten Segen ist, so wie es ist. Und wisse tief in dir, dass dir immer das Richtige zur rechten Zeit zufließt.

lakshmi

„Om Sri Maha Lakshmiyei Swaha“ – Mantra zur Anbetung der Göttin Lakshmi

Ich wünsche dir von Herzen Fülle und Reichtum auf allen Ebenen und dass du das einzigartige Strahlen in dir und in jedem Menschen sehen und lieben kannst!

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!
Deine Christine Samira

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Gehörst du zu den Menschen, die alle Jahre wieder mit guten Vorsätzen in den Januar starten? Weniger essen, mehr Sport treiben, regelmäßig meditieren usw. Dann kennst du bestimmt auch die Erfahrung, dass die Luft meist schon raus ist, bevor es überhaupt so richtig angefangen hat, und man allzu schnell wieder in alte Gewohnheiten rutscht. Ich habe eine Anregung für’s neue Jahr für dich (ich nenne es lieber nicht „guten Vorsatz“), der alles andere als nach Mühe und Disziplin schmeckt, und dein Leben trotzdem viel reicher, liebevoller und lebenswerter machen wird: Herzenspunkte sammeln.

Sammler sind mir ja grundsätzlich immer ein bisschen unheimlich… was man nicht so alles sammeln kann – von Briefmarken über Künstlerpuppen, Bierdeckel und Espressotassen bis hin zu antiken Kloschüsseln. Aber egal ob verrückte Sammelleidenschaft oder nicht – die meisten Menschen neigen doch grundsätzlich zum Ansammeln und Festhalten von Materiellem. Wir sammeln viiiiieeeel Geld auf unserem Konto, wir sammeln Affären und oberflächliche Bekanntschaften, Überstunden und Diplome, Luxusgüter und Elektronik-Schnickschnack, Kleider und Schuhe – wir häufen an, immer mehr und mehr, und es fällt uns schwer, Menschen und Dinge wieder loszulassen. Aber was von all dem können wir schon mitnehmen, was bleibt uns davon? Ist es nicht so, dass wir nackt kommen, und auch nackt und mit leeren Händen wieder gehen müssen? Nichts gegen verantwortungsvollen Konsum und Freude an schönen Dingen, aber problematisch wird es da, wo wir unser Herz daran hängen, uns damit identifizieren, unser Ego füttern und uns Befriedigung daraus verschaffen – und das tun wir in der Regel. Für einen Großteil der Menschen beruht der Motor des Lebens auf dem Anhäufen von Besitz (mein Haus, mein Auto, meine Yacht), Status (mein Job, meine einflussreichen „Freunde“, meine Ämter), Intellekt (meine Ausbildung, mein Diplom, mein Wissen) und Schönheit (mein perfekter Körper, meine Jugend, meine Unversehrtheit) – und am besten all das noch dem Diktat der absoluten Sicherheit und Kontrolle unterworfen.

Die meiste Zeit unseres Lebens kümmern wir uns um Vergängliches und um die Befriedigung unseres Egos. Es ist die vollkommene Gefangenschaft in der Illusion. Für gewöhnlich folgt alles in unserem Leben einem Zweck und einem Ziel. Das macht das Leben sehr arm und leer – ungeachtet all der Reichtümer und Bequemlichkeiten, die dadurch angehäuft werden. Die meisten von uns haben verlernt, was wir als Kinder noch konnten: Sinn-lose Dinge tun, einfach nur SEIN, den Moment genießen. Lachen. Leben um des Lebens Willen.

Der einzig wahre Reichtum ist der unseres Herzens. Und diesen Reichtum können wir tatsächlich mitnehmen. Mit einem reichen, vollen Herzen wird es uns leicht fallen, einmal von diesem Leben Abschied zu nehmen – denn die Liebe, die Freude, das Glück und das innere Lächeln der Fülle bleiben auf ewig unser. Wir gehen mit dem guten und satten Gefühl, wirklich gelebt zu haben. Wenn wir uns dagegen nur auf Äußerlichkeiten und materielle Werte konzentriert haben, werden uns der Verlust und das Zurücklassen dieser Dinge großen Schmerz bereiten, und wir werden mit einem leeren, traurigen Herzen gehen.

Deswegen rege ich dich an, soviel Herzenspunkte zu sammeln, wie du nur kannst. Fülle dich an und lebe! Herzenspunkte sammelst du immer wenn du etwas absichtslos tust, nur um seiner selbst willen. Wenn du dich der Freude des Seins hingibst und ganz im Hier und Jetzt bist. Wenn du das Leben in seiner Schönheit und Fülle genießt.

– Erlaubst du dir Dinge zu tun, die keinen Sinn machen und dich an kein Ziel führen, die einfach nur Spaß machen?

– Kannst du immer mal wieder deine Pflichten vergessen und stattdessen spontan deiner Lebenslust freien Lauf lassen und dir Zeit nehmen?

– Kannst du grundlos lachen und Unsinn machen, unbeschwert und frei sein?

– Bist du fähig, das Schöne in allem zu sehen und zu würdigen?

– Ist es dir egal, was andere über dich denken und sagen?

– Bist du verliebt ins Leben und voller Lust und Lebendigkeit?

Wenn nein, dann ist es höchste Zeit, dass du dein inneres Kind wieder befreist und anfängst, tatsächlich zu leben! Überlege dir, was wirklich wichtig ist! Wir sind in unserer Essenz pure Liebe und pures SEIN. Diese Liebe und Daseinsfreude will sich verströmen – und sie wird immer größer, je mehr sie sich verschenkt. Je mehr Liebe und Freude du bist, umso mehr davon ziehst du in dein Leben.

Der Reichtum deines Herzens ist das einzige, was du aus diesem Leben mitnehmen kannst.

Also fang an, Herzenspunkte zu sammeln. Freude und Leichtigkeit wächst überall – du brauchst nur zuzugreifen. Wer die Augen wieder öffnet für das wahre Leben, für kindliche Begeisterung und Einfachheit wird reich beschenkt. Herzenspunkte zu sammeln repräsentiert für mich einen Aspekt der hinduistischen Göttin Lakshmi. Sie ist die Göttin der Schönheit, des inneren und äußeren Reichtums, der Anmut, der Liebe und Lebensfreude. Verbinde dich mit ihrer Energie und bitte sie, dir zu helfen, Schönheit, Freude und Fülle wieder wahrzunehmen und in dein Leben zu integrieren. Denn das ist wahre Gotteserfahrung. Im Hinduismus heißt es auch „Satyam Shivam Sundaram – Gott ist erfahrbar als Wahrheit, als Liebe und als Schönheit“. Du selbst bestimmst, wieviel Raum du der Wahrheit, der Liebe und der Schönheit – und damit Gott – in deinem Leben gibst! Auf der Jagd nach Geld, Ruhm, Sicherheit, Objektivität und Vernunft wirst du ihn und dich nicht finden.

Ich wünsche dir stets genug Geld in der Tasche, um ein Leben in Unbeschwertheit, Freiheit und Selbstbestimmung führen zu können. Aber ich bete, dass der Reichtum in deinem Herzen deinen Kontostand immer um Welten übersteigen möge! 😉

Möge die Göttin Lakshmi uns in diesem Jahr besonders begleiten und segnen. „Om Shri Maha Lakshmiyai Namaha“.

Deine Christine Samira

 

P.S. Ich freue mich, von euch zu hören, wie ihr Herzenspunkte sammelt. Viel Spaß!

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„Da ich kein Ziel habe, verlaufe ich mich nie.“
Zen-Meister Ikkyu

 

Vor ein paar Wochen hatte ich mit einem sehr lieben Freund ein interessantes Gespräch. Er ist seit vielen Jahren selbstständiger Unternehmer und im Moment dabei, sich nach vielen Ausbildungen in Coachingmethoden, russischen Heilweisen und Energiearbeit als Coach ein neues Standbein aufzubauen. Damit erfüllt sich sein großer Traum und seine Berufung. Wir haben uns viel unterhalten über seinen Weg, meinen Weg und Erfahrungen mit Klienten. Dabei ging es immer wieder auch um Zieldefinitionen. Wie wichtig es sei, sich große und kleine Ziele zu setzen und zu wissen, was man will.

 

Ich habe das in Zweifel gezogen. Ich fand schon früher in Bewerbungsgesprächen die Frage nach Zielen, und wo man sich in fünf oder zehn Jahren sehe, total abstrus. Fünf Jahre sind doch so weit weg, schon morgen kann alles anders sein. Erwarten Personalleute wirklich, dass ich heute weiß, wer ich in fünf Jahren bin, dass ich dann noch dieselbe bin wie heute? Komisches Menschenbild, da kann ich mich ja gleich in Stein meißeln lassen! Ist das nicht verrückt, Jahre im Voraus zu planen? Und welche Ziele? Ich will mit mir im Reinen sein und Freude haben an dem was ich tue und was ich bin. Gibt es sonst noch ein Ziel? Natürlich habe ich früher immer ganz brav im Sinne des potenziellen Arbeitgebers geantwortet um zu zeigen, wie ehrgeizig ich bin und dass ich mit dem Unternehmen ganz hoch hinaus will… 😉 Es ist nicht leicht, in dieser Gesellschaft authentisch zu sein, wenn man überleben will! (Oder vielleicht habe ich ja damals sogar geglaubt, die Ziele und Erwartungen der anderen seien meine eigenen???) Und in jungen Jahren traut man sich einfach noch zu wenig, aus der Norm auszubrechen – bei mir war das zumindest so.

 

Mittlerweile bin ich Gott sei Dank mein eigener Chef und muss keine komischen Fragen mehr bzgl. Karriereplanung beantworten und in keine Schublade mehr passen ;-). Aber offensichtlich brauche ich immer noch Ziele, sagen zumindest die Coaches. Wie viel Einkommen, welches Klientel, wie viele Angestellte, ein Haus in der City oder im Grünen, Seminare mit 50 oder 1000 Teilnehmern, am Mittelmeer oder im Indischen Ozean?

 

Ich sehe das mal wieder anders! Spirituelle Lehrer haben seit jeher unterschieden in innere und äußere Ziele. Man dürfe sich nicht nur auf äußere Ziele – Erfolg, Status, Geld, Gesundheit – konzentrieren, sondern diese müssten mit inneren Zielen Hand in Hand gehen. Ich sehe es aber noch viel einfacher.

 

Alles was es braucht, ist der Mut (ok, davon braucht es eine Menge!), aus dem eigenen Herzen heraus zu leben und das zu tun, was man am meisten liebt. Mit Freude, Begeisterung und Kreativität zu arbeiten, und sein ganz individuelles, ureigenes Wesen in das Tun und Sein einfließen zu lassen. Wenn ich so lebe und arbeite, dann brauche ich keine Ziele mehr. Denn dann kann ich sicher sein, alles wird gut. Dann wird mein Leben zum Segen für mich und für die Welt. Dann bin ich im Einklang und im Frieden mit allem was ist. Wenn das Leben dem inneren Ruf folgt, dann brauche ich nicht mehr mit Zielrohr durch die Gegend rennen, dann kann ich mich hingeben und treiben lassen. Dann erfüllt sich das Höchste. Und ich bin im tiefen Vertrauen, dass das Leben mich immer an die richtigen Ufer spült und dass für mich gesorgt sein wird. Ein Mensch, der wirklich eins mit seinem Herzen ist, braucht keine Ziele mehr. Das ist meine Überzeugung.

 

Unsere Aufgabe als Heiler, Berater, Coaches sollte es sein, zunächst einmal selbst immer mehr zu lernen aus dem Herzen zu leben und authentisch zu sein, und dann unsere Klienten wieder mit der Stimme ihres Herzens zu verbinden und ihr reines, inneres Leuchten hervorzulocken. In JEDES Herz ist ein Samen gepflanzt. In diesem ist das ganze, wunderbare Potenzial eines Menschen, seine Seelenessenz, verborgen. Noch nie gab es und nie wird es auf dieser Welt jemals zwei Menschen geben, die sich komplett gleichen. Jeder ist einzigartig und darf sich in seiner Einzigartigkeit der Welt zum Geschenk machen. Ich mag das Wort „müssen“ nicht, aber hier möchte ich fast sagen, er muss seine Einzigartigkeit leben! Das, und nur das, schulden wir dem Leben!

 

„Susya sagte kurz vor seinem Tod:
’Wenn ich in den Himmel komme, werden sie mich nicht fragen:
Warum warst du nicht Moses?
Sie werden mich vielmehr fragen:
Warum warst du nicht Susya?
Warum wurdest du nicht,
was nur du werden konntest?“
Chassidische Weisheit

 

Folge der Spur der Freude, der Liebe, der Begeisterung und des Lachens und finde den Samen in deinem Herzen! Und dann lass ihn wachsen!

 

Dein einziges Ziel sollte sein, aus dem Herzen heraus dein wahres Selbst in die Welt zu bringen und immer bewusster und präsenter im Hier und Jetzt zu sein. Vergiss alle anderen Ziele, vertraue deiner inneren Stimme. Ziele im herkömmlichen Sinn – also im Grunde „etwas haben/erreichen wollen“ oder „etwas sein wollen“ – verstärken nur die Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Zustand und vertiefen damit Unfrieden, Widerstand, Begehren und Anhaftung. Schön fürs Ego, blöd für deine wahre Essenz!

 

Du darfst zuerst dein ganzes Sein auf deine Göttlichkeit ausrichten, dann folgt alles im Außen von ganz allein. Genauso wie du dich zuerst deinem eigenen Erwachen widmen darfst, bevor sich etwas in „der Gesellschaft“ wandelt. Kürzlich bin ich zufällig mit einer lieben Freundin auf einem Vortrag und Buchvorstellung einer alternativen Lebensgemeinschaft gelandet. Die Sehnsucht danach ist offensichtlich riesengroß, wie sich an der enormen Zahl von Zuhörern und dem großen Interesse an Gemeinschaften im Münchner Umland zeigte! Auch hier hörte ich immer wieder die Worte „Utopie“, „Traum“, „Ideal“. Das Problem ist, dass dieses ganze Leben ein Traum ist. Es kann doch nicht die Lösung sein, einen alternativen Traum zu träumen, es geht darum zu erwachen. Es geht darum zu erkennen, dass in Wirklichkeit alles genau richtig ist so wie es ist. Die vermeintlichen Gegensätze von Gut und Böse, Arm und Reich, Krieg und Frieden ergeben ein Ganzes. Diese Welt, so wie sie ist, ist das Wunder, die Einheit – geflochten aus dem Netz der Liebe. Nur der träumende und trennende Geist kann das nicht sehen. Für die menschliche Erfahrung aber kann es keinen anderen Rahmen geben als den, den wir kennen.

 

Schau dir den Marxismus oder Kommunismus an – einer der kühnsten Träume von Gerechtigkeit, Gleichheit, Frieden und Freiheit, der je auf dieser Welt geträumt wurde. Und – wie wundervoll – dieser Traum konnte sogar im großen Stil in ganzen Staaten verwirklicht werden. Und was ist daraus geworden? Ein Sumpf aus Unterdrückung, Ausbeutung, Despotie, Folter, Krieg, Angst, Unfreiheit, Verfall. Aus der Traum! Wie konnte das passieren? Wo doch alle nur das Beste wollten? Es funktioniert nicht, an den Rädchen im Außen zu drehen und neue, „friedliche“ Gesellschaftsstrukturen oder Gemeinschaftsregeln zu implementieren und dann unerwachte Menschen, die noch mitten im Krieg mit sich selbst sind, da rein zu stellen. Die Menschen bleiben die gleichen – unbewusst und unfrei. Bestimmt mit einer großen, edlen Sehnsucht im Herzen, das will ich gar nicht absprechen – aber dennoch schlafend. Das kann nicht funktionieren, nicht im großen Stil mit zu vielen Beteiligten. Es gibt eben keine Gesellschaft, es gibt nur Menschen! Und die Crux ist, wenn ein Mensch erwacht ist, dann braucht er keine Gesellschaft, keine Gemeinschaften mehr. Dann braucht er einfach keine Normen, Werte, Regeln, Moral, Struktur und Richtlinien im Außen mehr! Er sieht die Wahrheit, er sieht die Einheit allen Seins. Er ist mit allem und jedem verbunden, er weiß jetzt um die Liebe und den Frieden hinter allem was ist. Dieser Mensch ist nicht gegen die Gesellschaft, er hat die Gesellschaft transzendiert. Wir dürfen uns immer wieder bewusst machen, dass alles was wir hier vorfinden Projektionen unseres Egos sind. Der Krieg im Außen ist doch nur ein Spiegel des Krieges in uns selbst. Die Unterdrückung, Ausbeutung, Gewalt, Verurteilung – alles was wir „da draußen“ ablehnen ist tief in uns verwurzelt. Wir lehnen damit uns selbst ab – und damit das Leben und die Quelle, Einheit, Gott (wie auch immer du das nennen magst). Es gibt nur ein Heilmittel dagegen: alle Ur-teile (was für ein schönes Wort, oder?) zu uns zurück zu nehmen, und mit den heilen und heilenden Augen der Liebe schauen.

 

Bezeichnend finde ich in diesem Zusammenhang eine Frage aus dem Publikum, die während des Vortrags aufkam. Ein junger Mann fragte voller Euphorie, ob denn das Leben in dieser gewaltfreien, neuen Gesellschaft bedeuten würde, dass man nun nicht mehr so viel an sich selbst arbeiten müsse. Da wäre ich fast vom Stuhl gefallen. Ja, der hat offensichtlich umrissen, worum es geht. Ein feiner Anstrich und Makulatur im Außen, um dem inneren „Dreck“ entfliehen zu können. Aber schade, es gibt kein Entkommen. Ich würde mich ja auch gern ins Paradies beamen um meiner eigenen Dunkelheit nicht mehr ins Auge schauen zu müssen. Aber das funktioniert halt leider nicht. Die wenigsten Menschen stellen sich ihren schmerzhaften Lektionen aus purer Liebe und Leichtigkeit und ohne Not-Wendigkeit. Wir wären sonst nicht hier! In einer Lebensgemeinschaft, die ihren Mitgliedern von oben herab Licht und Liebe als höchstes Prinzip überstülpt (wer entscheidet eigentlich, was Liebe ist??? Kommt die nicht manchmal in komischen Verkleidungen daher?), ist das Erwachen umso schwieriger. Sein natürliches Leuchten im künstlichen Neonlicht zu erkennen, ist schwieriger, als es im Dunkel zu erfahren. Was uns ins Erwachen, in die Erkenntnis, in die Stille zwingt, sind gerade Krankheit, Krieg, Verlust, Armut, Gewalt, Ungerechtigkeit und Leid. Es ist eine Frage der Entscheidung: Willst du sanft gebettet in Ruhe weiter schlafen oder willst du erwachen, dich aus dem Rad des Leids befreien? Willst du eine Illusion gegen eine andere tauschen oder willst du wahrhaft erkennen? Dann sei mutig und stelle dich dem, was ist. Diese angeblichen gewaltfreien Lebensformen sind oft von einer viel tieferen, subtileren Gewalt gekennzeichnet, als die, vor der sie geflohen sind. Es gibt zu viele Gemeinschaftsprojekte, die im „Kleinkrieg“ geendet sind, oder deren Mitglieder auf Wolke 185 des rosaroten, spirituellen Egotrips schweben, oder Friedensprojekte, die aufgrund von Kleinigkeiten im Unfrieden auseinandergefallen sind. Es funktioniert nicht wirklich. Es kann nicht funktionieren. Allenfalls auf Kosten deiner eigenen Wahrhaftigkeit. Bleib bei dir. Sei du die Veränderung, die du in der Welt sehen willst! Aber lass die Finger davon, die Welt zu verändern. Und freu dich, wenn es dir gelingt, mit deinem Partner, deinen Kindern und deinen Eltern im Frieden (oder gar in Liebe?) zu sein. Schaffst du das denn?

 

Da wären wir schon bei einer der schwierigsten spirituellen Fragen angelangt. Wenn ich erwacht bin, wie bewege ich mich zwischen der tiefen Erkenntnis aus meiner innersten Essenz, dass alles gut und vollkommen ist, so wie es ist, und der gleichzeitigen Konfrontation mit Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Gewalt, der ich als Mensch in der Dualität ausgesetzt bin? Es ist ja nicht so, dass man sich nach dem Erwachen nicht mehr weiter in der Illusion bewegen müsste oder das Ego nicht mehr da wäre. Diese Zerrissenheit zwischen zwei Welten kann sehr zermürbend und schwierig sein. Auch hierüber bin ich vor einiger Zeit mit einer ehemaligen Kommilitonin in Diskussion geraten. Als Journalistin beschäftigt sie sich viel mit Themen wie Nationalsozialismus, Flüchtlings- und Asylpolitik, sozialer Ungerechtigkeit usw. Sie ist der Überzeugung, dass man gegen all diese Sachen ankämpfen müsse. Voller Bewunderung erzählte sie mir von einer Frau, die sie vor kurzem im Fernsehen gesehen hatte, die sich seit Jahren im Kampf gegen einen großen Tiermastbetrieb befindet, weil hier Menschen ausgebeutet und krank gemacht werden. Die Frau ist wohl mittlerweile selbst ziemlich am Ende, krank, ernüchtert, einsam und bitter, aber sie macht weiter. Dies ist eine der großen Heldinnen meiner Freundin. Ich kann das verstehen. Ein Teil von mir verneigt sich auch vor Menschen, die nicht aufhören gegen Ungerechtigkeiten zu kämpfen, für die Rechte Schwächerer zu streiten oder gegen die großen Konzerne und Banken anzugehen. Das ist auf einer bestimmten Ebene sicher edel, aber was wird dadurch gewonnen? Das Außen ist ein Spiegel des eigenen Unfriedens, der eigenen Bewertungen, der eigenen Ängste, der eigenen Intoleranz, des eigenen Opfergefühls, der eigenen Erniedrigung, der eigenen Wut. Und wenn ich diese „Kämpfer“ so anschaue, dann sind das nicht gerade die Menschen, die mich wirklich im Herzen berühren. Strahlen sie doch selbst in der Regel das aus, was sie bekämpfen, nämlich Aggression, Verurteilung, Verzweiflung und Verbitterung. Gegen etwas zu kämpfen kann nie funktionieren, denn ich gebe damit ja gerade dem Energie, was ich nicht haben möchte. Vielleicht ist dem „David“ mal ein kleiner Erfolg gegen einen der Goliaths vergönnt, aber dann sprießt doch vor einem anderen Haus wieder ein neuer Pilz der Ungerechtigkeit empor. Dieses Kämpfen ist ein Spiel, an dem das Ego große Freude hat. Es gefällt sich sehr als kleiner Che Guevara oder als Märtyrer (Als Studentin war ich auch verliebt in Che Guevara (auch wenn schon längst tot, denn so alt bin ich ja nun auch wieder nicht), und ich habe davon geträumt an der Seite dieses unglaublich mutigen, charismatischen, freien, wilden Mannes gegen die bösen Ausbeuter und Großgrundbesitzer zu kämpfen. Wow! 😉 ). Aber das ist nicht der Weg – glaube ich.

 

Ich denke, es ist wichtig und versteht sich von selbst, auch als spirituell erwachter Mensch engagiert zu bleiben, sich für das Wahre einzusetzen und Mitgeschöpfe gegen Gewalt und Ungerechtigkeit zu beschützen, auf Missstände in aller Deutlichkeit aufmerksam zu machen und andere Wege aufzuzeigen. Eine echte Veränderung kann ich aber nur herbeiführen, wenn ich mich selbst verändere. In Liebe das leben, was ich als richtig und segensreich erkannt habe, statt gegen „das Böse“ zu kämpfen. So entzünde ich ein Licht der Liebe und der Bewusstheit und werde zum Vorreiter des Wandels. Ich bin mir ziemlich sicher, ich würde mein Leben opfern für meine Überzeugungen und für die Liebe. Aber ich glaube nicht, dass ich mein Leben opfern wollen würde im Kampf gegen Windmühlen. Und ich will auch nicht, dass irgendein Mensch das tun muss – letztlich nur weil ich mich nicht verändern und konsequent sein will. Wieder kann ich nur die wahren Worte von Gandhi zitieren: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Dafür musst du aber erst mal wissen, was du willst, und nicht nur, wogegen du bist. Sag ja zu allem was in dir und außerhalb von dir ist, und dann lebe aus deiner inneren Freude und Begeisterung und tiefen Verantwortung für alle lebenden Wesen heraus, lebe bewusst, und überzeuge durch dein friedvolles, liebevolles, strahlendes und mitfühlendes Sein. Die, die das tun, sind MEINE Helden! Das sind die wahren Revolutionäre, die wirklich etwas verändern – still und langsam, aber beständig. Das sind die Schöpfer einer neuen Erde, die mit starken Wurzeln von innen heraus wächst. Das sind die, in deren Augen du schaust, und dann ist nichts mehr so wie es vorher war. Weil du etwas aufblitzen sehen hast. Ein Funkeln, das dich an etwas in dir selbst erinnert. Und dann fängst du an zu suchen. Du hast Feuer gefangen, eine Sehnsucht ist geweckt, und du weißt, dass es möglich ist: ein Leben im Einklang mit dir selbst, mit deinem Herzen und mit der gesamten Schöpfung. Und du weißt, dass nur die Liebe etwas verändern und heilen kann. Und diese Liebe ist bereits in allem was existiert. Es würde nicht leben, wenn es nicht von der Liebe beseelt wäre! Man muss sie nur berühren, wachküssen.

 

Marianne Williamson hat den wunderbaren Satz geschrieben, „Alles ist entweder Liebe oder ein Schrei nach Liebe.“ Wie können wir den Schrei nach Liebe mit Verurteilung, Ablehnung und Kampf beantworten? Das sollten wir nicht tun, denn es macht uns selbst zu „den Bösen“. Wenn dein Kind schreit und brüllt und um sich schlägt, dann haust du doch auch nicht drauf. Dann nimmst du es an dein Herz, streichelst es, singst ihm ein Lied und hüllst es ein in deine Liebe. Du hast keine Ahnung, warum es gerade durchdreht, aber das ist auch egal. Dein Kind kämpft etwas aus und du gibst ihm einfach deine Liebe. Ihr werdet beide ruhig, ihr kommt wieder zu euch, ihr seid tief verbunden. Das ist Heilung. Liebe fragt nicht, Liebe bewertet nicht, Liebe dosiert nicht, sie verströmt sich einfach dahin, wo sie gebraucht wird. „Schenk mir Liebe, wenn ich sie am wenigsten zu verdienen scheine, denn dann brauche ich sie am meisten.“, das ist ein anderer Satz, der mir sehr gefällt. Die Welt braucht unsere Liebe, sonst nichts. Jeder Mensch braucht unsere Liebe. Jeder!

 

Woran die Welt krankt, sind nicht böse Konzerne, einzelne machthungrige Menschen, gierige Banken, oberflächliche „Künstler“, konsumsüchtige Workaholics oder unfähige Politiker. Die Welt krankt am Tiefschlaf. Wir alle schlafen, wir sind unbewusst und unfrei. Und wir kranken daran, dass wir unser wahres Wesen und unser So-sein, unser Lachen und unsere Liebe, unsere Authentizität und Wildnatur beständig verleugnen. Also kümmern wir uns doch endlich darum aufzuwachen, fangen wir an, uns frei zu machen von allen Prägungen und Erwartungen und wieder wir selbst zu werden, und sorgen wir dafür, dass die, die uns anvertraut sind, sich in einer Atmosphäre der Freiheit, des Vertrauens und der Liebe entfalten dürfen. Und: Bringen wir denen, die in einer Welt voller Zwänge und Lieblosigkeit rücksichtslos, brutal, gierig und angsterfüllt geworden sind, unser Mitgefühl entgegen und lassen wir das Strahlen unserer erwachenden Augen ihr Herz berühren, um auch in ihnen eine Sehnsucht zu wecken…. Lasst uns darauf vertrauen, dass unsere Liebe heilt und verändert!

 

In alter Verbundenheit mit allen kämpfenden Weltverbesserern hätte ich jetzt zum Abschluss fast die Faust gen Himmel gereckt und gebrüllt „Viva el Ché“. Aber ich kann gerade noch an mir halten und flüstere lieber mit der sanften Stimme des Herzens: „Viva la revolución en el interior! Viva la vida!“ Auf die Revolution im Innern! Es lebe das Leben!

 

Deine Christine Samira

 

P.S.: Besonders lieben Gruß und Dank an Ulrich, Steffi und Elke für tolle Inspirationen, fürs Reflektieren und Diskutieren. Ihr seid wunderbar! Bis bald!

 

Und noch was ganz anderes :-D… eine kleine Info für alle Kaffeetanten (und –onkels) wie mich… Heute habe ich gelesen, dass eine Harvard-Studie mit 1,3 Millionen Teilnehmern ergeben hat, dass Menschen, die zwischen drei und fünf Tassen Kaffee pro Tag trinken, seltener einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden als solche, die gar keinen Kaffee trinken. Yeah Lovelies, das Leben meint es wirklich gut mit uns!!! 😉

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Kann Gänseblümchen wachsen hören,
spür Purpurrot auf meiner Haut.

Riech Amseln hoch im Baume zwitschern
und seh‘ die Süße einer Kirsche.

Schmeck den Mond in dunkler Nacht
und hör mir selbst beim Schauen zu.

Das Sein, so unerträglich leicht.
Mein Herz verliebt.

(Christine Fleckenstein)

Wikipedia definiert Verliebtheit als „ein intensives Gefühl der Zuneigung. Sie wird nach Ansicht von Psychologen von einer Einengung des Bewusstseins begleitet, die zur Fehleinschätzung des Objektes der Zuneigung führen kann. Fehler des anderen können übersehen oder als besonders positive Attribute erlebt werden. Verliebtheit ist kein Dauerzustand, sie besteht als eine Phase über einen längeren oder kürzeren Zeitraum, kann abflauen und sich auflösen oder in Liebe übergehen.

Puhhh, das klingt aber ganz schön ernüchternd, oder? Verliebtheit macht also tatsächlich blind, so dass wir schlicht und einfach nicht sehen, wie doof der andere eigentlich ist. Und wenn uns dann die Augen aufgehen, dann ist es entweder dahin mit den schönen Gefühlen oder wir machen es uns behaglich im sicheren und ruhigen Hafen der Liebe…

Die Psychologen sprechen bei Verliebtheit also von einer „Einengung des Bewusstseins“. Hm, ich würde es genau anders herum sehen, aber das kommt wohl wiederum darauf an, wie man Bewusstsein definiert. Wenn man unter Bewusstsein eine Verstandesaktivität versteht, in der analysiert, berechnet, bewertet, beurteilt, mit der Vergangenheit abgeglichen und in die Zukunft projiziert wird, dann mag es sich bei der Verliebtheit wohl (Gott sei Dank!) um eine Einengung handeln. Definiert man Bewusstsein aber als Herzensqualität, als vollkommene Präsenz im Hier und Jetzt, als Wahrnehmen der Einheit allen Seins und Wissen um die Göttlichkeit und das innere Leuchten aller Wesen, dann ist Liebe und Verliebtheit höchste Wachheit und eine Erweiterung des Bewusstseins, keine Einengung! Gerade das macht doch die Qualität der Verliebtheit aus: weit werden im Herzen statt in der Enge des Denkens zu verweilen.

Es wird als Fehleinschätzung und Defizit in der Wahrnehmung gesehen, wenn man über die Schwächen des Geliebten hinwegsehen und ihn als uneingeschränkt liebenswert anerkennen kann. Ja, ihn sogar gerade wegen seiner Fehler besonders lieben kann. Wie verrückt ist das denn? Da muss ich sagen, hat die Psychologie doch offensichtlich keine Ahnung von ECHTER Liebe. Ist nicht genau das die große magische und transformierende Kraft der Liebe?  Ich kann einen Menschen lieben, obwohl er anders ist als ich. Ich kann ihn wertschätzen, auch wenn er Fehler hat. Ich kann das Potenzial und die Kraft und die Seelenfarbe meines Partners erkennen, auch wenn er sie noch nicht vollkommen leben kann. Ich gehe an der Seite eines Menschen, um mich selbst zu erkennen. Aber auch, um ihm zu helfen, seinen Schmerz, seine Verletzungen und Ängste zu heilen, und sein Potenzial und seine Kreativität in die Welt zu bringen. Wow – dieses mächtige Samenkorn steckt in den ersten Wochen und Monaten einer Beziehung!!! Und die Wissenschaft tut so, als käme die Verliebtheit einer geistigen Umnachtung gleich. Und nach dem (leider viel zu schnellen) Ende dieser verrückten Phase des Hormonchaos komme der Mensch endlich wieder zu Bewusstsein. Kein Hochgefühl mehr, keine Ekstase, keine verzehrende Sehnsucht nach dem oder der EINEN, keine Verrücktheiten, keine Rebellion gegen verstaubtes Establishment. Nein, wir sind wieder normal! Die Gesellschaft hat uns wieder – die nüchternen, funktionierenden, depressiven, lustlosen, manipulierbaren, konsumierenden, angepassten, stets unzufriedenen kleinen Soldaten, die nach der hingehaltenen Karotte schnappen bis sie tot umfallen, um sich dann zu fragen „und das war’s jetzt?“. Es war ja nur im dummen und kurzen Überschwang der Gefühle, dass wir geglaubt hatten, wir dürften glücklich sein, und aus tiefstem Herzen lieben und wahrhaft frei sein. Wie töricht! Gut, dass das den meisten Menschen nur in der Jugend passiert, da kann man über so einen unreifen Unfug ja noch eher hinwegsehen… 😉

Nein, ganz im Ernst… 😉 ein Hoch auf alle in Verliebtheit geistig Umnachteten (- denn ihrer ist das Himmelreich, hätte ich schon fast gesagt).

Verliebtheit kann in Liebe übergehen“, heißt es in der Wikipedia-Definition. Kann sie das wirklich, oder müssen nicht beide Hand in Hand gehen? Liebe ohne Verliebtheit fühlt sich für mich tot an. Wie Champagner, der schon seit Tagen im Glas steht. Es ist etwas Wertvolles, Edles, aber das Prickeln, die Lebendigkeit, die Bewegung, die Frische fehlt. Egal wie teuer dieser Champagner war, irgendwann wird es einem nicht mehr um ihn leidtun und man wird ihn wegschütten. Aus diesem Glas will man nicht mehr trinken, es ist schal geworden, warm und langweilig. Ist das die Liebe, die wir wollen? Kann Verliebtheit wirklich in Liebe übergehen? Nein, Verliebtheit ist von Anfang an ein Abbild der lebendigen, alles einschließenden, mutigen und sich selbst genügenden Liebe zwischen zwei Menschen. Verliebtheit kann vor Liebe über-gehen und Liebe kann vor Verliebtheit über-gehen, aber niemals eines in das andere. Ich hoffe, du kennst das Gefühl, wenn dein ganzes Sein überfließt vor Verliebtheit und Zärtlichkeit zu deinem Partner, wenn du Schmetterlinge im Bauch hast, weil du dich für den anderen hübsch gemacht und ein Date mit ihm hast, wenn du deine Augen nicht mehr von deinem Geliebten lassen kannst und jede Berührung zur Offenbarung wird, wenn du ohne Grund lachen musst und die ganze Welt umarmen könntest, wenn dir dein Herz schmerzt, weil es keine Worte gibt, um auszudrücken, was du fühlst…. Und ich hoffe, dieser Zustand ist nicht nur eine verblasste Erinnerung aus längst vergangenen Zeiten, sondern begleitet euch durch die vielen Jahren eurer LIEBEsbeziehung. Lasst das Glas Champagner nie zu lange stehen. Leert euch und füllt euch wieder auf. Genießt einander und berauscht euch an der Liebe! Das Prickeln ist das, was den Champagner ausmacht. Er will getrunken werden und nicht nur rumstehen.

Jetzt haben wir also die psychologische Erklärung der Verliebtheit. Und wie sieht es die Medizin? Natürlich hat auch sie eine Theorie parat:

Biochemisch betrachtet ist Verliebtheit ein einfach zu erklärendes Phänomen hormoneller Prozesse im Körper: In der Gegenwart unseres Objekts der Begierde sorgen erhöhte Dopamin- und Oxytocinwerte dafür, dass wir im Rausch der Glücksgefühle schweben, und Zärtlichkeit und Geborgenheit im gemeinsamen Zusammensein empfinden. Und ein sinkender Serotoninspiegel lässt uns – ähnlich wie bei einer Zwangsneurose – ständig an unseren Partner denken und ganz auf ihn fixiert sein. Und jetzt wird’s spannend: der bei frisch Verliebten erhöhte Nervenbotenstoff Neurotrophin NGF macht uns euphorisch und trägt laut wikipedia dazu bei, „dass Verliebte sich zuweilen in einem Zustand der Unzurechnungsfähigkeit befinden, sich zu irrationalen Handlungen hinreißen lassen und Hemmschwellen abbauen.“ Ist das nicht toll!!! Das heißt für mich auf gut deutsch: Für zwei Verliebte ist ALLES möglich. Es ist nichts zu groß, nichts zu schwer, und es ist scheißegal, was die anderen dazu sagen. Schade eigentlich, dass sich dieser explosive Hormoncocktail mit der interessanten Mischung aus Zärtlichkeit, tiefer Verbundenheit und Fokussierung sowie powervoller Kreativität schon nach ca. einem Jahr wieder „normalisiert“… Dazu fällt mir dann nur noch der bekannte Buchtitel ein: „Willst du normal sein oder glücklich?“

Wir sind doch selbst schuld, wenn wir diesen wunderbaren Zustand einschlafen lassen. Vielleicht bin ich verrückt (das bin ich wohl, denn ich bin verliebt), aber ich glaube daran, dass Verliebtheit in einer Beziehung dauerhaft Bestand haben kann (oder muss?). Egal, wie lange sie dauert. Ja, ich bin sogar so übermütig zu sagen, ich will mit jedem Tag immer mehr verliebt sein. Je größer die Liebe, je mehr gemeinsame Jahre einen verbinden, umso prickelnder darf es sein! Ich will mich nicht, um dieses Gefühl zu haben, ständig auf neue Affären und Flirts einlassen müssen. Ich will meinen „Vertrauten“, meinen Seelengefährten immer wieder neu erleben. Ich will mich jeden Tag neu verlieben in den Menschen, den ich am meisten liebe! Bitte, glaubt wieder daran, dass das möglich ist! Osho sagte einmal, dass immer wieder Leute zu ihm kämen und sich ausweinten und beschwerten, dass ihr Partner sie nicht genug liebe. Aber noch nie habe er einen getroffen, der gesagt hätte, ich liebe meinen Partner zu wenig. Liebst du deinen Partner? Dann lass keinen Tag vergehen, ohne es ihn spüren und er-leben zu lassen. Tu etwas für die Liebe! Es gibt nichts Schöneres, als Liebe zu verschenken und Verliebtheit zu teilen.

Leider lernen wir viel Unsinn in der Schule, aber über die Liebe lernen wir nichts. Das ist auch kein Wunder, denn die Liebe würde uns frei machen, aber das will ja keiner. Es gibt nichts Schlimmeres für eine Gesellschaft als freie, mutige (oder übermütige?), glückliche, liebende, erwachte, kritische, an sich selbst glaubende Menschen. Wenn ich also Liebe unterrichten würde, und du würdest mich fragen, wie geht das, einen Menschen für immer zu lieben und dabei ewig verliebt zu bleiben – verrückt, wild, kompromisslos, authentisch, verspielt, lustvoll, mutig? Dann würde ich dir antworten: Triff als erstes die Entscheidung dafür, genau das zu sein: verliebt, verspielt, kreativ, lustvoll, wild. Entscheide dich jeden Tag aufs Neue dafür, in deinen Mann, deine Frau verliebt zu sein. Es liegt in allererster Linie an deiner Einstellung. Der andere wird nicht nach einem Jahr plötzlich weniger liebenswert oder zum Langweiler. Nein, nicht der andere hat etwas falsch gemacht, sondern du wirst blind, du schläfst langsam ein, du fängst an zu nörgeln, du bekommst Angst vor dem, was einst so verlockend war, du wirst wieder un-bewusst. Das was als süßes Geschenk in dein Leben kam, wird zur Selbstverständlichkeit, vielleicht sogar zur Bedrohung. Lass das nicht zu – verpflichte dich deiner Liebe und Lebendigkeit, sie ist das Wertvollste was du hast! Lass dich jeden Tag wieder berühren und begeistern von der Schönheit deines Partners, seinem Können, seiner besonderen Art, seinen Ideen und Träumen. Sei mutig, dein eigenes Licht zu leben und hör nie auf, das einzigartige Leuchten in deinem Partner zu spiegeln. Gib dem Menschen, den du liebst, jeden Tag die Chance neu zu sein, anders zu sein, wiedergeboren zu werden. Sieh ihn jeden Tag mit neuen Augen. Wisse, dass du niemals neben demselben Menschen erwachst, neben dem du eingeschlafen bist. An dem Tag, an dem du glaubst, deinen Partner zu kennen, fängt die Liebe an zu sterben. Dann werdet ihr beide unfrei. Dein Partner ist, genau wie du selbst, eine Welt, die jeden Tags aufs Neue entsteht. Die Augen, in die du heute schaust, sind andere, als die, in die du gestern geschaut hast. Willst du dich wieder in sie verlieben? Dann tu’s einfach! Schau wirklich hin, sieh den Zauber! Schenke deinem Partner all das, was du dir in deinen kühnsten Träumen von einem Geliebten wünschen würdest. Lass für deinen Schatz rote Rosen regnen. Bemühe dich immer wieder darum, deinem Partner nahe sein zu dürfen. Interessiere dich für diesen Menschen, sei aufmerksam, sei wirklich da, wenn du mit ihm bist. Vergiss nie, welch großes Geschenk es ist, einen Blick in das Universum einer anderen Seele werfen zu dürfen. Öffne deine Welt und betrete die Welt deines Geliebten mit Liebe, Neugier und Begeisterung. Verliebtheit hat etwas sehr Kindliches, Unschuldiges, Präsentes, Flüchtiges, Verspieltes. Also hör nie auf, Kind zu sein! Bleib mutig, offen und spontan. Lache das Leben an! Trau dich, nackt und unvorbereitet zu sein. Dann wirst du durchlässig, dann können Lebendigkeit und Verliebtheit dich durchströmen. Als Kind hast du Überraschungen geliebt. Als du frisch verliebt warst, hast du deinen Partner überrascht. Also hör doch einfach nie auf damit. Hab Spaß, sei kreativ, liebe dich selbst und lass dir etwas einfallen um Liebe erlebbar zu machen! Nimm dich nicht so ernst, lache über dich, über das Leben und mit deinem Partner. Lachen hält jung, macht schön und verbindet mehr als alles andere! Das Gefühl zu altern stellt sich ein, wenn wir aufhören, Neues in unser Leben zu lassen. Aber das Leben ist so reich, du bist so reich, dein Partner ist so reich. Wenn du es wirklich willst, dann geht das Neue nie aus! Wann hast du zum letzten Mal etwas „das erste Mal“ getan? — Oh, das ist schon viel zu lange her! Mach es einfach zu deiner (oder eurer) persönlichen Herausforderung, jede Woche oder mindestens jeden Monat etwas „zum ersten Mal“ zu tun. Sei kreativ, denn nur kreative Menschen können dauerhaft verliebt sein. Nur kreative Menschen sind überhaupt zur Liebe fähig. Öffne deine Sinne für die Schönheit und die Magie der Welt. Sieh den Zauber in allem und lass dich verwirren vom Reichtum der Schöpfung! Rieche mit den Augen, schmecke mit den Ohren und höre mit der Nase. Sei wach und offen mit jeder Pore deines Seins, sonst verpasst du das Wesentliche.

Liebe ist ein Synonym für Leben, und Verliebtheit ist ein Synonym für Lebendigkeit. So ist also die Verliebtheit das was das Leben mit Gegenwärtigkeit und Dynamik erfüllt. Es ist die Fähigkeit, jeden Moment mit sich selbst und mit dem geliebten Menschen neu und aufregend und sinnlich zu gestalten. Und diese Fähigkeit wird aus dir selbst heraus geboren. Wenn du also in deinen Partner verliebt bleiben willst, dann SEI du selbst ein verliebter Mensch, mit all dem, was verliebt sein für dich bedeutet. Sei verliebt ins Leben, anders geht es nicht. Wenn du lieben willst, dann SEI die Liebe. So einfach ist das. Am besten wir vergessen also die schlauen Psychologen und all das mit den Hormonen und entscheiden uns einfach, dass es so lange andauern darf, wie wir selbst bereit sind, lebendig zu sein und unseren Partner als lebendiges, pulsierendes Wesen zu sehen.

Spürst du den Unterschied zwischen leben und lebendig sein? Genau das ist der Unterschied zwischen lieben und verliebt sein. Das Leben ohne Lebendigkeit ist starr und tot (leider sind diese lebenden Toten millionenfach unter uns), und die Liebe ohne Verliebtheit ist blutleer und lau (und ist das was wir in den meisten Beziehungen sehen). Das Leben ist eine Tatsache und die Liebe ist eine Tatsache – für die Lebendigkeit und die Verliebtheit aber dürfen wir uns jeden Tag bewusst neu entscheiden!

Zum Abschluss entschuldigt ihr sicher einer total unzurechnungsfähigen Frau mit eingeschränktem Bewusstsein und hormoneller Fehlsteuerung noch einen völlig irrationalen persönlichen Gruß, der jegliche Hemmschwelle überschreitet: *winkewinke* Hallo mein Schatz, ich liebe dich und bin soooooooooooooo verliebt!!! Schön, dass es dich gibt! Wie wär’s mit einem Gläschen Champagner am Wochenende? Ich lass mich von der Marke gern überraschen! 🙂

Lebe die Verliebtheit und liebe die Lebendigkeit! La vita è bella…
Deine Christine Samira

„Gott hilft immer den Narren, den Betrunkenen und den Verliebten.“
Marguerite de Navarra (1492-1549), franz. Dichterin und Königin von Navarra
(In diese Gruppe reihe ich mich doch gern ein … es gibt Schlimmeres! 😉 )

„Nur Verliebte haben eine Vorstellung von der Ewigkeit.“
Emanuel Wertheimer (1846-1916), deutsch-österreich. Philosoph und Aphoristiker

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