Feeds:
Beiträge
Kommentare

lot
Die Weisheit spricht nicht immer aus dem Kopf und auch nicht immer aus dem Herzen. Manchmal lässt sie ihre Stimme aus dem Bauch heraus erbeben – bei uns Frauen zumindest. Denn im Bauch liegt unser Kraftzentrum: Über die Gebärmutter sind wir mit dem Herzschlag von Mutter Erde verbunden und aus diesem Zentrum heraus gebären wir in jedem Augenblick das Universum. Wir sind im Bauch der großen Göttin und die große Göttin ist in uns.

Vom Bauch ausgehend beginnt das weibliche Erwachen. Die Religionen und esoterischen Wege, die heute überwiegend praktiziert werden, sind sehr stark männlich geprägt: Körperlichkeit, Sinnlichkeit und Sexualität – urweibliche Kräfte – werden dabei oft tabuisiert und müssen überwunden werden, um zur Erleuchtung zu gelangen. Der Weg des Erwachens spielt sich fast ausnahmslos in den oberen Chakren und den Verstandeswelten ab: Es geht um das Studium spiritueller Texte, Geistesschulung, komplexe Weltanschauungen, Meditation, Auslöschung des Egos, „harte Arbeit“ an sich selbst, Erlangung übernatürlicher Kräfte, sowie Rückzug aus dem weltlichen Leben.

Der weibliche Weg ist seit Urzeiten genau entgegengesetzt: In inniger Verbindung zu Mutter Erde, ist es ein Weg der Einfachheit und Hingabe, der den Körper, das Leben und die Lebendigkeit preist, die sexuelle Vereinigung als mystische, schöpferische Erfahrung verehrt, und tief verwurzelt ist mit den Kräften der Natur.

Beide – der männliche und der weibliche Zugang – müssen kein Gegensatz sein, sondern dürfen sich wechselseitig durchlichten und in einander übergehen. Es gibt keine Wertung. Beides sind einfach unterschiedliche Pfade zur Wahrheit. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass die spirituellen Wege des Erwachens, die wir bis heute kennen und überwiegend praktizieren, nur für wenige Menschen wirklich in die Freiheit führen. Sobald auch nur eine einzige menschliche Erfahrung ausgeschlossen wird, kann der Weg niemals in die Ganzheit führen. Und sobald dem unbeschreiblichen Mysterium des Lebens auch nur ein einziges Konzept aufgezwungen wird, kann er niemals frei machen.

Die Zeit ist reif, um die „Energien der Göttin“ wieder in die Welt zu holen und damit dem weiblichen Prinzip die Tore zu öffnen – zum Wohle aller Geschöpfe und des Überlebens unserer Mutter Erde. Der weibliche Weg ist zutiefst lebensbejahend und mit den Rhythmen des Lebens verwoben, und kann auch die erreichen, die bisher keinen Zugang zu ihrer Spiritualität hatten. Er basiert auf der Hingabe, der urweiblichsten Qualität schlechthin. Schon allein der Klang dieses Wortes bringt alles Erstarrte wieder in Fluss und lässt alle Anspannung abfallen. Wie sehr ich dieses Wort liebe! Es ähnelt dem Loslassen, geht aber sooo viel tiefer. Loslassen hat immer noch eine aktive Komponente, und es schwingt noch ein letztes Fünkchen an Kontrolle mit, während die Hingabe um so viel radikaler und reiner, und ganz und gar passiv ist.

Hingabe hat für mich drei wesentliche Merkmale:

– Sich dem Mysterium des Lebens ergeben
Viele spirituell Suchende sehnen sich nach dem Besonderen und vergessen darüber, wie Besonders das Leben selbst ist. Wir verpassen das Leben, wenn wir nach etwas suchen, das noch großartiger sein sollte. Es gibt nichts „Besondereres“ als das Leben! Und das Leben ist und bleibt ein großes Geheimnis. Die weibliche Spiritualität sucht nicht danach, das Mysterium zu enträtseln und damit zu trivialisieren. Sie weiß, dass es auf das Mysterium keine letztgültigen Antworten gibt. Daher verehrt das göttlich Weibliche die Frage und gibt sich der puren Erfahrung hin, statt nach Antworten, Erklärungen und Konzepten im Außen zu suchen.

– Sich öffnen und verschmelzen
Der weibliche spirituelle Weg trachtet nicht danach, alles vom Verstand her zu analysieren und intellektuell zu begreifen. Der Suchende in seiner Hingabe verbindet sich auf der Herzensebene mit allem was existiert in tiefer Liebe, und wird dadurch des Wesens aller Dinge und seiner Selbst gewahr. Er muss es nicht verstehen, es reicht, es zu lieben! Je mehr Liebe praktiziert wird, umso leichter dehnt diese sich auf alles aus, was existiert, ohne Ausnahme. Wir verehren die bunte Vielfalt, in der sich das Leben individuell ausdrückt und erleben gleichzeitig in tiefer Verschmelzung die Einheit allen Seins und transzendieren damit die Dualität.

– Sich in Gleichgültigkeit üben
Hingabe drückt sich in einem wahrhaftig und tief empfundenen JA zu allem was ist, aus. Jegliches Urteilen entfällt. Es gibt kein „gut“ und „böse“ mehr, kein „ich will“ und „ich will nicht“. Indem aller Widerstand und alle Anhaftung gleichermaßen wegfallen, fließen wir in Anmut und Leichtigkeit mit dem Leben. Es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft, nur den gegenwärtigen Moment. Wir erleben ihn wach und mit allen Sinnen, wir lassen uns berühren und schwingen mit. Was auch immer geschieht, alles ist gleich-gültig.

Ein Bild, das sich mit meiner Vorstellung vom weiblichen spirituellen Weg deckt, ist die Konversation zwischen Devi (dem göttlich Weiblichen) und Shiva (dem göttlich Männlichen) im „Vigyan Bhairav Tantra“ (zu Deutsch: „die Technik, über das gewöhnliche Bewusstsein hinaus zu gelangen“), einer viele tausend Jahre alten tantrischen Schrift, die Osho in dem Werk „Das Buch der Geheimnisse“ interpretiert hat. Alle tantrischen Sutras basieren auf dem Dialog zwischen Devi und Shiva. Devi fragt und Shiva antwortet. Doch zwischen beiden herrscht keine Schüler-Lehrer Beziehung, sondern es ist ein Dialog zwischen zwei Liebenden. Wahre Erkenntnis ist nicht möglich ohne Liebe, ohne Einssein mit dem Objekt, das man erfassen möchte. Du musst zu einem Liebenden werden, damit sich das Höchste durch dich ausdrücken kann. Das ist das weibliche Wesen der Spiritualität!

Das wahrhaft Besondere an dem Dialog der beiden Liebenden aber ist die Tatsache, dass Shiva keine konkrete Antwort gibt, und dennoch antwortet. Er überbringt Devi als Antwort eine Technik, die ihr die Erfahrung des Transzendenten ermöglicht und sie die Antwort in sich selbst finden lässt. Genauso funktioniert die „weibliche Spiritualität“: Devi öffnet sich in vollkommener Hingabe und Liebe. Sie ist erfüllt von dem aufrichtigen Wunsch, das Leben in seiner Ganzheit zu er-fahren und öffnet ihr leeres Gefäß. Indem sie sich einer konkreten Frage hingibt, stellt sie der grenzenlosen Existenz einen Kanal zur Verfügung, sich ihr zu offenbaren und ihr ganzes Wesen zu durchdringen. Sie erwartet keine oberflächliche Antwort oder intellektuelle Erklärung, sondern wird eins mit dem Bewusstsein (Shiva) und gelangt zu Erkenntnis durch Erfahrung. Devi ist der bereitete, fruchtbare Boden und Shiva ist das Samenkorn.

Die Hingabe als Ausdruck der weiblichen Kraft ist energetisch mit dem Sakral- oder Svadhisthana-Chakra verbunden. Das Sakralchakra hat eine ganz klar weibliche Schwingung (im Gegensatz zum Wurzelchakra, das eine männliche Energie besitzt). Dieses Chakra ist das Reservoir unserer sexuellen Energie, unserer Kreativität, feurigen Begeisterung und Sinnlichkeit. Der körperlich-sinnliche Ausdruck, das Erträumen und kreative Erschaffen, Lebensfreude, Genuss, Tanz, Musik, Poesie, das Fördern und Nähren alles Lebendigen und Lebensspendenden sind für eine Frau (und natürlich auch für die Shaktikraft im Mann!) existenziell. Und sie können unser Vehikel ins Erwachen und in ein Leben in Gesundheit, Liebe und Freude sein. Wir machen diese menschliche Erfahrung nicht, um das Menschliche zu verleugnen, zu erniedrigen, und in geistige Welten abzudriften. Wir sind hier, um das Leben zu feiern und uns mit jeder Faser unseres Seins ins Abenteuer zu stürzen. Wir sind hier, um die gesamte Schöpfung in unser Herz und unseren Bauch zu nehmen und zu lieben wie unser eigenes Kind.

Die weibliche Shaktienergie im Körper wird oft als Kundalini bezeichnet. Sie repräsentiert die Sexual- und Lebenskraft schlechthin und wird traditionell als zusammengerollte Schlange dargestellt, die ihren Sitz am unteren Ende der Wirbelsäule hat. Laut yogischer Lehren soll die Kundalinienergie im Zuge des spirituellen Erwachens erweckt und mithilfe bestimmter Übungen und Atemtechniken nach oben gelenkt werden, um die sexuelle Energie zu transzendieren und sich mit dem reinen Bewusstsein zu verbinden. Nachdem ich intensiv in die Thematik eingetaucht bin, zeigt sich mir die Sache allerdings anders. Es kann für mich nicht darum gehen, diese Kraft nach oben zu lenken. Eine weibliche Energie bewegt sich nicht, steigt schon gar nicht auf. Sie kann sich nur öffnen oder verschließen. Welche Intention dahinter steckt, eine weibliche Energie aufsteigen zu lassen, darüber will ich nicht spekulieren. Vielleicht ist es einfach nur der alte alchemistische Traum, das sogenannte Unedle in Edles zu verwandeln.

Aber eines ist für mich klar: es sind männliche Yang-Energien, die sich bewegen, die auf- oder auch absteigen, aber niemals eine Shaktikraft. Das widerspricht vollkommen dem Wesen des Weiblichen. So geht es für mich bei der Erweckung der weiblichen Kraft einfach nur darum, sie zu öffnen, damit die männliche Energie absteigen und sie „befruchten“ kann. Das ist dann Verschmelzung, Einheit, Erwachen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich gleich mit einem anderen Missverständnis (für mich!) aufräumen: Wir beziffern die Chakren von unten nach oben, also das Wurzelchakra als erstes und das Kronenchakra als siebtes Chakra. Auch dieses energetische Konzept soll möglichweise vermitteln, dass der Körper, dass Lebendigkeit, dass Sinnlichkeit etwas Niederes ist, und dass das Menschsein überwunden werden und die Materie in geistige Energie umgewandelt werden muss. Aber ist es nicht vielmehr so, dass wir geistige Energie sind, die sich in das Körperliche hinein manifestiert? So wie ich es sehe, geht es auf dem spirituellen Weg darum, das reine Bewusstsein vollkommen in die Körperlichkeit einsinken zu lassen. Unser Denken, unser Fühlen und unser Tun mit reinem Bewusstsein zu durchdringen und damit die Göttlichkeit in die weltliche Erfahrung zu bringen. Somit fließt in diesem Fall die Energie von oben nach unten. Und da haben wir wieder das Bild von Devi, die ihren Weltenschoß (Kundalini) voller Hingabe öffnet um sich vom Bewusstsein (Shiva) durchdringen zu lassen und zur vollkommenen Erkenntnis zu gelangen.

Letztendlich – das ist mir natürlich sehr bewusst – ist auch die Lehre der Chakren und der Kundalini nichts weiter als ein Konzept. Und auch dieses, wie alle Konzepte, dürfen wir getrost loslassen. Es gibt keine Notwendigkeit, darüber zu streiten oder die Theorien allzu ernst zu nehmen. Für unser Leben hat es nicht wirklich Relevanz, wie viele Chakren es gibt, welchen Charakter die Kundalini Energie hat oder welche Energien wohin fließen. Alles was wirklich relevant ist, können wir mit unseren Sinnen wahrnehmen. Das was wir sehen, hören, spüren, riechen, schmecken, was uns die Natur in ihrem ewigen Kreislauf spiegelt, beinhaltet alles was wir wissen müssen. Jeder einzelne Augenblick trägt alles in sich. Und in jedem Augenblick entscheiden wir neu, ob wir wach sind oder im Tiefschlaf. Fest steht: je mehr wir uns mit Analysieren beschäftigen und Konzepten nachhängen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir nicht wach sind.

Der weibliche spirituelle Weg ist ein Weg der Freude, der Liebe, der Leichtigkeit und der wachen Präsenz im Körper. Wir müssen nicht ewig an uns arbeiten, uns verbessern und „ver-feinstofflichen“. Menschsein ist etwas Heiliges und kein Verbrechen, keine Sünde und keine Schwäche – wann verstehen wir das endlich? Wir sind gut und vollkommen, so wie wir sind. Wir brauchen keine Gurus und keine spirituellen Lehrer, weil es da nichts zu lehren gibt. Wir brauchen keine Priester, die als Vermittler zwischen uns und etwas „Heiligem“ außerhalb von uns selbst fungieren, weil wir All-Eins sind. Wir brauchen keine Heiler, weil es letztendlich nichts zu heilen gibt. Wir brauchen keine Wahrsager, Channels und Medien, weil wir alles Wissen in uns tragen. Was wir brauchen sind Wiedererinnerer: Menschen, die uns an die Liebe und die Vollkommenheit in uns erinnern. Die uns daran erinnern, wie wir wieder in Kontakt mit unserem Herzen und mit unserer inneren Weisheit kommen. Die uns daran erinnern, dass alles Richtig ist so wie es ist. Die uns daran erinnern, dass sich das Leben nur im Hier und Jetzt  – in diesem winzigen und gleichzeitig ewigen Augenblick – abspielt, und dass Vergangenheit und Zukunft keine Bedeutung haben. Die uns an die heilige männliche Kraft und die heilige weibliche Kraft – an Shiva und Shakti in uns – erinnern. Die uns daran erinnern, wie wertvoll Leben ist und dass es nichts Großartigeres gibt. Die uns daran erinnern, wie sich Freude, Liebe, Mitgefühl, Frieden, Leichtigkeit, Freiheit und Gesundheit anfühlen, und die uns gleichzeitig ermutigen, durch Schmerz, Wut, Hass, Trauer, Gier und Eifersucht fühlend hindurch zu gehen. Und: die uns daran erinnern, das Leben zu feiern, jeden Tag.

Wir brauchen Menschen, die sich voller Begeisterung und gleichzeitig mit wachem Bewusstsein in die Erfahrung Leben stürzen. Die das Leben in seiner bunten Fülle mit allen Sinnen genießen und gleichzeitig in der meditativen Stille ihres Herzens zu Hause sind. Menschen, die aus sich selbst heraus leuchten und anderen ein Licht sind.

Ich freue mich auf Männer, die die wilde Schönheit und Macht der Weiblichkeit wieder anerkennen und der Göttin Raum und Sicherheit geben, um ihre ganze Kraft zu entfalten. Die dem Träumen und der Intuition wieder ihren Wert geben, und die den Mut haben, ihr Herz zu öffnen, Liebe zu leben, Gefühle frei fließen zu lassen und die ihre männliche Kraft und Stärke in den Dienst der Erhaltung des Lebens stellen. Und ich freue mich auf Frauen, die sich wieder auf ihre eigene, innewohnende Macht und Weisheit besinnen, und ihre lustvolle Sinnlichkeit und ekstatische, heilige Schöpferkraft selbstbewusst und mitfühlend leben. Die den Mut haben, Altes, dem Leben und der Liebe nicht mehr dienliches zu zerstören und Neues ins Dasein zu tanzen. Die alles Leid und allen Schmerz bedingungslos vergeben und die wahre männliche Kraft wieder verehren können.

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!
Deine Christine Samira

Advertisements

Der Frühling ist ein Wunder – jedes Jahr aufs Neue! Was ist das für ein Glücksgefühl, den ersten Kaffee draußen in der Frühlingssonne zu trinken und die dicke Winterjacke endlich abzustreifen. Von den ersten Gänseblümchen wieder angelacht, und vom emsigen Summen und Brummen der Insekten umschwärmt zu werden, das die dunkle Stille des Winters so lange verschluckt hatte. Der Frühling kribbelt, er streichelt und liebkost. Der Frühling flirtet mit allen Sinnen – mal sanft und verhalten, mal wild und herausfordernd. Unter Aufbietung aller Kräfte und mit zähem Willen ringt er unerschrocken mit Kälte, Dunkelheit und Erstarrung – ein Tanz der Urgewalten! Und egal wie oft wir dieses Schauspiel schon miterleben durften, jedes Mal aufs Neue fiebern wir mit dieser Kraft des Neubeginns und freuen uns über den Sieg des Lebens über den Tod, des Lichts über die Dunkelheit. Ja, Frühling ist das Erwachen des Lebens – und damit pure Magie!

Der Frühling erinnert uns an eine archaische Kraft ganz tief in uns: an die ursprüngliche, unbändige Lust zu leben, an die wilde, verspielte Kraft der Liebe, und an unser inneres Feuer und unser Potenzial, das aus der Tiefe unseres Herzens hervorbrechen und das Licht der Welt erblicken möchte.

fruehling_lilith

Der Frühling repräsentiert die Lilith-Energie. Lilith ist eine mythologische Frauengestalt, die als erste Frau Adams gilt. Als selbstbewusste und starke Frau entzieht sie sich aber bald seiner Herrschaft. Sie soll Gott dazu gebracht haben, ihr seinen heiligen Namen zu verraten, wodurch ihr grenzenlose Macht zufloss. Daraufhin verlangte sie von Gott Flügel und flog davon. In manchen Quellen wird sie auch als „Dämonin der Nacht“ bezeichnet. Lilith galt in der Emanzipation als Symbolfigur für den Aufbruch und die Selbstbestimmung der Frau. Im Gegensatz zu den Werten Evas wie Mütterlichkeit, Bescheidenheit und Folgsamkeit steht sie für Sinnlichkeit, Leidenschaft und Sexualität. (vgl. wikipedia)

Diese Energie der Lilith ist in jeder und jedem von uns. Zu keiner Zeit finden wir so leicht Zugang zu dieser Kraft, wie im Frühling. Frühling ist Aufbegehren, Mut, Lebensfreude, Leidenschaft, Macht, Sexualität, Intuition, Potenzial, Aggression und Entfaltung. In dieser Zeit haben wir die Chance, uns wieder an unsere Visionen und unsere Essenz zu erinnern, die in der heiligsten Kammer unseres Herzens verborgen sind und darauf warten, geboren zu werden. Welche Kraft ist in mir angelegt? Wer bin ich, wenn ich vollkommen erblühe? Was ist der heilige Sinn, der sich durch mich in diesem Leben entfalten soll? Lilith ist der kraftvolle Aspekt in uns, der uns hilft, uns selbst wahrlich zu leben. Eine Blüte fragt nicht danach, ob es wirklich schon an der Zeit ist. Der Löwenzahn plagt sich nicht mit Zweifeln, ob er die Mauerritze wirklich durchbrechen kann. Das Gänseblümchen schielt nicht neidisch auf das Maiglöckchen, und der Brennnessel ist es einerlei, ob sie wirklich erwünscht ist. Sie alle folgen einfach ihrem inneren Ruf und lassen sich vom Leben durchströmen und bewegen. Es ist vollkommenes Vertrauen an das, was im Innersten angelegt ist, und Hingabe an die alles durchströmende Kraft des Lebens.

Genau dazu fordert uns Lilith auf: Erkenne deine eigene Göttlichkeit, entfalte deine Flügel und flieg! Flieg, du wunderbares Wesen! Mach dich frei von deiner Vergangenheit und von allen Kräften, die dich zurückhalten und bevormunden. Lebe nicht das Leben, das andere von dir erwarten, sondern folge der Freude deines Herzens. Sei frei! Sei wild! Sei ungehorsam! Lass die Stimme deines Herzens deine einzige Autorität sein. Glaube an dich und vertraue deiner Schönheit und Kraft. Alles in der Natur ist einzigartig und folgt seiner göttlichen Matrix. Alles in der Natur ist genau richtig so wie es ist. Warum solltest gerade du eine Ausnahme sein?

Ruf die Kraft der Lilith jetzt in dein Leben. Das Licht der Göttin ist mit jeder Frau und jedem Mann, der/die entschlossen ist, das Mysterium des eigenen Herzens zum Wohle aller zu entfalten. Mit jedem, der an den Puls des Lebens angeschlossen ist und seine Verbindung zum Bewusstsein der Einheit wieder erneuert hat. Geh in diesem Frühling in die Natur. Spür das feuchte Gras unter deinen Füßen, höre das Summen der Bienen, rieche den betörenden Duft der Blüten und verbinde dich mit der Sinnlichkeit und Lebenskraft in allem. Und ganz besonders: Spüre, dass du ein Teil dieser Kraft des Lebens und der Fülle bist. Begreife, dass die ganze Welt darauf wartet, dass du erwachst. Werde vom artigen Mädchen oder Jungen zum machtvollen Ausdruck der weiblichen Schöpferkraft. Warte nicht, bis jemand kommt, der an deinen Wurzeln zieht, sondern ermächtige dich selbst!

Fang an, deine Kraft zu leben – jetzt! Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Fang ihn ein! Egal welch noch so perfekte Skulptur aus einem unförmigen Steinbrocken gemeißelt wurde, wie erfolgreich eine Geschäftsidee sich verkauft hat, welch wundervolle Erkenntnisse man aus einer Reise zieht, wie würdevoll sich ein Leben vollendet hat oder was für prachtvolle Früchte ein Tomatenstock trägt – so schön das Ziel und die Ernte auch ist, im Anfang aller Dinge liegt die größte Kraft, die größte Vision, die größte Anmut und die größte Liebe. Das ist der Zauber des Frühlings, der Zauber des Neubeginns, des Wachstums und der Jugend. Vielleicht kommt einem deswegen – je älter man wird – jeder Frühling kostbarer vor. Ein Schatz, dessen Funkeln und Strahlen mit jedem Jahr wertvoller wird…

Fast möchte man dieses Erwachen, diese Aufbruchsstimmung festhalten und konservieren. Es ist so magisch, so beseelend und kraftvoll. Man möchte alles noch tiefer ins Herz nehmen, noch genauer beobachten, noch ausgiebiger genießen. Denn ach so schnell ist diese Zeit vorbei. Doch wir können den Frühling in unserem Herzen lebendig halten. Indem wir uns jeden Tag neu gebären und alles zum ersten Mal erleben. Indem wir anfangen, unsere ureigene Kraft zu entfalten – und uns wenn nötig immer wieder neu erfinden. Indem wir bewusst leben und mit allen Sinnen wahrnehmen. Indem wir den Mut haben, alle Kontrolle loszulassen und in den Raum der flirrenden Ekstase einzutreten. Indem wir uns frei machen von Dogmen, Zwängen, Erwartungen und Opfergefühlen. Indem wir unser Strahlen mit anderen teilen und diese Welt mit jedem Tag in einen liebevolleren Ort verwandeln.

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!

Deine Christine Samira

perlenst

In dem wundervollen Geschichtenbuch „Aus Liebe zum Leben“ der amerikanischen Ärztin Rachel Naomi Remen habe ich vor kurzem etwas gelesen, das mich zutiefst berührt hat: In alten Kulturen sei es gang und gäbe, kleine Fehler in die traditionellen Kunstwerke, die dort kreiert werden, einzufügen – als Würdigung der Spuren, die das Leben auf allem hinterlässt, was es berührt. So belassen Zen-Gärtner in Japan absichtlich einen dicken Löwenzahn inmitten der streng zugeschnittenen und ritualisierten Meditationsgärten. Im Iran fügen die besten Teppichweber einen absichtlichen Webfehler in die kostbarsten Teppiche ein. Und die amerikanischen Indianer stickten in jede ihrer prachtvollen Perlenstickereien eine zerbrochene Perle mit ein, die sogenannte „Geist-Perle“. All diese „Fehler“ verwandeln Perfektion in Ganzheit.

Als ich die Geschichte von der Geist-Perle gelesen hatte, kamen mir fast die Tränen. Wie oft halten wir unsere Energie zurück aus Angst, nicht perfekt, nicht gut genug zu sein! Wie oft verurteilen wir uns aufgrund von Schwächen und kleinen Schönheitsfehlern! Wie oft hadern wir mit dem Leben, weil so vieles anders gelaufen ist, als wir es geplant hatten! Wie oft sind wir voller Wut und Trauer gegen uns selbst! Doch dieses Bild von der Geist-Perle erinnert uns daran, dass wir unendlich kostbar sind, genauso wie wir sind! Dass es gerade die Brüche in unseren Biographien, in unseren Körpern, in unseren Seelen sind, die uns einzigartig machen, uns ganz werden lassen, und die unserem SEIN den Geist, den Spirit, einhauchen. Eine einzige kleine, zerbrochene Perle in einem Kunstwerk vermag, was die ganze perfekte Ordnung und Schönheit um sie herum nicht fertig bringt: Sie bricht versteinerte Herzen auf, sie be-rührt und tröstet. In dem Wissen um die Gegenwart einer Geist-Perle können wir entspannen und erleichtert durchatmen. Denn ein Kunstwerk, das seine Brüche offenbart, reflektiert unendlich viel Liebe und Mitgefühl für die Brüche in uns selbst! Ein MENSCH, der seine Brüche offenbart, heilt die ganze Welt!

Wenn wir gegen unsere Geist-Perlen kämpfen, kämpfen wir gegen das Leben und gegen all das, was Wahrhaftig, Wertvoll und Besonders ist. Es geht nicht darum, etwas möglichst perfekt zu machen. Es geht nicht darum, einen perfekten, ewig jungen Körper zu haben oder Prestige, Reichtümer und Wissen anzuhäufen. Es geht darum, dem Leben mit jedem Tag wieder neugierig, offen und unvorbereitet zu begegnen, Momente der Liebe, der Freude, der Weisheit, aber auch des Schmerzes und der Trauer miteinander zu teilen, mutig und authentisch den Tanz des Lebens zu tanzen – und uns selbst anzunehmen als Gezeichnete des Lebens.

Perfektion fühlt sich so ungeheuer hart, so tot und unbarmherzig an. Und tatsächlich ist sie ein eindeutiges NEIN zum Leben. Lebendigkeit entsteht erst da, wo wir akzeptieren, dass alles im Fluss ist, im ständigen Werden. Wo wir uns selbst erlauben, auf dem Weg zu sein, noch nicht angekommen zu sein. Wo wir unseren Körper als heiligen Tempel wertschätzen mit allen Spuren, die das Leben auf ihm hinterlassen hat.

Wie viele Geist-Perlen befinden sich in deinem Lebensgewebe? Wie viele Fehler, Brüche, Narben, Enttäuschungen, Widersprüche, Misserfolge, Krankheiten? Vielleicht möchten sie nichts weiter, als dich auf die Ganzheit in dir hinweisen. Dir zeigen, was wirklich wichtig ist im Leben, und dir zuflüstern: „Lass los und sag einfach Ja!“

Ich bin gerührt von diesen verrückten Zen-Gärtnern, Teppichwebern und Perlenstickern – wenn es sie denn tatsächlich (noch) gibt. Was für eine Demut gegenüber der Kunst und dem Leben selbst muss ein Mensch haben, der etwas Perfektes gestalten könnte und dann seinem Kunstwerk absichtlich einen Makel zufügt. Dem kann nur eine tiefe Verneigung vor der Großartigkeit des Universums und großes Mitgefühl gegenüber dem Menschsein zugrunde liegen.

Diese Haltung wünsche ich uns allen.

Wir bräuchten keine Schönheitschirurgen mehr, keine Drogen und vermutlich auch viel weniger Ärzte und Psychiater, wenn wir alle unsere Geist-Perlen anerkennen und einander offenbaren würden, und uns selbst und alles Leben mit den Augen der Liebe betrachten könnten. Die Augen der Liebe suchen nicht nach kühler Perfektion. Sie suchen nach Ganzheit, nach Tränen des Lachens und der Verzweiflung, nach Menschlichkeit, Wärme, Lebendigkeit und wahrhaftigem Selbstausdruck.

„On ne voit bien qu’avec le coeur. L’essentiel est invisible pour les yeux.“ – „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ (Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz)

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!

Deine Christine Samira

Deine Augen, Geliebter, machen mich sichtbar.
Dein Mund, er ruft mich ins Leben.
Durch dich bin ich – Ich bin!
Ein kühner Traum, aus dem mein Licht geboren wurde
und deine Liebe, die mein Leuchten bezeugt.
Da – für immer.
Lebendig.

Ich schaue aus dem Fenster und erfülle mit Leben was ich sehe. Da ist diese Birke, deren Blätter sanft im Wind sich wiegen… Der weiße Schmetterling, der fröhlich vorbei flattert… Die Schwalbe, die sich im Sturzflug windet… Die Wolken, die sich voneinander lösen und neu formieren. Würde all das existieren, wenn ich es nicht bezeugen könnte? Wenn nicht ich – wenn niemand – es sehen würde? Oder wird es erst lebendig durch mein Sein, durch die Beziehung zu mir? Für dich existiert diese Birke nicht, du wirst nie diese Wolke gesehen haben, von der ich Zeuge geworden bin für einen kurzen Wimpernschlag der Ewigkeit. Und der Schmetterling, der mein Herz zum Lachen gebracht hat, er ist dir gleichgültig, denn du hast dich nicht berühren lassen von seiner Existenz.

Dies ist das Geheimnis der Liebe: ein Wesen (egal ob Pflanze, Tier oder Mensch) bewusst wahr-zu-nehmen und es damit sichtbar zu machen, ihm Leben und Bedeutung zu geben, sich mit ihm zu verbinden und eins zu werden. Erst in der Beziehung zu einer anderen Wesenheit wird eine Existenz wahrhaftig und real. Ich bin, weil du mich wahr-nimmst. Ich bin, weil du bist.

Die größte Sehnsucht jedes Menschen ist es, erkannt zu werden. Wirklich gesehen zu werden mit liebenden Augen, die nicht an der Oberfläche Halt machen. Mit Augen, die frei von Projektionen schauen, frei von Erwartungen und Ängsten. Ein Schauen, das es dem Betrachteten ermöglicht, augenblicklich alle Masken fallen zu lassen und sich in seiner Nacktheit zu zeigen – in vollkommener Schönheit und gleichzeitig mit allen vermeintlichen „Makeln“. Ein Schauen, das bereit ist, das göttliche Leuchten, die besondere Gabe, die Seelenmedizin eines Menschen zu erkennen und zu bezeugen – und damit ins Leben zu rufen. Es gibt fast nichts Schlimmeres, als in seinem wahren Sein verkannt zu werden. Viele kennen diese schmerzhafte Erfahrung aus der Kindheit – nicht um seiner selbst willen geliebt und in seiner Herzensessenz gestärkt zu werden, sondern Erwartungen erfüllen zu müssen. Leider zieht sich dieses Muster oft durch das ganze Leben. Wir verlieren mehr und mehr den Mut, unser einzigartiges Leuchten zu zeigen, wir werden unsicher, büßen die Verbindung zu unserer eigenen Medizin ein. Und den meisten Menschen an unserer Seite fehlt die Liebe, Achtsamkeit und uneigennützige Bereitschaft, uns wahrhaftig zu erkennen. So enthalten die Menschen dem Leben seit tausenden von Jahren ihr göttliches Potenzial vor und verweigern der Welt ihren Segen. Welch eine Tragödie, wenn man bedenkt, was für einzigartige Reichtümer jeder Mensch in sich trägt. Ja, vermutlich hat jeder einzelne von uns die Macht, diese Welt im tiefsten Innersten zu verwandeln – wenn da nur einer kommt und uns mit seinem sanften Blick und seinem entschlossenen Rufen an uns selbst erinnert und uns zum Leben erweckt. Wir wären im Paradies, wenn wir alle auch nur einen einzigen Menschen um uns hätten, der uns in unserem wahren Sein erkennt, ermutigt und bestärkt. Stattdessen gehen wir durch die Hölle, weil zu wenige Lichter brennen.

Allein die Liebe hat die Kraft, uns über uns hinaus wachsen zu lassen. Was für eine wundersame Fügung ist das, wenn zwei Seelen sich finden, zwei Herzen sich lieben, zwei Körper sich vereinen. Und doch machen wir uns das Leben zur Hölle, solange wir uns nicht gegenseitig mit wachen und liebenden Augen erkennen. Gott sagt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ Gott – die Liebe, das Leben – vergisst niemanden. Das Leben selbst kennt dein Strahlen, deine Essenz, deine Einzigartigkeit. Es wird dich nie verwechseln. Wenn flüchtige Bekannte unseren Namen vergessen, ist das kein Drama. Doch wenn die, die uns nahe sind, uns nicht erkennen, dann verletzt das ganz tief. Wir fühlen uns verloren, vergessen, einsam. Den Namen eines Menschen zu kennen signalisiert: Du bist wertvoll, du bist einzigartig, ich (er)kenne dich, ich stehe in einer Beziehung zu dir, ich liebe dich. Und Gott fügt noch hinzu „Fürchte dich nicht!“. Wer dein wahres Selbst schaut und dich erkennt, bei dem bist du sicher. Wer sich einmal in reiner Liebe mit dir verbunden hat, wird dich nie verletzen können. Und dann sei mutig: Fürchte dich nicht davor, deinen eigenen Namen laut auszusprechen, deine Essenz zu leben, denn die Liebe dessen, der dich erkannt und gerufen hat, steht dir immer bei.

Der chilenische Dichter und Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda hat den wunderschönen Satz geschrieben: „Niemandem gleichst du, weil ich dich liebe!“ Die Liebe erniedrigt uns nicht und sie erhöht uns nicht. Aber sie ruft uns bei unserem ureigenen Namen und feiert unsere Einzigartigkeit. Sie holt uns aus der Anonymität und gibt uns einen Wert. Einen Menschen zu lieben beinhaltet die Verpflichtung, mit aller Kraft der Entfaltung seines inneren Strahlens zu dienen. Ja, richtig, dem Partner dienen! Wenn ich mich nur für das interessiere, was einen Menschen oberflächlich ausmacht, womit er gerade sein Geld verdient oder was er in der Vergangenheit getan hat, dann werde ich dem Menschen nicht gerecht. Und wenn ich keine Beziehung zu seinem wahren Selbst aufbauen kann, dann bleibt er mir für immer verborgen. In jedem Menschen gibt es etwas, das einen vor Rührung, vor Glück, vor Bewunderung und Wahrhaftigkeit zum Weinen bringt. Dies ist der Schatz, der gehoben werden will. Wenn du das in einem Menschen nicht finden kannst oder es dich nicht wirklich berührt und interessiert, dann ist dieser Mensch nicht der Richtige für dich. Dann mach den Platz frei für einen, der das Licht dieses Menschen sehen, schätzen und es zum Strahlen bringen kann. Dann liebst du vielleicht nur dein eigenes Bild von deinem Partner, aber es wird sich nie eine heilige Liebe durch euch erfüllen.

Gerade ist ein lieber Mensch aus meinem Umfeld in der Psychiatrie. Hat er vielleicht einfach seinen Namen vergessen? Hat ihn vielleicht zu lange keiner mehr – oder vielleicht noch nie in diesem Leben je einer – bei seinem Namen gerufen? Ich fühle großen Schmerz und verbinde mich tief im Herzen mit diesem Menschen und hoffe, dass er mein Rufen hört. Möge er sich erinnern, wer er ist und sich selbst wieder finden. Gott, – ich sage lieber: das Leben – vergisst uns nicht. Aber es sollte auch kein Mensch je von Menschen vergessen werden. Lasst uns uns gegenseitig in der Tiefe erkennen und uns in Demut und Wertschätzung unserem Leuchten dienen!

Ich habe mir immer sehr ein Kind gewünscht – vergeblich leider. Und ich hatte schon einen Namen für dieses Kind: Nayeli. Ich war einmal mitten in der Nacht aufgewacht und hatte den Klang dieses Namens im Kopf und ihn dann sofort gegoogelt. Es ist ein mexikanisch-zapotekischer Name und bedeutet „Ich liebe dich“. Der Name hat mich sofort verzaubert, denn ich konnte mir nichts Wundervolleres vorstellen, als dass ein Kind (und natürlich auch später die erwachsene Frau) jedes Mal, wenn es gerufen wird, die Botschaft „Ich liebe dich“ erhält. Was das wohl aus einem Menschen macht? Stell dir vor, du hörst zig Mal am Tag „Ich liebe dich“. Wäre das nicht himmlisch? Hm, ich vermisse Nayeli, meine Tochter, die es nie gab, sehr. Und trotzdem wünsche ich jeden Tag, dieses Kind zu gebären, indem ich versuche, die Welt um mich in Liebe wahrzunehmen. Achtsam zu sein, alles immer wieder mit neuen Augen zu sehen, wirklich bei dem Menschen präsent zu sein, mit dem ich gerade bin, das Leuchten, das Potenzial, das Beste in einem Menschen zu sehen – und ihn bei seinem Namen zu rufen und seinem Strahlen zu dienen.

Wir sind alle zumindest schon ein einziges Mal bei unserem Namen gerufen worden. Und wir können uns wieder erinnern. Ich wünsche mir, dass jeder wenigstens einen Menschen findet, der ihn erkennt und in reiner Liebe ruft. Einen Menschen, für den er aus der Masse heraus sticht und der aus tiefstem Herzen und voller Aufrichtigkeit sagen kann: „Niemandem gleichst du, weil ich dich liebe!“

In Wahrheit heißen wir alle Nayeli! Ich liebe dich!

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!

Deine Christine Samira

Vor kurzem saß ich am Fluss und meditierte. Und das Leben sprach zu mir. Es hat mich erinnert, wer ich bin. Ich bin die Quelle, der Fluss und das Meer.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Welt zu erfahren: als Zuschauer oder als Seiender. Letzteres ist in unserer lauten Welt nur wenigen Menschen zugänglich und seltenen mystischen Erfahrungen vorbehalten. Doch in Wahrheit entspricht es dem Urzustand unseres Seins – es ist, wie Leben gemeint ist: Teil-nehmen, mit-schwingen, durch-dringen. Das Leben ist dazu da, sich ihm hinzugeben, nicht dazu, es zu beobachten, zu planen und zu kontrollieren. Eigentlich müsste es heißen „es lebt mich“, nicht „ich lebe“. Genauso wie wir nicht atmen, sondern geatmet werden. Das Leben atmet uns, nicht wir atmen das Leben. Daher brauchen wir auch den Tod nicht fürchten, denn das was unseren Körper belebt, ist ewig und mit allem verbunden. Wir sind das Fließende, nicht das, was das Fließen begrenzt. Wir sind der Atem, der durch ein Kleid aus Raum und Zeit strömt. Das Kleid wird irgendwann abgelegt, aber das Leben dahinter bleibt ewig.

Wenn du draußen am Fluss sitzt und beobachtest, dann gibt es den Fluss und das Fließen. Doch wenn du mit deinem Bewusstsein ins Wasser eintauchst, dann bist du der Fluss und das Fließen zugleich. Du bist ewig. Du bist verbunden mit allem Wasser dieser Erde. Du bist die Quelle, der Fluss und das Meer. Und du bist das Fließen selbst. Wenn du im Fluss bist, bist du dir des Fließens nicht gewahr. Denn Fließen wird durch Zeit und Raum definiert. Zeit und Raum gehören zur Dimension des Beobachters. Wenn du aber der Fluss bist, dann bist du in die Ewigkeit des Augenblicks eingetaucht – frei von Zeit und Raum. Du bist der Seiende. Du bist Nichts und gleichzeitig Alles-was-ist.

In einer wundervollen Sufi-Weisheit heißt es: Die Liebe, der Liebende und der Geliebte sind Eins. Wenn du in der Welt aufgehst, gibt es keine Trennung mehr – kein Subjekt, kein Objekt, keine Aktion – es gibt nur noch EINS-SEIN.

Mein Erlebnis am Fluss hat mich an ein wunderbares Buch erinnert, das ich vor langer Zeit viele Male studiert habe: Vielleicht kennst du den Roman „Siddharta“ von Hermann Hesse – eines meiner Lieblingsbücher als Jugendliche auf der Suche nach dem Sinn des Lebens… ;-). Auch der Protagonist Siddharta wendet sich im Roman nach einer langen Reise auf der Suche nach Erkenntnis dem Fluss als Lehrer zu. Vom Fährmann erfährt er: „(…) ein sehr schöner Fluss, ich liebe ihn über alles. Oft habe ich ihm zugehört, oft in seine Augen gesehen, und immer habe ich von ihm gelernt. Man kann von einem Flusse lernen.“ Siddharta wird nach Erfahrungen der Askese, der Gefolgschaft spiritueller Lehrer und der Flucht in weltliche Sinnesbetäubungen bewusst, dass Weisheit nicht mitgeteilt werden kann, dass Worte, Theorien, Lehren und Denken einen Menschen niemals in die Essenz führen können – einzig die Verbindung mit der Natur, die Stille, das Lauschen und liebende Einswerden mit dem Leben öffnet sein Herz für wahre Erkenntnis. Am Fluss meditierend und lauschend, ohne Ziel und Begierde, erlangt er schließlich Erleuchtung.

Genauso wie ich es am Ufer der Isar erfahren habe, lernt auch Siddharta vom Fluss, dass es keine Zeit gibt: „dass der Fluss überall zugleich ist, am Ursprung und an der Mündung, am Wasserfall, an der Fähre, an der Stromschnelle, im Meer, im Gebirge, überall zugleich und dass es für ihn nur Gegenwart gibt, nicht den Schatten der Vergangenheit, nicht den Schatten der Zukunft (…) Nichts war, nichts wird sein; alles ist, alles hat Wesen und Gegenwart.“

Vielleicht inspiriert das auch dich, alles loszulassen was du glaubst zu wissen. Alles, was du je gehört, gelesen, gelernt hast. Dich frei zu machen von Glauben, Konzepten, Religionen, spirituellen Führern, Traditionen, Weisheitslehren und Gedanken – und mutig dein Herz aufzureißen und dich in die pure Erfahrung des Seins zu stürzen. Dich vom Leben atmen zu lassen. Dies ist dein Heilungsweg und dein Weg der Erkenntnis!

Ich wünsche uns allen ein mutiges Herz, so mutig, dass wir das Nichtwissen aushalten können und die Unsicherheit mehr verehren als die Antwort. Dass wir unser Denken, Philosophieren, Worte und Lehren loslassen können und wahrhaft frei und leer werden, auf dass das Licht der Erkenntnis ungefiltert durch uns strahlen kann.

„Wissen kann man mitteilen, Weisheit nicht. Man kann sie finden, man kann sie leben, man kann von ihr getragen werden, man kann mit ihr Wunder tun, aber sagen und lehren kann man sie nicht.“
Hermann Hesse, Siddharta

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!

In Liebe und Segen,
Deine Christine Samira

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen auf dem „spirituellen Weg“ statt die Freiheit zu wählen sich in neue Konzepte und Weltanschauungen stürzen. Wie eifrig viele nach Ablenkung von sich selbst und nach Modellen hungern, statt sich leer zu machen und sich der eigenen Seinserfahrung hinzugeben. Und der Esoterikmarkt bietet hier unendlich viel Zerstreuung und Futter fürs Ego.

Eines dieser amüsanten Konzepte ist der Hype rund um den „Seelenplan“. Wenn man mal googelt, findet man unendlich viele Webseiten auf denen genau geschildert wird, was die Seele vor ihrer Inkarnation so alles an Vorbereitungen und Absprachen trifft, was sie plant, mit wem sie sich trifft, wie genau sie die einzelnen Stationen des Lebens vorbereitet, wie die Seele aufgebaut ist, wie sie funktioniert, etc. Die einen haben ihr Wissen gechannelt, die anderen haben es bei einem Guru gelesen, die nächsten berufen sich auf jahrtausendealte Überlieferungen bestimmter Kulturen oder geben einfach ihre Vermutungen weiter. Eine Wissenschaft für sich…, denn mit der Frage nach dem Seelenplan kann man in ganze Universen von Weltanschauungen eintauchen. Da kannst du ein regelrechtes Parallelstudium zu deinem echten Leben absolvieren.

Konzepte sind wohl für manche Leute wichtig und auch ok. Solange man sie als das sieht, was sie sind: Krückstöcke für den Verstand, um sich das Leben in Krisensituationen vorübergehend ein wenig leichter zu machen. Aber jeder Krückstock sollte irgendwann einmal losgelassen werden, wenn man wirklich laufen lernen will. Und vor allem: der Krückstock sollte einem das Gehen nicht noch schwerer machen. Das Konzept des „Lebens- oder Seelenplans“ macht vielen Menschen das Leben schwerer, denn es blockiert, verunsichert, macht unfrei und bringt latent die Angst mit sich, Fehler zu machen, das „Falsche“ zu leben – und es schafft Abhängigkeiten von Gurus, spirituellen Lehrern, Hellsehern und Heilern, die vorgeben, den Lebensplan anderer Menschen zu kennen oder für sie zu entziffern. „Finde deinen Seelenplan“ – Seminare, Vorträge, Behandlungsangebote oder Buchtitel in diesem Stil wirst du Tausende finden.

Leben läuft nicht nach Plan, also suche auch gar nicht erst nach einem Plan. Lausche dem Flüstern deines Herzens und den Gefühlen und Impulsen, die aus dir heraus kommen. Du bist nicht das Opfer irgendeines fixen Planes, dein Leben folgt keinem Drehbuch, du solltest deine Zeit nicht damit verschwenden zu rätseln, was für ein geheimer Plot für dich ausgeheckt wurde. Lebe einfach! Du bist der Schöpfer deines Lebens! Mag sein, dass deine Seele aufgrund ihrer Schwingung die Inkarnation in ein bestimmtes Umfeld mit bestimmten Voraussetzungen herbeigerufen hat – ich weiß es nicht! 🙂 – aber auch das kann dir egal sein. Ob es Zufall ist oder Plan? – warum zerbrichst du dir darüber den Kopf? Stell dir lieber die Frage „Wozu war es gut, was konnte ich dadurch lernen?“, und „Was darf sich durch mich erfüllen, wie und was möchte ich leben und erfahren, wie kann ich die Liebe in meinem Leben vermehren?“ Wenn du dich von diesen Fragen leiten lässt, dann wird sich dein Leben mit jedem Schritt segensreich und heilig vor dir entfalten.

Die Frage nach einem Seelenplan kann überhaupt nur in einer männlich geprägten Spiritualität auftauchen. In einem männlich-analytisch-rationalen Konzept braucht es einen Plan, einen Weg, eine Funktion und ein Ziel. Hat Leben ein Ziel? Geschieht Leben nicht um seiner selbst willen? Ist Leben – jeder einzelne Atemzug – nicht selbst schon das Ziel? Das Prinzip der Weiblichkeit ist die Hingabe, das Sich-Öffnen, das Mitschwingen und Mitfühlen. Ein Mensch, der fähig ist, mitzuschwingen und sich hinzugeben käme nie auf die Idee, nach einem Plan zu fragen. Es gibt nur diesen einen Moment – nichts, was man hinter sich lassen müsste und nichts zu erwarten – nur die reine Präsenz des Hier und Jetzt. Es ist gut. Es ist. Ich bin gut. Ich bin. Ich atme das Leben ein und ich atme das Leben aus – was gibt es darüber hinaus noch zu wissen? Das ist Erleuchtung: sich in staunender Demut hinzugeben und mitzuschwingen. Der Weg des Erwachens ist ein weiblicher Weg. Die weibliche Kraft fragt nicht und strebt nicht danach, das Mysterium zu entzaubern. Die weibliche Kraft ergibt sich ins Nichtwissen und lässt sich von der reinen Erfahrung durchdringen.

Die Esoterikbranche und ihre „spirituellen Lehrer“ leben von der Beschäftigung mit Fragen und Konzepten, die so weit entfernt von der Größe, der Macht und dem Mysteriums des Lebens und der Seele liegen, dass es fast schon beschämend ist. Doch wir sind in unserer Verzweiflung und Einsamkeit so erfüllt von der Sehnsucht nach „religio“, nach der Rückverbindung mit unserer wahren Natur, dass wir uns von selbsternannten Experten nur zu gern engelsfunkelnde Bären aufbinden lassen. Menschen, die die Frage nach einem Seelenplan beschäftig, sind nicht mehr an den Fluss des Lebens angebunden. Sie stecken immer in einer Krise, egal ob beruflich, partnerschaftlich, gesundheitlich, spirituell, finanziell oder sozial. In einer Krise sehnt man sich nach klaren Ansagen und Anweisungen und nach einem Menschen, der das Ruder für einen in die Hand nimmt und einem das eigene Leben erklärt und löst. Doch das funktioniert nicht. Ein guter, ehrlicher Freund und Heiler wird dir einfach beistehen, die große Not auszuhalten, keine Ahnung mehr zu haben, wer du bist und was du sollst. Er wird an deiner Seite sein, wenn eine alte Welt zusammenbricht und die neue noch nicht geboren ist. Er wird deine Tränen mit weinen statt dich mit SEINEM „Wissen“ zu belasten. Er wird dir keine Antworten geben, sondern die richtigen Fragen stellen. Er wird deine Verwirrung und dein Nichtwissen noch vergrößern, weil dieses Nichtwissen – das Loslassen all deiner Konzepte, Werte, Vorstellungen, Prägungen, Religionen und Weltbilder – dein Weg in die Freiheit ist. Wenn du durch den Tod, durch deine Einsamkeit und Unsicherheit – durch deine dunkle Nacht der Seele – hindurch gegangen bist, wird er dir helfen, die sanfte Stimme deines Herzens wieder wahrzunehmen, mit dem Leben mit zu schwingen und deinem inneren Flüstern, deiner Weisheit, wieder zu vertrauen. Dann bist du neu geboren, rein, klar, präsent, ganz bei dir! Ein bewusster, wacher Seelengefährte und wahrer Meister wird dich nie mit Konzepten belasten, wird nicht auf Weltanschauungen und Theorien eingehen, wird dir keine Geschichten und Glaubensbekenntnisse erzählen. Er wird dich ermutigen, alles was du glaubst zu wissen, alles was du je gehört und gelesen hast, weg zu werfen. Er wird mit dir die Stille teilen und die Mystik deiner eigenen Erfahrung preisen.

Wer, glaubst du, könnte deine Lebenserfahrung interpretieren, außer dir selbst? Wer sollte tieferen Zugang zu deiner Essenz haben, als du selbst? Gib dein Leben nicht aus der Hand! Hab den Mut, einfach zu SEIN!

Lass all die Fragen los, auf die in Wahrheit du selbst und kein anderer dir Antworten geben kann und die keinerlei Relevanz haben! Erlaube deiner Angst, dass sie dich ganz auf dich selbst und dein Nichtwissen zurückwirft. Der Legende zufolge kürte das Orakel von Delphi Sokrates zum weisesten Mann der Welt aufgrund seiner letzten, niederschmetternden Erkenntnis „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Erst durch die Worte „Ich weiß es nicht“, die vollkommene Hingabe und vollkommenes Loslassen repräsentieren, öffnest du dein Gefäß, auf dass die Erfahrung jenseits allen Verstandeswissens und aller Worte in dich einfließen kann. Wer ständig Antworten parat hat oder auf alles eine Antwort sucht, kann NIE vom wahren Wissen durchdrungen werden. „Ich weiß es nicht“ sind die ehrlichsten, die weisesten und die heilsamsten Worte, die man sprechen kann. Ich weiß, dass ich atme und ich gehe davon aus, das heißt, dass ich lebe. Aber ich weiß nicht, ob das heißt, dass ich nicht mehr lebe, wenn ich nicht mehr atme. Was weiß ich sonst? Ich habe Erfahrungen im Universum meiner eigenen Gedanken und Gefühle und Sinneseindrücke und Interpretationen gesammelt. Es ist MEIN Universum, ich weiß nicht, was davon wahr und was pure Illusion ist. Ich habe die Meinung und die Lehren von Eltern, Geschwistern, Freunden, Erziehern, Lehrern, Professoren, Wissenschaftlern, Politikern und  spirituellen Führern verinnerlicht. Ich habe Bücher, Massenmedien und soziale Netzwerke konsumiert. Also was in aller Welt WEIß ich schon? Ich habe mir ein Bild gemacht, mehr nicht. Aber das kann und darf niemals das deine sein.

Ich weiß, dass ich nichts weiß. Willst du dich anschließen und die kribbelnde Unsicherheit des Nichtwissens mit mir aushalten? Es fühlt sich so viel schöner, freier, spannender und lebendiger an, als sich mit Instant-Eso-Konzepten abspeisen zu lassen!

Es gibt nur ein Mysterium, das es wert ist, ergründet zu werden. Das ist die Stille in dir, dein wahres Wesen jenseits aller Identifikationen und allen Wissens. Aber dem kannst nur du selbst dich nähern – und nur aus dem Herzen, niemals mit dem Kopf. Alles andere ist nur Fast-food für den Verstand und Ablenkung vom Schmerz deiner Illusionen. Lass los… Und entscheide dich, dich vor der Großartigkeit des Lebens wieder in Demut und innerer Reinheit zu verneigen statt das Geheimnis des Seins durch plumpe Konzepte zu entweihen.

Jetzt wo der Herbst kommt und die Ernte eingefahren wird, ist die richtige Zeit, die Fülle in uns und die Fülle, die uns umgibt, wahrzunehmen und zu segnen. Mit der Fülle ist es genauso wie mit der Dankbarkeit. Wenn du erst einmal deinen Blick und deine Aufmerksamkeit auf die Fülle ausgerichtet hast, dann erkennst du plötzlich, dass es in deinem Leben kaum etwas gibt, was nicht Fülle ist. Du erkennst, wie viel du hast, was du bereits bist und kannst. Wenn du ein anderes Gefühl hast – sich zum Beispiel unbezahlte Rechnungen stapeln, dein Konto mal wieder im Minus ist, du dich einsam fühlst oder dein letztes Projekt in der Arbeit kläglich gescheitert ist, du überzeugt bist, im Vergleich mit anderen nicht gut genug zu sein – dann liegt das nicht daran, dass da keine Fülle und kein Überfluss wäre, sondern dass du dich vom Fluss der Fülle in dir und in der Welt abschneidest.

Fülle fließt dahin, wo Freude, Begeisterung und Lebendigkeit ist. In der hinduistischen Mythologie gilt die Göttin Lakshmi als Verkörperung von Fülle, Schönheit, innerem und äußerem Reichtum und Segen. Sie beschenkt die Menschen, die sich auf das Wahre und Ewige ausrichten, die ehrlich zu sich selbst sind und sich mutig in den Fluss des Lebens stürzen. Die reinen Herzens ihre Talente und Begabungen mit Freude leben – zu ihrem eigenen höchsten Wohle und zum Segen der gesamten Schöpfung. Versuche also, dein Leben immer mehr zum Gebet zu machen, aus deinem Herzen heraus zu wirken und mehr und mehr dein eigenes Lied zu singen. Schau in die Natur – die Fülle ist immer da: Überfluss, Üppigkeit, Wachstum, Leben, Farben, Vielfalt, Pracht und Schönheit. Warum sollte es in deinem Mikrokosmos anders sein? Warum solltest ausgerechnet du Mangel leiden, einsam, hässlich und nicht richtig sein, energielos, klein und unbedeutend? Warum sollte ausgerechnet bei dir alles so schwer sein, wo doch in der Natur der winzigste Keimling sich seinen Weg durch die dicke Erdschicht bahnt und leicht und mühelos wächst? Wo jeder Baum die Rhythmen des Lebens kennt und einfach so weiß, wann es Zeit ist zu blühen, Früchte zu tragen oder sein Laub abzuwerfen. Warum also solltest ausgerechnet du so hilflos, isoliert, traurig, unbegabt und arm sein? Wenn es bei dir anders ist als in der Natur, ist das nur ein Zeichen, dass du gegen ein Naturgesetz verstößt. Dass du gegen die Stimme deines Herzens und gegen den Fluss deines Lebens ankämpfst statt dich von ihm tragen zu lassen. Dass du die Geschenke des Lebens nicht annimmst, dich zurückziehst und versteckst, anstatt deine Gaben zu teilen. Dass du an deiner Richtigkeit und deinem Wert zweifelst statt dich in deiner ganzen Größe zu sehen und zu zeigen. Dass du dich vergleichst und urteilst statt zu wissen, dass du so wie du bist, genau richtig bist. Dass du versuchst, einem Bild (deinem oder auch dem anderer Menschen oder der Gesellschaft) zu entsprechen, dich einschnürst, beschneidest und deinen Wuchs kontrollierst statt einfach wild, frei und mühelos zu gedeihen.

Eines der wichtigsten Naturgesetze ist für mich das Gesetz der Resonanz. Du kannst nur das sein und in dein Leben ziehen, womit du in Resonanz bist. In einem permanenten unterschwelligen Gefühl des Mangels und der Wertlosigkeit kannst du schwerlich auf Dauer Wohlstand, Erfolg und Fülle anziehen. Richte dich also innerlich aus auf deine wundervollen und einzigartigen Begabungen, gehe in die Natur und fülle dich auf mit ihrem Überfluss und ihrer Pracht, lerne dich selbst zu lieben, sieh das Leuchten in dir und in jedem Wesen, übe Wertschätzung für alles was dir im Leben begegnet und fühle in jedem Moment den Reichtum, der in dir ist und von dem du umgeben bist. So verbindest du dich immer stärker mit dem Feld der Fülle. Und versäume es nicht, dein Herz zu öffnen und deine Arme auszubreiten für den Einstrom der Segnungen und Geschenke des Lebens. Viele Menschen sind zwar gut im Geben, können aber nur schwer Geschenke, Komplimente, Lob, Hilfe, Heilung und Liebe annehmen. Wenn du daran zweifelst, es wert zu sein, dass du reich, erfolgreich, glücklich, gesund, geliebt und frei sein darfst, wie sollst du es dann sein? Vertraue dir selbst – deinen Talenten, deinen Träumen und Visionen, deinem Aussehen, dem Platz auf den du gestellt wurdest – und erobere dir deinen Wert zurück. Du bist wunderbar so wie du bist. Du musst es niemandem recht machen und niemandes Erwartungen erfüllen. Du darfst niemand anderes sein und nicht das Leben der anderen führen. Lebe aus deinem Herzen, sei du selbst und stehe dazu, wer und was DU bist! Breite deine Arme aus um die Geschenke anzunehmen, die das Leben dir täglich zufließen lässt. Du bist es wert! Und dann lasse es aus dir heraus fließen. Nur wenn du dich leer machst, kannst du auch wieder empfangen. Spüre die rhythmische Natur deines spirituellen Herzens – die Harmonie von Geben und Nehmen ist ein Naturgesetz der Liebe. Vertraue dem Fluss!

Die Fülle hat zwei wunderbare Geschwister, ohne die sie nicht existieren kann: die Dankbarkeit und das Teilen. Ohne die beiden wird Fülle zur Last und zieht Einsamkeit, Gier, Neid und Angst nach sich. So sei dankbar für alles was du bereits bist, kannst und hast, und sei bereit deinen Reichtum, deine Weisheit, deine Seelenmedizin, deine Begabungen und deine Liebe zu teilen und zu verströmen. Halte nichts fest! Wenn du deine Quelle verschließt und andere nicht mehr von deinem Wasser trinken lässt, versiegt die Quelle irgendwann. Dein Brunnen wird faulig, giftig und stinkend. Dein Reichtum ist nicht dein Reichtum und deine Gaben sind nicht deine Gaben. Du bist ein Instrument, durch das sich das Göttliche ausdrückt, auf dass die ganze Welt daran teilhaben darf!

Ich bin keine Anhängerin irgendeiner Religion, und dennoch finden sich in vielen religiösen Schriften ungeheuer wertvolle Perlen der Weisheit. So auch in der Bibel: „Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch das genommen was er hat.“ Klingt erst mal ein bisschen ungerecht. Die Reichen sollen immer reicher werden und den Armen wird sogar noch das bisschen genommen, was sie haben? Natürlich ist das nicht wörtlich zu verstehen, sondern kann nur mit der Intelligenz des Herzens richtig interpretiert werden. Für mich bedeutet dieser Satz, dass jeder Mensch mit besonderen Gaben, Talenten und Erfahrungen ausgestattet ist, die eine Verpflichtung darstellen. Wenn du nicht bereit bist, das was du bist und was du hast zu leben, weiter zu geben und zu teilen, dann wird es dir wieder genommen. Wirklich arm dran ist nicht der, der nichts hat, sondern der, der viel hat und es nicht sehen und wertschätzen kann. Wenn du dich also dauernd vergleichst, ewig Angst hast, dein wahres Wesen und deine Talente zu leben, wenn du an deinen Fähigkeiten zweifelst, ängstlich an deinem Besitz festhältst und deine Quelle verschließt statt deinen Reichtum wertzuschätzen und mit vollen Händen zu teilen, dann verkümmert dein Schatz und verliert jeglichen Glanz. Nach dem Resonanzprinzip können auf einem Haufen Bitterkeit, Schutt und Asche keine Goldstücke wachsen. Wenn du dich als arm und wertlos empfindest, dann wirst du tatsächlich immer ärmer. Wenn du aber ein Herz voller Dankbarkeit, Begeisterung und Wertschätzung pflegst und dem Leben all das zurück gibst, was es dir geschenkt hat, dann wirst du mit noch mehr Reichtum und Segnungen überhäuft. Dann bist du angeschlossen an den göttlichen Strom. Dann bist du wieder ein Teil der üppig blühenden weisen Natur geworden.

Reichtum darf nie missverstanden werden als die reine Anhäufung von Besitz. Wer im Herzen verankert ist, der weiß wie wertvoll Freundschaft, Liebe, Familie, Achtsamkeit, eine sinnhafte und erfüllende Tätigkeit, Gesundheit, Zeit, Stille, Naturerlebnis, Meditation, Singen, Tanzen und Feiern ist. All das sind Dinge, die man sich für kein Geld der Welt kaufen kann und die gleichwohl unbeschreiblich kostbar sind. Du darfst natürlich auch materielle Wünsche haben, du darfst dich am materiellen Wohlstand und deinem Besitz freuen (kannst du wertschätzen und genießen was du besitzt?), aber vernachlässige nicht deinen inneren Reichtum. Alle äußeren Ziele und Begierden sollten immer mit der Bereitschaft für inneres Wachstum und dem Wunsch nach Erwachen und Bewusstheit einhergehen. Sonst wird das Leben hohl und sinnlos. Wenn du feststellst, dass dein Besitz zur Last wird – wenn du Angst hast, du könntest alles verlieren oder dir könnte etwas gestohlen werden; wenn du argwöhnisch und neidisch deinen Wohlstand mit dem deiner Nachbarn und Freunde vergleichst; wenn du Anflüge von Überheblichkeit, Gier und Manipulation wahrnimmst; wenn du geizig wirst und nicht mehr teilen magst; wenn du nicht mehr von Herzen schenken und Einladungen aussprechen kannst; wenn du anfängst, den Wert eines Geschenkes von seinem materiellen Wert abhängig zu machen, und Geschenke gegeneinander „aufzurechnen“; wenn du unflexibel und süchtig nach Sicherheiten wirst; wenn du Angst vor der Zukunft bekommst; wenn du in einem inneren Hamsterrad von „größer-schneller-weiter“ gefangen bist – dann ist das ein untrügliches Zeichen, dass es genug ist. Dass du bereits zu viel angehäuft hast und es an der Zeit ist, loszulassen, zu geben, zu verschenken. Spür mal, welch eine Gnade in den Worten „Es ist genug“ steckt. Vergiss diese Formel nicht: „Es ist genug“! Wenn du dich traust, diese drei Worte auszusprechen, dann entstehen Raum und Zeit, in denen sich das wirklich Wichtige entfalten kann: die Gnade des Schenkens frei von Bedingungen und der Reichtum des Herzens – das einzige, das du mitnehmen kannst, wenn du diese Welt eines Tages wieder verlässt.

Entscheide dich heute dafür, voller Wertschätzung und Reinheit im Herzen deiner Berufung zu folgen und deinen Platz mit Freude auszufüllen. Hilfe und Unterstützung fließt all jenen zu, die aus ihren Handlungen und Worten nicht nur eigenen Profit schlagen wollen, sondern das Wohl aller im Auge behalten. Denn Reichtum, der auf Be-reich-erung auf Kosten anderer fußt, bringt letztlich nichts als Unglück. Richte dich also aus auf das Wahre und Ewige, auf innere Schönheit und Fülle. Gib dich dem Leben hin und vertraue, dass alles zu deinem höchsten Segen ist, so wie es ist. Und wisse tief in dir, dass dir immer das Richtige zur rechten Zeit zufließt.

lakshmi

„Om Sri Maha Lakshmiyei Swaha“ – Mantra zur Anbetung der Göttin Lakshmi

Ich wünsche dir von Herzen Fülle und Reichtum auf allen Ebenen und dass du das einzigartige Strahlen in dir und in jedem Menschen sehen und lieben kannst!

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!
Deine Christine Samira

%d Bloggern gefällt das: