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Posts Tagged ‘Schmerz’

Wenn eine Beziehung zerbricht, macht man sich so seine Gedanken. Schuldgefühle, Vorwürfe, Trauer, Verletzung. Bin ich nicht gut genug gewesen? Habe ich nicht genug geliebt? Oft ist gerade das Gegenteil der Fall. Wir lieben zu sehr – oder besser gesagt: wir lieben falsch. Manche Liebe ist so tief, dass wir versuchen, alles vom Partner fern zu halten. Wir wollen ihn retten, beschützen, vor Leid und Unangenehmem bewahren. Und so errichten wir gemeinsam ein Bollwerk der Liebe und Harmonie, das uns vor der „bösen Welt“ und den „Prüfungen“ da draußen und im eigenen Inneren abschotten soll. Wir haben ja uns, und wir sorgen füreinander… In einer Art illusionären Sicherheitsgemeinschaft verschmelzen wir mit unserem Partner und vergessen darüber, unser eigenes Leben zu leben. Wir lullen uns gegenseitig in den Tiefschlaf und meinen, das sei Liebe.

Doch das ist es nicht, was die Seele will. Die Seele will ihren Entwicklungsweg gehen, indem sie sich ihren Lernerfahrungen stellt. Und das bedeutet in der Regel die Auseinandersetzung mit Leid, Schatten, Angst und Schmerz. Lernerfahrungen der Seele sind selten leicht, aber wenn wir uns ihnen stellen und durch die dunkle Nacht hindurch gehen, sind wir danach ein Stück reifer und bewusster. Das ist der ureigene Heilungsweg eines jeden Menschen.

Ein Mensch, dessen Seele im Tiefschlaf der behütenden, bemutternden und manipulativen Liebe versinkt, wird müde, depressiv und krank. Die Seele spürt, dass sie ihr Entwicklungsziel so nie erreichen kann. Indem die Partner gegenseitig ihre Ängste und Schwächen kompensieren und die Verantwortung des anderen übernehmen, ist kein Wachstum möglich. Aus zwei freien, eigenständigen Menschen werden Co-Abhängige – zwei bedürftige kleine Kinder, die sich gegenseitig Sand in die Augen streuen. Doch kein Mensch kann einem anderen seine Lektion abnehmen. Kein Mensch kann das Leben eines anderen leben. Und keiner kann vor seinen Aufgaben und Verantwortlichkeiten davon laufen.

Was für ein Glück, wenn solch eine Beziehung „auffliegt“, und jeder sich fortan seinen eigenen Seelenbildern und Herausforderungen stellen darf und ein erwachsenes, selbstverantwortliches Leben wählt. Wahre Liebe lässt frei! Sie steht bei, sie fühlt mit, aber sie nimmt dem anderen nichts ab und schreibt nichts vor. Wahre Liebe vertraut darauf – nein, sie weiß -, dass der andere alles hat um seine persönlichen Herausforderungen zu meistern, auf seine Art. Dem anderen die Verantwortung für sein Leben – auch für sein Leid und seinen Schmerz – zu lassen, und sich gleichzeitig um seine eigene Entwicklung zu kümmern, ist die höchste, erwachsenste Form von Liebe.

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