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Zum Jahreswechsel ist ein Wort wieder in aller Munde: Loslassen. Alte Gewohnheiten, negative Gefühle, einschränkende Glaubenssätze loslassen, damit das gute Neue Einzug halten kann. „Lass einfach los!“ Wie oft hast du diesen Spruch schon gehört, wenn es dir nicht gut ging, du dich von etwas trennen musstest, oder du dir etwas ganz besonders stark gewünscht hast? Lass einfach los – als ob das so einfach wäre! Fragt man die Absender dieses schlauen Ratschlags, wie das denn gehen soll, erntet man ein Achselzucken und Bemerkungen wie „nimm’s halt nicht so schwer“ oder „einfach nicht mehr dran denken“. Hmmm, der rosarote Elefant lässt grüßen!

In einer Leistungsgesellschaft, in der wir gewohnt sind, mit Anstrengung alles erreichen zu können und in der uns vorgegaukelt wird, wir könnten alles kontrollieren, scheint Loslassen eine der schwersten Übungen zu sein.

Und genau hier liegt der Hund begraben: Der Begriff „loslassen“ impliziert, dass es hier etwas aktiv zu tun oder zu arbeiten und zu erreichen gäbe. Doch Loslassen ist nicht mehr als ein Wimpernschlag, ein Momentum, das nur einen Bruchteil einer Sekunde dauert. Nicht viel Zeit für jemanden, der gewohnt ist, immer aktiv zu sein und etwas zu machen! Genau genommen ist das Loslassen an sich gar nicht greifbar. Was wir ersehnen ist der Zustand des Losgelassen-habens. Und wer losgelassen hat, ist gelassen, oder?

Ich möchte dir zwei Bilder geben, mit denen ich meinen Klienten das Loslassen besser verständlich zu machen versuche:

Loslassen ist wie Einschlafen. Eben noch warst du wach, und dann schläfst du plötzlich. Den kurzen Moment, in dem du eingeschlafen bist, kannst du nicht fassen. Am nächsten Morgen weißt du vielleicht noch, dass du ewig wach gelegen bist und dann wohl doch irgendwann eingeschlafen sein musst. Oder du erinnerst dich, dass du schon weg warst, noch ehe du richtig den Kopf auf dem Kissen abgelegt hattest. Aber der Moment, in dem es geschehen ist, ist dir nicht bewusst. Du kennst den Zustand des Wachseins und den Zustand des Schlafens. Aber dieser winzig kurze Akt des Einschlafens entzieht sich deiner Kontrolle und deiner bewussten Wahrnehmung. Und genauso ist es mit dem Loslassen. Es ist nichts, was du tust, sondern etwas das geschieht, eine Gnade, die dir zu Teil wird. Du weißt, wie es sich vorher angefühlt hat, und du genießt den Zustand danach, aber der Moment des Loslassens ist ein Mysterium. Ein Augenblick der vollkommenen Hingabe, der dich von einer Sekunde auf die andere in einen veränderten Bewusstseinszustand katapultiert.

Wenn du nachts wach im Bett liegst, dann vergisst du, dass sich das Einschlafen deiner Kontrolle entzieht. Du versuchst es zu erzwingen und willst mit aller Gewalt diesen winzigen Augenblick des Umschaltens herbeiführen. Je mehr du dich gegen das Wachsein sträubst und willentlich einzuschlafen versuchst, umso quälender und schwerer wird es. Ist das nicht paradox? Aber du kannst eben ein Momentum, das sich durch tiefste Hingabe auszeichnet, nicht kontrollieren und vom Verstand her beeinflussen. Du kannst diesen Zustand nicht erreichen, du kannst es nur geschehen lassen! Der Schlaf wird häufig auch als „kleiner Tod“ bezeichnet – Nacht für Nacht eine ganz schön radikale Übung im vollkommenen Loslassen! Kein Wunder, dass viele Menschen, die ein Thema mit dem Loslassen haben, auch unter Einschlafproblemen leiden – und oft unter diffusen Ängsten vor dem Tod wie vor dem Leben.

Du kannst einem Menschen ebenso wenig den Rat geben, „einfach loszulassen“, wie du einem Ruhelosen den Rat geben kannst, „einfach einzuschlafen“. Und je mehr Druck in diese Richtung aufgebaut wird, umso weniger funktioniert es…

Ein weiteres Beispiel erlebe ich jeden Tag in der Praxis, wenn ich Schmerzpatienten mit muskulären Verspannungen behandle. Wenn du sehr verspannt bist, dann ist die Verkrampfung so sehr zu deiner zweiten Natur geworden, dass du dir dessen gar nicht mehr bewusst bist und die entsprechenden Bereiche gar nicht mehr willentlich ansteuern und entspannen kannst. Vor allem in den Armen steckt oft ungeheure Spannung, weil wir permanent entweder am Festhalten und Verteidigen oder Abwehren und Kämpfen sind. Ich mache mir oft einen Spaß mit meinen Patienten und hebe im Liegen ihren – vermeintlich entspannten – Arm hoch. Wenn ich loslasse, bleibt der in 90 Prozent der Fälle in der Luft stehen. Ich ergreife dann den Arm wieder, schüttle ihn, und fordere auf, locker zu lassen. Die Patienten entgegnen dann vehement, dass sie doch bereits locker ließen, aber beim nächsten Versuch bleibt der Arm wieder auf wundersame Weise oben. Es ist so viel Spannung im Arm, dass die Betroffenen sich dessen gar nicht mehr bewusst sind, und gar kein Gefühl mehr dafür haben, wie es sich anfühlt, wenn dieser Körperteil entspannt ist. Genau das ist der Fall, wenn es ums Loslassen geht: oft haben wir vollkommen das Gefühl dafür verloren, was uns im Leben eigentlich blockiert, weil bestimmte Gedankenmuster oder Ängste unsere täglichen Begleiter geworden sind. Und wir haben keine Erinnerung mehr daran, wie es sich anfühlt, (los-)ge-lassen zu sein.

Das Loslassen geschieht einfach. Ein kurzes „Umschalten“, das unseren Bewusstseinszustand radikal umswitcht: von einem Zustand der Besessenheit zu einem Gefühl der Gelassenheit. Wir können es nicht erzwingen, aber wir können Voraussetzungen schaffen, die ein vollkommenes Loslassen – und damit tiefe Gelassenheit – sehr wahrscheinlich machen.

loslass

5 Tipps, wie dir Loslassen gelingt:

  1. Nimm deinen Körper und deine Gefühle bewusst wahr, und nimm alles an, was jetzt ist

    Hier sind wir beim Beispiel mit der Muskelspannung. Viele Releasingtechniken im Bereich der Körpertherapie arbeiten mit dem bewussten Aufbau von noch mehr Spannung, um darüber wieder ein Gefühl für den Körper zu entwickeln und aktive Entspannung überhaupt wieder möglich zu machen. Das heißt, der verkrampfte Muskel wird willentlich noch stärker angespannt. So wird dem Betroffenen die Anspannung oft überhaupt erst bewusst. Und nur wenn die Spannung bewusst wahrgenommen wird, kann der Muskel dann auch aktiv und bewusst losgelassen werden.

    Wenn dich also ein Thema in deinem Leben belastet (z.B. Jobsuche, Süchte, unerfüllter Kinderwunsch, Ängste, Partnerschaft usw.), dann hab den Mut, mit Haut und Haaren in die Situation einzutauchen. Spüre, welche unangenehmen Gefühle damit verbunden sind, und nimm deine Körperempfindungen wahr. Geh nicht in Widerstand zu dem, was du loswerden möchtest, sondern tauche tief darin ein. Verstärke deine Muskelanspannung, deine krumme Haltung, deinen zusammengebissenen Kiefer, deine oberflächliche Atmung und all die schweren Gefühle noch, um dir wirklich bewusst zu machen, worum es bei deinem Thema geht. Spüre die Essenz. Die auslösende Situation ist austauschbar. Das worum es geht, sind deine unterdrückten Gefühle, und mit ihnen deine destruktiven Glaubenssätze und verinnerlichten Haltungsmuster.

    Dann fange an, deinen Körper bewusst zu lockern, tief zu atmen, deinen Kopf und Blick aufzurichten, den Kiefer zu entspannen etc. Nun fühlst du vielleicht zum ersten Mal vermeintlich „negative“ Gefühle bei einem entspannten Körper. Wahrscheinlich ist das Ganze schon nicht mehr allzu schlimm. Versuche dennoch, bei deinen Gefühlen zu bleiben. Vergiss die Geschichte dahinter, fühle einfach nur das Gefühl ohne es zu benennen oder zu bewerten. Du wirst feststellen, dass das was sich als „Wut“, „Hass“, „Scham“ oder „Ohnmacht“ gezeigt hat, innerhalb kurzer Zeit zu reiner Energie wird, die du nicht mehr benennen kannst. Dann hast du es transformiert.

    Mache diese Übung wann immer du wieder in dein Drama hinein fällst. Bald wird deine seelische Verkrampfung weichen und an ihre Stelle tiefes Einverstandensein und Gelassenheit treten.

  2. Lass dich vom Leben atmen

    Es gibt sooo viele wunderbare Atemtechniken, die den Boden für vollkommenes Loslassen und tiefe Hingabe bereiten. Nur machen muss man sie… 😉 Meine liebste, die ich schon seit Jahren so praktiziere, und die ich ganz oft bei meinen Tranceinduktionen verwende, ist die Vorstellung, geatmet zu werden. Mache es dir im Sitzen oder Liegen bequem und spüre deinen Atem. Folge dem Fließen der Atemluft durch deine Nase, die Luftröhre, die Bronchien und Lungenflügel. Und wieder zurück. Lass den Atem ganz frei und gleichmäßig fließen, bis tief in den Bauch hinein. Mit jedem Ausatmen lässt du dich tiefer in die Entspannung sinken. Mit jedem Atemzug ein bisschen tiefer. Nimm dir Zeit! Spüre, wie du über den Atem getragen bist vom Leben. Von diesem regelmäßigen ein und aus, auf und ab – wunderbar behütet und ganz sanft gewogen wie ein Baby in den Armen seiner Mutter. Gib dich immer mehr diesem sanften Rhythmus hin, voller Vertrauen. Du bist getragen, du bist sicher! Dann tritt mit jedem Atemzug innerlich ein wenig weiter zurück, gib deinen Willen und alle Kontrolle auf, und erlaube dir, vom Leben ge-atmet zu werden, statt selbst zu atmen. Die bewusste Erfahrung, dass du geatmet wirst, wird dich mit einem Vertrauen, Wohlgefühl und einer Hingabe und Verbundenheit erfüllen, wie du sie vielleicht noch nie erlebt hast. Das Leben liebt dich, es trägt dich. Du kannst ihm voll vertrauen!

    Und damit wären wir schon beim nächsten Punkt:

  3. Schließe Freundschaft mit dem Leben und vertraue, dass alles gut ist, so wie es ist

    Die Gesellschaft hat uns zu Menschen erzogen, die voller Angst und Unsicherheit sind. Wir haben die Verantwortung für unsere Gesundheit, für die Erziehung unserer Kinder, für unseren Besitz, für unser Seelenheil, für das Allgemeinwohl abgegeben und darüber die Verbindung zu unserer Natur, zu unseren Instinkten und intuitiven Kräften verloren. Wir vertrauen unserer eigenen Wahrnehmung, unserem Körper und unserem gesunden Menschenverstand nicht mehr. Wir misstrauen dem Leben, erwarten nichts Gutes und sind in ständiger Angst, dass etwas Unvorhergesehenes passieren könnte. Übe dich in einer Lebenseinstellung, die das Leben und den Körper wertschätzt und die uns allen innewohnende Körperintelligenz und Liebe anerkennt. Liefere dich nicht irgendwelchen Autoritäten aus, sondern informiere dich selbst. Werde mündig, frag nach, sei kritisch und triff deine eigenen Entscheidungen auf Basis deines gesunden Menschenverstandes und deiner Intuition. Finde wieder Vertrauen ins Leben. Sei dir sicher, dass das Leben dir nichts bringt, was nicht zu deinem Segen und zu deiner Entwicklung bestimmt ist. Dass es dir kein Problem serviert, für dessen Lösung du nicht alle Gaben in dir hättest. Nur wer dem Leben vertraut, wer im Innersten sicher ist, dass es unser Dasein gut mit uns meint, kann wirklich loslassen und sich dem Fluss des Lebens hingeben. Wer am Leben und an der Liebe hinter allem zweifelt, wird schließlich ver-zweifeln.

    Folge immer mehr der Stimme deines Herzens, dann bist du sicher! Die Schwierigkeit loszulassen liegt oft in der Angst begründet, eine falsche Entscheidung zu treffen. Doch im Leben gibt es kein „Falsch“. Es gibt nur Erfahrungen, an denen wir lernen und reifen können. In jedem Moment unseres Lebens haben wir die Wahl, einen neuen Weg einzuschlagen. Also geh einfach los und probier dich aus! Vielleicht kommst du am Ende als neuer Mensch genau da wieder an, wo du gestartet bist, vielleicht aber trägt das Leben dich auch in ganz unerwartete Gefilde. In jedem Fall aber gib die Erwartung auf, dass das Leben zu 100 Prozent kontrollierbar und planbar ist. Schließe Freundschaft mit dem Unerwarteten und Geheimnisvollen!

  4. Wehe wenn sie los-ge-lassen…: Trance-Erfahrungen bzw. Erfahrungen von Kontrollverlust

    Schaffe in deinem Leben Raum für die Erfahrung von Leichtigkeit, Übermut und Unkontrolliertheit. Ein vielfach erprobtes Mittel hierfür sind Rauscherfahrungen. Nun kann man das natürlich niemandem empfehlen, also bitte Finger weg von Alkohol und Drogen! Ohne Zweifel gibt es einen Zusammenhang von Drogenkonsum und verschiedensten Süchten auf der einen Seite und der Zwanghaftigkeit, Reglementierung und Leistungsorientiertheit unserer Gesellschaft auf der anderen Seite. Sich zusammenreißen, der/die Beste sein müssen, kämpfen, Erwartungen erfüllen müssen, nicht auffallen dürfen, sich kontrollieren und verstellen müssen, die eigenen Lebensimpulse unterdrücken – das ist schon für viele Kinder die bittere Realität. Viele Menschen kennen im normalen Leben ohne Einfluss von Rauschdrogen überhaupt keine Erfahrung von Unbeschwertheit, überfließender Lebenslust, Ungehemmtheit und Hingabe. Doch die Erfahrung, Kontrolle und Anspannung loszulassen, steht uns auch auf gesundem Wege zur Verfügung, z.B. in Form von (Trance-)Tanz, Meditation, tantrischer Sexualität oder künstlerischem Schaffen. Probier‘s aus: Leg deine fetzige Lieblingsmusik auf oder lade dir vom Internet Trancetanz- oder Trommelmusik herunter und tanz dir den Teufel aus dem Leib. Vielleicht hast du schon mal eine Flamencovorführung gesehen? Im Flamenco spricht man tatsächlich, wenn der Tänzer, Sänger oder Gitarrist besonders leidenschaftlich in seinem Ausdruck ist und sich selbst in seiner Kunst vollkommen vergisst, vom Duende – einer überirdischen Kraft, einem Dämon gleich, die vom Künstler Besitz ergreift. Wenn die Zuschauer Zeuge des Duende werden, ist das ein ganz besonderer Augenblick, der seine Spuren im Leben eines jeden Anwesenden hinterlässt und einen Blick in die Seele der Welt erlaubt. Also tanze, wie wenn es um dein Leben gehen würde – oder besser: lass dich tanzen. Und singe dazu so laut du kannst. Bei der nächsten Party tanze auf dem Tisch, liebe so leidenschaftlich wie du noch nie geliebt hast, geh nackt im Mondlicht baden, färb dir die Haare blau. Mach ausgelassene, verrückte Dinge, die nur Narren Gottes tun können. Erlebe dich in deiner ursprünglichen, ungefilterten Lebendigkeit und Wildheit, spüre dich, sprenge all deine Begrenzungen und inneren Fesseln. Wenn du dir erlaubst, aus dir heraus zu gehen und zu vergessen, was „man“ tut und was nicht, bist du dem Loslassen ganz nahe!

  5. Übe dich im Loslassen von kleinen Dingen

    Wenn du schon an kleinen Dingen festhältst, wie solltest du dann die großen Themen deines Lebens, Menschen, Orte, Hoffnungen, Gewohnheiten loslassen können? Also übe dich einfach tagtäglich in den kleinen Dingen: Verschenke schöne Sachen aus deinem Besitz, die wirklich einen Wert haben und einem anderen Freude machen. Verschenke oder spende Geld, das du übrig hast, um anderen, die weniger haben, Gutes zu tun. Verschenke deine Zeit, deine Erfahrung, dein Wissen und deine Liebe. Lass die Kontrolle über deinen Partner, deine Kinder oder Kollegen los und vertraue, dass sie „das Richtige“ tun und gut geführt sind. Verzichte darauf, Projekte, Reisen oder Feste bis ins Detail zu planen und sei stattdessen spontan, lass dich treiben und überraschen. Mach im Alltag die Erfahrung, dass das Leben am schönsten ist, wenn es lebendig, immer wieder überraschend, neu und unerwartet ist, und werfe regelmäßig überschüssigen Ballast und Besitz von dir, um frei und leicht zu sein.

    Du bist nackt auf diese Welt gekommen und du wirst sie alleine ohne irgendwelche Besitztümer wieder verlassen. Ein offenes, freies Herz nimmt die Dinge mit offenen Armen an und lässt sie wieder gehen. Es lässt das Leben durch sich strömen und vertraut, dass auf etwas Gutes irgendwann auch wieder etwas neues Gutes folgen wird.

 

Genau das wünsche ich dir fürs neue Jahr und für dein ganzes Leben:

Das Vertrauen, dass es das Leben gut mit dir meint,
die Liebe, großzügig von dem zu geben, was du hast, und
die Offenheit, dich vom Leben immer wieder überraschen zu lassen.

Öffne deine Hände und dein Herz, denn „die Frucht des Loslassens ist die Geburt von etwas Neuem!“ (Meister Eckhart).

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alles Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!

Deine Christine Samira

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perlenst

In dem wundervollen Geschichtenbuch „Aus Liebe zum Leben“ der amerikanischen Ärztin Rachel Naomi Remen habe ich vor kurzem etwas gelesen, das mich zutiefst berührt hat: In alten Kulturen sei es gang und gäbe, kleine Fehler in die traditionellen Kunstwerke, die dort kreiert werden, einzufügen – als Würdigung der Spuren, die das Leben auf allem hinterlässt, was es berührt. So belassen Zen-Gärtner in Japan absichtlich einen dicken Löwenzahn inmitten der streng zugeschnittenen und ritualisierten Meditationsgärten. Im Iran fügen die besten Teppichweber einen absichtlichen Webfehler in die kostbarsten Teppiche ein. Und die amerikanischen Indianer stickten in jede ihrer prachtvollen Perlenstickereien eine zerbrochene Perle mit ein, die sogenannte „Geist-Perle“. All diese „Fehler“ verwandeln Perfektion in Ganzheit.

Als ich die Geschichte von der Geist-Perle gelesen hatte, kamen mir fast die Tränen. Wie oft halten wir unsere Energie zurück aus Angst, nicht perfekt, nicht gut genug zu sein! Wie oft verurteilen wir uns aufgrund von Schwächen und kleinen Schönheitsfehlern! Wie oft hadern wir mit dem Leben, weil so vieles anders gelaufen ist, als wir es geplant hatten! Wie oft sind wir voller Wut und Trauer gegen uns selbst! Doch dieses Bild von der Geist-Perle erinnert uns daran, dass wir unendlich kostbar sind, genauso wie wir sind! Dass es gerade die Brüche in unseren Biographien, in unseren Körpern, in unseren Seelen sind, die uns einzigartig machen, uns ganz werden lassen, und die unserem SEIN den Geist, den Spirit, einhauchen. Eine einzige kleine, zerbrochene Perle in einem Kunstwerk vermag, was die ganze perfekte Ordnung und Schönheit um sie herum nicht fertig bringt: Sie bricht versteinerte Herzen auf, sie be-rührt und tröstet. In dem Wissen um die Gegenwart einer Geist-Perle können wir entspannen und erleichtert durchatmen. Denn ein Kunstwerk, das seine Brüche offenbart, reflektiert unendlich viel Liebe und Mitgefühl für die Brüche in uns selbst! Ein MENSCH, der seine Brüche offenbart, heilt die ganze Welt!

Wenn wir gegen unsere Geist-Perlen kämpfen, kämpfen wir gegen das Leben und gegen all das, was Wahrhaftig, Wertvoll und Besonders ist. Es geht nicht darum, etwas möglichst perfekt zu machen. Es geht nicht darum, einen perfekten, ewig jungen Körper zu haben oder Prestige, Reichtümer und Wissen anzuhäufen. Es geht darum, dem Leben mit jedem Tag wieder neugierig, offen und unvorbereitet zu begegnen, Momente der Liebe, der Freude, der Weisheit, aber auch des Schmerzes und der Trauer miteinander zu teilen, mutig und authentisch den Tanz des Lebens zu tanzen – und uns selbst anzunehmen als Gezeichnete des Lebens.

Perfektion fühlt sich so ungeheuer hart, so tot und unbarmherzig an. Und tatsächlich ist sie ein eindeutiges NEIN zum Leben. Lebendigkeit entsteht erst da, wo wir akzeptieren, dass alles im Fluss ist, im ständigen Werden. Wo wir uns selbst erlauben, auf dem Weg zu sein, noch nicht angekommen zu sein. Wo wir unseren Körper als heiligen Tempel wertschätzen mit allen Spuren, die das Leben auf ihm hinterlassen hat.

Wie viele Geist-Perlen befinden sich in deinem Lebensgewebe? Wie viele Fehler, Brüche, Narben, Enttäuschungen, Widersprüche, Misserfolge, Krankheiten? Vielleicht möchten sie nichts weiter, als dich auf die Ganzheit in dir hinweisen. Dir zeigen, was wirklich wichtig ist im Leben, und dir zuflüstern: „Lass los und sag einfach Ja!“

Ich bin gerührt von diesen verrückten Zen-Gärtnern, Teppichwebern und Perlenstickern – wenn es sie denn tatsächlich (noch) gibt. Was für eine Demut gegenüber der Kunst und dem Leben selbst muss ein Mensch haben, der etwas Perfektes gestalten könnte und dann seinem Kunstwerk absichtlich einen Makel zufügt. Dem kann nur eine tiefe Verneigung vor der Großartigkeit des Universums und großes Mitgefühl gegenüber dem Menschsein zugrunde liegen.

Diese Haltung wünsche ich uns allen.

Wir bräuchten keine Schönheitschirurgen mehr, keine Drogen und vermutlich auch viel weniger Ärzte und Psychiater, wenn wir alle unsere Geist-Perlen anerkennen und einander offenbaren würden, und uns selbst und alles Leben mit den Augen der Liebe betrachten könnten. Die Augen der Liebe suchen nicht nach kühler Perfektion. Sie suchen nach Ganzheit, nach Tränen des Lachens und der Verzweiflung, nach Menschlichkeit, Wärme, Lebendigkeit und wahrhaftigem Selbstausdruck.

„On ne voit bien qu’avec le coeur. L’essentiel est invisible pour les yeux.“ – „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ (Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz)

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!

Deine Christine Samira

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Deine Augen, Geliebter, machen mich sichtbar.
Dein Mund, er ruft mich ins Leben.
Durch dich bin ich – Ich bin!
Ein kühner Traum, aus dem mein Licht geboren wurde
und deine Liebe, die mein Leuchten bezeugt.
Da – für immer.
Lebendig.

Ich schaue aus dem Fenster und erfülle mit Leben was ich sehe. Da ist diese Birke, deren Blätter sanft im Wind sich wiegen… Der weiße Schmetterling, der fröhlich vorbei flattert… Die Schwalbe, die sich im Sturzflug windet… Die Wolken, die sich voneinander lösen und neu formieren. Würde all das existieren, wenn ich es nicht bezeugen könnte? Wenn nicht ich – wenn niemand – es sehen würde? Oder wird es erst lebendig durch mein Sein, durch die Beziehung zu mir? Für dich existiert diese Birke nicht, du wirst nie diese Wolke gesehen haben, von der ich Zeuge geworden bin für einen kurzen Wimpernschlag der Ewigkeit. Und der Schmetterling, der mein Herz zum Lachen gebracht hat, er ist dir gleichgültig, denn du hast dich nicht berühren lassen von seiner Existenz.

Dies ist das Geheimnis der Liebe: ein Wesen (egal ob Pflanze, Tier oder Mensch) bewusst wahr-zu-nehmen und es damit sichtbar zu machen, ihm Leben und Bedeutung zu geben, sich mit ihm zu verbinden und eins zu werden. Erst in der Beziehung zu einer anderen Wesenheit wird eine Existenz wahrhaftig und real. Ich bin, weil du mich wahr-nimmst. Ich bin, weil du bist.

Die größte Sehnsucht jedes Menschen ist es, erkannt zu werden. Wirklich gesehen zu werden mit liebenden Augen, die nicht an der Oberfläche Halt machen. Mit Augen, die frei von Projektionen schauen, frei von Erwartungen und Ängsten. Ein Schauen, das es dem Betrachteten ermöglicht, augenblicklich alle Masken fallen zu lassen und sich in seiner Nacktheit zu zeigen – in vollkommener Schönheit und gleichzeitig mit allen vermeintlichen „Makeln“. Ein Schauen, das bereit ist, das göttliche Leuchten, die besondere Gabe, die Seelenmedizin eines Menschen zu erkennen und zu bezeugen – und damit ins Leben zu rufen. Es gibt fast nichts Schlimmeres, als in seinem wahren Sein verkannt zu werden. Viele kennen diese schmerzhafte Erfahrung aus der Kindheit – nicht um seiner selbst willen geliebt und in seiner Herzensessenz gestärkt zu werden, sondern Erwartungen erfüllen zu müssen. Leider zieht sich dieses Muster oft durch das ganze Leben. Wir verlieren mehr und mehr den Mut, unser einzigartiges Leuchten zu zeigen, wir werden unsicher, büßen die Verbindung zu unserer eigenen Medizin ein. Und den meisten Menschen an unserer Seite fehlt die Liebe, Achtsamkeit und uneigennützige Bereitschaft, uns wahrhaftig zu erkennen. So enthalten die Menschen dem Leben seit tausenden von Jahren ihr göttliches Potenzial vor und verweigern der Welt ihren Segen. Welch eine Tragödie, wenn man bedenkt, was für einzigartige Reichtümer jeder Mensch in sich trägt. Ja, vermutlich hat jeder einzelne von uns die Macht, diese Welt im tiefsten Innersten zu verwandeln – wenn da nur einer kommt und uns mit seinem sanften Blick und seinem entschlossenen Rufen an uns selbst erinnert und uns zum Leben erweckt. Wir wären im Paradies, wenn wir alle auch nur einen einzigen Menschen um uns hätten, der uns in unserem wahren Sein erkennt, ermutigt und bestärkt. Stattdessen gehen wir durch die Hölle, weil zu wenige Lichter brennen.

Allein die Liebe hat die Kraft, uns über uns hinaus wachsen zu lassen. Was für eine wundersame Fügung ist das, wenn zwei Seelen sich finden, zwei Herzen sich lieben, zwei Körper sich vereinen. Und doch machen wir uns das Leben zur Hölle, solange wir uns nicht gegenseitig mit wachen und liebenden Augen erkennen. Gott sagt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ Gott – die Liebe, das Leben – vergisst niemanden. Das Leben selbst kennt dein Strahlen, deine Essenz, deine Einzigartigkeit. Es wird dich nie verwechseln. Wenn flüchtige Bekannte unseren Namen vergessen, ist das kein Drama. Doch wenn die, die uns nahe sind, uns nicht erkennen, dann verletzt das ganz tief. Wir fühlen uns verloren, vergessen, einsam. Den Namen eines Menschen zu kennen signalisiert: Du bist wertvoll, du bist einzigartig, ich (er)kenne dich, ich stehe in einer Beziehung zu dir, ich liebe dich. Und Gott fügt noch hinzu „Fürchte dich nicht!“. Wer dein wahres Selbst schaut und dich erkennt, bei dem bist du sicher. Wer sich einmal in reiner Liebe mit dir verbunden hat, wird dich nie verletzen können. Und dann sei mutig: Fürchte dich nicht davor, deinen eigenen Namen laut auszusprechen, deine Essenz zu leben, denn die Liebe dessen, der dich erkannt und gerufen hat, steht dir immer bei.

Der chilenische Dichter und Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda hat den wunderschönen Satz geschrieben: „Niemandem gleichst du, weil ich dich liebe!“ Die Liebe erniedrigt uns nicht und sie erhöht uns nicht. Aber sie ruft uns bei unserem ureigenen Namen und feiert unsere Einzigartigkeit. Sie holt uns aus der Anonymität und gibt uns einen Wert. Einen Menschen zu lieben beinhaltet die Verpflichtung, mit aller Kraft der Entfaltung seines inneren Strahlens zu dienen. Ja, richtig, dem Partner dienen! Wenn ich mich nur für das interessiere, was einen Menschen oberflächlich ausmacht, womit er gerade sein Geld verdient oder was er in der Vergangenheit getan hat, dann werde ich dem Menschen nicht gerecht. Und wenn ich keine Beziehung zu seinem wahren Selbst aufbauen kann, dann bleibt er mir für immer verborgen. In jedem Menschen gibt es etwas, das einen vor Rührung, vor Glück, vor Bewunderung und Wahrhaftigkeit zum Weinen bringt. Dies ist der Schatz, der gehoben werden will. Wenn du das in einem Menschen nicht finden kannst oder es dich nicht wirklich berührt und interessiert, dann ist dieser Mensch nicht der Richtige für dich. Dann mach den Platz frei für einen, der das Licht dieses Menschen sehen, schätzen und es zum Strahlen bringen kann. Dann liebst du vielleicht nur dein eigenes Bild von deinem Partner, aber es wird sich nie eine heilige Liebe durch euch erfüllen.

Gerade ist ein lieber Mensch aus meinem Umfeld in der Psychiatrie. Hat er vielleicht einfach seinen Namen vergessen? Hat ihn vielleicht zu lange keiner mehr – oder vielleicht noch nie in diesem Leben je einer – bei seinem Namen gerufen? Ich fühle großen Schmerz und verbinde mich tief im Herzen mit diesem Menschen und hoffe, dass er mein Rufen hört. Möge er sich erinnern, wer er ist und sich selbst wieder finden. Gott, – ich sage lieber: das Leben – vergisst uns nicht. Aber es sollte auch kein Mensch je von Menschen vergessen werden. Lasst uns uns gegenseitig in der Tiefe erkennen und uns in Demut und Wertschätzung unserem Leuchten dienen!

Ich habe mir immer sehr ein Kind gewünscht – vergeblich leider. Und ich hatte schon einen Namen für dieses Kind: Nayeli. Ich war einmal mitten in der Nacht aufgewacht und hatte den Klang dieses Namens im Kopf und ihn dann sofort gegoogelt. Es ist ein mexikanisch-zapotekischer Name und bedeutet „Ich liebe dich“. Der Name hat mich sofort verzaubert, denn ich konnte mir nichts Wundervolleres vorstellen, als dass ein Kind (und natürlich auch später die erwachsene Frau) jedes Mal, wenn es gerufen wird, die Botschaft „Ich liebe dich“ erhält. Was das wohl aus einem Menschen macht? Stell dir vor, du hörst zig Mal am Tag „Ich liebe dich“. Wäre das nicht himmlisch? Hm, ich vermisse Nayeli, meine Tochter, die es nie gab, sehr. Und trotzdem wünsche ich jeden Tag, dieses Kind zu gebären, indem ich versuche, die Welt um mich in Liebe wahrzunehmen. Achtsam zu sein, alles immer wieder mit neuen Augen zu sehen, wirklich bei dem Menschen präsent zu sein, mit dem ich gerade bin, das Leuchten, das Potenzial, das Beste in einem Menschen zu sehen – und ihn bei seinem Namen zu rufen und seinem Strahlen zu dienen.

Wir sind alle zumindest schon ein einziges Mal bei unserem Namen gerufen worden. Und wir können uns wieder erinnern. Ich wünsche mir, dass jeder wenigstens einen Menschen findet, der ihn erkennt und in reiner Liebe ruft. Einen Menschen, für den er aus der Masse heraus sticht und der aus tiefstem Herzen und voller Aufrichtigkeit sagen kann: „Niemandem gleichst du, weil ich dich liebe!“

In Wahrheit heißen wir alle Nayeli! Ich liebe dich!

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!

Deine Christine Samira

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Vor kurzem saß ich am Fluss und meditierte. Und das Leben sprach zu mir. Es hat mich erinnert, wer ich bin. Ich bin die Quelle, der Fluss und das Meer.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Welt zu erfahren: als Zuschauer oder als Seiender. Letzteres ist in unserer lauten Welt nur wenigen Menschen zugänglich und seltenen mystischen Erfahrungen vorbehalten. Doch in Wahrheit entspricht es dem Urzustand unseres Seins – es ist, wie Leben gemeint ist: Teil-nehmen, mit-schwingen, durch-dringen. Das Leben ist dazu da, sich ihm hinzugeben, nicht dazu, es zu beobachten, zu planen und zu kontrollieren. Eigentlich müsste es heißen „es lebt mich“, nicht „ich lebe“. Genauso wie wir nicht atmen, sondern geatmet werden. Das Leben atmet uns, nicht wir atmen das Leben. Daher brauchen wir auch den Tod nicht fürchten, denn das was unseren Körper belebt, ist ewig und mit allem verbunden. Wir sind das Fließende, nicht das, was das Fließen begrenzt. Wir sind der Atem, der durch ein Kleid aus Raum und Zeit strömt. Das Kleid wird irgendwann abgelegt, aber das Leben dahinter bleibt ewig.

Wenn du draußen am Fluss sitzt und beobachtest, dann gibt es den Fluss und das Fließen. Doch wenn du mit deinem Bewusstsein ins Wasser eintauchst, dann bist du der Fluss und das Fließen zugleich. Du bist ewig. Du bist verbunden mit allem Wasser dieser Erde. Du bist die Quelle, der Fluss und das Meer. Und du bist das Fließen selbst. Wenn du im Fluss bist, bist du dir des Fließens nicht gewahr. Denn Fließen wird durch Zeit und Raum definiert. Zeit und Raum gehören zur Dimension des Beobachters. Wenn du aber der Fluss bist, dann bist du in die Ewigkeit des Augenblicks eingetaucht – frei von Zeit und Raum. Du bist der Seiende. Du bist Nichts und gleichzeitig Alles-was-ist.

In einer wundervollen Sufi-Weisheit heißt es: Die Liebe, der Liebende und der Geliebte sind Eins. Wenn du in der Welt aufgehst, gibt es keine Trennung mehr – kein Subjekt, kein Objekt, keine Aktion – es gibt nur noch EINS-SEIN.

Mein Erlebnis am Fluss hat mich an ein wunderbares Buch erinnert, das ich vor langer Zeit viele Male studiert habe: Vielleicht kennst du den Roman „Siddharta“ von Hermann Hesse – eines meiner Lieblingsbücher als Jugendliche auf der Suche nach dem Sinn des Lebens… ;-). Auch der Protagonist Siddharta wendet sich im Roman nach einer langen Reise auf der Suche nach Erkenntnis dem Fluss als Lehrer zu. Vom Fährmann erfährt er: „(…) ein sehr schöner Fluss, ich liebe ihn über alles. Oft habe ich ihm zugehört, oft in seine Augen gesehen, und immer habe ich von ihm gelernt. Man kann von einem Flusse lernen.“ Siddharta wird nach Erfahrungen der Askese, der Gefolgschaft spiritueller Lehrer und der Flucht in weltliche Sinnesbetäubungen bewusst, dass Weisheit nicht mitgeteilt werden kann, dass Worte, Theorien, Lehren und Denken einen Menschen niemals in die Essenz führen können – einzig die Verbindung mit der Natur, die Stille, das Lauschen und liebende Einswerden mit dem Leben öffnet sein Herz für wahre Erkenntnis. Am Fluss meditierend und lauschend, ohne Ziel und Begierde, erlangt er schließlich Erleuchtung.

Genauso wie ich es am Ufer der Isar erfahren habe, lernt auch Siddharta vom Fluss, dass es keine Zeit gibt: „dass der Fluss überall zugleich ist, am Ursprung und an der Mündung, am Wasserfall, an der Fähre, an der Stromschnelle, im Meer, im Gebirge, überall zugleich und dass es für ihn nur Gegenwart gibt, nicht den Schatten der Vergangenheit, nicht den Schatten der Zukunft (…) Nichts war, nichts wird sein; alles ist, alles hat Wesen und Gegenwart.“

Vielleicht inspiriert das auch dich, alles loszulassen was du glaubst zu wissen. Alles, was du je gehört, gelesen, gelernt hast. Dich frei zu machen von Glauben, Konzepten, Religionen, spirituellen Führern, Traditionen, Weisheitslehren und Gedanken – und mutig dein Herz aufzureißen und dich in die pure Erfahrung des Seins zu stürzen. Dich vom Leben atmen zu lassen. Dies ist dein Heilungsweg und dein Weg der Erkenntnis!

Ich wünsche uns allen ein mutiges Herz, so mutig, dass wir das Nichtwissen aushalten können und die Unsicherheit mehr verehren als die Antwort. Dass wir unser Denken, Philosophieren, Worte und Lehren loslassen können und wahrhaft frei und leer werden, auf dass das Licht der Erkenntnis ungefiltert durch uns strahlen kann.

„Wissen kann man mitteilen, Weisheit nicht. Man kann sie finden, man kann sie leben, man kann von ihr getragen werden, man kann mit ihr Wunder tun, aber sagen und lehren kann man sie nicht.“
Hermann Hesse, Siddharta

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!

In Liebe und Segen,
Deine Christine Samira

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tanzender-zigeunerin

Sie tanzt ums Feuer, wirbelnd, in Trance.
Als wolle sie den Teufel zum Kampfe fordern.
Trunken vom Leben oder berauscht vom Tod –
sie weiß es wohl selbst nicht so genau.
Ihre Hüften beben zum Herzschlag der Erde,
die Locken wie lodernde Flammen im Wind.

In ihrem Gesang hallt der Schmerz aller Zeiten,
ein Seufzen, das hinwegschmilzt das ewige Eis.
Erfüllt von Sehnsucht, die bitter und süß ist zugleich.
Ihre Tränen sind Regen auf trockener Erde,
ihr Lachen, ein kühnes Versprechen ans Morgen.

Wie eine Wölfin, frei und wild
folgt sie einzig dem Flüstern des Windes.
Über den höchsten Berg und karge Steppen,
von einem Ort zum andern.
Als gäb‘ es ein Ziel geht sie sicheren Schrittes
doch hinterlässt keine Spuren im heißen Sand.
Weit, so weit lässt sie sich tragen
und kommt doch niemals irgendwo an.

Die kühle Nacht ist ihr Geliebter,
der zärtlich sie ins Dunkel hüllt.
Von Tausend Sternen still bewundert
wie sie nackt im sanften Mondlicht badet.
Voll Anmut und erhab‘ner Schönheit,
nur ihrem Herzen treu ergeben.
Wie mutig, diese Seele, doch so zart!
Zerbrechlich –  allzu oft zerbrochen!

Mit allem verbunden, eins mit der Welt
stirbt sie täglich und wird neu geboren.
Reist auf den Schwingen des Adlers durch die Zeit,
erwacht vom Traum der Endlichkeit.
Wildes Mädchen und weise Alte zugleich –
ein ganzes Leben in einem Moment.

Schwarze Augen, die ihr Geheimnis nie verraten,
und doch auf den Grund aller Dinge sehen.
Schöne Zigeunerin, Cigány, schau mich an!
Verbrennen will ich im Feuer deiner Seele.
Cigány!

(Christine Fleckenstein)

In tiefer Verneigung vor den fahrenden Völkern aller Zeiten und in tiefer Verneigung vor meinen ungarischen Ahnen und ihrem Zigeunerblut!

Eine Cigány weint und schreit, lacht und liebt – zur selben Zeit. Sie tanzt, feiert und singt und sie lauscht der Stille. Sie liebt voller Leidenschaft und zieht sich zurück. Sie ist stark und verletzlich zugleich. Ihr Herz ist voller Sehnsucht. Sehnsucht nach Liebe und Zuhause. Und doch kann sie nirgendwo Wurzeln schlagen. Ihre Heimat ist überall und nirgends.
Eine Cigány feiert das Leben und betrauert den Schmerz, sie ist das Leben und der Tod in einer einzigen Sekunde!

Ich umarme euch alle da draußen, ihr Zigeuner und Zigeunerinnen, gitanos und gitanas im Herzen.

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Kann Gänseblümchen wachsen hören,
spür Purpurrot auf meiner Haut.

Riech Amseln hoch im Baume zwitschern
und seh‘ die Süße einer Kirsche.

Schmeck den Mond in dunkler Nacht
und hör mir selbst beim Schauen zu.

Das Sein, so unerträglich leicht.
Mein Herz verliebt.

(Christine Fleckenstein)

Wikipedia definiert Verliebtheit als „ein intensives Gefühl der Zuneigung. Sie wird nach Ansicht von Psychologen von einer Einengung des Bewusstseins begleitet, die zur Fehleinschätzung des Objektes der Zuneigung führen kann. Fehler des anderen können übersehen oder als besonders positive Attribute erlebt werden. Verliebtheit ist kein Dauerzustand, sie besteht als eine Phase über einen längeren oder kürzeren Zeitraum, kann abflauen und sich auflösen oder in Liebe übergehen.

Puhhh, das klingt aber ganz schön ernüchternd, oder? Verliebtheit macht also tatsächlich blind, so dass wir schlicht und einfach nicht sehen, wie doof der andere eigentlich ist. Und wenn uns dann die Augen aufgehen, dann ist es entweder dahin mit den schönen Gefühlen oder wir machen es uns behaglich im sicheren und ruhigen Hafen der Liebe…

Die Psychologen sprechen bei Verliebtheit also von einer „Einengung des Bewusstseins“. Hm, ich würde es genau anders herum sehen, aber das kommt wohl wiederum darauf an, wie man Bewusstsein definiert. Wenn man unter Bewusstsein eine Verstandesaktivität versteht, in der analysiert, berechnet, bewertet, beurteilt, mit der Vergangenheit abgeglichen und in die Zukunft projiziert wird, dann mag es sich bei der Verliebtheit wohl (Gott sei Dank!) um eine Einengung handeln. Definiert man Bewusstsein aber als Herzensqualität, als vollkommene Präsenz im Hier und Jetzt, als Wahrnehmen der Einheit allen Seins und Wissen um die Göttlichkeit und das innere Leuchten aller Wesen, dann ist Liebe und Verliebtheit höchste Wachheit und eine Erweiterung des Bewusstseins, keine Einengung! Gerade das macht doch die Qualität der Verliebtheit aus: weit werden im Herzen statt in der Enge des Denkens zu verweilen.

Es wird als Fehleinschätzung und Defizit in der Wahrnehmung gesehen, wenn man über die Schwächen des Geliebten hinwegsehen und ihn als uneingeschränkt liebenswert anerkennen kann. Ja, ihn sogar gerade wegen seiner Fehler besonders lieben kann. Wie verrückt ist das denn? Da muss ich sagen, hat die Psychologie doch offensichtlich keine Ahnung von ECHTER Liebe. Ist nicht genau das die große magische und transformierende Kraft der Liebe?  Ich kann einen Menschen lieben, obwohl er anders ist als ich. Ich kann ihn wertschätzen, auch wenn er Fehler hat. Ich kann das Potenzial und die Kraft und die Seelenfarbe meines Partners erkennen, auch wenn er sie noch nicht vollkommen leben kann. Ich gehe an der Seite eines Menschen, um mich selbst zu erkennen. Aber auch, um ihm zu helfen, seinen Schmerz, seine Verletzungen und Ängste zu heilen, und sein Potenzial und seine Kreativität in die Welt zu bringen. Wow – dieses mächtige Samenkorn steckt in den ersten Wochen und Monaten einer Beziehung!!! Und die Wissenschaft tut so, als käme die Verliebtheit einer geistigen Umnachtung gleich. Und nach dem (leider viel zu schnellen) Ende dieser verrückten Phase des Hormonchaos komme der Mensch endlich wieder zu Bewusstsein. Kein Hochgefühl mehr, keine Ekstase, keine verzehrende Sehnsucht nach dem oder der EINEN, keine Verrücktheiten, keine Rebellion gegen verstaubtes Establishment. Nein, wir sind wieder normal! Die Gesellschaft hat uns wieder – die nüchternen, funktionierenden, depressiven, lustlosen, manipulierbaren, konsumierenden, angepassten, stets unzufriedenen kleinen Soldaten, die nach der hingehaltenen Karotte schnappen bis sie tot umfallen, um sich dann zu fragen „und das war’s jetzt?“. Es war ja nur im dummen und kurzen Überschwang der Gefühle, dass wir geglaubt hatten, wir dürften glücklich sein, und aus tiefstem Herzen lieben und wahrhaft frei sein. Wie töricht! Gut, dass das den meisten Menschen nur in der Jugend passiert, da kann man über so einen unreifen Unfug ja noch eher hinwegsehen… 😉

Nein, ganz im Ernst… 😉 ein Hoch auf alle in Verliebtheit geistig Umnachteten (- denn ihrer ist das Himmelreich, hätte ich schon fast gesagt).

Verliebtheit kann in Liebe übergehen“, heißt es in der Wikipedia-Definition. Kann sie das wirklich, oder müssen nicht beide Hand in Hand gehen? Liebe ohne Verliebtheit fühlt sich für mich tot an. Wie Champagner, der schon seit Tagen im Glas steht. Es ist etwas Wertvolles, Edles, aber das Prickeln, die Lebendigkeit, die Bewegung, die Frische fehlt. Egal wie teuer dieser Champagner war, irgendwann wird es einem nicht mehr um ihn leidtun und man wird ihn wegschütten. Aus diesem Glas will man nicht mehr trinken, es ist schal geworden, warm und langweilig. Ist das die Liebe, die wir wollen? Kann Verliebtheit wirklich in Liebe übergehen? Nein, Verliebtheit ist von Anfang an ein Abbild der lebendigen, alles einschließenden, mutigen und sich selbst genügenden Liebe zwischen zwei Menschen. Verliebtheit kann vor Liebe über-gehen und Liebe kann vor Verliebtheit über-gehen, aber niemals eines in das andere. Ich hoffe, du kennst das Gefühl, wenn dein ganzes Sein überfließt vor Verliebtheit und Zärtlichkeit zu deinem Partner, wenn du Schmetterlinge im Bauch hast, weil du dich für den anderen hübsch gemacht und ein Date mit ihm hast, wenn du deine Augen nicht mehr von deinem Geliebten lassen kannst und jede Berührung zur Offenbarung wird, wenn du ohne Grund lachen musst und die ganze Welt umarmen könntest, wenn dir dein Herz schmerzt, weil es keine Worte gibt, um auszudrücken, was du fühlst…. Und ich hoffe, dieser Zustand ist nicht nur eine verblasste Erinnerung aus längst vergangenen Zeiten, sondern begleitet euch durch die vielen Jahren eurer LIEBEsbeziehung. Lasst das Glas Champagner nie zu lange stehen. Leert euch und füllt euch wieder auf. Genießt einander und berauscht euch an der Liebe! Das Prickeln ist das, was den Champagner ausmacht. Er will getrunken werden und nicht nur rumstehen.

Jetzt haben wir also die psychologische Erklärung der Verliebtheit. Und wie sieht es die Medizin? Natürlich hat auch sie eine Theorie parat:

Biochemisch betrachtet ist Verliebtheit ein einfach zu erklärendes Phänomen hormoneller Prozesse im Körper: In der Gegenwart unseres Objekts der Begierde sorgen erhöhte Dopamin- und Oxytocinwerte dafür, dass wir im Rausch der Glücksgefühle schweben, und Zärtlichkeit und Geborgenheit im gemeinsamen Zusammensein empfinden. Und ein sinkender Serotoninspiegel lässt uns – ähnlich wie bei einer Zwangsneurose – ständig an unseren Partner denken und ganz auf ihn fixiert sein. Und jetzt wird’s spannend: der bei frisch Verliebten erhöhte Nervenbotenstoff Neurotrophin NGF macht uns euphorisch und trägt laut wikipedia dazu bei, „dass Verliebte sich zuweilen in einem Zustand der Unzurechnungsfähigkeit befinden, sich zu irrationalen Handlungen hinreißen lassen und Hemmschwellen abbauen.“ Ist das nicht toll!!! Das heißt für mich auf gut deutsch: Für zwei Verliebte ist ALLES möglich. Es ist nichts zu groß, nichts zu schwer, und es ist scheißegal, was die anderen dazu sagen. Schade eigentlich, dass sich dieser explosive Hormoncocktail mit der interessanten Mischung aus Zärtlichkeit, tiefer Verbundenheit und Fokussierung sowie powervoller Kreativität schon nach ca. einem Jahr wieder „normalisiert“… Dazu fällt mir dann nur noch der bekannte Buchtitel ein: „Willst du normal sein oder glücklich?“

Wir sind doch selbst schuld, wenn wir diesen wunderbaren Zustand einschlafen lassen. Vielleicht bin ich verrückt (das bin ich wohl, denn ich bin verliebt), aber ich glaube daran, dass Verliebtheit in einer Beziehung dauerhaft Bestand haben kann (oder muss?). Egal, wie lange sie dauert. Ja, ich bin sogar so übermütig zu sagen, ich will mit jedem Tag immer mehr verliebt sein. Je größer die Liebe, je mehr gemeinsame Jahre einen verbinden, umso prickelnder darf es sein! Ich will mich nicht, um dieses Gefühl zu haben, ständig auf neue Affären und Flirts einlassen müssen. Ich will meinen „Vertrauten“, meinen Seelengefährten immer wieder neu erleben. Ich will mich jeden Tag neu verlieben in den Menschen, den ich am meisten liebe! Bitte, glaubt wieder daran, dass das möglich ist! Osho sagte einmal, dass immer wieder Leute zu ihm kämen und sich ausweinten und beschwerten, dass ihr Partner sie nicht genug liebe. Aber noch nie habe er einen getroffen, der gesagt hätte, ich liebe meinen Partner zu wenig. Liebst du deinen Partner? Dann lass keinen Tag vergehen, ohne es ihn spüren und er-leben zu lassen. Tu etwas für die Liebe! Es gibt nichts Schöneres, als Liebe zu verschenken und Verliebtheit zu teilen.

Leider lernen wir viel Unsinn in der Schule, aber über die Liebe lernen wir nichts. Das ist auch kein Wunder, denn die Liebe würde uns frei machen, aber das will ja keiner. Es gibt nichts Schlimmeres für eine Gesellschaft als freie, mutige (oder übermütige?), glückliche, liebende, erwachte, kritische, an sich selbst glaubende Menschen. Wenn ich also Liebe unterrichten würde, und du würdest mich fragen, wie geht das, einen Menschen für immer zu lieben und dabei ewig verliebt zu bleiben – verrückt, wild, kompromisslos, authentisch, verspielt, lustvoll, mutig? Dann würde ich dir antworten: Triff als erstes die Entscheidung dafür, genau das zu sein: verliebt, verspielt, kreativ, lustvoll, wild. Entscheide dich jeden Tag aufs Neue dafür, in deinen Mann, deine Frau verliebt zu sein. Es liegt in allererster Linie an deiner Einstellung. Der andere wird nicht nach einem Jahr plötzlich weniger liebenswert oder zum Langweiler. Nein, nicht der andere hat etwas falsch gemacht, sondern du wirst blind, du schläfst langsam ein, du fängst an zu nörgeln, du bekommst Angst vor dem, was einst so verlockend war, du wirst wieder un-bewusst. Das was als süßes Geschenk in dein Leben kam, wird zur Selbstverständlichkeit, vielleicht sogar zur Bedrohung. Lass das nicht zu – verpflichte dich deiner Liebe und Lebendigkeit, sie ist das Wertvollste was du hast! Lass dich jeden Tag wieder berühren und begeistern von der Schönheit deines Partners, seinem Können, seiner besonderen Art, seinen Ideen und Träumen. Sei mutig, dein eigenes Licht zu leben und hör nie auf, das einzigartige Leuchten in deinem Partner zu spiegeln. Gib dem Menschen, den du liebst, jeden Tag die Chance neu zu sein, anders zu sein, wiedergeboren zu werden. Sieh ihn jeden Tag mit neuen Augen. Wisse, dass du niemals neben demselben Menschen erwachst, neben dem du eingeschlafen bist. An dem Tag, an dem du glaubst, deinen Partner zu kennen, fängt die Liebe an zu sterben. Dann werdet ihr beide unfrei. Dein Partner ist, genau wie du selbst, eine Welt, die jeden Tags aufs Neue entsteht. Die Augen, in die du heute schaust, sind andere, als die, in die du gestern geschaut hast. Willst du dich wieder in sie verlieben? Dann tu’s einfach! Schau wirklich hin, sieh den Zauber! Schenke deinem Partner all das, was du dir in deinen kühnsten Träumen von einem Geliebten wünschen würdest. Lass für deinen Schatz rote Rosen regnen. Bemühe dich immer wieder darum, deinem Partner nahe sein zu dürfen. Interessiere dich für diesen Menschen, sei aufmerksam, sei wirklich da, wenn du mit ihm bist. Vergiss nie, welch großes Geschenk es ist, einen Blick in das Universum einer anderen Seele werfen zu dürfen. Öffne deine Welt und betrete die Welt deines Geliebten mit Liebe, Neugier und Begeisterung. Verliebtheit hat etwas sehr Kindliches, Unschuldiges, Präsentes, Flüchtiges, Verspieltes. Also hör nie auf, Kind zu sein! Bleib mutig, offen und spontan. Lache das Leben an! Trau dich, nackt und unvorbereitet zu sein. Dann wirst du durchlässig, dann können Lebendigkeit und Verliebtheit dich durchströmen. Als Kind hast du Überraschungen geliebt. Als du frisch verliebt warst, hast du deinen Partner überrascht. Also hör doch einfach nie auf damit. Hab Spaß, sei kreativ, liebe dich selbst und lass dir etwas einfallen um Liebe erlebbar zu machen! Nimm dich nicht so ernst, lache über dich, über das Leben und mit deinem Partner. Lachen hält jung, macht schön und verbindet mehr als alles andere! Das Gefühl zu altern stellt sich ein, wenn wir aufhören, Neues in unser Leben zu lassen. Aber das Leben ist so reich, du bist so reich, dein Partner ist so reich. Wenn du es wirklich willst, dann geht das Neue nie aus! Wann hast du zum letzten Mal etwas „das erste Mal“ getan? — Oh, das ist schon viel zu lange her! Mach es einfach zu deiner (oder eurer) persönlichen Herausforderung, jede Woche oder mindestens jeden Monat etwas „zum ersten Mal“ zu tun. Sei kreativ, denn nur kreative Menschen können dauerhaft verliebt sein. Nur kreative Menschen sind überhaupt zur Liebe fähig. Öffne deine Sinne für die Schönheit und die Magie der Welt. Sieh den Zauber in allem und lass dich verwirren vom Reichtum der Schöpfung! Rieche mit den Augen, schmecke mit den Ohren und höre mit der Nase. Sei wach und offen mit jeder Pore deines Seins, sonst verpasst du das Wesentliche.

Liebe ist ein Synonym für Leben, und Verliebtheit ist ein Synonym für Lebendigkeit. So ist also die Verliebtheit das was das Leben mit Gegenwärtigkeit und Dynamik erfüllt. Es ist die Fähigkeit, jeden Moment mit sich selbst und mit dem geliebten Menschen neu und aufregend und sinnlich zu gestalten. Und diese Fähigkeit wird aus dir selbst heraus geboren. Wenn du also in deinen Partner verliebt bleiben willst, dann SEI du selbst ein verliebter Mensch, mit all dem, was verliebt sein für dich bedeutet. Sei verliebt ins Leben, anders geht es nicht. Wenn du lieben willst, dann SEI die Liebe. So einfach ist das. Am besten wir vergessen also die schlauen Psychologen und all das mit den Hormonen und entscheiden uns einfach, dass es so lange andauern darf, wie wir selbst bereit sind, lebendig zu sein und unseren Partner als lebendiges, pulsierendes Wesen zu sehen.

Spürst du den Unterschied zwischen leben und lebendig sein? Genau das ist der Unterschied zwischen lieben und verliebt sein. Das Leben ohne Lebendigkeit ist starr und tot (leider sind diese lebenden Toten millionenfach unter uns), und die Liebe ohne Verliebtheit ist blutleer und lau (und ist das was wir in den meisten Beziehungen sehen). Das Leben ist eine Tatsache und die Liebe ist eine Tatsache – für die Lebendigkeit und die Verliebtheit aber dürfen wir uns jeden Tag bewusst neu entscheiden!

Zum Abschluss entschuldigt ihr sicher einer total unzurechnungsfähigen Frau mit eingeschränktem Bewusstsein und hormoneller Fehlsteuerung noch einen völlig irrationalen persönlichen Gruß, der jegliche Hemmschwelle überschreitet: *winkewinke* Hallo mein Schatz, ich liebe dich und bin soooooooooooooo verliebt!!! Schön, dass es dich gibt! Wie wär’s mit einem Gläschen Champagner am Wochenende? Ich lass mich von der Marke gern überraschen! 🙂

Lebe die Verliebtheit und liebe die Lebendigkeit! La vita è bella…
Deine Christine Samira

„Gott hilft immer den Narren, den Betrunkenen und den Verliebten.“
Marguerite de Navarra (1492-1549), franz. Dichterin und Königin von Navarra
(In diese Gruppe reihe ich mich doch gern ein … es gibt Schlimmeres! 😉 )

„Nur Verliebte haben eine Vorstellung von der Ewigkeit.“
Emanuel Wertheimer (1846-1916), deutsch-österreich. Philosoph und Aphoristiker

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Komm‘ nirgends her, weiß nicht wohin,
bin einfach deinem Ruf gefolgt.

Seit Ewigkeiten auf der Reise.
Hab mich vor langem schon verlor’n.
Kenn‘ weder Heimat noch ein Ziel,
Gefangene im Meer der Zeit.

Die Flügel sind mir schwer geworden,
bin in die Knie gezwungen.
Wart ewig auf den richt’gen Wind,
der liebevoll und leicht mich trägt.

Komm‘ nirgends her, weiß nicht wohin,
wollt nur mal deine Liebe spür’n.

Vielleicht kommt jemand, der mich findet.
Hab vergessen, wer ich bin.
Wo sind denn all die ander’n hin,
die meine Sprache sprechen?

Die Sonne will nicht untergeh’n,
mit ihr bleibt auch der Schatten.
Hab solche Sehnsucht nach zu Hause,
von Einsamkeit und Schmerz zerrissen.

Komm‘ nirgends her, weiß nicht wohin,
hab mich in dir verlaufen.

Bin ohne irgendwas gekommen,
doch allzu schwer scheint mein Gepäck.
Möcht‘ endlich alles von mir werfen
und finden was mir längst gehört.

Will ankommen, und weiß nicht wo,
was quälst du mich, mein armes Herz?
Werd‘ niemals wo zu Hause sein,
Reisende zwischen den Welten.

Komm‘ nirgends her, weiß nicht wohin,
willst DU mich vielleicht finden?

Christine Fleckenstein

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