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Posts Tagged ‘Liebe’

Kann Gänseblümchen wachsen hören,
spür Purpurrot auf meiner Haut.

Riech Amseln hoch im Baume zwitschern
und seh‘ die Süße einer Kirsche.

Schmeck den Mond in dunkler Nacht
und hör mir selbst beim Schauen zu.

Das Sein, so unerträglich leicht.
Mein Herz verliebt.

(Christine Fleckenstein)

Wikipedia definiert Verliebtheit als „ein intensives Gefühl der Zuneigung. Sie wird nach Ansicht von Psychologen von einer Einengung des Bewusstseins begleitet, die zur Fehleinschätzung des Objektes der Zuneigung führen kann. Fehler des anderen können übersehen oder als besonders positive Attribute erlebt werden. Verliebtheit ist kein Dauerzustand, sie besteht als eine Phase über einen längeren oder kürzeren Zeitraum, kann abflauen und sich auflösen oder in Liebe übergehen.

Puhhh, das klingt aber ganz schön ernüchternd, oder? Verliebtheit macht also tatsächlich blind, so dass wir schlicht und einfach nicht sehen, wie doof der andere eigentlich ist. Und wenn uns dann die Augen aufgehen, dann ist es entweder dahin mit den schönen Gefühlen oder wir machen es uns behaglich im sicheren und ruhigen Hafen der Liebe…

Die Psychologen sprechen bei Verliebtheit also von einer „Einengung des Bewusstseins“. Hm, ich würde es genau anders herum sehen, aber das kommt wohl wiederum darauf an, wie man Bewusstsein definiert. Wenn man unter Bewusstsein eine Verstandesaktivität versteht, in der analysiert, berechnet, bewertet, beurteilt, mit der Vergangenheit abgeglichen und in die Zukunft projiziert wird, dann mag es sich bei der Verliebtheit wohl (Gott sei Dank!) um eine Einengung handeln. Definiert man Bewusstsein aber als Herzensqualität, als vollkommene Präsenz im Hier und Jetzt, als Wahrnehmen der Einheit allen Seins und Wissen um die Göttlichkeit und das innere Leuchten aller Wesen, dann ist Liebe und Verliebtheit höchste Wachheit und eine Erweiterung des Bewusstseins, keine Einengung! Gerade das macht doch die Qualität der Verliebtheit aus: weit werden im Herzen statt in der Enge des Denkens zu verweilen.

Es wird als Fehleinschätzung und Defizit in der Wahrnehmung gesehen, wenn man über die Schwächen des Geliebten hinwegsehen und ihn als uneingeschränkt liebenswert anerkennen kann. Ja, ihn sogar gerade wegen seiner Fehler besonders lieben kann. Wie verrückt ist das denn? Da muss ich sagen, hat die Psychologie doch offensichtlich keine Ahnung von ECHTER Liebe. Ist nicht genau das die große magische und transformierende Kraft der Liebe?  Ich kann einen Menschen lieben, obwohl er anders ist als ich. Ich kann ihn wertschätzen, auch wenn er Fehler hat. Ich kann das Potenzial und die Kraft und die Seelenfarbe meines Partners erkennen, auch wenn er sie noch nicht vollkommen leben kann. Ich gehe an der Seite eines Menschen, um mich selbst zu erkennen. Aber auch, um ihm zu helfen, seinen Schmerz, seine Verletzungen und Ängste zu heilen, und sein Potenzial und seine Kreativität in die Welt zu bringen. Wow – dieses mächtige Samenkorn steckt in den ersten Wochen und Monaten einer Beziehung!!! Und die Wissenschaft tut so, als käme die Verliebtheit einer geistigen Umnachtung gleich. Und nach dem (leider viel zu schnellen) Ende dieser verrückten Phase des Hormonchaos komme der Mensch endlich wieder zu Bewusstsein. Kein Hochgefühl mehr, keine Ekstase, keine verzehrende Sehnsucht nach dem oder der EINEN, keine Verrücktheiten, keine Rebellion gegen verstaubtes Establishment. Nein, wir sind wieder normal! Die Gesellschaft hat uns wieder – die nüchternen, funktionierenden, depressiven, lustlosen, manipulierbaren, konsumierenden, angepassten, stets unzufriedenen kleinen Soldaten, die nach der hingehaltenen Karotte schnappen bis sie tot umfallen, um sich dann zu fragen „und das war’s jetzt?“. Es war ja nur im dummen und kurzen Überschwang der Gefühle, dass wir geglaubt hatten, wir dürften glücklich sein, und aus tiefstem Herzen lieben und wahrhaft frei sein. Wie töricht! Gut, dass das den meisten Menschen nur in der Jugend passiert, da kann man über so einen unreifen Unfug ja noch eher hinwegsehen… 😉

Nein, ganz im Ernst… 😉 ein Hoch auf alle in Verliebtheit geistig Umnachteten (- denn ihrer ist das Himmelreich, hätte ich schon fast gesagt).

Verliebtheit kann in Liebe übergehen“, heißt es in der Wikipedia-Definition. Kann sie das wirklich, oder müssen nicht beide Hand in Hand gehen? Liebe ohne Verliebtheit fühlt sich für mich tot an. Wie Champagner, der schon seit Tagen im Glas steht. Es ist etwas Wertvolles, Edles, aber das Prickeln, die Lebendigkeit, die Bewegung, die Frische fehlt. Egal wie teuer dieser Champagner war, irgendwann wird es einem nicht mehr um ihn leidtun und man wird ihn wegschütten. Aus diesem Glas will man nicht mehr trinken, es ist schal geworden, warm und langweilig. Ist das die Liebe, die wir wollen? Kann Verliebtheit wirklich in Liebe übergehen? Nein, Verliebtheit ist von Anfang an ein Abbild der lebendigen, alles einschließenden, mutigen und sich selbst genügenden Liebe zwischen zwei Menschen. Verliebtheit kann vor Liebe über-gehen und Liebe kann vor Verliebtheit über-gehen, aber niemals eines in das andere. Ich hoffe, du kennst das Gefühl, wenn dein ganzes Sein überfließt vor Verliebtheit und Zärtlichkeit zu deinem Partner, wenn du Schmetterlinge im Bauch hast, weil du dich für den anderen hübsch gemacht und ein Date mit ihm hast, wenn du deine Augen nicht mehr von deinem Geliebten lassen kannst und jede Berührung zur Offenbarung wird, wenn du ohne Grund lachen musst und die ganze Welt umarmen könntest, wenn dir dein Herz schmerzt, weil es keine Worte gibt, um auszudrücken, was du fühlst…. Und ich hoffe, dieser Zustand ist nicht nur eine verblasste Erinnerung aus längst vergangenen Zeiten, sondern begleitet euch durch die vielen Jahren eurer LIEBEsbeziehung. Lasst das Glas Champagner nie zu lange stehen. Leert euch und füllt euch wieder auf. Genießt einander und berauscht euch an der Liebe! Das Prickeln ist das, was den Champagner ausmacht. Er will getrunken werden und nicht nur rumstehen.

Jetzt haben wir also die psychologische Erklärung der Verliebtheit. Und wie sieht es die Medizin? Natürlich hat auch sie eine Theorie parat:

Biochemisch betrachtet ist Verliebtheit ein einfach zu erklärendes Phänomen hormoneller Prozesse im Körper: In der Gegenwart unseres Objekts der Begierde sorgen erhöhte Dopamin- und Oxytocinwerte dafür, dass wir im Rausch der Glücksgefühle schweben, und Zärtlichkeit und Geborgenheit im gemeinsamen Zusammensein empfinden. Und ein sinkender Serotoninspiegel lässt uns – ähnlich wie bei einer Zwangsneurose – ständig an unseren Partner denken und ganz auf ihn fixiert sein. Und jetzt wird’s spannend: der bei frisch Verliebten erhöhte Nervenbotenstoff Neurotrophin NGF macht uns euphorisch und trägt laut wikipedia dazu bei, „dass Verliebte sich zuweilen in einem Zustand der Unzurechnungsfähigkeit befinden, sich zu irrationalen Handlungen hinreißen lassen und Hemmschwellen abbauen.“ Ist das nicht toll!!! Das heißt für mich auf gut deutsch: Für zwei Verliebte ist ALLES möglich. Es ist nichts zu groß, nichts zu schwer, und es ist scheißegal, was die anderen dazu sagen. Schade eigentlich, dass sich dieser explosive Hormoncocktail mit der interessanten Mischung aus Zärtlichkeit, tiefer Verbundenheit und Fokussierung sowie powervoller Kreativität schon nach ca. einem Jahr wieder „normalisiert“… Dazu fällt mir dann nur noch der bekannte Buchtitel ein: „Willst du normal sein oder glücklich?“

Wir sind doch selbst schuld, wenn wir diesen wunderbaren Zustand einschlafen lassen. Vielleicht bin ich verrückt (das bin ich wohl, denn ich bin verliebt), aber ich glaube daran, dass Verliebtheit in einer Beziehung dauerhaft Bestand haben kann (oder muss?). Egal, wie lange sie dauert. Ja, ich bin sogar so übermütig zu sagen, ich will mit jedem Tag immer mehr verliebt sein. Je größer die Liebe, je mehr gemeinsame Jahre einen verbinden, umso prickelnder darf es sein! Ich will mich nicht, um dieses Gefühl zu haben, ständig auf neue Affären und Flirts einlassen müssen. Ich will meinen „Vertrauten“, meinen Seelengefährten immer wieder neu erleben. Ich will mich jeden Tag neu verlieben in den Menschen, den ich am meisten liebe! Bitte, glaubt wieder daran, dass das möglich ist! Osho sagte einmal, dass immer wieder Leute zu ihm kämen und sich ausweinten und beschwerten, dass ihr Partner sie nicht genug liebe. Aber noch nie habe er einen getroffen, der gesagt hätte, ich liebe meinen Partner zu wenig. Liebst du deinen Partner? Dann lass keinen Tag vergehen, ohne es ihn spüren und er-leben zu lassen. Tu etwas für die Liebe! Es gibt nichts Schöneres, als Liebe zu verschenken und Verliebtheit zu teilen.

Leider lernen wir viel Unsinn in der Schule, aber über die Liebe lernen wir nichts. Das ist auch kein Wunder, denn die Liebe würde uns frei machen, aber das will ja keiner. Es gibt nichts Schlimmeres für eine Gesellschaft als freie, mutige (oder übermütige?), glückliche, liebende, erwachte, kritische, an sich selbst glaubende Menschen. Wenn ich also Liebe unterrichten würde, und du würdest mich fragen, wie geht das, einen Menschen für immer zu lieben und dabei ewig verliebt zu bleiben – verrückt, wild, kompromisslos, authentisch, verspielt, lustvoll, mutig? Dann würde ich dir antworten: Triff als erstes die Entscheidung dafür, genau das zu sein: verliebt, verspielt, kreativ, lustvoll, wild. Entscheide dich jeden Tag aufs Neue dafür, in deinen Mann, deine Frau verliebt zu sein. Es liegt in allererster Linie an deiner Einstellung. Der andere wird nicht nach einem Jahr plötzlich weniger liebenswert oder zum Langweiler. Nein, nicht der andere hat etwas falsch gemacht, sondern du wirst blind, du schläfst langsam ein, du fängst an zu nörgeln, du bekommst Angst vor dem, was einst so verlockend war, du wirst wieder un-bewusst. Das was als süßes Geschenk in dein Leben kam, wird zur Selbstverständlichkeit, vielleicht sogar zur Bedrohung. Lass das nicht zu – verpflichte dich deiner Liebe und Lebendigkeit, sie ist das Wertvollste was du hast! Lass dich jeden Tag wieder berühren und begeistern von der Schönheit deines Partners, seinem Können, seiner besonderen Art, seinen Ideen und Träumen. Sei mutig, dein eigenes Licht zu leben und hör nie auf, das einzigartige Leuchten in deinem Partner zu spiegeln. Gib dem Menschen, den du liebst, jeden Tag die Chance neu zu sein, anders zu sein, wiedergeboren zu werden. Sieh ihn jeden Tag mit neuen Augen. Wisse, dass du niemals neben demselben Menschen erwachst, neben dem du eingeschlafen bist. An dem Tag, an dem du glaubst, deinen Partner zu kennen, fängt die Liebe an zu sterben. Dann werdet ihr beide unfrei. Dein Partner ist, genau wie du selbst, eine Welt, die jeden Tags aufs Neue entsteht. Die Augen, in die du heute schaust, sind andere, als die, in die du gestern geschaut hast. Willst du dich wieder in sie verlieben? Dann tu’s einfach! Schau wirklich hin, sieh den Zauber! Schenke deinem Partner all das, was du dir in deinen kühnsten Träumen von einem Geliebten wünschen würdest. Lass für deinen Schatz rote Rosen regnen. Bemühe dich immer wieder darum, deinem Partner nahe sein zu dürfen. Interessiere dich für diesen Menschen, sei aufmerksam, sei wirklich da, wenn du mit ihm bist. Vergiss nie, welch großes Geschenk es ist, einen Blick in das Universum einer anderen Seele werfen zu dürfen. Öffne deine Welt und betrete die Welt deines Geliebten mit Liebe, Neugier und Begeisterung. Verliebtheit hat etwas sehr Kindliches, Unschuldiges, Präsentes, Flüchtiges, Verspieltes. Also hör nie auf, Kind zu sein! Bleib mutig, offen und spontan. Lache das Leben an! Trau dich, nackt und unvorbereitet zu sein. Dann wirst du durchlässig, dann können Lebendigkeit und Verliebtheit dich durchströmen. Als Kind hast du Überraschungen geliebt. Als du frisch verliebt warst, hast du deinen Partner überrascht. Also hör doch einfach nie auf damit. Hab Spaß, sei kreativ, liebe dich selbst und lass dir etwas einfallen um Liebe erlebbar zu machen! Nimm dich nicht so ernst, lache über dich, über das Leben und mit deinem Partner. Lachen hält jung, macht schön und verbindet mehr als alles andere! Das Gefühl zu altern stellt sich ein, wenn wir aufhören, Neues in unser Leben zu lassen. Aber das Leben ist so reich, du bist so reich, dein Partner ist so reich. Wenn du es wirklich willst, dann geht das Neue nie aus! Wann hast du zum letzten Mal etwas „das erste Mal“ getan? — Oh, das ist schon viel zu lange her! Mach es einfach zu deiner (oder eurer) persönlichen Herausforderung, jede Woche oder mindestens jeden Monat etwas „zum ersten Mal“ zu tun. Sei kreativ, denn nur kreative Menschen können dauerhaft verliebt sein. Nur kreative Menschen sind überhaupt zur Liebe fähig. Öffne deine Sinne für die Schönheit und die Magie der Welt. Sieh den Zauber in allem und lass dich verwirren vom Reichtum der Schöpfung! Rieche mit den Augen, schmecke mit den Ohren und höre mit der Nase. Sei wach und offen mit jeder Pore deines Seins, sonst verpasst du das Wesentliche.

Liebe ist ein Synonym für Leben, und Verliebtheit ist ein Synonym für Lebendigkeit. So ist also die Verliebtheit das was das Leben mit Gegenwärtigkeit und Dynamik erfüllt. Es ist die Fähigkeit, jeden Moment mit sich selbst und mit dem geliebten Menschen neu und aufregend und sinnlich zu gestalten. Und diese Fähigkeit wird aus dir selbst heraus geboren. Wenn du also in deinen Partner verliebt bleiben willst, dann SEI du selbst ein verliebter Mensch, mit all dem, was verliebt sein für dich bedeutet. Sei verliebt ins Leben, anders geht es nicht. Wenn du lieben willst, dann SEI die Liebe. So einfach ist das. Am besten wir vergessen also die schlauen Psychologen und all das mit den Hormonen und entscheiden uns einfach, dass es so lange andauern darf, wie wir selbst bereit sind, lebendig zu sein und unseren Partner als lebendiges, pulsierendes Wesen zu sehen.

Spürst du den Unterschied zwischen leben und lebendig sein? Genau das ist der Unterschied zwischen lieben und verliebt sein. Das Leben ohne Lebendigkeit ist starr und tot (leider sind diese lebenden Toten millionenfach unter uns), und die Liebe ohne Verliebtheit ist blutleer und lau (und ist das was wir in den meisten Beziehungen sehen). Das Leben ist eine Tatsache und die Liebe ist eine Tatsache – für die Lebendigkeit und die Verliebtheit aber dürfen wir uns jeden Tag bewusst neu entscheiden!

Zum Abschluss entschuldigt ihr sicher einer total unzurechnungsfähigen Frau mit eingeschränktem Bewusstsein und hormoneller Fehlsteuerung noch einen völlig irrationalen persönlichen Gruß, der jegliche Hemmschwelle überschreitet: *winkewinke* Hallo mein Schatz, ich liebe dich und bin soooooooooooooo verliebt!!! Schön, dass es dich gibt! Wie wär’s mit einem Gläschen Champagner am Wochenende? Ich lass mich von der Marke gern überraschen! 🙂

Lebe die Verliebtheit und liebe die Lebendigkeit! La vita è bella…
Deine Christine Samira

„Gott hilft immer den Narren, den Betrunkenen und den Verliebten.“
Marguerite de Navarra (1492-1549), franz. Dichterin und Königin von Navarra
(In diese Gruppe reihe ich mich doch gern ein … es gibt Schlimmeres! 😉 )

„Nur Verliebte haben eine Vorstellung von der Ewigkeit.“
Emanuel Wertheimer (1846-1916), deutsch-österreich. Philosoph und Aphoristiker

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Nach langer Zeit nun endlich mal wieder eine Nachricht von mir. Es ist gerade viel in Bewegung, im Umbruch, in Heilung – daher war ich ein wenig im Rückzug und viel mit mir selbst beschäftigt. Ich hoffe, es geht euch gut und ihr genießt die Herbstsonne… 😉

Ich möchte euch gern mitteilen, dass ich seit sechs Wochen vegan lebe und mich besser fühle als je zuvor! Nachdem ich schon ca. elf Jahre lang Vegetarierin bin (mit der Ausnahme, dass ich ab und zu noch Fisch gegessen habe), habe ich nun endlich den Schritt zur Veganerin vollzogen. Schon lange hatte ich damit geliebäugelt und Freunde bewundert, die es „geschafft“ hatten, aber aus mehreren Gründen hatte ich mich immer wieder davor gedrückt. Zum einen konnte ich als Käseliebhaberin mir ein Leben ohne Käse nur schwer vorstellen, und zum anderen hatte ich Angst davor, mich durch mein „anderes“ Essverhalten sozial auszugrenzen und mit Familie, Freunden, Bekannten anzuecken. Und natürlich war auch ein sehr großer Teil Bequemlichkeit dabei, der mich bisher daran gehindert hat, diese Ernährung konsequent umzusetzen.

Letztendlich hat mich mein eigener Körper in die richtige Richtung gelenkt. Ich war dieses Jahr wahnsinnig viel krank – langwierige Erkältungen, Eiterungen, Entzündungen… selbst mit den besten Naturarzneien, Heilpflanzen und Nahrungsergänzungen bin ich dem Übel nicht mehr Herr geworden. Während ich schon Jahre kaum mehr Milch trinke, war mein Käsekonsum in den letzten Monaten wieder extrem angestiegen. Intuitiv wusste ich, dass mich das krank machte. Milch und Käse schwächen durch ihre Eiweißstruktur das Immunsystem und „verschlacken“ die Lymphe. Außerdem habe ich bei einem Blick in mein feinstoffliches System und in meine Seele einen deutlichen Konflikt gespürt: einen Wahrhaftigkeitskonflikt. Fast täglich rate ich in meiner Praxis Patienten davon ab, Milch und Milchprodukte zu sich zu nehmen. Ich erkläre ihnen, welche schädlichen Auswirkungen diese Produkte haben und was sie damit für einen Medikamenten-, Hormon-, Fett- und Eiweißmix zu sich nehmen. Ganz wesentlich bedingt vom Weglassen von Milch und (v.a. Kuhmilch-)Käse habe ich in der Praxis schon viele Wunder erleben dürfen: Neurodermitis und andere Hautkrankheiten heilen ab, Kinder mit Asthma, obstruktiver Bronchitis, chronischer Mittelohrentzündung und Dauerinfekten werden rasend schnell gesund, Unterleibszysten verschwinden, Allergien und entzündliche Darmerkrankungen bessern sich, usw. Ja, meinen Patienten gab ich immer wieder diesen Rat mit auf den Weg, und selbst hatte ich gegen besseres Wissen wieder regelmäßig und in relativ großen Mengen Käse gegessen. Solche Wahrhaftigkeitskonflikte sind nicht zu unterschätzen, die Seele kann damit auf Dauer nur schwer umgehen! Als mir der Zusammenhang zwischen Körper und Seele bewusst wurde, habe ich von heute auf morgen die Entscheidung getroffen, mich fortan vegan zu ernähren. Und ich sage euch: es lebt sich sooooo gut ohne Fleisch, Fisch, Milch, Käse, Eier, Butter, Sahne und Co.! Und meine Symptome sind seither weg!

Meine eigene Gesundheit ist dabei aber nur ein kleiner Teil meiner Motivation – sozusagen der letzte A…-tritt den ich brauchte. Viel bedeutender als die Gesundheit eines einzelnen ist die globale Tragweite. Mit dem Verzehr von tierischen Produkten tragen wir aktiv zum Leid unserer tierischen Mitgeschöpfe und zur Zerstörung der Umwelt bei (Stichwort: CO2-Ausstoß, Abholzung der Regenwälder für riesige Sojamonokulturen, Vertreibung der indigenen Landbevölkerung in Lateinamerika, hoher Einsatz von Pestiziden und Herbiziden, extremer Wasserverbrauch in der Tiermast, Verseuchung des Grundwassers durch riesige Güllemengen, Überfischung der Weltmeere mit Ausrottung vieler Arten usw.). Wir müssen uns bewusst sein, dass wir mit dem Konsum von Fleisch, Fisch, Milch und Eiern unserem Körper nicht nur tote Materie, Leichengifte, sowie einen unüberschaubaren Mix aus Hormonen, Giften und Medikamenten zuführen, sondern uns auch feinstofflich die Energie des Leids, des Schmerzes, der Verzweiflung, der Depression, des Missbrauchs, der Aggression, der Angst und des Todes einverleiben.

Leider haben unsere „Nutztiere“ (schrecklicher Ausdruck), die auf dem Teller landen, keine Lobby. Wie heißt es so schön in Orwells „Farm der Tiere“: „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher als die anderen.“ Wir kuscheln und schmusen mit Hunden und Katzen, würden nie dulden, dass unser Pferd zu Salami verarbeitet wird, und empören uns, wenn in anderen Kulturen Hunde, Affen oder Meerschweinchen gegessen werden (wobei es uns hier auch vor immer weniger graut. So hat es mich fast geschüttelt, als ich kürzlich auf einem chinesischen Büffet Krokodil-, Känguruh-, Frosch-, Hai- und ich weiß nicht was alles für exotisches Fleisch gesehen habe). Aber Schweinen, Kälbern, Hühnern, Fischen, Ziegen oder Garnelen sprechen wir anscheinend jegliche Seele und Empfindsamkeit und Intelligenz ab. WARUM? Warum können wir mit diesen Tieren kein Mitgefühl empfinden und sie schützen? WARUM müssen diese Tiere leiden, während wir für unseren Waldi alles tun würden?

Vielen ist heutzutage glaube ich auch der Zusammenhang zwischen Essenszufuhr und Körperaufbau überhaupt nicht mehr klar. Wir essen nicht nur, um unseren knurrenden Magen zu füllen oder unsere Gelüste zu befriedigen. Wir verleiben uns mit dem Essen etwas ein, machen es uns zu eigen und formen unseren Körper daraus neu. Das ist Transformation in Reinform, eigentlich ein Akt der Liebe (Wie wenn du mit deinem Partner im Sex verschmilzt und aus zwei eins wird): Wir nehmen etwas Fremdes von außen auf, wandeln es um und machen es zu unserm eigenen Selbst. Das was dabei herauskommt, kann nur so gut sein, wie das, was wir rein geben. Mit tierischen Produkten verleiben wir uns Tod, Angst, Stress, Depression, Krieg und (Auto-)Aggression ein. Es fällt alles auf uns zurück! Überlege dir, woraus du deinen Körper immer wieder neu erschaffen willst und welche Energie dein Sein, dein Fühlen und Denken, durchströmen soll. Erkennst du die spirituelle Dimension der Ernährung?

Ich spüre die Auswirkungen meiner veränderten Ernährung nicht nur daran, dass sich mein Körper gerade deutlich entgiftet und verjüngt und ich mich wacher und energiegeladener fühle, sondern dass sich auch in meinem feinstofflichen Körper vieles verändert. Die Stimme meines Herzens wird immer deutlicher, ich bin fast pausenlos in einem Zustand der Inspiration, der „Eingebung“ und der Kommunikation mit meiner inneren Quelle, und die Chakren werden klarer und dehnen sich aus. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, warum ich je anders gegessen habe, warum ich nicht schon vor Jahren angefangen habe, mich vegan zu ernähren. Allein das Gefühl, zu wissen, dass wegen mir (zumindest schon mal für mein Essen) kein einziges Tier mehr leiden und sterben muss, beflügelt mich regelrecht. Mittlerweile habe ich auch schon Einladungen und Partys hinter mir, und es war kein Problem. Alle waren so lieb, irgendwelche tierfreien Sachen anzubieten, und es hat mich nicht mehr als ein Lächeln gekostet, Käse, Desserts und sogar Schwarzwälder Kirschtorte (für die ich früher gestorben wäre!) links liegen zu lassen.

Wir dürfen nicht aufhören, uns mit den unerträglichen Bildern aus europäischen Schlachthöfen, mit dem Leid der Hühner und Milchkühe, mit der Unterdrückung, Ausbeutung und dem Schmerz der ärmsten Menschen, die unter unserer Gier nach Fleisch leiden müssen, zu konfrontieren. Wir müssen dem Grauen in die Augen schauen und uns im tiefsten Inneren berühren und das Leid in unser Herz lassen, um unser Verhalten zu ändern. Ich habe mir in den letzten Wochen auf youtube nochmal geballt so manches grausame Video „reingezogen“. Das erleichtert eine klare Entscheidung wirklich ungemein. Schau dir dieses Leid an, von dem du ein Teil bist. Und wenn du dann noch weiter tierische Produkte essen willst, dann halte dich zumindest zurück mit Bekundungen deiner Liebe zum Menschen, zu Tieren und zu Mutter Erde. Das ist nicht ehrlich. Wenn dir die zerstörerische Tragweite des Konsums von tierischen Produkten bewusst wird, dann hast du keine Wahl, wenn du dich für die Liebe entscheiden willst. Liebst du die Welt und die Vielfalt der Arten, die Meere, Flüsse und Seen, die Wälder und Wiesen, und liegt dir etwas an ihrem Erhalt? Betrachtest du Tiere als deine Freunde und göttlichen Mitgeschöpfe? Liegt dir etwas an den Kindern dieser Welt und einer lebenswerten Zukunft? Hältst du dich für spirituell und gehst du davon aus, dass alles göttlich und beseelt ist, dass alles eins ist? Träumst du von einer Erde, auf der niemand mehr Hunger leiden muss und in der die Menschen gesund und in Frieden alt werden können? Dann hast du keine Wahl! Mir ist bewusst, dass ich selbst jahrelang eine Heuchlerin war, denn ich wusste – wie die meisten Menschen – schon lange von den Zuständen in den Schweinemast-, Milchkuh- und Hühner-KZs, und habe mich trotzdem daran mitschuldig gemacht und das Leid für meinen eigenen „Genuss“ und meine Bequemlichkeit und Gewohnheit stillschweigend in Kauf genommen. Dass ich schon seit vielen Jahren nur Bioprodukte kaufe, macht die Sache leider auch nicht viel besser. Aber wir sollten nicht zurückschauen und uns verurteilen. Nein, wir sollten es JETZT besser machen und JETZT eine neue Entscheidung treffen.

Wenn ich mit anderen Menschen über dieses Thema diskutiere (ich will niemanden missionieren, aber ich will mich rechtfertigen, wenn ich gefragt oder angegriffen werde, und ich will schon auf meine Beweggründe aufmerksam machen und ein Lichtchen der Bewusstheit entzünden), dann höre ich immer wieder als schnelles Fazit den Satz: „Naja, letztendlich muss das jeder für sich selbst entscheiden, was er essen will.“ Punkt! Ende der Diskussion! Lass mein schlechtes Gewissen bitte schnell wieder in Ruhe! Nein, es tut mir leid, aber so einfach ist das nicht. Unsere Welt ist drauf und dran, an diesem Fleisch-Wahnsinn kaputt zu gehen. Und die Gier nach billigem Fleisch, Fisch, Käse und Eiern wächst ständig. Unser Ökosystem steht kurz vor dem Kollaps und die Qualen für Mensch und Tier verdunkeln unsere Seele immer mehr. Die Frage nach unserer Ernährung ist längst keine Frage der individuellen Entscheidung mehr nach dem Motto, „es schmeckt mir aber so gut“… Es geht um nicht weniger als um das Überleben unseres Planeten. Und es geht um wahre Menschlichkeit. Wenn ich mir so anschaue, was unsere ach so hochentwickelte Spezies unseren tierischen Mitgeschöpfen antut (oder antun lässt und dabei bequem wegschaut und so tut als wüsste sie von nichts), dann schäme ich mich, ein Mensch zu sein. Wie sollen wir da als Menschen untereinander jemals in Frieden, Respekt und Liebe miteinander umgehen und füreinander Verantwortung tragen? Wir sind grausam. Lasst uns doch wenigstens da, wo wir auf einfache Art und Weise Einfluss nehmen können, etwas zum Positiven verändern. Durch bewusstere Ernährung und bewussteren Konsum können wir ganz konkret ganz viel tun.

Ich bin so ziemlich das Gegenteil eines disziplinierten Menschen. Was ich schaffe, das schafft jeder andere mit Leichtigkeit. Du musst es nur tun. Und du musst dein Herz öffnen um zu erkennen was richtig und falsch ist. Du musst dich vom Unrecht und Leid berühren lassen und du musst die Erkenntnis der Liebe in die Tat umsetzen. Das ist alles! Tu’s einfach, sei nicht bequem. Tu’s dir, deinen Kindern, den Tieren, deinen Mitmenschen und Mutter Erde zuliebe. Sei konsequent!  Fang JETZT an! Je mehr wir werden, umso einfacher wird’s für alle.

Es gibt mittlerweile so viele tolle vegane Kochbücher. Lass dich doch mal inspirieren. Alle veganen Rezepte, inklusive Desserts und Kuchen, die ich bisher nachgekocht und –gebacken habe, waren einfach nur phänomenal! Allerdings muss ich auch sagen, dass der häufige Verzehr von hochverarbeiteten Tofuprodukten und Fleischersatz auf Glutenbasis (Saitan), der in der veganen Szene leider sehr verbreitet ist, sicherlich auch keine gesunde Alternative zu Fleisch darstellt. Für mich wird jedenfalls die Umstellung auch mehr und mehr zu einer Rückkehr zur Einfachheit. Es gibt doch nichts Besseres als frisches, saisonales Gemüse, einfach nur gedünstet mit leckeren Kräutern und Gewürzen, oder frisches Obst, Nüsse, Sprossen etc. Das Einfache ist gut und gesund! Und schmeckt am besten. Meiner Meinung nach ist das, was wir anstreben sollten, eine vegane biologische, saisonale und möglichst regionale Küche mit einem hohen Anteil an Rohkost. Das ist echte Licht- und Friedensnahrung für Körper, Geist und Seele.

Und noch etwas: Eines der liebsten Argumente, mit dem Allesesser uns Veganer treffen wollen, ist der Vorwurf, wir wären genussfeindlich. Naja, zunächst mal muss ich sagen, es gibt offensichtlich unterschiedliche Definitionen von Genuss. Wer es bei voller Bewusstheit wirklich als Genuss empfindet, bereits verwesende Leichenteile zu essen (der Gourmet bezeichnet das dann als mürbes, gut abgehangenes Fleisch) und Tierbabys ihre mit artspezifischen Wachstumshormonen versetzte Milch wegzutrinken, bitteschön! Aber ich muss sagen, die meisten Vegetarier und Veganer, die ich kenne, strahlen mehr Schönheit, Freude, Vitalität und Sinnlichkeit aus, als die Mehrzahl der Fleischesser. Und wer in einer hohen, lichtvollen Schwingung ist, hat sicher mehr Power, Liebe zu machen und sich den fleischlichen Genüssen im Schlafzimmer (und an anderen schönen Orten) statt im Esszimmer hinzugeben! 😉 Spätestens ab vierzig beginnt man einem Menschen meiner Meinung nach sehr deutlich anzusehen, wie er sich ernährt (hat). Aber glücklicherweise ist eine Umkehr nie zu spät, und der Körper kann sich schnell von seiner Zivilisatose erholen und regenerieren.

Ein weiteres beliebtes Argument lautet: „Aber da muss man ja auf so viel verzichten, was kann man denn da überhaupt noch essen?“ Ich weiß nicht, ob die Frage wirklich ernst gemeint ist??? Aber selbst im größten Metzgergeschäft wirst du nicht die Fülle vorfinden, die die Natur uns an unterschiedlichem Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst, Nüssen, Kräutern (wir dürfen das Wort „Unkraut“ aus unserem Wortschatz streichen) und Beeren zu bieten hat! Und die Angst vor dem Verzicht verfliegt schnell angesichts der Fülle, die dich bei dieser Ernährung erwartet – und angesichts des Wohlbefindens, das sich schon nach kurzer Zeit einstellt. Anfangs zweifelte ich auch noch ein bisschen, wenn ich an Kässpätzle oder Schafskäse oder Spaghetti mit Parmesan oder Gorgonzolasoße oder ein Sonntags-Frühstücksei dachte. Aber jetzt sehe ich nur noch den Gewinn und die „Befreiung“. Ich verzichte auf NICHTS, ich habe sooo viel gewonnen. Und das nach sechs Wochen! Ich denke, das ist genauso wie mit der Treue in einer Liebesbeziehung. Wenn du deinen Seelenpartner gefunden hast und ihr auf allen Ebenen in Liebe miteinander verbunden seid, dann stellt Treue keinen Verzicht, keine Einschränkung und keine Herausforderung mehr dar. Dann ist Treue ein natürlicher, glückseliger Zustand, der berauscht und beflügelt und euch immer noch tiefer zusammen bringt und der erst ekstatische Zustände ermöglicht. Es ist ein Gewinn für eure Liebe. Es fällt nichts weg, sondern es kommt ganz viel dazu – und das in vollkommener Freiheit und Leichtigkeit. Und ebenso ist die vegane Ernährung ein großer Gewinn für die Lebendigkeit, für Liebe, Weisheit, Spiritualität, Mitgefühl und Menschlichkeit.

Die (Rück?-)Besinnung auf vegane Ernährung ist ein wichtiger Teil der spirituellen Evolution. Sie ist ein Ausdruck liebender Güte, gelebten Tier- und Umweltschutzes und eines Bewusstseins, das uns alle als miteinander verbunden betrachtet. Es ist eine Möglichkeit, uns zu emanzipieren aus dem schlafenden Massenbewusstsein und auszubrechen aus einer absolut unbewussten kollektiven Übereinkunft des rücksichtslosen Konsumterrors, der Gewalt, der Ausbeutung, Gier, Verachtung und Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben. Eine Gelegenheit, wahrhaftig spirituell zu reifen. „Die gegenwärtige Veganismus-Bewegung (…) ist revolutionär, denn sie schwört dem gewalttätigen Kern der Viehzüchterkultur, in der wir leben, ab und überwindet ihn. (…) Sie kündigt die Geburt eines neuen Bewusstseins an, die Wiederauferstehung der Intelligenz und des Mitgefühls sowie die prinzipielle Abkehr von Grausamkeit und Herrschaftsdenken. Sie ist die einzig wahre Hoffnung für die Zukunft unserer Spezies, denn sie setzt sich mit der Wurzel des Übels auseinander. (…) Es ist schon komisch, wie wir nach tiefgreifendem Wandel rufen, ohne uns selbst verändern zu wollen! (…) Veganismus ist nach wie vor eine äußerst seltene Erscheinung, sogar bei Menschen, die sich selbst als spirituell interessiert verstehen, denn die Macht unserer frühen Sozialisierung ist schwer zu brechen. Und doch sind wir Menschen hierzu aufgerufen; andernfalls wird unsere Kultur zu nichts anderem führen als zu weiterer Zerstörung und letztlich zum Selbstmord.“ (Tuttle, Will: Ernährung und Bewusstsein)

Wenn du dich von diesem Text angegriffen oder gemaßregelt fühlst, dann sei versichert, dass das ist nicht meine Absicht ist. Aber für mich selbst war dieser Schritt zur veganen Ernährung ein solcher Quantensprung und eine solche Befreiung, dass es mich nur traurig macht, dass ich ihn nicht schon vor Jahren vollzogen habe. Wenn ich doch gewusst hätte, wie einfach es in Wirklichkeit ist… Ich hätte mir viel Leid erspart – viel innere Zerrissenheit und Heuchelei, die Illusion von Getrenntheit, und viel individuelles und kollektives verdrängtes Schuldgefühl – und ich hätte vielen fühlenden Wesen und Mutter Erde Leid erspart. Aber unsere Reise ist eben ein Bewusstseinsprozess… , daher müssen wir liebevoll mit uns selbst umgehen! Und jetzt fühle ich mich einfach nur erleichtert, begeistert, so frei und so reich beschenkt – durch das was ich weglasse… komisch, oder? Das ist es, was ich dir weitergeben möchte: Kein schlechtes Gewissen oder Druck, sondern Mut und Begeisterung, aus diesem System der Folter, Zerstörung und Massenhypnose auszubrechen. Und ich danke allen meinen Freunden, die schon voraus gegangen sind und den vielen jungen Menschen da draußen, denen diese Welt und das Schicksal der Erde, ihrer Mitmenschen und ihrer tierischen und pflanzlichen Mitgeschöpfe nicht egal ist. So viele junge Menschen, die uns mit ihren kreativen und lebendigen Internet-Blogs Lust auf vegane Ernährung machen, die wundervollste Kochbücher schreiben obwohl sie gar keine Kochausbildung haben (ja, die leben aus dem Herzen!) und die uns zeigen, wie verantwortungsvolles und spirituelles Leben down-to-earth wirklich aussieht. So viele wunderbare junge Menschen, die sich einer besseren und liebevolleren und bewussteren Welt verpflichtet haben. Wie schön, dass es euch gibt!

Mach doch mit bei diesem Wandel.  Ich würde mir wünschen, dass ich dich mit meiner Begeisterung anstecken kann, es selbst einmal auszuprobieren. Versuch es nur vier Wochen, und ich bin mir ziemlich sicher, du willst nie wieder zurück! Vielleicht können wir dann gemeinsam auch andere aufwecken und durch eigenes Vorbild überzeugen. Liebe ist nicht nur ein theoretisches Konstrukt im Kopf, sie zeigt sich in aktivem und engagiertem Handeln. Für die Kinder dieser Welt, für das Tier- und Menschenrecht auf Würde, Selbstbestimmung und Leben, für ein friedlicheres Miteinander, für eine gesunde Erde, für die Achtsamkeit, für die Wiedererinnerung der Einheit allen Seins, für das Erwachen!

Lokah samasta sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!

PEACE & LOVE. We are one world, one love!
Deine Christine Samira

 

Als Literatur kann ich dir empfehlen:
– Tuttle, Will: Ernährung und Bewusstsein. Warum das, was wir essen, die Welt nachhaltig beeinflusst. (Sehr, sehr, sehr empfehlenswert, wenn du mehr über die Auswirkungen des Fleisch-, Fisch-, Milch- und Eierkonsums für dich, die Tiere und das Ökosystem erfahren willst! Dieses Buch sollte jeder lesen, der Essen zu sich nimmt! 😉 Das Buch ist sehr provokativ und nimmt kein Blatt vor den Mund, ist aber dennoch ganz spürbar aus einem liebenden Herzen heraus geschrieben.)
– Dahlke, Rüdiger: Peace Food. Wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt.
– Sezgin, Hilal: Artgerecht ist nur die Freiheit: Eine Ethik für Tiere oder warum wir umdenken müssen.

Und hier ein paar youtube-Videos, die dir vielleicht helfen:
– Nie wieder Fleisch! Arte-Dokumentation: http://www.youtube.com/watch?v=MQDozUfoinc
– Meet your meat (englisch): https://www.youtube.com/watch?v=sZs1vodBxP0. Für die deutsche Version muss man sich mit Altersangabe anmelden: http://www.youtube.com/watch?v=IUA5JxOOa2Y Schon gefährlich, wenn unsere Teenies mal sehen, wo ihr Schnitzel und ihre Würstchen herkommen… Aber Hauptsache, unsere Kinder kommen ungehindert an Pornos, Gewalt- und Hetzvideos ran… und an Werbung…
– Das Klagen der Kühe – ein kritischer Film über die Milchwirtschaft: http://www.youtube.com/watch?v=RMAIz5dwCuU
– Bis zum letzten Fang – Das Geschäft mit dem Fisch: https://www.youtube.com/watch?v=GBfR1_w67rc
– Earthlings (Erdlinge) – Ein eindringlicher Film über unseren Umgang mit Tieren: http://www.youtube.com/watch?v=eHsTeiQdn8E (englisch mit deutschem Untertitel)
– Wir essen nur Pflanzen – Vegan leben in Berlin: http://www.youtube.com/watch?v=EvsoxrlHdBE

– Und noch 2 schöne Songs gegen den Fleischwahnsinn und Tierquälerei:
– Eine Million: http://www.youtube.com/watch?v=ZnsfT-Du76I
– 10.000 Tränen: http://www.youtube.com/watch?v=IS_mantk3tA

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Viele Menschen in meinem Umfeld denken darüber nach, wie sie die Gesellschaft verändern können, ob sie in die Politik gehen, eine Partei gründen, oder sich in irgendwelchen spirituellen Gemeinschaften zusammenschließen sollen. Ich weiß nicht, ob das wirklich ein sinnvoller Weg ist. Ich denke, es geht vielmehr darum, feste Strukturen zu überwinden und überflüssig zu machen. Gesellschaftliche, politische und spirituelle Strukturen funktionieren immer über Richtlinien, Dogmen, Weltanschauungen und Abgrenzung – Einteilungen was gut und schlecht, richtig oder falsch ist, Ansichten wie „man“ oder die Gemeinschaft zu sein hat und Widerstand gegen das, was anders ist. Selbst wenn die beste Absicht dahinter steht, macht das genauso wieder unfrei und unselbstständig – es schnürt unser Herz ab und trennt uns von der All-einheit. DU allein musst der Wandel sein, den DU dir wünschst. Wenn DU dich veränderst, verändert sich die ganze Welt. So viele Menschen sind unglücklich mit ihrer Partnerschaft, ihrem Job und ihrem ganzen Leben. Aber sie trauen sich einfach nicht, authentisch zu sein, wirklich sich selbst einzubringen, mit ihren Gefühlen, ihren Visionen und wahren Gedanken. Aber von wem soll der Wandel ausgehen, wenn nicht endlich jeder einzelne anfängt, wieder wirklich MENSCH zu sein, Herzenslicht zu sein, Freude zu sein? Denk nicht darüber nach, wie du im Außen etwas verändern kannst, wie du die anderen zum Umdenken und zum „besseren“ Handeln bewegen kannst, oder gar sie retten kannst. Kümmere dich um dich und um dein Leben! Damit hast du genug zu tun, und nur so kann sich im Großen etwas verändern. Du wirst zum Leuchtturm – und viele kleine Leuchttürme werden zum großen Licht, an dem sich andere orientieren können. Wenn sie es möchten. Unterschätze deine Macht nicht. DU kreierst deine Welt. Alle Macht, die ein Mensch hat, beschränkt sich auf ihn selbst. Dies ist die einzige, aber eine unbeschreiblich große Macht! Und deine Macht beschränkt sich auch auf das Hier und Jetzt. Du lebst weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. SEI einfach der Wandel, den du dir wünschst – jetzt! Kümmere dich nicht um äußere Strukturen und „die Gesellschaft“. Erobere du selbst dir deine Freiheit zurück und lebe.

Freiheit ist das oberste Lebensprinzip. Aber mit Freiheit können nur Menschen umgehen, die in der LIEBE und EINHEIT sind, die klar sehen können, die wirklich innerlich frei sind von allem – von Glauben, von Moralvorstellungen, von Konzepten von „Richtig“ und „Falsch“, von der Zugehörigkeit zu einer spirituellen oder politischen Gruppe, einer Nationalität oder „Rasse“, von Gegenständen und „Krücken“, von der Vergangenheit und der Zukunft. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Fan von Osho bin, und wer meinen Blog verfolgt, ahnt wohl, dass ich in vielen Dingen von ihm inspiriert bin. Was er als Mensch für Schwierigkeiten, Probleme und Eitelkeiten hatte, interessiert mich nicht. Auch er hatte sein Ego, ist sicherlich in verschiedenste Fallen getappt und vermutlich haben sich in seinem Leben wie im Leben jedes Menschen Momente der Klarheit, der tiefen Herzensverbundenheit und Weisheit mit Momenten der Angst und Egozentrik abgewechselt. Wer will ihm das vorwerfen? Muss ein Mensch perfekt sein? Nein, denn wer nach außen hin immer eine perfekte Hülle und stets weiße Weste präsentiert, der ist vermutlich noch tiefer auf dem Holzweg und im Verrat seines eigenen Herzens, als einer der abwechselnd Erleuchteter und  Vollidiot ist. Ich habe diesen Menschen nicht persönlich gekannt, deshalb maße ich mir kein Urteil an, will ihn weder niedermachen noch verteidigen. Ich stehe von meinem Gefühl her auch nicht hinter allem, was er gesagt und gelehrt hat, aber ganz vieles geht mit meiner eigenen Wahrheit in tiefe Resonanz. Und das berührt mich.

Kurzum, was ich an Osho genial finde, ist, dass er den Menschen immer wieder auf sich selbst zurück wirft. Er nimmt dir alle Sicherheiten, er provoziert bis aufs Äußerste und stellt alles in Frage. Er fragt so lange, bis du nichts mehr weißt, er bohrt so lange in deinen Gefühlen, bis du nichts mehr fühlst. Er nährt und verehrt den Zweifel. Zweifel hat in unserem Menschsein und v.a. in spirituellen Glaubensrichtungen und esoterischen Traditionen keinen Platz. Du sollst nicht zweifeln. DOCH, DU SOLLST! Zweifle an allem was dir richtig scheint, an allem was du tust und zu wissen glaubst, an allem was du zu sein scheinst, an allem was du siehst und hörst. Zweifle so lange, bis du an einen Punkt kommst, wo NICHTS mehr ist, wo du dich an nichts mehr klammern kannst. Dann bekommst du eine Ahnung von deinem wahren SELBST, dann erst wirst du langsam immer freier. Wer bist du, wenn du nicht mehr der Ingenieur oder die Lehrerin bist, wer bist du, wenn es keinen Gott gibt, wer bist du, wenn es keine Regeln und Vorschriften mehr gibt, wer bist du ohne deinen Besitz und deine Diplome, wer bist du, wenn du nicht der große Heiler bist, wer bist du, wenn es keine Engel, keine Chakren, keine früheren Inkarnationen, kein Atlantis gibt, wer bist du ohne deine anerzogene Moral, Gebote und Wertvorstellungen, wer bist du, wenn es keine Etiketten und Schubladen mehr gibt, wer bist du, ohne all das vermeintliche Wissen über die Welt, das man dir eingetrichtert hat, wer bist du, wenn man dir deinen Namen, dein schönes Gesicht und deinen Körper nimmt, wer bist du, wenn du von deinem Partner, deinen Eltern oder Kollegen nicht mehr geliebt wirst. Wer bist du, wenn NICHTS mehr ist, was dich und deine Welt definiert und ausmacht? Hab den Mut, deine ganze Welt zum Einsturz zu bringen. Sie ist sowieso nichts als eine Scheinwelt. Du wirst in ein tiefes Loch, in eine tiefe Depression fallen, aber nur indem du dich verlierst, kannst du dich wirklich finden.

Frei kannst du nur werden, wenn du dich von allem frei machst. Gerade von dem, was dir am meisten Sicherheit bietet. Du glaubst an dein angelesenes Wissen? Wirf es weg, es ist nichts wert! Du glaubst an Gott? Er gibt dir Sicherheit, Trost, Führung und Sinn? Dann wirf deinen Gott weg! „Wenn du Buddha triffst, töte ihn“, heißt es in einem Zen-Spruch. Du traust dich nicht – aber du glaubst trotzdem, du seist spirituell??? Glaube ist das Gegenteil von Spiritualität. Spiritualität ist ein anderes Wort für Freiheit. Den Weg der Spiritualität zu gehen, heißt, sich nach und nach von ALLEM frei zu machen und alle Sicherheiten, alles Wissen, allen Glauben, alle Konzepte und alle Hilfsmittel loszulassen. Oh je, und so viele machen genau das Gegenteil, sie beladen sich auf ihrem spirituellen Weg mit immer noch mehr Ballast und Illusion. Dogmen, Regeln und Glaubenslehren (einfach nur die alten eingetauscht gegen neue), spirituelle Namen, übersinnliche „Fähigkeiten“, die einen über andere erheben, Identifikation mit früheren Inkarnationen, Lichtkörper, spirituelle Auszeichnungen und Titel, Hilfsmittel, die Kraft und besondere Autorität verleihen sollen, Konzepte von Richtig und Falsch, Gut und Böse, Gesund und Krank, usw. Du sollst weniger werden, nicht mehr! Du sollst freier werden, nicht noch unfreier! Nackt sein! Die spirituelle Szene ist sehr lustig! Wir sind lustig!

Wir müssen uns wieder trauen, zu zweifeln. Aber das trainieren wir ja schon unseren Kindern ab. Kinder sind wunderbare Lehrer. Warum meinen eigentlich immer die Erwachsenen, sie müssten Kinder erziehen? Umgekehrt sollte es sein, wir sollten uns von unseren Kindern unsere Erziehung wieder wegnehmen lassen und wieder echt und wahrhaftig werden. Unschuldig , rein, lachenden und liebenden und neugierigen Herzens! Und wir sollten ihnen die Freiheit schenken, denkende und fühlende Wesen zu werden statt geprägter und vergewaltigter Roboter. Wachsen lassen, Raum geben zu erblühen, nicht er-ziehen!!! Gab’s da nicht schon mal einen, der gesagt hat, wir sollten wieder werden wie die Kinder, um in den „Himmel“ zu kommen? Er hat nicht gesagt, dass wir die Kinder in unsere Hölle ziehen sollen.  Was heißt „Himmel“? „Himmel“ heißt für mich zu leben, wirklich zu leben, aus dem Herzen heraus zu SEIN. Wer tut das schon? Mir wird immer ganz übel, wenn ich so kleine, zugeschnittene Bonsaibäumchen sehe. Es macht mich traurig, einen großen, freien Baum so beschnitten und in eine rigide Form gezwängt zu sehen. Aber genau das passiert mit uns Menschen. Genauso sind unsere Eltern vergewaltigt worden, genauso haben sie uns vergewaltigt, und genauso vergewaltigen wir unsere Kinder. Wann hat der Wahnsinn ein Ende? Wann dürfen wir unsere Zweige wieder in den Himmel wachsen lassen? Wann dürfen wir wieder sein, so wie wir sind? Oder besser gesagt, wann erlauben wir es uns endlich? WANN WOLLEN WIR FREI SEIN UND UNSERE KINDER ZU FREIEN, GLÜCKLICHEN MENSCHEN AUFWACHSEN LASSEN? Es mag sein, dass du als junger Mensch beschnitten und geformt wurdest. Aber jetzt bist du es selbst, der die Schere ansetzt und sein eigenes Wachstum beschneidet. Wirf Schere und Draht weg, und spreng dein enges Töpfchen, dann wird aus dem Bonsai wieder ein echter, großer, wilder, freier Baum!

Mit ihren „Warums?“ hätten unsere Kinder die Macht, uns zu erlösen und zu erleuchten. Aber wir verbieten ihnen das Fragen, denn wir haben Angst, an den Punkt geführt zu werden, an dem die Beschränktheit, Lächerlichkeit und Unsinnigkeit unserer Regeln, Dogmen und unseres Verhaltens und  vermeintlichen Wissens ans Licht kommen. Wir haben Angst davor, zu sagen, „ich weiß es nicht“, Angst, keine Rechtfertigung für unseren eigenen Blödsinn mehr zu finden. Angst davor, dümmer zu sein, als so ein kleines Kind. Aber es ist leider Fakt: Wir sind dumm! Wir wissen, dass wir selbst uns verloren haben und nur noch dumme, unfreie, nachplappernde, funktionierende, angepasste Marionetten sind. Wir wissen tief drinnen, dass wir unser Leben auf Sand gebaut haben. Und den lassen wir uns nicht gern abgraben. Lieber stürzen wir unsere Kinder in dasselbe Unglück. Warum auch nicht, denken wir uns, solange keiner zu rütteln und zu graben anfängt, lebt es sich im Treibsand doch ganz gut. Und wer hat uns schon versprochen, dass das Leben Freude und Lust ist? Und außerdem haben wir uns doch so viele tolle Sicherheitsnetze aufgebaut, die uns vorm Versinken schützen. Wenn WIR schon nicht leben durften und es uns jetzt wo wir könnten, nicht mehr trauen, dann gönnen wir auch unseren Kindern kein Leben. Wir können richtige Monster sein! Und das alles, weil wir aufgehört haben zu denken und zu fühlen, Dinge selbst zu er-fahren. Weil wir unser Fühlen, unsere Herzenssehnsucht, unsere Talente, unsere Weisheit und Einzigartigkeit verraten haben. Weil wir verlernt haben zu zweifeln. Weil wir gelernt haben, alle Brocken, die uns hingeworfen werden, schön brav zu fressen – egal ob von der Kirche, dem Staat, den Meinungsführern und Autoritäten, der Esoterik, der Wirtschaft, den Medien, den Schulen und Universitäten. Weil wir ETWAS sein wollten, statt einfach zu SEIN. Und weil wir jetzt nicht mehr den Mut haben, alles loszulassen, was wir uns in dieser Scheinwelt so hart erarbeitet haben und was uns Sicherheit und Identität und Anerkennung gibt. Weil wir nicht mehr den Mut haben, an unserem Leben und Denken und Glauben zu zweifeln. Weil wir nicht mehr den Mut haben, dieses Haus auf Sand zum Einsturz zu bringen. Weil wir uns nicht trauen, frei zu sein.

„Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“, hat Albert Einstein gesagt. Es wird Zeit, unseren bequemen, warmen Pelz abzustreifen und aus der Herde auszubrechen!!! Oder ziehst du die Sicherheit deiner Schafherde vor? Dann beklag dich aber nicht übers Schafsein…

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Wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft, die viel Unglück, Krankheit, Wut und Zerstörung über die Welt gebracht hat. Die weibliche Kraft wurde über viele Jahrhunderte totgetrampelt und klein gemacht. Unser ganzes Leben und Wertesystem ist einseitig orientiert an Leistung, Materialismus, Produktivität, Ausbeutung, Gewalt, Konkurrenz und Verstandesfixierung. Dabei handelt es sich natürlich nicht um die heilige männliche Essenz, sondern um pervertierte männliche Attribute. Diese einseitige Ausrichtung hat dazu geführt, dass wir Frauen inzwischen unser ganzes Sein verleugnet haben. Um in dieser Welt bestehen zu können, haben wir uns daran gemacht, die besseren Männer zu werden. Wir haben unsere Sexualität und unseren Körper dem männlichen Ideal untergeordnet, haben den Kontakt zu unserer intuitiven Weisheit und Hingabe geopfert und sind zu perfektionistischen, leistungsbereiten Robotern geworden, die alles tun, um in dieser Welt zu funktionieren. Tief drinnen fühlen wir uns schuldig, minderwertig, ängstlich, nie gut genug, krank und einsam. Und die Männer? Sie sind entweder unter dem Einfluss des Patriarchats verhärtet, gefühlskalt, rücksichtslos und materialistisch geworden und orientieren sich an einem traditionellen männlichen Rollenbild, das weiterhin alles Weibliche unterdrückt und abwertet. Oder sie haben sich in die andere Richtung so weit von ihrer natürlichen Männlichkeit entfernt, dass sie zu saft- und kraftlosen Jasagern und Pantoffelhelden mutiert sind, die sich ihrerseits von vermännlichten und frustrierten Frauen drangsalieren und manipulieren lassen und – im übertragenen und nicht selten auch wörtlichen Sinne – „keinen mehr hoch kriegen“, nicht mehr ihren Mann stehen. Zwischen den Geschlechtern herrschen Kampf, Schuldgefühle, Resignation und Missverständnisse. Die wundervolle Polarität, in der wir uns gegenseitig anziehen und faszinieren, ist total verschwommen. Die Vereinigung ist keine Explosion und mystische Erfahrung mehr, sondern ein reines Druckablassen, denn es geht nicht um die Vereinigung zweier Gegensätze zu einem Ganzen, sondern es nähern sich zwei gleiche oder sehr ähnliche Welten an. Es ist keine heilige Begegnung mehr zwischen dem Männlichen und Weiblichen, sondern eine Begegnung von zwei Neutrums. Oder aber es kommen zwei zusammen unter dem Gesichtspunkt der Ausbeutung und Bedürftigkeit.

Fakt ist, dass sich in unserer Zeit sowohl Männer als auch Frauen verloren haben. Und solange wir uns nicht selbst wieder finden, können wir keine wahre, liebevolle und freie Partnerschaft leben. Aber viel mehr noch: Der Friede in der Welt hängt davon ab, dass Männer sich wieder mit ihrer natürlichen, heiligen Männlichkeit verbinden, und Frauen ihre natürliche, heilige Weiblichkeit zurück erobern. Wir müssen wieder ein Gefühl dafür bekommen, was männlich und weiblich im höchsten Sinne bedeutet. Das Männliche ist expansiv und erobernd, während das Weibliche hingebend und bewahrend ist. Das Männliche ist aktiv und sonnenhaft, geprägt vom Tun, das Weibliche ist passiv und mondhaft, geprägt vom Sein. Das Männliche ist kraftvoll, abgrenzend und beschützend, während das Weibliche weich, offen und integrierend ist. Das Männliche ist analytisch und rational, das Weibliche dagegen intuitiv und emotional. Das Männliche ist führend, das Weibliche folgend; und so weiter. Ich meine das natürlich alles im positivsten Sinne! In unseren Ohren hört sich manches minderwertig und schwach oder aber aggressiv und lieblos an, weil wir diese Qualitäten kaum in ihrer reinen und liebevollen Ausprägung kennen. Nichts davon ist besser oder schlechter, sondern beides gleich wichtig für die Harmonie in der Welt. Ich bin mir sicher, in der neuen Zeit werden nur Beziehungen Bestand haben, die das Männliche bzw. Weibliche jeweils in sich selbst und im anderen anerkennen und verehren. Wir müssen uns in liebevollen Beziehungen gegenseitig helfen, wieder in unsere Kraft zu kommen. Je mehr eine Frau ihre authentische Weiblichkeit lebt, umso mehr kann der Mann seine Männlichkeit wieder finden und umgekehrt. Wir müssen uns gegenseitig den Raum eröffnen, wieder die zu sein, die wir von Natur aus sind – mit unseren spezifischen Stärken, aber auch mit dem was uns fehlt und worin wir uns gegenseitig ganz machen können.

Nach Jahrhunderten der Unterdrückung des Weiblichen ist es so wichtig, dass wir Frauen jetzt aufstehen und unsere Macht ergreifen (Macht ist nichts Negatives, wir haben es nur über so lange Zeit falsch vorgelebt bekommen und uns etwas anderes einreden lassen). Der Wandel und die Heilung der Gesellschaft muss und wird von erwachten Frauen ausgehen, die mutig ihre Herzensweisheit verkünden und eine neue Welt erträumen. Und dazu braucht es Männer, die uns mit ihrer ganzen Kraft und selbstbewussten Männlichkeit unterstützen – und die so mutig sind, alte Pfründe, überholte Überzeugungen und Traditionen, hohle Dogmen und Bequemlichkeiten aufzugeben und etwas Neues zu erschaffen und neu und frei zu denken. Die ihren Geschlechtsgenossen offen vorleben, dass es auch anders geht. Die ihr Ego zügeln, einen Schritt zurück treten und den Frauen die erste Reihe überlassen und mit stiller Präsenz und Tatkraft hinter uns stehen. Die alte Mauern einreißen und einen schützenden Rahmen bilden, in dem das Neue gedeihen kann. Die Verantwortung übernehmen. Die bereit sind, wieder zu lieben und zu fühlen und ein Teil von Mutter Erde zu werden!

Ich habe in Form von zwei Gedichten versucht  in Worte zu fassen, welches Geschenk wir als authentische Frauen und Männer uns gegenseitig machen können. Mögen wir doch endlich zusammen finden!

Shaktis Geschenk

Lass mich dir die Erde zu Füßen legen
in ihrer geheimnisvollen Macht und Tiefe.
Versinke in der Unendlichkeit des Seins
und finde deine Wurzeln in mir!

Lass dich fallen in meine Weichheit
wenn du müde und erschöpft bist vom Tun.
Ich verströme den Duft meines Herzens
und wiege dich sanft in den Armen der Liebe.

Spür meine unbändige Kraft,
die so wild ist und doch zart und heilig.
Bereit, zu bluten und Tausend Tode zu sterben
um im Dunkel dir mutig zur Seite zu stehen.

Ich halt die Schale, in der du dein Feuer entzündest
und hüte unsern gemeinsamen Schatz.
Meine Zärtlichkeit offenbart dir das Lächeln der Welt,
damit deine Kriege und Kämpfe ein Ende finden.

Ich verneige mich vor deiner Kraft und Stärke
und folge dir blind auf unsrem Weg.
Ich vertraue der Weisheit deines Herzens,
nichts kann meinen Glauben an dich erschüttern.

———

Shivas Geschenk

Lass mich dir den Himmel zu Füßen legen
in seiner strahlenden Klarheit und Weite.
Atme den flüchtigen Hauch des Augenblicks
und entfalte deine Flügel in mir!

Ich bin dein Fels und deine Zuflucht,
halt dich sicher im Strudel der Gezeiten.
Mach dir meine Kraft und Stimme zum Geschenk,
damit du mutig deine Wahrheit lebst.

Von deiner Liebe tief im Innersten berührt,
lausch ich demütig dem Klang der Schöpfung,
reiß meine inneren Mauern nieder,
um eins zu werden mit dem Herz der Welt.

Spür meine Aufrichtigkeit und stille Präsenz,
die dir beharrlich zeigt, du bist die Eine.
In meinen Augen spiegelt deine Schönheit sich wider,
um uralte Ängste und Zweifel zu heilen.

Ich verneige mich vor deiner Weichheit und Würde,
will mich ergeben in deinen heiligen Traum.
Meine Worte erblühen in wahren Taten,
um gemeinsam eine neue Welt zu erschaffen.

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So… jetzt hatte ich aus Zeitgründen ewig lange keinen neuen Blogeintrag geliefert, und dann gleich zwei an einem Tag. Aber nach meinem Lichtertext muss ich heute einfach nochmal einen nachschieben. Ich muss unbedingt – einen Tag vor Heiligabend – eine Lanze brechen für alle Weihnachtstrubel- und Geschenke-Fans. Schon seit Tagen tauchen sie wieder von allen Seiten auf, die „Wir-schenken-uns-dieses-Jahr-nichts“-Puristen, die „Das-ist-doch-alles-nur-Konsumterror“-Radikalen und die „Besinne-dich-auf-den-eigentlichen-Sinn-von-Weihnachten“-Bekehrer. Es nervt! Gibt es denn niemanden mehr, der noch Spaß an Weihnachten hat? Ich bekenne hiermit öffentlich: auch mit meinen vierzig Jahren bin ich immer noch ein großer Weihnachtsfan. Und ich liebe den Trubel und die Vorfreude, ich liebe es, Geschenke zu machen und zu bekommen, ich liebe den Lichterzauber, ich liebe es, über Christkindlmärkte zu strolchen, unsinnigen Kleinkram zu kaufen, und eine Tasse zu viel Glühwein zu trinken, ich liebe es, noch mehr Engel in der Wohnung herumstehen zu haben als sonst, ich liebe es, an Weihnachten mit der Familie zu schlemmen bis mir der Bauch weh tut. So, jetzt isses raus!

Ganz ehrlich: ich finde es seltsamer und heuchlerischer, an zwei Tagen im Jahr in die Stille gehen zu müssen und mich der Liebe besinnen zu müssen, als Geld auszugeben für eine ausgelassene Feier, schöne Geschenke und ein bisschen Glitzerzauber und Romantik. Liebe, Achtsamkeit und Einkehr sollte doch Teil unseres täglichen Lebens sein. Aber Weihnachten ist ein besonderes Fest, das wir eben nur einmal im Jahr feiern – und ist es nicht ein Fest der Liebe und der Freude? Es ist doch ein Geburtsfest, ein Fest des ewigen Lebens und des Lichts, und keine Trauerfeier! Und wie bei jeder großen Feierlichkeit gehört eben auch hier eine gewisse Anspannung, Vorbereitung und Aufregung dazu. Das ist doch gerade das Besondere! Und was die Geschenke betrifft: wir konsumieren das ganze Jahr über wie die Blöden: neues Handy, iPad, Laptop, Auto, Urlaub, Klamotten, Haushaltsgeräte usw., aber ausgerechnet an Weihnachten, wenn wir für andere etwas Schönes kaufen, gilt es als anrüchig und profan. Aber liegt es nicht vielmehr an der Einstellung des Schenkenden, ob ein Geschenk nur ein schnell dahin geworfenes Konsumgut ist, oder ob es eine Gabe der Liebe und Wertschätzung ist? Und dabei spielt es keine Rolle, wie teuer es ist. Abgesehen davon darf und soll Geld doch fließen. Wenn wir es nicht mit Großzügigkeit ausgeben können, um uns und unseren Lieben eine Freude zu machen und die Liebe und Lebendigkeit zu vermehren, wofür sollte es dann gut sein?

Als mein Opa noch lebte (er starb, als ich 24 war), bekamen wir Enkel immer schon ein paar Tage vor Weihnachten 250 Mark, um uns etwas Schönes zu kaufen. Ich fieberte dem Tag immer entgegen, denn dann hatte ich endlich Geld zur Verfügung, um meinen Eltern, dem Opa, meinem Freund, meinen Schwestern und Freundinnen ein schönes Geschenk zu kaufen. Am Ende war zwar kaum mehr etwas für mich übrig, aber an dem großen Tag zählte für mich die Freude der Beschenkten viel mehr. Das ist für mich eben auch ein Stück Weihnachten: die Freude und Überraschung in den Augen der Beschenkten zu sehen und ihnen zu zeigen, wie wichtig sie sind, und auf der anderen Seite auch das schöne Gefühl, dass sich jemand Gedanken gemacht hat, wie er mir eine kleine Freude bereiten kann. Ich weiß schon, das hat nichts mit der bedingungslosen Liebe zu tun, an die uns Weihnachten erinnern soll, aber es ist eben eine von vielen Möglichkeiten, menschliche Liebe auszudrücken.

Letzte Nacht habe ich noch von meiner Sehnsucht nach Stille geschrieben (siehe vorheriger Blogeintrag). Ja, ich denke, Weihnachten darf gerade beides sein: ausgelassene Freude, Trubel, Feiern, Geschenke – nenne es meinetwegen „Konsum“ – und auf der anderen Seite Momente der Einkehr, der Stille und Besinnung. Ich habe auch dieses Jahr die Vorweihnachtszeit in vollen Zügen genossen. Bin über viele Weihnachtsmärkte gebummelt, habe meinen Freund zu einem Überraschungswochenende nach Salzburg eingeladen, war auf zwei tollen Weihnachtskonzerten, habe viel zu viel Stollen und Lebkuchen gefuttert und – natürlich – fleißig Geschenke gekauft. Wobei mein Weihnachtstransport dieses Jahr für meine Verhältnisse schon recht klein ausfällt, denn meine Schwester, ein „Wir-schenken-uns-nichts-wir-haben-doch-schon-alles-und-es-ist-immer-so-schwer-das-Richtige-zu-finden“-Weihnachtstyp hat ein Familiengeschenkverbot im Geschwister- und Elternkreis verfügt. (Dieser Kampf wird jedes Jahr wieder von Neuem ausgefochten, daher stehen die Karten gut, dass ich nächstes Jahr wieder zu meinem Recht komme… 😉 ). Und nach all dem Feiern und der Vorfreude ist jetzt, wo das Fest vor der Tür steht, für mich die Zeit, auch wieder Stille zu genießen. Und wenn wir morgen Abend gemeinsam essen, dann werden wir lachen und erzählen, und ich werde in einer stillen Minute an meinen Vater denken, denn es ist heuer schon das vierte Weihnachtsfest ohne ihn und ich werde ihn wieder besonders vermissen. Und vor dem Schlafengehen werde ich mir eine CD mit der Misa criolla oder klassischer Weihnachtsmusik einlegen und den Abend ganz in Stille und bei Kerzenschein ausklingen lassen. Und dann werde ich den ersten Feiertag im Trubel der ganzen Familie genießen, zu viel essen, und zu viel Rotwein und Kaffee trinken. Und am Abend werde ich mich mit meinem Schatz aufs Sofa rollen und einfach nur dankbar sein, dass es ihn gibt und ich mit diesem wunderbaren Mann zusammen bin. Ja, da werden wir bestimmt auf kreative Art und Weise (mehr oder weniger still) über die wunderbaren Facetten der Liebe meditieren. Bevor ich mich dann am nächsten Tag wieder über den Stress freuen darf, knappe 250 km zu seiner Familie zu rasen, um uns dort im Trubel seiner Liebsten erneut den Bauch voll zu schlagen. Ja, und sind die besinnlich-stillen-stressig-trubeligen Weihnachtstage dann überstanden und alle Geschenke verstaut, dann darf der Silvesterstress so langsam kommen. Was wollen wir essen, auf welche Party geht’s, was zieh ich an, Brot oder Böller, zu mir oder zu dir? Alle Jahre wieder – ich liebe diese Zeit!

Anknüpfend an meinen letzten Blogtext, möchte ich heute nochmal ein paar zusätzliche Kerzen anzünden:

Für all die, die dank überbordender Weihnachtseinkäufe schon jetzt voller Grauen an die Vielzahl der ungnädigen Januar-Rechnungen denken
Für all die, die die nächsten Tage unter Bauchkrämpfen und Kater zu leiden haben
Für all die, die nicht wissen wohin mit der zwanzigsten Krawatte
Für all die, die am Morgen von Heiligabend noch letzte Einkäufe erledigen müssen
Für all die, deren Nerven brachliegen und die mit ihren Liebsten am Fest der Liebe streiten statt sich zu lieben
Für all die, die sich in der Stille langweilen oder auf komische Gedanken kommen
Für all die, die noch ans Christkind glauben und erst recht für die, die nicht mehr dran glauben

In diesem Sinne: Feliz Navidad! (José Feliciano ist übrigens das einzige, was mich an Weihnachten wahnsinnig macht – das wär tatsächlich ein Grund, …. Ach nein!)

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Es ist Nacht. Ich sitze im Wohnzimmer im Dunkeln und blicke in die vier brennenden Kerzen meines Adventsgestecks. Noch zwei Tage bis zum heiligen Abend. Ich lasse das Jahr Revue passieren, denke nach über dies und das – was ist, was war und was in nächster Zeit ansteht. Es ist die „stade Zeit“ und die Zeit der Rauhnächte. Ich spüre das große Bedürfnis, mich total zurück zu ziehen, aber ich merke, wie ich innerlich unter Strom stehe. Mit so vielen lieben Menschen hätte ich mich vor Weihnachten noch „schnell“ auf einen Glühwein treffen wollen – und hab’s einfach nicht geschafft, bei so vielen müsste ich mich wenigstens noch per Telefon oder Mail melden, ihnen noch liebe Grüße überbringen. Ich will, dass sie wissen, dass ich an sie denke, wie wichtig sie mir sind, wie lieb ich sie habe… Aber eigentlich mag ich jetzt nur noch bei mir sein. Darf ich das? Am liebsten würde ich mich gerade komplett aus der Welt zurückziehen, kein Telefon, kein Internet, kein Reden. Einfach nur Stille, einfach nur ein paar Kerzen, einfach nur ich – sonst nichts! Mir wird bewusst, wie die letzten Wochen und Monate an mir vorbei gerast sind. Ich habe mir keine Zeit mehr für Stille genommen, zu wenig Zeit für echte Entspannung, zu wenig Zeit für mich. Jetzt wird mir bewusst, wie sehr mir das fehlt.

Je länger ich ins Kerzenlicht schaue, umso ruhiger wird mein Geist, ich werde leer. Das fühlt sich gut an. Und plötzlich wird mir wieder eine ganz banale Wahrheit bewusst: Ein einziges kleines Licht reicht aus, um die Dunkelheit zu erhellen, um das Hier und Jetzt  mit Klarheit, Bewusstheit und Kraft zu füllen. Noch nie konnte die Dunkelheit dem Licht etwas anhaben – das Dunkel kann niemals in einen hellen Raum eindringen. Aber diese vier kleinen Kerzen vermögen mein ganzes Wohnzimmer zu erhellen. Ich frage mich, wie viele Kerzen wohl nötig wären, um alle Dunkelheit zu vertreiben und den Raum taghell erscheinen zu lassen?

Licht ist Liebe. Es ist das einzig wirklich Existente. Die größte Kraft im Universum. Und oft ist es das einzige – und immer das wichtigste – was wir anderen geben können. Wenn uns Menschen in Schmerz und Not begegnen, denken wir sofort, wir müssten ihnen kluge Ratschläge erteilen, einen Aktionsplan erarbeiten und Lösungen anbieten. Doch in Wirklichkeit geht es nur darum, dem anderen in seiner Dunkelheit die Hand zu reichen und das Licht für ihn zu halten. Ihn einfach nur SEIN zu lassen, ins Fühlen zu begleiten und ihm den sicheren Raum zu geben, sich in existenzielle menschliche Erfahrungen hineinfallen zu lassen. Leider befürchten wir oft, einfach „nur“ in Liebe da zu sein, sei nicht genug. Doch es ist das mächtigste Geschenk. Es zeigt dem anderen: Du bist nicht allein, ich nehme dich wahr in deinem Schmerz und ich respektiere dein Gefühl, denn es ist auch meines. Ja, Mitgefühl und Liebe sind die größten Heiler! Was hättest du größeres und segensreicheres zu verschenken, als deine liebevolle Präsenz, dein ursprüngliches, lichtvolles Sein? Einfach nur Da-Sein, Be-Rühren, Halten, Mit-Fühlen, Anerkennen. Keine Worte der Welt und keine Therapie vermag mehr!

Und so möchte ich zum bevorstehenden Weihnachtsfest viele kleine Lichter entzünden, um die Welt ein bisschen heller zu machen:

Ein Licht für alle Menschen, die Krieg, Unterdrückung und Folter erleiden
Ein Licht für all die, die krank und hoffnungslos sind
Ein Licht für all die, die von dieser Welt Abschied nehmen müssen und für die, die neu geboren werden
Ein Licht für all die, die in Trauer um einen geliebten verstorbenen Menschen sind
Ein Licht für all die, die in Armut, Hunger und Kälte leben müssen
Ein Licht für all die, die einsam und verlassen sind
Ein Licht für all die, die in Angst, Sorge und Verurteilung gefangen sind
Ein Licht für all die, die nicht gesehen und gehört werden
Ein Licht für all die, die mutlos und verzweifelt sind
Ein Licht für dich, der bzw. die du diese Zeilen liest
Ein Licht für mich und all das, was in mir im Unfrieden und im Schmerz ist

Wie hell wird die Welt, wenn wir einfach nur in reiner Liebe wahrnehmen was ist, und mit offenem Herzen unsere Gefühle teilen.

Das ist das Wundervolle am Menschsein: Wir sind die, die im Dunkel stehen und auf ein Licht warten, und gleichzeitig sind wir die Lichtbringer für andere. Wir sind eins – kein Mensch macht eine Erfahrung für sich alleine. Solange auch nur ein einziger Mensch auf dieser Welt in Hunger, in Angst, in Krankheit, in Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt lebt, sind wir alle nicht frei. Wir dürfen uns gegenseitig Licht schenken und Verantwortung füreinander übernehmen, nur so kann Frieden und Liebe auf die Erde kommen.

Alles was uns in der Welt begegnet, ist entweder Liebe oder ein Schrei nach Liebe. Leider beantworten wir den Schrei nach Liebe allzu oft mit Gewalt, Ausgrenzung und Angst. Doch die einzige Antwort auf einen Schrei nach Liebe kann nur die Liebe selbst sein. Und so möchte ich dich animieren, in den Weihnachtstagen ganz bewusst ein paar Kerzen zu entzünden: für dich selbst und alles was in dir nach Liebe und Heilung schreit, für deine Familie, Freunde und Bekannte, die ein Licht brauchen, sowie für Machthaber, Völker, Regionen, Pflanzen und Tiere, deren Unterstützung dir am Herzen liegt. Sei dir bewusst, wie viel Heilung du mit deinem Licht in die Welt bringst. Es stimmt nicht, dass du klein und machtlos bist. Du kannst so unendlich viel Gutes tun:

Entzünde ein Licht!
Sei ein Licht!
Du bist das Licht der Welt!

Ich wünsche dir ein gesegnetes, fröhliches und liebevolles Weihnachtsfest!

„Je nai nan“ ist eine Version des „Herr, erbarme dich“ der koptischen Christen. Lass dich tragen vom Licht der Liebe dieses wundervollen Liedes:
http://www.youtube.com/watch?v=vI5LLN7tKgs

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Komm‘ nirgends her, weiß nicht wohin,
bin einfach deinem Ruf gefolgt.

Seit Ewigkeiten auf der Reise.
Hab mich vor langem schon verlor’n.
Kenn‘ weder Heimat noch ein Ziel,
Gefangene im Meer der Zeit.

Die Flügel sind mir schwer geworden,
bin in die Knie gezwungen.
Wart ewig auf den richt’gen Wind,
der liebevoll und leicht mich trägt.

Komm‘ nirgends her, weiß nicht wohin,
wollt nur mal deine Liebe spür’n.

Vielleicht kommt jemand, der mich findet.
Hab vergessen, wer ich bin.
Wo sind denn all die ander’n hin,
die meine Sprache sprechen?

Die Sonne will nicht untergeh’n,
mit ihr bleibt auch der Schatten.
Hab solche Sehnsucht nach zu Hause,
von Einsamkeit und Schmerz zerrissen.

Komm‘ nirgends her, weiß nicht wohin,
hab mich in dir verlaufen.

Bin ohne irgendwas gekommen,
doch allzu schwer scheint mein Gepäck.
Möcht‘ endlich alles von mir werfen
und finden was mir längst gehört.

Will ankommen, und weiß nicht wo,
was quälst du mich, mein armes Herz?
Werd‘ niemals wo zu Hause sein,
Reisende zwischen den Welten.

Komm‘ nirgends her, weiß nicht wohin,
willst DU mich vielleicht finden?

Christine Fleckenstein

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Als Kinder waren wir doch alle fasziniert von Zaubersprüchen und geheimen Formeln. Ein „Abrakadabra“ – mit mächtiger Stimmgewalt und hochgezogenen Augenbrauen dahingeschmettert – genügte, um in unserer Vorstellung den besten Freund in eine Kröte zu verwandeln oder das Fahrrad der Schwester in Luft aufzulösen. Der Zauberspruch „Abrakadabra“ hat seinen Ursprung vermutlich in den aramäischen Worten abraq ad habra, was wörtlich übersetzt bedeutet „ich werde erschaffen, während ich spreche“.

Um unseren Worten Macht zu verleihen, braucht es gar kein „Abrakadabra“. Wir erschaffen ständig, während wir sprechen. Das Wort ist der Urkeim der Schöpfung. „Am Anfang war das Wort“ heißt es in der Bibel, und im Hinduismus gilt die Silbe „om“ als Ursprung allen Seins und Symbol der Allgegenwart des Einen. Unsere Worte verleihen unserem Bewusstsein Form und Ausdruck und sind damit eine mächtige Energieform. Eine Energieform, mit der wir in aller Regel viel zu unbedacht umgehen. In meiner Praxis werde ich immer wieder damit konfrontiert, wie tiefgreifend Worte in die Lebens-wirk-lichkeit eines Menschen eingreifen können:

Da werden Krankheiten als „unheilbar“ bezeichnet, Patienten abgefertigt mit der Aussage „damit müssen Sie leben“ oder „da kann man nichts machen“, und wilde Prognosen und Spekulationen auf der Basis irgendwelcher Statistiken als unabwendbares Schicksal verkauft. Solche Aussagen – von Autoritätspersonen und Koryphäen ausgesprochen – werden nicht selten zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Und das, wo es doch in der Regel sehr wohl noch ganz andere alternativmedizinische Möglichkeiten gäbe. Ich bin überzeugt davon, dass wenn man zum Beispiel die Diagnose „Krebs“ einfach ersetzen würde durch die Bezeichnung „Zellstoffwechselstörung“ oder „fortgeschrittene Gewebsübersäuerung“ oder „toxisch-virale Organbelastung“ oder „partieller Sauerstoffmangel im Gewebe“ oder „tiefliegendes seelisches Trauma“ (was alles zutrifft), dann wären allein dadurch die Überlebenschancen schon viel höher. Denn für viele ist das Wort „Krebs“ ein Synonym für Siechtum und Sterben. Es sind die Energien von Angst, Panik, Verzweiflung, Ausgeliefertsein und Resignation, die allein schon mit dem Wort mitschwingen. Was für eine Macht!

Und da sind die Patienten, die mit vierzig, fünfzig Jahren noch unter unbedachten Aussagen ihrer Eltern oder von Lehrern leiden: „Du Vollidiot, du wirst es nie zu etwas bringen“ oder „eigentlich hätten wir uns ja einen Sohn gewünscht“, oder „es zählt nur der Sieg“, oder „ein Junge weint nicht“, und so weiter und so fort….. ich denke, hier kann jeder seine eigene, unendliche Liste des Leids aufführen. Solche Glaubenssätze sitzen oft so tief, dass sie ein ganzes Leben negativ beeinflussen können.

Einer heute über sechzigjährigen Patientin von mir wurde als Studentin von einem Hobby-Handleser ein früher Tod prophezeit. Viele Jahre ihres Lebens wurde sie von der Angst, bald sterben zu müssen, beherrscht, und noch heute leidet sie unter diffusen Angstgefühlen und Schlaflosigkeit. Was für eine Tragödie! Ich frage mich, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn ihr dieser Mann nie begegnet wäre.

Wir sollten mit unseren Worten viel vorsichtiger und bewusster umgehen. Worte wirken! Wie heilsam können Worte der Liebe und des Zuspruchs sein, und wie verheerend Worte der Bewertung, der Verurteilung und der Negativität. Aber es ist komisch: harte, urteilende und böse Worte kommen uns oft so viel leichter über die Lippen, als liebevolle. Manchmal habe ich fast den Eindruck, als mache man sich lächerlich und müsse sich schämen, wenn man überhaupt das Wort „Liebe“ in den Mund nimmt. Einmal war eine Freundin anwesend, als ich eine Gruppenmeditation leitete. Ich wies die Teilnehmer an, ihr Herz zu öffnen und zu spüren, was für einzigartige, wunderbare Menschen sie seien. Ich erzählte ihnen von der göttlichen Quelle der Liebe, an die sie angebunden sind und ermutigte sie, ihre Essenz, ihre Gaben, ihre Freude zu verströmen. Und schließlich ließ ich sie visualisieren, wie das goldene Licht der Heilung durch ihren Körper fließt und jede einzelne Zelle mit Vitalität, Vertrauen und Liebe durchströmt. Danach meinte meine Freundin (die übrigens selbst Heilerin und ein Engelchen der Liebe ist!), wie wahnsinnig mutig sie das gefunden hätte, was ich da erzählt habe von Liebe und Licht und der göttlichen Quelle und Heilung. Ich verstehe sehr gut, was sie meinte, denn ich brauchte selbst eine ganze Zeit, bis mich traute, über diese Dinge öffentlich zu reden, aber was für eine Welt ist das, in der man Gefahr läuft, lächerlich gemacht und als esoterisch verbrämt hingestellt zu werden, wenn man Worte der Liebe laut ausspricht…

Uns allen passiert es, dass wir erst sprechen und dann denken, oder dass wir im Affekt Dinge sagen, die wir später bereuen. Und Gott sei Dank ist das so, denn sonst wären wir Maschinen und keine fühlenden Wesen. Aber erstens kann man Worte auch wieder zu sich zurück nehmen, seine Reaktion erklären und um Vergebung bitten (übrigens soll das auch für Eltern ihren Kindern gegenüber so funktionieren… 😉 ), und zweitens spielt es auch eine entscheidende Rolle, in welcher Funktion wir etwas sagen. Menschen, die einen beratenden, seelsorgerischen, therapeutischen oder pädagogischen Beruf ausüben, müssen sich einfach der Macht und weitreichenden Folgen ihrer Worte jederzeit bewusst sein und noch viel genauer prüfen, was sie sagen und wie sie etwas sagen.

Andererseits sind wir zum Glück den Worten unserer Mitmenschen nicht hilflos ausgeliefert. Als Kinder beziehen wir alles auf uns, nehmen alles für wahr und alle Sinneseindrücke dringen mehr oder weniger ungefiltert in unser Unterbewusstsein vor. Als Erwachsene aber haben wir die Wahl. Wenn wir bewusst sind, können wir selbst entscheiden, was wir in unsere Lebenswirklichkeit integrieren wollen und was nicht. Wir dürfen sozusagen unser Abwehrschild gegen böse Zaubersprüche aktivieren und die destruktiven Energien einfach an uns abprallen lassen. Das erfordert allerdings ein waches Bewusstsein und das Wissen um unsere Schöpferkraft. Je fester und bewusster wir in unserer eigenen Lebenswirklichkeit und Liebe verankert sind, umso unangreifbarer sind wir für Verletzungen und Unwahrheiten. Letztlich ist es eine Frage der Resonanz, welche Schwingungen uns berühren und durchdringen und formen. Es liegt also an uns, uns durch Herzöffnung, Vergebung, Achtsamkeit, Annahme, Heilung und Selbsterkenntnis immer mehr von Abhängigkeit, Angst und Zweifel zu lösen, und die hohen Frequenzen des Urvertrauens, der Dankbarkeit, Freude und Liebe zu manifestieren. Je mehr wir in dieser Schwingung zu Hause sind, umso weniger können uns zerstörerische Worte anhaben, und umso seltener werden wir selbst Worte der Verurteilung, Entmutigung und Kränkung aussprechen.

Je höher die Autorität, umso verantwortungsvoller müssen wir in unserer Wortwahl sein. Durch unsere Sprache werden wir Schöpfer – Schöpfer unserer eigenen Realität und oft unbewusst auch Mitgestalter der Realität anderer. Wenn wir uns Frieden in der Welt wünschen, dann fängt das mit unserem gesprochenen Wort an. Ich wünsche mir eine Welt, in der liebevolle, ermutigende, positive, heilende und wertschätzende Worte mehr Raum bekommen.

Wir sollten uns daran erinnern, dass wir permanent Zauberformeln von uns geben, mit jedem Wort, das uns über die Lippen kommt. Wir erschaffen und wir zerstören – uns selbst und andere – mit jedem einzelnen Wort.

Abrakadabra!

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Wach auf, Geliebter, folge mir
in den Palast der Sinnlichkeit.
Lass alle Scheu und Ängste los
und tanz mit mir den Tanz der Liebe.
Halt mich ganz fest, sei kraftvoll, stark –
sei schwach und lass dich fallen.
Berühre mich – und spüre dich,
in Zärtlichkeit lass uns zerfließen.
Küss mich und vergiss die Welt,
sei ganz in mir und ich in dir.
Lass uns’re Körper sich vereinen
verrückt vor Lust und liebestrunken.

Wach auf, Geliebter, folge mir
in den Palast der Herzlichkeit.
Lass alles Leid und Kummer los
und tanz mit mir den Tanz der Freude.
Lauf barfuß über Blumenwiesen
und wirble wild mich durch die Luft.
Ruf uns’re Namen in die Nacht,
dass alle Welt von uns erfahre.
Flieg mit mir bis zu den Sternen,
ich reich dir lachend meine Hand.
Lass uns’re Herzen sich verströmen
voll Leichtigkeit und Übermut.

Wach auf, Geliebter, folge mir
in den Palast der Seligkeit.
Lass alle Schuld und Zweifel los
und tanz mit mir den Tanz des Lebens.
Schließ die Augen – und werd‘ sehend,
erkenne dich in meiner Liebe.
Schenk mir dein Lächeln, deine Tränen,
sei einfach alles, was du bist.
Sing dein Lied aus vollem Herzen
und lausche meiner Melodie.
Lass uns’re Seelen sich verbinden
im stillen Raum der Ewigkeit.

Wach auf, Geliebter.

Christine Fleckenstein

Für Klaus und alle Liebenden auf der ganzen Welt. Seid mutig, frei und leer, lebt wild und gefährlich. Sterbt und werdet neu geboren – in jedem Augenblick. Lasst los! Lasst die Vergangenheit los, lasst die Zukunft los, lasst euer Wissen los, lasst alle Sicherheiten los. Öffnet euer Herz, denn es ist unsere einzige und wahre Heimat. Seid jetzt!

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Zur Zeit bereite ich ein Paarseminar mit dem Titel „Lass uns einfach unbeschreiblich glücklich sein“ vor. Entsprechend beschäftige ich mich gerade viel mit den Themen Partnerschaft, Liebe und Sex. Was ist die Basis einer Liebesbeziehung in den Zeiten des Bewusstseinswandels? Sind Zweierbeziehungen überhaupt noch zeitgemäß oder geht es vielleicht ausschließlich um die Entwicklung einer universellen, bedingungslosen Liebe zu allen Wesen? Was gehört zu einer erfüllenden Sexualität? Gibt es so etwas wie die ewige, große Liebe?

Vielleicht erst mal zur letzten Frage, die für mich persönlich am einfachsten zu beantworten ist. Viele Menschen warten ihr ganzes Leben lang auf die große Liebe, in der Annahme, das sei etwas, was von außen kommt. DER Mr. Right oder DIE perfekte Traumfrau. Dabei ist es ausschließlich eine Frage deines Herzens, wie „groß“ du lieben kannst. Ich bin überzeugt davon, dass jede Begegnung zwischen zwei Menschen, die sich verlieben, etwas heiliges ist. Sich lieben heißt, sich wieder erkennen. Etwas in mir erinnert sich an etwas in dir (vgl. John O’Donohue, „Anam Cara – Das Buch der keltischen Weisheit“). Wo zwei Herzen für einander entbrennen, entsteht ein neues Herz, ein heiliges Band zwischen zwei Menschen, die fortan geführt sind von einer höheren Macht. So gesehen ist für mich jede Liebe eine große Liebe, wenn ich es zulasse, mein Herz ganz zu öffnen und mich vollkommen zu verströmen. Ein bisschen lieben geht genauso wenig, wie ein bisschen schwanger zu sein. Wer seine Liebe zurück hält und „dosiert“, liebt nicht. Er betrügt sich selbst und den Partner. Die große Liebe ist also nur eine Frage deines eigenen großen Herzens und hat nichts mit dem „perfekten“ Partner zu tun. Und genauso ist in jeder Liebe der Keim der Ewigkeit enthalten. Macht es überhaupt einen Sinn, mit einem Menschen zusammen zu sein, mit dem ich nicht auf ewig in partnerschaftlicher Liebe verbunden sein will? Ich spreche hier nicht von äußeren Versprechungen und Gelübden, die vielmehr fesseln, statt frei zu machen. Ich meine auch hier das Gefühl von Ewigkeit im Inneren. Für die Liebe existiert keine Zeit. Es geht darum, wirklich mit dem Geliebten verbunden zu sein, nicht im Rad der Vergangenheit und Zukunft, sondern in der Ewigkeit des Moments. Es ist sozusagen die Verpflichtung, den Partner jedesmal wieder mit neuen Augen zu sehen, mit den Augen der Liebe, und wirklich präsent zu sein. Wir meinen, alles zu kennen, weil wir es mit unseren alten Augen betrachten. Dann wird das Wundervollste zur Selbstverständlichkeit, es langweilt uns, wir suchen nach neuen Reizen. Dabei gibt es nichts Altes, nichts Vertrautes, alles entsteht in jedem Moment neu. Du bist jetzt nicht mehr der, der du gestern warst. Aber ich betrachte dich mit den Augen von gestern, weil ich nicht wach bin, nicht im Jetzt bin, gar nicht anwesend, nicht wirklich bei dir bin. Die Augen von gestern sind nicht die Augen der Liebe, sie töten die Lebendigkeit. Ewigkeit bedeutet im Jetzt sein, immer wieder neu sein – und wenn du deinen Partner jetzt vollkommen liebst, wie sollte diese Verbundenheit jemals enden können? In einer Liebesbeziehung ans Ende zu denken und mit dem Ende zu planen, ist pervers. Das heißt, dass du nicht liebst, weil du nicht im Jetzt bist, weil du dich nicht fallen lässt in dein Herz. So kannst du die ewige, echte Liebe nie finden.

Und was ist mit Sexualität, kann die überhaupt in einer partnerschaftlichen Beziehung auf Dauer erfüllend und befriedigend sein? Auch hier kommt es meiner Meinung nach allein darauf an, mit welcher inneren Einstellung du deinem Partner begegnest. Es ist schon seltsam… in allen Bereichen des Lebens entwickeln wir uns irgendwie weiter, aber was den Sex betrifft, bleiben die meisten Menschen auf dem Stand eines Jugendlichen stehen. Wenn du heute mit 35, 40, 50 Jahren noch den gleichen Sex hast wie mit 20, dann stimmt etwas nicht. Das wonach wir eigentlich im Sex suchen, ist die Erfahrung, mit einem geliebten Menschen zu verschmelzen. Die Erfahrung von Einheit, von der Aufhebung der Polaritäten. Wenn wir verschmelzen, dann gibt es kein männlich und weiblich mehr, kein positiv und negativ, kein Ich und Du. Wir werden eins, und für einen kurzen Augenblick verpufft unser Ego, wir lösen uns einfach auf. Sexualität ist eigentlich eine mystische Erfahrung. Komisch, dass das selbst vielen spirituellen Menschen nicht bewusst ist, wo doch Sex und Liebe einer der einfachsten Wege zur Erleuchtung wären. Aber aus Angst vor der vollkommenen Hingabe und dem Verlust des Ego, haben wir sie zu einer rein körperlichen Erfahrung verkommen lassen – verklemmt, tabuisiert, unbewusst, angstbehaftet und leistungsorientiert. Auch hier, wie in den meisten Bereichen des Lebens, geht es nicht ums Sein, ums Sich-verströmen, sondern darum, etwas zu leisten, zu kontrollieren, zu gefallen und Erwartungen zu erfüllen. Dementsprechend sind die meisten Männer und Frauen im Genitalbereich total verpanzert und gefühllos. Eine tiefe, entspannte, sinnliche Empfindung ist hier für die meisten Menschen fast nicht mehr möglich. Es bedarf großer Achtsamkeit, Geduld und liebevoller Zuwendung um diese Verpanzerungen gemeinsam zu heilen.

Wir suchen also unbewusst im Sex eine tiefe, spirituelle Erfahrung von Einheit und Verschmelzung, bleiben aber in der Realität total an der Oberfläche einer rein körperlichen Spannungsentladung stecken. Was passiert? In letzter Konsequenz bleibt der Sex immer unbefriedigend und wir suchen beim nächsten Partner weiter, wissen aber gar nicht, wonach. In der Regel sind wir im Sex überhaupt nicht präsent und bewusst. Alles läuft mechanisch, nach „Schema F“, so wie schon all die Jahre zuvor. Wir spüren uns nicht mehr und wir spüren unseren Partner nicht mehr. Wir sind angespannt und brauchen immer stärkere körperliche und visuelle Reize, um überhaupt noch etwas zu fühlen. Wir driften in Fantasien ab, um unsere Leistung besser abrufen zu können, und entfernen uns dadurch immer noch mehr von uns selbst, vom Partner und von einer sinnlichen, ganzkörperlichen, ekstatischen Erfahrung. Denn diese ist nur in der Hingabe, im Loslassen, in der Entspannung möglich.

Und wie schon im vorherigen Abschnitt erläutert, sind auch in der sexuellen Begegnung unsere Augen blind geworden, wir sehen nicht mehr mit den Augen der Liebe, sondern mit den alten Augen. Wir sehen nicht mehr den einzigartigen Menschen vor uns, sondern einen Mann oder eine Frau, wie wir schon viele zuvor hatten, und den wir im Speziellen schon meinen in- und auswendig zu kennen. Im Tantra beginnt die sexuelle Begegnung mit dem „Namasté“-Gruß: „Das Göttliche in mir grüßt und verehrt das Göttliche in dir“. Verbunden ist dieser Gruß mit einer Verneigung vor dem anderen und einem tiefen, liebevollen Blick in die Augen – ein Blick, der nicht an der Oberfläche verhaftet bleibt, sondern die Seele des anderen berührt. Ein schönes Ritual, das den Sinn hat, ganz im Jetzt anzukommen, das Liebesspiel bewusst zu gestalten, sich Zeit füreinander zu nehmen und den anderen wirklich in seiner Einzigartigkeit und Göttlichkeit wahr zu nehmen. Nur wenn wir Seele und Körper auch im Sex als eine Einheit erleben, ist Ekstase und echte Liebe möglich. In der sexuellen Begegnung betreten wir die heilige Welt eines anderen Menschen, sind ihm näher als wir jemals einem Wesen außer uns sein können – und das völlig unbewusst! Was für ein Jammer, wir sind dem Göttlichen so nah und doch so fern! Wenn Sex für euch also weiterhin eine rein körperliche Angelegenheit bleibt, dann wird es vermutlich nicht lange dauern, bis ihr einander überdrüssig seid. Wenn ihr aber den Mut habt, das Altbekannte loszulassen und euch in einer neuen, bewussten Art und Weise zu begegnen, dann muss der Sex in einer Liebesbeziehung immer schöner und erfüllender werden, denn ihr geht einen abenteuerlichen Weg miteinander, der euch euch selbst und dem Partner immer näher bringt. Ihr beginnt, tatsächlich in das Mysterium der Liebe einzutauchen. Fangt an, euch im Sex wirklich zu begegnen, nehmt euch Zeit, verabredet euch – frei von Druck und absichtslos – zu zärtlichen Stunden, erkennt euch in eurer Liebe, seht euch als die, die ihr seid, lasst euer Herz, eure Seele und euren Körper sich vereinen, seid fantasievoll, kreativ und lustvoll, seid neugierig, wach und verspielt, lacht und tanzt und berührt euch in der Tiefe eures Seins! Lasst euch fallen – ihr fallt weich, denn ihr fallt in die Arme der Liebe!

Aber sind Zweierbeziehungen überhaupt noch zeitgemäß oder geht es vielleicht viel eher um die Entwicklung einer universellen, bedingungslosen Liebe zu allen Wesen? Natürlich gibt es einen großen Unterschied zwischen der partnerschaftlichen Liebe und der bedingungslosen Liebe. Die partnerschaftliche Liebe ist „nur“ ein Gefühl, die bedingungslose Liebe dagegen ist unser natürlicher Seinszustand, die Quelle, aus der wir kommen. Aber das Gefühl der Liebe für deinen Herzens- und Seelenpartner ist der Wegweiser zum unendlichen Ozean der Liebe in dir. Wie sonst willst du zum Ozean gelangen, wenn du nicht einmal den Mut hast, dich in den Fluss zu stürzen? Wie willst du in den heiligen Raum deines Herzens vordringen, wenn du nicht einmal die Tür zum Vorhof öffnest? Wenn wir wirklich lieben, sind wir ganz im Jetzt, und wir sind gleichzeitig in uns und im anderen. Solch eine Erfahrung ermöglicht uns nur die Liebe. Sie gibt uns eine Ahnung davon, wer wir in unserer tiefsten Essenz sind. Wenn du die bedingungslose Liebe, die du bist, kennen lernen willst, dann darfst du keine Angst vor Gefühlen haben. Nur über das Fühlen gelangst du in den Raum jenseits des Fühlens. Wenn du einen Menschen gefunden hast, der dich liebt, und den du lieben darfst, dann feiere ein Fest – jeden Tag! Es ist ein Geschenk des Himmels, der dich willkommen heißen will. Nimm es dankbar an, du bist gesegnet!

Was gehört überhaupt zu einer guten Liebesbeziehung? Der tiefste Wunsch der menschlichen Seele ist es, gesehen zu werden. Wir sehnen uns nach einem Partner, der uns mit seiner Liebe die Sicherheit gibt, uns völlig öffnen und in unserem So-Sein zeigen zu können – ohne jegliche Masken, Rollen und Verstellungen. Einfach SEIN zu dürfen! Und gleichzeitig wünschen wir uns, uns im geliebten Menschen selbst erkennen zu können. In unserer Gesamtheit können wir uns selbst nicht sehen, wir haben einen „blinden Fleck“ auf unserer Seele, der sich unserem eigenen Licht entzieht. Wer wäre besser dazu geeignet, uns einen Spiegel vorzuhalten, als der Mensch, der uns am meisten liebt? Der Partner, der dich wirklich liebt, hält dir den Spiegel auf andere Art und Weise vor als jeder andere Mensch. Durch seine Liebe und Akzeptanz gibt er dir die Möglichkeit, deine Verletzungen und Schatten zu heilen, statt in Widerstand und Abwehr zu gehen. Allerdings geht es nicht, ohne dass du deinem Geliebten vertraust und dein Herz für das Licht seiner Liebe öffnest. Und auf der anderen Seite kommt es auch hier wieder darauf an, mit welchen Augen du deinen Partner betrachtest. Mit den leuchtenden Augen der Liebe oder durch den trüben Schleier der Vergangenheit und des Urteilens. Sei dir bewusst: Du kannst etwas nur mit den Augen der Liebe sehen, oder du siehst es überhaupt nicht!

Ein weiterer, wichtiger Aspekt einer heiligen Partnerschaft ist es, sich mit einem anderen Menschen auf einer tiefen Ebene zu verbinden und trotzdem seine Eigenständigkeit und Einzigartigkeit zu bewahren. Nur ein Mensch, der mit sich selbst im Reinen ist und es gut mit sich selbst aushält, hat auch wirklich etwas zu geben. So kommen zwei zusammen, weil es gemeinsam noch schöner ist, und sie ihre Fülle teilen wollen, und nicht, weil sie sich brauchen und ihnen ohne den anderen etwas fehlt. Im Idealfall wird aus zwei glücklichen, authentischen, lebensfrohen, offenen Menschen ein glückliches, authentisches, lebensfrohes Paar. Wenn du dir also eine erfüllte Partnerschaft wünschst, dann frage dich immer wieder, was du selbst dir noch geben darfst, um glücklich, lebendig und zufrieden zu sein. Und wenn dein Herz voll ist, dann reiß es auf und teile! Einen Menschen zu lieben bedeutet, mutig sein eigenes Potenzial zu entfalten und ebenso dem Partner die Freiheit und Unterstützung zu geben, der Beste zu sein, der er sein kann. Ihr geht beide euren eigenen Weg der Ganzwerdung und reicht euch liebevoll die Hände ohne einander die Verantwortung abzunehmen. Ihr pflegt gemeinsame Visionen und Träume für euch als Paar, genauso wie jeder einzelne seine eigenen inneren und äußeren Ziele verfolgen darf. Eine heilige Partnerschaft heißt nicht „Wir gegen den Rest der Welt“, sondern „Wir beide, in der großen Kraft unserer gemeinsamen Liebe vereint, für die Liebe in der ganzen Welt und zum Segen für alle lebenden Wesen.“

Eines der wertvollsten Geschenke, das wir unserer Liebe machen können, ist Aufmerksamkeit. Eine Pflanze, der du kein Wasser und keinen Dünger mehr gibst, verkümmert. Und so verkümmert auch das Herz eines Menschen, der nicht mehr gesehen wird. Wenn du etwas am Leben halten willst, musst du etwas dafür tun! Ein Feuer, um das du dich nicht kümmerst, dem du nicht permanent Luft zufächelst und Holz nachlegst, erlischt irgendwann. Für manche Menschen stellt es offenbar eine Bürde und unzumutbare Belastung dar, ihrem Partner Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken. Kann das dann wirklich Liebe sein? Wer liebt, für den ist es die größte Freude, sich selbst zu verschenken, den Geliebten zu überraschen, aufmerksam und wach zu sein, gemeinsame, intensive Zeiten des Glücks und der Ausgelassenheit zu verbringen, Sinnlichkeit, Zärtlichkeit und Nähe zu teilen, Worte der Liebe zu finden, um das Unsagbare irgendwie auszudrücken, kurz: Herzensenergie fließen zu lassen. Es ist ein heiliges Gebot der Achtsamkeit, der Ehrfurcht und Bewusstheit gegenüber der Liebe, die einen umgibt. Wenn zwei liebende, offene Herzen zusammen kommen, für die es jeweils die größte Freude ist, aus der eigenen Fülle heraus alles zu geben, dann entfaltet sich ein gemeinsames Leben in Reichtum und Segen. Wenn aber einer nur gibt, und der andere nur nimmt, und noch nicht einmal die Geschenke der Liebe wertschätzen und sich daran freuen kann, dann muss die Beziehung zerbrechen. Frage dich nicht, wozu der andere dir nützlich sein kann und was er dir geben kann, sondern frage dich: was kann ich meinem Geliebten geben? Entdecke die Fülle in deinem Herzen und lass sie fließen. Sei nicht geizig! Du verlierst dadurch nichts, sondern gewinnst alles. Je mehr du gibst, umso reicher wirst du und gleichzeitig freier! Die Liebe macht dich frei. Wir begegnen uns nicht als Bedürftige und Abhängige, sondern in echter Nähe, Zugewandtheit und Bewusstheit. Es geht nicht darum, einen Partner zu haben, sondern sich selbst als liebender Partner zu verschenken.

Letztlich ist die Liebe nur möglich, wenn wir wirklich leben. Beachte die Verwandtschaft der Worte „Lieben“ und „Leben“. Im Spanischen schreibt man am Anfang eines Rufsatzes das Ausrufezeichen auf dem Kopf stehend. „Lieben“ ist demnach „Leben“ mit Ausrufezeichen „¡“!, oder die „Liebe“ ist das „i-Tüpfelchen“ im „Leben“. Der Klang „i“ aktiviert das Stirnchakra oder Dritte Auge. Also könnte man auch sagen, „Lieben“ bedeutet „Leben“ mit voller Bewusstheit, Klarheit und offenen Sinnen, die Welt mit dem „einen Auge“ zu sehen, also als Einheit, nicht in der Dualität, zu verschmelzen vom Ich und Du zum Wir. Die Fähigkeit zu lieben hängt ganz entscheidend von unserer Hingabe ans Leben ab. Wenn du dich nicht betören lässt vom bunten Reichtum der Schöpfung, wie soll ein Mensch in seiner Schönheit dein Herz berühren? Wenn du dich nicht mehr begeistern lässt von den unendlichen Möglichkeiten, die das Leben dir bietet, wie kannst du die Seele eines Menschen in seiner unendlichen Tiefe ehrfürchtig erfahren? Wenn du dich nicht verführen lässt vom Prickeln der Schneeflocken auf deiner Wange, wie kannst du sanfte Zärtlichkeit genießen? Wenn du nicht weinen kannst angesichts des Leids in der Welt, wie können Worte der Liebe dein Herz erreichen? Wenn du nicht lachen kannst ohne Grund, wie solltest du ohne Grund lieben können? Und wenn du nicht niederknien kannst vor dem Geringsten, wie kannst du je die Liebe in ihrer Größe erkennen, wenn sie an der Tür deines Herzens anklopft? Ohne das Leben zu lieben kannst du die Liebe nicht leben, und ohne die Liebe zu leben, kannst du das Leben nicht lieben. Liebe ist pure Freude, Leichtigkeit, Lachen, Lust, Lebendigkeit. Lass es nicht zu, dich mit weniger zufrieden zu geben! Du hast es verdient, zu leben, zu lieben und geliebt zu werden!

Liebe das Leben und lebe die Liebe!

 

P.S. Puh, das ist aber heute ein ganz schön langer Blogtext geworden… 😉 Hat irgend jemand ihn bis zu Ende gelesen? Und ich hätte noch so viel mehr dazu sagen können ;-)… So ist das mit der Liebe – man kann tausendseitige Abhandlungen über sie schreiben, und gleichzeit ist eigentlich jedes Wort zu viel. Denn du kannst sie nur fühlen und erfahren, die Liebe. Wenn wir wirklich verstehen würden, hätten auch zwei Worte gereicht: „Liebe ist!“

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