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„Da ich kein Ziel habe, verlaufe ich mich nie.“
Zen-Meister Ikkyu

 

Vor ein paar Wochen hatte ich mit einem sehr lieben Freund ein interessantes Gespräch. Er ist seit vielen Jahren selbstständiger Unternehmer und im Moment dabei, sich nach vielen Ausbildungen in Coachingmethoden, russischen Heilweisen und Energiearbeit als Coach ein neues Standbein aufzubauen. Damit erfüllt sich sein großer Traum und seine Berufung. Wir haben uns viel unterhalten über seinen Weg, meinen Weg und Erfahrungen mit Klienten. Dabei ging es immer wieder auch um Zieldefinitionen. Wie wichtig es sei, sich große und kleine Ziele zu setzen und zu wissen, was man will.

 

Ich habe das in Zweifel gezogen. Ich fand schon früher in Bewerbungsgesprächen die Frage nach Zielen, und wo man sich in fünf oder zehn Jahren sehe, total abstrus. Fünf Jahre sind doch so weit weg, schon morgen kann alles anders sein. Erwarten Personalleute wirklich, dass ich heute weiß, wer ich in fünf Jahren bin, dass ich dann noch dieselbe bin wie heute? Komisches Menschenbild, da kann ich mich ja gleich in Stein meißeln lassen! Ist das nicht verrückt, Jahre im Voraus zu planen? Und welche Ziele? Ich will mit mir im Reinen sein und Freude haben an dem was ich tue und was ich bin. Gibt es sonst noch ein Ziel? Natürlich habe ich früher immer ganz brav im Sinne des potenziellen Arbeitgebers geantwortet um zu zeigen, wie ehrgeizig ich bin und dass ich mit dem Unternehmen ganz hoch hinaus will… 😉 Es ist nicht leicht, in dieser Gesellschaft authentisch zu sein, wenn man überleben will! (Oder vielleicht habe ich ja damals sogar geglaubt, die Ziele und Erwartungen der anderen seien meine eigenen???) Und in jungen Jahren traut man sich einfach noch zu wenig, aus der Norm auszubrechen – bei mir war das zumindest so.

 

Mittlerweile bin ich Gott sei Dank mein eigener Chef und muss keine komischen Fragen mehr bzgl. Karriereplanung beantworten und in keine Schublade mehr passen ;-). Aber offensichtlich brauche ich immer noch Ziele, sagen zumindest die Coaches. Wie viel Einkommen, welches Klientel, wie viele Angestellte, ein Haus in der City oder im Grünen, Seminare mit 50 oder 1000 Teilnehmern, am Mittelmeer oder im Indischen Ozean?

 

Ich sehe das mal wieder anders! Spirituelle Lehrer haben seit jeher unterschieden in innere und äußere Ziele. Man dürfe sich nicht nur auf äußere Ziele – Erfolg, Status, Geld, Gesundheit – konzentrieren, sondern diese müssten mit inneren Zielen Hand in Hand gehen. Ich sehe es aber noch viel einfacher.

 

Alles was es braucht, ist der Mut (ok, davon braucht es eine Menge!), aus dem eigenen Herzen heraus zu leben und das zu tun, was man am meisten liebt. Mit Freude, Begeisterung und Kreativität zu arbeiten, und sein ganz individuelles, ureigenes Wesen in das Tun und Sein einfließen zu lassen. Wenn ich so lebe und arbeite, dann brauche ich keine Ziele mehr. Denn dann kann ich sicher sein, alles wird gut. Dann wird mein Leben zum Segen für mich und für die Welt. Dann bin ich im Einklang und im Frieden mit allem was ist. Wenn das Leben dem inneren Ruf folgt, dann brauche ich nicht mehr mit Zielrohr durch die Gegend rennen, dann kann ich mich hingeben und treiben lassen. Dann erfüllt sich das Höchste. Und ich bin im tiefen Vertrauen, dass das Leben mich immer an die richtigen Ufer spült und dass für mich gesorgt sein wird. Ein Mensch, der wirklich eins mit seinem Herzen ist, braucht keine Ziele mehr. Das ist meine Überzeugung.

 

Unsere Aufgabe als Heiler, Berater, Coaches sollte es sein, zunächst einmal selbst immer mehr zu lernen aus dem Herzen zu leben und authentisch zu sein, und dann unsere Klienten wieder mit der Stimme ihres Herzens zu verbinden und ihr reines, inneres Leuchten hervorzulocken. In JEDES Herz ist ein Samen gepflanzt. In diesem ist das ganze, wunderbare Potenzial eines Menschen, seine Seelenessenz, verborgen. Noch nie gab es und nie wird es auf dieser Welt jemals zwei Menschen geben, die sich komplett gleichen. Jeder ist einzigartig und darf sich in seiner Einzigartigkeit der Welt zum Geschenk machen. Ich mag das Wort „müssen“ nicht, aber hier möchte ich fast sagen, er muss seine Einzigartigkeit leben! Das, und nur das, schulden wir dem Leben!

 

„Susya sagte kurz vor seinem Tod:
’Wenn ich in den Himmel komme, werden sie mich nicht fragen:
Warum warst du nicht Moses?
Sie werden mich vielmehr fragen:
Warum warst du nicht Susya?
Warum wurdest du nicht,
was nur du werden konntest?“
Chassidische Weisheit

 

Folge der Spur der Freude, der Liebe, der Begeisterung und des Lachens und finde den Samen in deinem Herzen! Und dann lass ihn wachsen!

 

Dein einziges Ziel sollte sein, aus dem Herzen heraus dein wahres Selbst in die Welt zu bringen und immer bewusster und präsenter im Hier und Jetzt zu sein. Vergiss alle anderen Ziele, vertraue deiner inneren Stimme. Ziele im herkömmlichen Sinn – also im Grunde „etwas haben/erreichen wollen“ oder „etwas sein wollen“ – verstärken nur die Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Zustand und vertiefen damit Unfrieden, Widerstand, Begehren und Anhaftung. Schön fürs Ego, blöd für deine wahre Essenz!

 

Du darfst zuerst dein ganzes Sein auf deine Göttlichkeit ausrichten, dann folgt alles im Außen von ganz allein. Genauso wie du dich zuerst deinem eigenen Erwachen widmen darfst, bevor sich etwas in „der Gesellschaft“ wandelt. Kürzlich bin ich zufällig mit einer lieben Freundin auf einem Vortrag und Buchvorstellung einer alternativen Lebensgemeinschaft gelandet. Die Sehnsucht danach ist offensichtlich riesengroß, wie sich an der enormen Zahl von Zuhörern und dem großen Interesse an Gemeinschaften im Münchner Umland zeigte! Auch hier hörte ich immer wieder die Worte „Utopie“, „Traum“, „Ideal“. Das Problem ist, dass dieses ganze Leben ein Traum ist. Es kann doch nicht die Lösung sein, einen alternativen Traum zu träumen, es geht darum zu erwachen. Es geht darum zu erkennen, dass in Wirklichkeit alles genau richtig ist so wie es ist. Die vermeintlichen Gegensätze von Gut und Böse, Arm und Reich, Krieg und Frieden ergeben ein Ganzes. Diese Welt, so wie sie ist, ist das Wunder, die Einheit – geflochten aus dem Netz der Liebe. Nur der träumende und trennende Geist kann das nicht sehen. Für die menschliche Erfahrung aber kann es keinen anderen Rahmen geben als den, den wir kennen.

 

Schau dir den Marxismus oder Kommunismus an – einer der kühnsten Träume von Gerechtigkeit, Gleichheit, Frieden und Freiheit, der je auf dieser Welt geträumt wurde. Und – wie wundervoll – dieser Traum konnte sogar im großen Stil in ganzen Staaten verwirklicht werden. Und was ist daraus geworden? Ein Sumpf aus Unterdrückung, Ausbeutung, Despotie, Folter, Krieg, Angst, Unfreiheit, Verfall. Aus der Traum! Wie konnte das passieren? Wo doch alle nur das Beste wollten? Es funktioniert nicht, an den Rädchen im Außen zu drehen und neue, „friedliche“ Gesellschaftsstrukturen oder Gemeinschaftsregeln zu implementieren und dann unerwachte Menschen, die noch mitten im Krieg mit sich selbst sind, da rein zu stellen. Die Menschen bleiben die gleichen – unbewusst und unfrei. Bestimmt mit einer großen, edlen Sehnsucht im Herzen, das will ich gar nicht absprechen – aber dennoch schlafend. Das kann nicht funktionieren, nicht im großen Stil mit zu vielen Beteiligten. Es gibt eben keine Gesellschaft, es gibt nur Menschen! Und die Crux ist, wenn ein Mensch erwacht ist, dann braucht er keine Gesellschaft, keine Gemeinschaften mehr. Dann braucht er einfach keine Normen, Werte, Regeln, Moral, Struktur und Richtlinien im Außen mehr! Er sieht die Wahrheit, er sieht die Einheit allen Seins. Er ist mit allem und jedem verbunden, er weiß jetzt um die Liebe und den Frieden hinter allem was ist. Dieser Mensch ist nicht gegen die Gesellschaft, er hat die Gesellschaft transzendiert. Wir dürfen uns immer wieder bewusst machen, dass alles was wir hier vorfinden Projektionen unseres Egos sind. Der Krieg im Außen ist doch nur ein Spiegel des Krieges in uns selbst. Die Unterdrückung, Ausbeutung, Gewalt, Verurteilung – alles was wir „da draußen“ ablehnen ist tief in uns verwurzelt. Wir lehnen damit uns selbst ab – und damit das Leben und die Quelle, Einheit, Gott (wie auch immer du das nennen magst). Es gibt nur ein Heilmittel dagegen: alle Ur-teile (was für ein schönes Wort, oder?) zu uns zurück zu nehmen, und mit den heilen und heilenden Augen der Liebe schauen.

 

Bezeichnend finde ich in diesem Zusammenhang eine Frage aus dem Publikum, die während des Vortrags aufkam. Ein junger Mann fragte voller Euphorie, ob denn das Leben in dieser gewaltfreien, neuen Gesellschaft bedeuten würde, dass man nun nicht mehr so viel an sich selbst arbeiten müsse. Da wäre ich fast vom Stuhl gefallen. Ja, der hat offensichtlich umrissen, worum es geht. Ein feiner Anstrich und Makulatur im Außen, um dem inneren „Dreck“ entfliehen zu können. Aber schade, es gibt kein Entkommen. Ich würde mich ja auch gern ins Paradies beamen um meiner eigenen Dunkelheit nicht mehr ins Auge schauen zu müssen. Aber das funktioniert halt leider nicht. Die wenigsten Menschen stellen sich ihren schmerzhaften Lektionen aus purer Liebe und Leichtigkeit und ohne Not-Wendigkeit. Wir wären sonst nicht hier! In einer Lebensgemeinschaft, die ihren Mitgliedern von oben herab Licht und Liebe als höchstes Prinzip überstülpt (wer entscheidet eigentlich, was Liebe ist??? Kommt die nicht manchmal in komischen Verkleidungen daher?), ist das Erwachen umso schwieriger. Sein natürliches Leuchten im künstlichen Neonlicht zu erkennen, ist schwieriger, als es im Dunkel zu erfahren. Was uns ins Erwachen, in die Erkenntnis, in die Stille zwingt, sind gerade Krankheit, Krieg, Verlust, Armut, Gewalt, Ungerechtigkeit und Leid. Es ist eine Frage der Entscheidung: Willst du sanft gebettet in Ruhe weiter schlafen oder willst du erwachen, dich aus dem Rad des Leids befreien? Willst du eine Illusion gegen eine andere tauschen oder willst du wahrhaft erkennen? Dann sei mutig und stelle dich dem, was ist. Diese angeblichen gewaltfreien Lebensformen sind oft von einer viel tieferen, subtileren Gewalt gekennzeichnet, als die, vor der sie geflohen sind. Es gibt zu viele Gemeinschaftsprojekte, die im „Kleinkrieg“ geendet sind, oder deren Mitglieder auf Wolke 185 des rosaroten, spirituellen Egotrips schweben, oder Friedensprojekte, die aufgrund von Kleinigkeiten im Unfrieden auseinandergefallen sind. Es funktioniert nicht wirklich. Es kann nicht funktionieren. Allenfalls auf Kosten deiner eigenen Wahrhaftigkeit. Bleib bei dir. Sei du die Veränderung, die du in der Welt sehen willst! Aber lass die Finger davon, die Welt zu verändern. Und freu dich, wenn es dir gelingt, mit deinem Partner, deinen Kindern und deinen Eltern im Frieden (oder gar in Liebe?) zu sein. Schaffst du das denn?

 

Da wären wir schon bei einer der schwierigsten spirituellen Fragen angelangt. Wenn ich erwacht bin, wie bewege ich mich zwischen der tiefen Erkenntnis aus meiner innersten Essenz, dass alles gut und vollkommen ist, so wie es ist, und der gleichzeitigen Konfrontation mit Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Gewalt, der ich als Mensch in der Dualität ausgesetzt bin? Es ist ja nicht so, dass man sich nach dem Erwachen nicht mehr weiter in der Illusion bewegen müsste oder das Ego nicht mehr da wäre. Diese Zerrissenheit zwischen zwei Welten kann sehr zermürbend und schwierig sein. Auch hierüber bin ich vor einiger Zeit mit einer ehemaligen Kommilitonin in Diskussion geraten. Als Journalistin beschäftigt sie sich viel mit Themen wie Nationalsozialismus, Flüchtlings- und Asylpolitik, sozialer Ungerechtigkeit usw. Sie ist der Überzeugung, dass man gegen all diese Sachen ankämpfen müsse. Voller Bewunderung erzählte sie mir von einer Frau, die sie vor kurzem im Fernsehen gesehen hatte, die sich seit Jahren im Kampf gegen einen großen Tiermastbetrieb befindet, weil hier Menschen ausgebeutet und krank gemacht werden. Die Frau ist wohl mittlerweile selbst ziemlich am Ende, krank, ernüchtert, einsam und bitter, aber sie macht weiter. Dies ist eine der großen Heldinnen meiner Freundin. Ich kann das verstehen. Ein Teil von mir verneigt sich auch vor Menschen, die nicht aufhören gegen Ungerechtigkeiten zu kämpfen, für die Rechte Schwächerer zu streiten oder gegen die großen Konzerne und Banken anzugehen. Das ist auf einer bestimmten Ebene sicher edel, aber was wird dadurch gewonnen? Das Außen ist ein Spiegel des eigenen Unfriedens, der eigenen Bewertungen, der eigenen Ängste, der eigenen Intoleranz, des eigenen Opfergefühls, der eigenen Erniedrigung, der eigenen Wut. Und wenn ich diese „Kämpfer“ so anschaue, dann sind das nicht gerade die Menschen, die mich wirklich im Herzen berühren. Strahlen sie doch selbst in der Regel das aus, was sie bekämpfen, nämlich Aggression, Verurteilung, Verzweiflung und Verbitterung. Gegen etwas zu kämpfen kann nie funktionieren, denn ich gebe damit ja gerade dem Energie, was ich nicht haben möchte. Vielleicht ist dem „David“ mal ein kleiner Erfolg gegen einen der Goliaths vergönnt, aber dann sprießt doch vor einem anderen Haus wieder ein neuer Pilz der Ungerechtigkeit empor. Dieses Kämpfen ist ein Spiel, an dem das Ego große Freude hat. Es gefällt sich sehr als kleiner Che Guevara oder als Märtyrer (Als Studentin war ich auch verliebt in Che Guevara (auch wenn schon längst tot, denn so alt bin ich ja nun auch wieder nicht), und ich habe davon geträumt an der Seite dieses unglaublich mutigen, charismatischen, freien, wilden Mannes gegen die bösen Ausbeuter und Großgrundbesitzer zu kämpfen. Wow! 😉 ). Aber das ist nicht der Weg – glaube ich.

 

Ich denke, es ist wichtig und versteht sich von selbst, auch als spirituell erwachter Mensch engagiert zu bleiben, sich für das Wahre einzusetzen und Mitgeschöpfe gegen Gewalt und Ungerechtigkeit zu beschützen, auf Missstände in aller Deutlichkeit aufmerksam zu machen und andere Wege aufzuzeigen. Eine echte Veränderung kann ich aber nur herbeiführen, wenn ich mich selbst verändere. In Liebe das leben, was ich als richtig und segensreich erkannt habe, statt gegen „das Böse“ zu kämpfen. So entzünde ich ein Licht der Liebe und der Bewusstheit und werde zum Vorreiter des Wandels. Ich bin mir ziemlich sicher, ich würde mein Leben opfern für meine Überzeugungen und für die Liebe. Aber ich glaube nicht, dass ich mein Leben opfern wollen würde im Kampf gegen Windmühlen. Und ich will auch nicht, dass irgendein Mensch das tun muss – letztlich nur weil ich mich nicht verändern und konsequent sein will. Wieder kann ich nur die wahren Worte von Gandhi zitieren: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Dafür musst du aber erst mal wissen, was du willst, und nicht nur, wogegen du bist. Sag ja zu allem was in dir und außerhalb von dir ist, und dann lebe aus deiner inneren Freude und Begeisterung und tiefen Verantwortung für alle lebenden Wesen heraus, lebe bewusst, und überzeuge durch dein friedvolles, liebevolles, strahlendes und mitfühlendes Sein. Die, die das tun, sind MEINE Helden! Das sind die wahren Revolutionäre, die wirklich etwas verändern – still und langsam, aber beständig. Das sind die Schöpfer einer neuen Erde, die mit starken Wurzeln von innen heraus wächst. Das sind die, in deren Augen du schaust, und dann ist nichts mehr so wie es vorher war. Weil du etwas aufblitzen sehen hast. Ein Funkeln, das dich an etwas in dir selbst erinnert. Und dann fängst du an zu suchen. Du hast Feuer gefangen, eine Sehnsucht ist geweckt, und du weißt, dass es möglich ist: ein Leben im Einklang mit dir selbst, mit deinem Herzen und mit der gesamten Schöpfung. Und du weißt, dass nur die Liebe etwas verändern und heilen kann. Und diese Liebe ist bereits in allem was existiert. Es würde nicht leben, wenn es nicht von der Liebe beseelt wäre! Man muss sie nur berühren, wachküssen.

 

Marianne Williamson hat den wunderbaren Satz geschrieben, „Alles ist entweder Liebe oder ein Schrei nach Liebe.“ Wie können wir den Schrei nach Liebe mit Verurteilung, Ablehnung und Kampf beantworten? Das sollten wir nicht tun, denn es macht uns selbst zu „den Bösen“. Wenn dein Kind schreit und brüllt und um sich schlägt, dann haust du doch auch nicht drauf. Dann nimmst du es an dein Herz, streichelst es, singst ihm ein Lied und hüllst es ein in deine Liebe. Du hast keine Ahnung, warum es gerade durchdreht, aber das ist auch egal. Dein Kind kämpft etwas aus und du gibst ihm einfach deine Liebe. Ihr werdet beide ruhig, ihr kommt wieder zu euch, ihr seid tief verbunden. Das ist Heilung. Liebe fragt nicht, Liebe bewertet nicht, Liebe dosiert nicht, sie verströmt sich einfach dahin, wo sie gebraucht wird. „Schenk mir Liebe, wenn ich sie am wenigsten zu verdienen scheine, denn dann brauche ich sie am meisten.“, das ist ein anderer Satz, der mir sehr gefällt. Die Welt braucht unsere Liebe, sonst nichts. Jeder Mensch braucht unsere Liebe. Jeder!

 

Woran die Welt krankt, sind nicht böse Konzerne, einzelne machthungrige Menschen, gierige Banken, oberflächliche „Künstler“, konsumsüchtige Workaholics oder unfähige Politiker. Die Welt krankt am Tiefschlaf. Wir alle schlafen, wir sind unbewusst und unfrei. Und wir kranken daran, dass wir unser wahres Wesen und unser So-sein, unser Lachen und unsere Liebe, unsere Authentizität und Wildnatur beständig verleugnen. Also kümmern wir uns doch endlich darum aufzuwachen, fangen wir an, uns frei zu machen von allen Prägungen und Erwartungen und wieder wir selbst zu werden, und sorgen wir dafür, dass die, die uns anvertraut sind, sich in einer Atmosphäre der Freiheit, des Vertrauens und der Liebe entfalten dürfen. Und: Bringen wir denen, die in einer Welt voller Zwänge und Lieblosigkeit rücksichtslos, brutal, gierig und angsterfüllt geworden sind, unser Mitgefühl entgegen und lassen wir das Strahlen unserer erwachenden Augen ihr Herz berühren, um auch in ihnen eine Sehnsucht zu wecken…. Lasst uns darauf vertrauen, dass unsere Liebe heilt und verändert!

 

In alter Verbundenheit mit allen kämpfenden Weltverbesserern hätte ich jetzt zum Abschluss fast die Faust gen Himmel gereckt und gebrüllt „Viva el Ché“. Aber ich kann gerade noch an mir halten und flüstere lieber mit der sanften Stimme des Herzens: „Viva la revolución en el interior! Viva la vida!“ Auf die Revolution im Innern! Es lebe das Leben!

 

Deine Christine Samira

 

P.S.: Besonders lieben Gruß und Dank an Ulrich, Steffi und Elke für tolle Inspirationen, fürs Reflektieren und Diskutieren. Ihr seid wunderbar! Bis bald!

 

Und noch was ganz anderes :-D… eine kleine Info für alle Kaffeetanten (und –onkels) wie mich… Heute habe ich gelesen, dass eine Harvard-Studie mit 1,3 Millionen Teilnehmern ergeben hat, dass Menschen, die zwischen drei und fünf Tassen Kaffee pro Tag trinken, seltener einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden als solche, die gar keinen Kaffee trinken. Yeah Lovelies, das Leben meint es wirklich gut mit uns!!! 😉

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Es ist so leicht und doch so schwer… Wir wissen, dass das Jetzt, der momentane Augenblick, die einzig existente Realität ist, die einzige Möglichkeit, unser Leben bewusst zu gestalten. Und doch sind wir die meiste Zeit nicht präsent. Wir lamentieren über die Vergangenheit und sorgen uns um die Zukunft – und vergessen darüber das tatsächliche Leben.

Auch in der therapeutischen und spirituellen Arbeit beschäftigen wir uns noch viel zu viel mit der Vergangenheit. Was ist da nicht alles schief gelaufen – in unserer Beziehung zu Eltern und Geschwistern, in der Schule, in früheren Partnerschaften, im Mutterleib… Und wenn wir den alten Staub aus diesem Leben aufgewirbelt haben, dann graben wir weiter in vergangenen Existenzen.

Unser Verstand sucht nach Ursachen für unsere Probleme im Hier und Jetzt. Nach Gründen, warum wir nicht glücklich, erfolgreich, gesund, frei und liebevoll sein können. Ein netter Trick, und wir fallen immer wieder darauf herein: Der Verstand ist der Verbündete unseres Ego, und unser Ego hat kein Interesse an Bewusstwerdung und Heilung, denn das würde seinen langsamen aber unaufhaltsamen Tod bedeuten. Das „Kramen“ in der Vergangenheit dient dem Zweck, altes Leid immer wieder zu wiederholen und ein Opfer- und Krankheitsbewusstsein zu zementieren. Die Vergangenheit ist vergangen. Sie ist nichts als eine Illusion – die Interpretation von Erinnerungen an Situationen, von denen wir davon ausgehen können, dass wir auch damals in ihnen nicht wirklich präsent waren. Wir beschäftigen uns also mit der Illusion einer Illusion. Ich bezweifle immer mehr, dass auf diese Art und Weise Heilung möglich ist. Eine Illusion heilen zu wollen ist pure Zeitverschwendung und nichts als Futter fürs Ego. Wir verstricken uns damit nur immer mehr ins Leid. Der Blick in die Vergangenheit und die Suche nach Ursachen wird zur Sucht: Das Ego wird immer hungriger nach weiteren Ablenkungen vom gegenwärtigen Moment und nach noch mehr spektakulären Leidensgeschichten, und so geht die Suche in der Vergangenheit immer weiter und weiter – und im Jetzt verändert sich NICHTS! Der Reigen, den wir hier aufmachen, ist unendlich. Denn jede Ursache ist wieder die Ursache einer anderen Ursache… und so weiter… Und so sind diese Reisen in die Vergangenheit in der Regel keine Heilungswege, sondern werden zur Rechtfertigung, um auch weiterhin im Leben nichts verändern zu müssen oder zu können. Natürlich, meist finden in diesen Reisen in die Vergangenheit auch „Heilungen“ statt – da wird Vergebungsarbeit gemacht, da werden Schwüre aufgelöst und emotionale Verletzungen geheilt – das bleibt aber alles eine Farce, wenn der Mensch nicht konkret im Hier und Jetzt etwas verändert. Und andererseits: um im Hier und Jetzt etwas zu verändern, brauche ich keine Ursachen zu kennen und auch keine Rückführungen zu machen. In jeder Sekunde habe ich die Möglichkeit, eine neue, bewusste Wahl zu treffen. Darum geht es: Das Hier und Jetzt mit Bewusstsein zu füllen und klare, liebevolle Entscheidungen zu treffen.

Es hilft dir nichts, die lang zurückliegende Ursache für deine Probleme zu kennen, und immer noch eine weitere und noch eine und noch eine aufzudecken. Komm ins Jetzt – lebe – fühle den Moment – verbinde dich mit deinem Herzen. Heilung kann nie stattfinden in der Analyse und in der verstandesmäßigen Erkenntnis, sie kann nur aus der Weisheit des Herzens und aus der Liebe entspringen. Die Liebe interessiert sich nicht für ein „Warum?“. Liebe will nur sein, will sich verströmen, will den Augenblick durchdringen. Die Liebe ist unser natürlicher Seinszustand. Wenn du in der Liebe bist, dann weißt du auch, dass es in der Vergangenheit gar nichts zu heilen gibt, weil alles gut und richtig war, so wie es war, und weil alles nur den einen Zweck hatte, dich auf den jetzigen Moment vorzubereiten um in die Liebe und in die Selbstverantwortung zu gehen und eine bewusste Wahl zu treffen. Ja!!! Alles hatte nur den Zweck, dass du jetzt genau hier und genau in der Situation bist, in der du bist, damit du jetzt die Entscheidung für die Liebe treffen kannst. So gut meint es das Leben mit uns!

Immer wenn du mit deinem Herzen verbunden bist, bist du im Hier und Jetzt. Und im Hier und Jetzt und in der Verbindung mit deinem Herzen kann keine Krankheit, kein Mangel, kein Leid, keine Sorge existieren. Im Hier und Jetzt gibt es im Grunde nur zwei Möglichkeiten: entweder du lebst oder du bist tot. Solange du einigermaßen sicher behaupten kannst, dass du lebst, ist das schon mal eine ziemlich gute Nachricht, oder?

Sei liebevoll zu dir selbst, sorge gut für dich, und triff in jedem Moment eine bewusste Wahl, wie du dir selbst, dem Leben, deinem Partner, deinen Mitmenschen, der Natur begegnen willst. Entscheide dich bewusst, ob du den Weg des Ego und der Angst oder den Weg der Liebe und der Fülle gehen willst. Sei im Jetzt und verschwende nicht mehr so viele Gedanken an das Gestern und das Morgen.

Die Heilmethoden, die sich so sehr mit der Vergangenheit beschäftigen – Reinkarnationstherapie, Aufstellung vergangener Leben, Psychoanalyse, Timeline u.ä. sind meiner Ansicht nach in dieser Zeit nicht mehr wirklich angemessen. Sie sind eigentlich ein Verzögerer des Bewusstseinswandels, da sie dem Menschen suggerieren, sein individueller Lebensweg würde ihn krank machen, statt ihn in die Heilung zu führen. Und sie trennen den Menschen vom Hier und Jetzt und berauben ihn somit seiner Macht. Wir können aber unsere Schöpferkraft nur im Jetzt entfalten. Jeder einzelne Augenblick bietet dir die Chance, eine neue Wahl zu treffen und dein Leben komplett umzukrempeln. Die Frage ist nur, willst du das wirklich, oder willst du weiterhin deine schlimmen früheren Inkarnationen, deine Eltern, die Schule und deinen Expartner für dein schwieriges Leben verantwortlich machen? Willst DU die Macht über dein Leben haben, oder willst du sie in andere Hände geben? Willst du Opfer oder Schöpfer sein, willst du leiden oder lieben, willst du mit deinen Ego-Geschichten beeindrucken oder willst du frei sein? Willst du dich weiter in der Komfortzone deines alt bekannten Leids und deiner Begrenzungen verstecken, oder willst du mutig den Weg des Herzens gehen?

Die Heiler der neuen Zeit sind meines Erachtens nach die, die den Menschen lehren, ganz im Hier und Jetzt präsent zu sein. Die ihn erinnern an seine Schöpferkraft, und dass alles gut und richtig war, so wie es war. Heiler, die ihn lehren, sich mit seinem Herzen und seiner inneren Weisheit und Liebe zu verbinden. Heiler, die dem Hilfesuchenden nicht sagen, was für ihn gut und richtig ist, sondern die ihn befähigen, alle Antworten und Lösungen in sich selbst zu finden. Heiler, die weniger mit Techniken und konkreten Therapien arbeiten, sondern die durch ihre Liebe und das Gewahrsein ihrer eigenen und der Göttlichkeit des anderen einen Raum der Heilung und Selbsterkenntnis schaffen.

„Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen.“
Buddha

Denke daran: Das Leben ist kein Lazarett, es ist DEIN Heilungsweg! Es hat dich genau in diesen Moment geführt, in dem du eine bewusste Entscheidung für die Liebe und die Freude treffen kannst.

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Ein Gedicht, das mich immer wieder bewegt, ist „Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte“ von dem argentinischen Autor Jorge Luis Borges. Hier möchte ich es gern mit euch teilen:

„Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte,
im nächsten Leben würde ich versuchen,
mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht mehr so perfekt sein wollen,
ich würde mich mehr entspannen.
Ich wäre ein bisschen verrückter,
als ich ich es gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben.
Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen,
Sonnenuntergänge betrachten, mehr bergsteigen,
mehr in Flüssen schwimmen.
Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
freilich hatte ich auch Momente
der Freude, aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur noch gute Augenblicke zu haben.
Falls du es noch nicht weisst, aus diesen
besteht nämlich das Leben;
nur aus Augenblicken; vergiss nicht den jetzigen.
Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an
bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
Und ich würde mehr mit Kindern spielen,
wenn ich das Leben noch vor mir hätte.
Aber sehen Sie … ich bin 85 Jahre alt
und ich weiss, dass
ich bald sterben werde.“

Das Leben bietet uns so unendlich viele wertvolle Augenblicke. Wie viele lassen wir achtlos vorüberziehen. Vor lauter Verpflichtungen und Ängsten und Zwängen verpassen wir das Leben – das einfache SEIN im Hier und Jetzt. Doch am Ende unseres Lebens werden wir uns nicht mehr an die Überstunden im Büro erinnern, auch nicht an unsere Sorgen oder an unser Bankkonto. Das was unser Herz reich macht, sind die Momente der Liebe und der Hingabe ans Leben: Nacktbaden im Mondschein, eine spontane Reise ohne Sinn und Ziel, ausgelassene Momente des Lachens und der Lust, eine tiefe Begegnung mit einem fremden Menschen, ein Wagnis, das uns über unsere eigenen Grenzen gehen hat lassen. Doch in dem Maße, wie wir Angst vor dem Tod haben, fürchten wir uns auch vor dem Leben. Leider wird uns oft zu spät bewusst, was wirklich wichtig ist.

Was möchtest du gern leben? Worum täte es dir leid, wenn du morgen gehen müsstest?

Mir täte es leid um jedes Herzensprojekt, das ich mich nicht getraut habe umzusetzen, um jedes Gefühl der Begeisterung und Liebe, das ich nicht habe fließen lassen; es täte mir leid um jede ungenutzte Gelegenheit, meinen Geliebten zu küssen; um jeden Sommertag, an dem ich mir nicht die Sonne auf die Nase habe scheinen lassen; es täte mir leid um jeden Menschen, dem ich kein Lächeln geschenkt habe, um jedes Kind, dem ich nicht zärtlich übers Haar gestreichelt habe; es täte mir leid um jede Blume, deren Geruch ich nicht wahrgenommen habe und um jede Schneeballschlacht, der ich aus dem Weg gegangen bin. Um jeden Tanz, den ich nicht getanzt und jedes Lied, das ich nicht gesungen habe.

Es täte mir leid um die unzähligen wertvollen kleinen Augenblicke, in denen ich nicht präsent war und in denen ich meine Lebensfreude und mein Seelenpotenzial zurückgehalten habe. Das Leben findet nur im Hier und Jetzt statt – weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. Jeder einzelne Tag, jeder Moment ist so reich und so wunderbar! In jedem winzigen Augenblick entfaltet sich das ganze Universum vor deinen Füßen!

Ich will das Leben bewusst erleben in jeder Sekunde. Ich will mutig JA sagen zu allem was ist. Ich will meine Gefühle frei fließen lassen und den Impulsen meines Herzens folgen. Willst du das auch? Dann sollten wir uns daran immer wieder gegenseitig erinnern – denn nur so wird aus der puren Existenz ein intensiv gelebtes und erlebtes Leben. Und dann werden wir am Ende mit einem dankbaren und überfließenden Herzen loslassen können, denn es gibt nichts, worum es uns leid tun müsste. Lass uns das Leben lieben und umarmen in seiner ganzen Fülle! Selbst wenn du morgen sterben müsstest – es ist nie zu spät! Fang jetzt damit an!

„Die Summe unseres Lebens sind die Stunden, in denen wir liebten.“ Wilhelm Busch

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