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„Da ich kein Ziel habe, verlaufe ich mich nie.“
Zen-Meister Ikkyu

 

Vor ein paar Wochen hatte ich mit einem sehr lieben Freund ein interessantes Gespräch. Er ist seit vielen Jahren selbstständiger Unternehmer und im Moment dabei, sich nach vielen Ausbildungen in Coachingmethoden, russischen Heilweisen und Energiearbeit als Coach ein neues Standbein aufzubauen. Damit erfüllt sich sein großer Traum und seine Berufung. Wir haben uns viel unterhalten über seinen Weg, meinen Weg und Erfahrungen mit Klienten. Dabei ging es immer wieder auch um Zieldefinitionen. Wie wichtig es sei, sich große und kleine Ziele zu setzen und zu wissen, was man will.

 

Ich habe das in Zweifel gezogen. Ich fand schon früher in Bewerbungsgesprächen die Frage nach Zielen, und wo man sich in fünf oder zehn Jahren sehe, total abstrus. Fünf Jahre sind doch so weit weg, schon morgen kann alles anders sein. Erwarten Personalleute wirklich, dass ich heute weiß, wer ich in fünf Jahren bin, dass ich dann noch dieselbe bin wie heute? Komisches Menschenbild, da kann ich mich ja gleich in Stein meißeln lassen! Ist das nicht verrückt, Jahre im Voraus zu planen? Und welche Ziele? Ich will mit mir im Reinen sein und Freude haben an dem was ich tue und was ich bin. Gibt es sonst noch ein Ziel? Natürlich habe ich früher immer ganz brav im Sinne des potenziellen Arbeitgebers geantwortet um zu zeigen, wie ehrgeizig ich bin und dass ich mit dem Unternehmen ganz hoch hinaus will… 😉 Es ist nicht leicht, in dieser Gesellschaft authentisch zu sein, wenn man überleben will! (Oder vielleicht habe ich ja damals sogar geglaubt, die Ziele und Erwartungen der anderen seien meine eigenen???) Und in jungen Jahren traut man sich einfach noch zu wenig, aus der Norm auszubrechen – bei mir war das zumindest so.

 

Mittlerweile bin ich Gott sei Dank mein eigener Chef und muss keine komischen Fragen mehr bzgl. Karriereplanung beantworten und in keine Schublade mehr passen ;-). Aber offensichtlich brauche ich immer noch Ziele, sagen zumindest die Coaches. Wie viel Einkommen, welches Klientel, wie viele Angestellte, ein Haus in der City oder im Grünen, Seminare mit 50 oder 1000 Teilnehmern, am Mittelmeer oder im Indischen Ozean?

 

Ich sehe das mal wieder anders! Spirituelle Lehrer haben seit jeher unterschieden in innere und äußere Ziele. Man dürfe sich nicht nur auf äußere Ziele – Erfolg, Status, Geld, Gesundheit – konzentrieren, sondern diese müssten mit inneren Zielen Hand in Hand gehen. Ich sehe es aber noch viel einfacher.

 

Alles was es braucht, ist der Mut (ok, davon braucht es eine Menge!), aus dem eigenen Herzen heraus zu leben und das zu tun, was man am meisten liebt. Mit Freude, Begeisterung und Kreativität zu arbeiten, und sein ganz individuelles, ureigenes Wesen in das Tun und Sein einfließen zu lassen. Wenn ich so lebe und arbeite, dann brauche ich keine Ziele mehr. Denn dann kann ich sicher sein, alles wird gut. Dann wird mein Leben zum Segen für mich und für die Welt. Dann bin ich im Einklang und im Frieden mit allem was ist. Wenn das Leben dem inneren Ruf folgt, dann brauche ich nicht mehr mit Zielrohr durch die Gegend rennen, dann kann ich mich hingeben und treiben lassen. Dann erfüllt sich das Höchste. Und ich bin im tiefen Vertrauen, dass das Leben mich immer an die richtigen Ufer spült und dass für mich gesorgt sein wird. Ein Mensch, der wirklich eins mit seinem Herzen ist, braucht keine Ziele mehr. Das ist meine Überzeugung.

 

Unsere Aufgabe als Heiler, Berater, Coaches sollte es sein, zunächst einmal selbst immer mehr zu lernen aus dem Herzen zu leben und authentisch zu sein, und dann unsere Klienten wieder mit der Stimme ihres Herzens zu verbinden und ihr reines, inneres Leuchten hervorzulocken. In JEDES Herz ist ein Samen gepflanzt. In diesem ist das ganze, wunderbare Potenzial eines Menschen, seine Seelenessenz, verborgen. Noch nie gab es und nie wird es auf dieser Welt jemals zwei Menschen geben, die sich komplett gleichen. Jeder ist einzigartig und darf sich in seiner Einzigartigkeit der Welt zum Geschenk machen. Ich mag das Wort „müssen“ nicht, aber hier möchte ich fast sagen, er muss seine Einzigartigkeit leben! Das, und nur das, schulden wir dem Leben!

 

„Susya sagte kurz vor seinem Tod:
’Wenn ich in den Himmel komme, werden sie mich nicht fragen:
Warum warst du nicht Moses?
Sie werden mich vielmehr fragen:
Warum warst du nicht Susya?
Warum wurdest du nicht,
was nur du werden konntest?“
Chassidische Weisheit

 

Folge der Spur der Freude, der Liebe, der Begeisterung und des Lachens und finde den Samen in deinem Herzen! Und dann lass ihn wachsen!

 

Dein einziges Ziel sollte sein, aus dem Herzen heraus dein wahres Selbst in die Welt zu bringen und immer bewusster und präsenter im Hier und Jetzt zu sein. Vergiss alle anderen Ziele, vertraue deiner inneren Stimme. Ziele im herkömmlichen Sinn – also im Grunde „etwas haben/erreichen wollen“ oder „etwas sein wollen“ – verstärken nur die Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Zustand und vertiefen damit Unfrieden, Widerstand, Begehren und Anhaftung. Schön fürs Ego, blöd für deine wahre Essenz!

 

Du darfst zuerst dein ganzes Sein auf deine Göttlichkeit ausrichten, dann folgt alles im Außen von ganz allein. Genauso wie du dich zuerst deinem eigenen Erwachen widmen darfst, bevor sich etwas in „der Gesellschaft“ wandelt. Kürzlich bin ich zufällig mit einer lieben Freundin auf einem Vortrag und Buchvorstellung einer alternativen Lebensgemeinschaft gelandet. Die Sehnsucht danach ist offensichtlich riesengroß, wie sich an der enormen Zahl von Zuhörern und dem großen Interesse an Gemeinschaften im Münchner Umland zeigte! Auch hier hörte ich immer wieder die Worte „Utopie“, „Traum“, „Ideal“. Das Problem ist, dass dieses ganze Leben ein Traum ist. Es kann doch nicht die Lösung sein, einen alternativen Traum zu träumen, es geht darum zu erwachen. Es geht darum zu erkennen, dass in Wirklichkeit alles genau richtig ist so wie es ist. Die vermeintlichen Gegensätze von Gut und Böse, Arm und Reich, Krieg und Frieden ergeben ein Ganzes. Diese Welt, so wie sie ist, ist das Wunder, die Einheit – geflochten aus dem Netz der Liebe. Nur der träumende und trennende Geist kann das nicht sehen. Für die menschliche Erfahrung aber kann es keinen anderen Rahmen geben als den, den wir kennen.

 

Schau dir den Marxismus oder Kommunismus an – einer der kühnsten Träume von Gerechtigkeit, Gleichheit, Frieden und Freiheit, der je auf dieser Welt geträumt wurde. Und – wie wundervoll – dieser Traum konnte sogar im großen Stil in ganzen Staaten verwirklicht werden. Und was ist daraus geworden? Ein Sumpf aus Unterdrückung, Ausbeutung, Despotie, Folter, Krieg, Angst, Unfreiheit, Verfall. Aus der Traum! Wie konnte das passieren? Wo doch alle nur das Beste wollten? Es funktioniert nicht, an den Rädchen im Außen zu drehen und neue, „friedliche“ Gesellschaftsstrukturen oder Gemeinschaftsregeln zu implementieren und dann unerwachte Menschen, die noch mitten im Krieg mit sich selbst sind, da rein zu stellen. Die Menschen bleiben die gleichen – unbewusst und unfrei. Bestimmt mit einer großen, edlen Sehnsucht im Herzen, das will ich gar nicht absprechen – aber dennoch schlafend. Das kann nicht funktionieren, nicht im großen Stil mit zu vielen Beteiligten. Es gibt eben keine Gesellschaft, es gibt nur Menschen! Und die Crux ist, wenn ein Mensch erwacht ist, dann braucht er keine Gesellschaft, keine Gemeinschaften mehr. Dann braucht er einfach keine Normen, Werte, Regeln, Moral, Struktur und Richtlinien im Außen mehr! Er sieht die Wahrheit, er sieht die Einheit allen Seins. Er ist mit allem und jedem verbunden, er weiß jetzt um die Liebe und den Frieden hinter allem was ist. Dieser Mensch ist nicht gegen die Gesellschaft, er hat die Gesellschaft transzendiert. Wir dürfen uns immer wieder bewusst machen, dass alles was wir hier vorfinden Projektionen unseres Egos sind. Der Krieg im Außen ist doch nur ein Spiegel des Krieges in uns selbst. Die Unterdrückung, Ausbeutung, Gewalt, Verurteilung – alles was wir „da draußen“ ablehnen ist tief in uns verwurzelt. Wir lehnen damit uns selbst ab – und damit das Leben und die Quelle, Einheit, Gott (wie auch immer du das nennen magst). Es gibt nur ein Heilmittel dagegen: alle Ur-teile (was für ein schönes Wort, oder?) zu uns zurück zu nehmen, und mit den heilen und heilenden Augen der Liebe schauen.

 

Bezeichnend finde ich in diesem Zusammenhang eine Frage aus dem Publikum, die während des Vortrags aufkam. Ein junger Mann fragte voller Euphorie, ob denn das Leben in dieser gewaltfreien, neuen Gesellschaft bedeuten würde, dass man nun nicht mehr so viel an sich selbst arbeiten müsse. Da wäre ich fast vom Stuhl gefallen. Ja, der hat offensichtlich umrissen, worum es geht. Ein feiner Anstrich und Makulatur im Außen, um dem inneren „Dreck“ entfliehen zu können. Aber schade, es gibt kein Entkommen. Ich würde mich ja auch gern ins Paradies beamen um meiner eigenen Dunkelheit nicht mehr ins Auge schauen zu müssen. Aber das funktioniert halt leider nicht. Die wenigsten Menschen stellen sich ihren schmerzhaften Lektionen aus purer Liebe und Leichtigkeit und ohne Not-Wendigkeit. Wir wären sonst nicht hier! In einer Lebensgemeinschaft, die ihren Mitgliedern von oben herab Licht und Liebe als höchstes Prinzip überstülpt (wer entscheidet eigentlich, was Liebe ist??? Kommt die nicht manchmal in komischen Verkleidungen daher?), ist das Erwachen umso schwieriger. Sein natürliches Leuchten im künstlichen Neonlicht zu erkennen, ist schwieriger, als es im Dunkel zu erfahren. Was uns ins Erwachen, in die Erkenntnis, in die Stille zwingt, sind gerade Krankheit, Krieg, Verlust, Armut, Gewalt, Ungerechtigkeit und Leid. Es ist eine Frage der Entscheidung: Willst du sanft gebettet in Ruhe weiter schlafen oder willst du erwachen, dich aus dem Rad des Leids befreien? Willst du eine Illusion gegen eine andere tauschen oder willst du wahrhaft erkennen? Dann sei mutig und stelle dich dem, was ist. Diese angeblichen gewaltfreien Lebensformen sind oft von einer viel tieferen, subtileren Gewalt gekennzeichnet, als die, vor der sie geflohen sind. Es gibt zu viele Gemeinschaftsprojekte, die im „Kleinkrieg“ geendet sind, oder deren Mitglieder auf Wolke 185 des rosaroten, spirituellen Egotrips schweben, oder Friedensprojekte, die aufgrund von Kleinigkeiten im Unfrieden auseinandergefallen sind. Es funktioniert nicht wirklich. Es kann nicht funktionieren. Allenfalls auf Kosten deiner eigenen Wahrhaftigkeit. Bleib bei dir. Sei du die Veränderung, die du in der Welt sehen willst! Aber lass die Finger davon, die Welt zu verändern. Und freu dich, wenn es dir gelingt, mit deinem Partner, deinen Kindern und deinen Eltern im Frieden (oder gar in Liebe?) zu sein. Schaffst du das denn?

 

Da wären wir schon bei einer der schwierigsten spirituellen Fragen angelangt. Wenn ich erwacht bin, wie bewege ich mich zwischen der tiefen Erkenntnis aus meiner innersten Essenz, dass alles gut und vollkommen ist, so wie es ist, und der gleichzeitigen Konfrontation mit Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Gewalt, der ich als Mensch in der Dualität ausgesetzt bin? Es ist ja nicht so, dass man sich nach dem Erwachen nicht mehr weiter in der Illusion bewegen müsste oder das Ego nicht mehr da wäre. Diese Zerrissenheit zwischen zwei Welten kann sehr zermürbend und schwierig sein. Auch hierüber bin ich vor einiger Zeit mit einer ehemaligen Kommilitonin in Diskussion geraten. Als Journalistin beschäftigt sie sich viel mit Themen wie Nationalsozialismus, Flüchtlings- und Asylpolitik, sozialer Ungerechtigkeit usw. Sie ist der Überzeugung, dass man gegen all diese Sachen ankämpfen müsse. Voller Bewunderung erzählte sie mir von einer Frau, die sie vor kurzem im Fernsehen gesehen hatte, die sich seit Jahren im Kampf gegen einen großen Tiermastbetrieb befindet, weil hier Menschen ausgebeutet und krank gemacht werden. Die Frau ist wohl mittlerweile selbst ziemlich am Ende, krank, ernüchtert, einsam und bitter, aber sie macht weiter. Dies ist eine der großen Heldinnen meiner Freundin. Ich kann das verstehen. Ein Teil von mir verneigt sich auch vor Menschen, die nicht aufhören gegen Ungerechtigkeiten zu kämpfen, für die Rechte Schwächerer zu streiten oder gegen die großen Konzerne und Banken anzugehen. Das ist auf einer bestimmten Ebene sicher edel, aber was wird dadurch gewonnen? Das Außen ist ein Spiegel des eigenen Unfriedens, der eigenen Bewertungen, der eigenen Ängste, der eigenen Intoleranz, des eigenen Opfergefühls, der eigenen Erniedrigung, der eigenen Wut. Und wenn ich diese „Kämpfer“ so anschaue, dann sind das nicht gerade die Menschen, die mich wirklich im Herzen berühren. Strahlen sie doch selbst in der Regel das aus, was sie bekämpfen, nämlich Aggression, Verurteilung, Verzweiflung und Verbitterung. Gegen etwas zu kämpfen kann nie funktionieren, denn ich gebe damit ja gerade dem Energie, was ich nicht haben möchte. Vielleicht ist dem „David“ mal ein kleiner Erfolg gegen einen der Goliaths vergönnt, aber dann sprießt doch vor einem anderen Haus wieder ein neuer Pilz der Ungerechtigkeit empor. Dieses Kämpfen ist ein Spiel, an dem das Ego große Freude hat. Es gefällt sich sehr als kleiner Che Guevara oder als Märtyrer (Als Studentin war ich auch verliebt in Che Guevara (auch wenn schon längst tot, denn so alt bin ich ja nun auch wieder nicht), und ich habe davon geträumt an der Seite dieses unglaublich mutigen, charismatischen, freien, wilden Mannes gegen die bösen Ausbeuter und Großgrundbesitzer zu kämpfen. Wow! 😉 ). Aber das ist nicht der Weg – glaube ich.

 

Ich denke, es ist wichtig und versteht sich von selbst, auch als spirituell erwachter Mensch engagiert zu bleiben, sich für das Wahre einzusetzen und Mitgeschöpfe gegen Gewalt und Ungerechtigkeit zu beschützen, auf Missstände in aller Deutlichkeit aufmerksam zu machen und andere Wege aufzuzeigen. Eine echte Veränderung kann ich aber nur herbeiführen, wenn ich mich selbst verändere. In Liebe das leben, was ich als richtig und segensreich erkannt habe, statt gegen „das Böse“ zu kämpfen. So entzünde ich ein Licht der Liebe und der Bewusstheit und werde zum Vorreiter des Wandels. Ich bin mir ziemlich sicher, ich würde mein Leben opfern für meine Überzeugungen und für die Liebe. Aber ich glaube nicht, dass ich mein Leben opfern wollen würde im Kampf gegen Windmühlen. Und ich will auch nicht, dass irgendein Mensch das tun muss – letztlich nur weil ich mich nicht verändern und konsequent sein will. Wieder kann ich nur die wahren Worte von Gandhi zitieren: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Dafür musst du aber erst mal wissen, was du willst, und nicht nur, wogegen du bist. Sag ja zu allem was in dir und außerhalb von dir ist, und dann lebe aus deiner inneren Freude und Begeisterung und tiefen Verantwortung für alle lebenden Wesen heraus, lebe bewusst, und überzeuge durch dein friedvolles, liebevolles, strahlendes und mitfühlendes Sein. Die, die das tun, sind MEINE Helden! Das sind die wahren Revolutionäre, die wirklich etwas verändern – still und langsam, aber beständig. Das sind die Schöpfer einer neuen Erde, die mit starken Wurzeln von innen heraus wächst. Das sind die, in deren Augen du schaust, und dann ist nichts mehr so wie es vorher war. Weil du etwas aufblitzen sehen hast. Ein Funkeln, das dich an etwas in dir selbst erinnert. Und dann fängst du an zu suchen. Du hast Feuer gefangen, eine Sehnsucht ist geweckt, und du weißt, dass es möglich ist: ein Leben im Einklang mit dir selbst, mit deinem Herzen und mit der gesamten Schöpfung. Und du weißt, dass nur die Liebe etwas verändern und heilen kann. Und diese Liebe ist bereits in allem was existiert. Es würde nicht leben, wenn es nicht von der Liebe beseelt wäre! Man muss sie nur berühren, wachküssen.

 

Marianne Williamson hat den wunderbaren Satz geschrieben, „Alles ist entweder Liebe oder ein Schrei nach Liebe.“ Wie können wir den Schrei nach Liebe mit Verurteilung, Ablehnung und Kampf beantworten? Das sollten wir nicht tun, denn es macht uns selbst zu „den Bösen“. Wenn dein Kind schreit und brüllt und um sich schlägt, dann haust du doch auch nicht drauf. Dann nimmst du es an dein Herz, streichelst es, singst ihm ein Lied und hüllst es ein in deine Liebe. Du hast keine Ahnung, warum es gerade durchdreht, aber das ist auch egal. Dein Kind kämpft etwas aus und du gibst ihm einfach deine Liebe. Ihr werdet beide ruhig, ihr kommt wieder zu euch, ihr seid tief verbunden. Das ist Heilung. Liebe fragt nicht, Liebe bewertet nicht, Liebe dosiert nicht, sie verströmt sich einfach dahin, wo sie gebraucht wird. „Schenk mir Liebe, wenn ich sie am wenigsten zu verdienen scheine, denn dann brauche ich sie am meisten.“, das ist ein anderer Satz, der mir sehr gefällt. Die Welt braucht unsere Liebe, sonst nichts. Jeder Mensch braucht unsere Liebe. Jeder!

 

Woran die Welt krankt, sind nicht böse Konzerne, einzelne machthungrige Menschen, gierige Banken, oberflächliche „Künstler“, konsumsüchtige Workaholics oder unfähige Politiker. Die Welt krankt am Tiefschlaf. Wir alle schlafen, wir sind unbewusst und unfrei. Und wir kranken daran, dass wir unser wahres Wesen und unser So-sein, unser Lachen und unsere Liebe, unsere Authentizität und Wildnatur beständig verleugnen. Also kümmern wir uns doch endlich darum aufzuwachen, fangen wir an, uns frei zu machen von allen Prägungen und Erwartungen und wieder wir selbst zu werden, und sorgen wir dafür, dass die, die uns anvertraut sind, sich in einer Atmosphäre der Freiheit, des Vertrauens und der Liebe entfalten dürfen. Und: Bringen wir denen, die in einer Welt voller Zwänge und Lieblosigkeit rücksichtslos, brutal, gierig und angsterfüllt geworden sind, unser Mitgefühl entgegen und lassen wir das Strahlen unserer erwachenden Augen ihr Herz berühren, um auch in ihnen eine Sehnsucht zu wecken…. Lasst uns darauf vertrauen, dass unsere Liebe heilt und verändert!

 

In alter Verbundenheit mit allen kämpfenden Weltverbesserern hätte ich jetzt zum Abschluss fast die Faust gen Himmel gereckt und gebrüllt „Viva el Ché“. Aber ich kann gerade noch an mir halten und flüstere lieber mit der sanften Stimme des Herzens: „Viva la revolución en el interior! Viva la vida!“ Auf die Revolution im Innern! Es lebe das Leben!

 

Deine Christine Samira

 

P.S.: Besonders lieben Gruß und Dank an Ulrich, Steffi und Elke für tolle Inspirationen, fürs Reflektieren und Diskutieren. Ihr seid wunderbar! Bis bald!

 

Und noch was ganz anderes :-D… eine kleine Info für alle Kaffeetanten (und –onkels) wie mich… Heute habe ich gelesen, dass eine Harvard-Studie mit 1,3 Millionen Teilnehmern ergeben hat, dass Menschen, die zwischen drei und fünf Tassen Kaffee pro Tag trinken, seltener einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden als solche, die gar keinen Kaffee trinken. Yeah Lovelies, das Leben meint es wirklich gut mit uns!!! 😉

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Viele Menschen in meinem Umfeld denken darüber nach, wie sie die Gesellschaft verändern können, ob sie in die Politik gehen, eine Partei gründen, oder sich in irgendwelchen spirituellen Gemeinschaften zusammenschließen sollen. Ich weiß nicht, ob das wirklich ein sinnvoller Weg ist. Ich denke, es geht vielmehr darum, feste Strukturen zu überwinden und überflüssig zu machen. Gesellschaftliche, politische und spirituelle Strukturen funktionieren immer über Richtlinien, Dogmen, Weltanschauungen und Abgrenzung – Einteilungen was gut und schlecht, richtig oder falsch ist, Ansichten wie „man“ oder die Gemeinschaft zu sein hat und Widerstand gegen das, was anders ist. Selbst wenn die beste Absicht dahinter steht, macht das genauso wieder unfrei und unselbstständig – es schnürt unser Herz ab und trennt uns von der All-einheit. DU allein musst der Wandel sein, den DU dir wünschst. Wenn DU dich veränderst, verändert sich die ganze Welt. So viele Menschen sind unglücklich mit ihrer Partnerschaft, ihrem Job und ihrem ganzen Leben. Aber sie trauen sich einfach nicht, authentisch zu sein, wirklich sich selbst einzubringen, mit ihren Gefühlen, ihren Visionen und wahren Gedanken. Aber von wem soll der Wandel ausgehen, wenn nicht endlich jeder einzelne anfängt, wieder wirklich MENSCH zu sein, Herzenslicht zu sein, Freude zu sein? Denk nicht darüber nach, wie du im Außen etwas verändern kannst, wie du die anderen zum Umdenken und zum „besseren“ Handeln bewegen kannst, oder gar sie retten kannst. Kümmere dich um dich und um dein Leben! Damit hast du genug zu tun, und nur so kann sich im Großen etwas verändern. Du wirst zum Leuchtturm – und viele kleine Leuchttürme werden zum großen Licht, an dem sich andere orientieren können. Wenn sie es möchten. Unterschätze deine Macht nicht. DU kreierst deine Welt. Alle Macht, die ein Mensch hat, beschränkt sich auf ihn selbst. Dies ist die einzige, aber eine unbeschreiblich große Macht! Und deine Macht beschränkt sich auch auf das Hier und Jetzt. Du lebst weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. SEI einfach der Wandel, den du dir wünschst – jetzt! Kümmere dich nicht um äußere Strukturen und „die Gesellschaft“. Erobere du selbst dir deine Freiheit zurück und lebe.

Freiheit ist das oberste Lebensprinzip. Aber mit Freiheit können nur Menschen umgehen, die in der LIEBE und EINHEIT sind, die klar sehen können, die wirklich innerlich frei sind von allem – von Glauben, von Moralvorstellungen, von Konzepten von „Richtig“ und „Falsch“, von der Zugehörigkeit zu einer spirituellen oder politischen Gruppe, einer Nationalität oder „Rasse“, von Gegenständen und „Krücken“, von der Vergangenheit und der Zukunft. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Fan von Osho bin, und wer meinen Blog verfolgt, ahnt wohl, dass ich in vielen Dingen von ihm inspiriert bin. Was er als Mensch für Schwierigkeiten, Probleme und Eitelkeiten hatte, interessiert mich nicht. Auch er hatte sein Ego, ist sicherlich in verschiedenste Fallen getappt und vermutlich haben sich in seinem Leben wie im Leben jedes Menschen Momente der Klarheit, der tiefen Herzensverbundenheit und Weisheit mit Momenten der Angst und Egozentrik abgewechselt. Wer will ihm das vorwerfen? Muss ein Mensch perfekt sein? Nein, denn wer nach außen hin immer eine perfekte Hülle und stets weiße Weste präsentiert, der ist vermutlich noch tiefer auf dem Holzweg und im Verrat seines eigenen Herzens, als einer der abwechselnd Erleuchteter und  Vollidiot ist. Ich habe diesen Menschen nicht persönlich gekannt, deshalb maße ich mir kein Urteil an, will ihn weder niedermachen noch verteidigen. Ich stehe von meinem Gefühl her auch nicht hinter allem, was er gesagt und gelehrt hat, aber ganz vieles geht mit meiner eigenen Wahrheit in tiefe Resonanz. Und das berührt mich.

Kurzum, was ich an Osho genial finde, ist, dass er den Menschen immer wieder auf sich selbst zurück wirft. Er nimmt dir alle Sicherheiten, er provoziert bis aufs Äußerste und stellt alles in Frage. Er fragt so lange, bis du nichts mehr weißt, er bohrt so lange in deinen Gefühlen, bis du nichts mehr fühlst. Er nährt und verehrt den Zweifel. Zweifel hat in unserem Menschsein und v.a. in spirituellen Glaubensrichtungen und esoterischen Traditionen keinen Platz. Du sollst nicht zweifeln. DOCH, DU SOLLST! Zweifle an allem was dir richtig scheint, an allem was du tust und zu wissen glaubst, an allem was du zu sein scheinst, an allem was du siehst und hörst. Zweifle so lange, bis du an einen Punkt kommst, wo NICHTS mehr ist, wo du dich an nichts mehr klammern kannst. Dann bekommst du eine Ahnung von deinem wahren SELBST, dann erst wirst du langsam immer freier. Wer bist du, wenn du nicht mehr der Ingenieur oder die Lehrerin bist, wer bist du, wenn es keinen Gott gibt, wer bist du, wenn es keine Regeln und Vorschriften mehr gibt, wer bist du ohne deinen Besitz und deine Diplome, wer bist du, wenn du nicht der große Heiler bist, wer bist du, wenn es keine Engel, keine Chakren, keine früheren Inkarnationen, kein Atlantis gibt, wer bist du ohne deine anerzogene Moral, Gebote und Wertvorstellungen, wer bist du, wenn es keine Etiketten und Schubladen mehr gibt, wer bist du, ohne all das vermeintliche Wissen über die Welt, das man dir eingetrichtert hat, wer bist du, wenn man dir deinen Namen, dein schönes Gesicht und deinen Körper nimmt, wer bist du, wenn du von deinem Partner, deinen Eltern oder Kollegen nicht mehr geliebt wirst. Wer bist du, wenn NICHTS mehr ist, was dich und deine Welt definiert und ausmacht? Hab den Mut, deine ganze Welt zum Einsturz zu bringen. Sie ist sowieso nichts als eine Scheinwelt. Du wirst in ein tiefes Loch, in eine tiefe Depression fallen, aber nur indem du dich verlierst, kannst du dich wirklich finden.

Frei kannst du nur werden, wenn du dich von allem frei machst. Gerade von dem, was dir am meisten Sicherheit bietet. Du glaubst an dein angelesenes Wissen? Wirf es weg, es ist nichts wert! Du glaubst an Gott? Er gibt dir Sicherheit, Trost, Führung und Sinn? Dann wirf deinen Gott weg! „Wenn du Buddha triffst, töte ihn“, heißt es in einem Zen-Spruch. Du traust dich nicht – aber du glaubst trotzdem, du seist spirituell??? Glaube ist das Gegenteil von Spiritualität. Spiritualität ist ein anderes Wort für Freiheit. Den Weg der Spiritualität zu gehen, heißt, sich nach und nach von ALLEM frei zu machen und alle Sicherheiten, alles Wissen, allen Glauben, alle Konzepte und alle Hilfsmittel loszulassen. Oh je, und so viele machen genau das Gegenteil, sie beladen sich auf ihrem spirituellen Weg mit immer noch mehr Ballast und Illusion. Dogmen, Regeln und Glaubenslehren (einfach nur die alten eingetauscht gegen neue), spirituelle Namen, übersinnliche „Fähigkeiten“, die einen über andere erheben, Identifikation mit früheren Inkarnationen, Lichtkörper, spirituelle Auszeichnungen und Titel, Hilfsmittel, die Kraft und besondere Autorität verleihen sollen, Konzepte von Richtig und Falsch, Gut und Böse, Gesund und Krank, usw. Du sollst weniger werden, nicht mehr! Du sollst freier werden, nicht noch unfreier! Nackt sein! Die spirituelle Szene ist sehr lustig! Wir sind lustig!

Wir müssen uns wieder trauen, zu zweifeln. Aber das trainieren wir ja schon unseren Kindern ab. Kinder sind wunderbare Lehrer. Warum meinen eigentlich immer die Erwachsenen, sie müssten Kinder erziehen? Umgekehrt sollte es sein, wir sollten uns von unseren Kindern unsere Erziehung wieder wegnehmen lassen und wieder echt und wahrhaftig werden. Unschuldig , rein, lachenden und liebenden und neugierigen Herzens! Und wir sollten ihnen die Freiheit schenken, denkende und fühlende Wesen zu werden statt geprägter und vergewaltigter Roboter. Wachsen lassen, Raum geben zu erblühen, nicht er-ziehen!!! Gab’s da nicht schon mal einen, der gesagt hat, wir sollten wieder werden wie die Kinder, um in den „Himmel“ zu kommen? Er hat nicht gesagt, dass wir die Kinder in unsere Hölle ziehen sollen.  Was heißt „Himmel“? „Himmel“ heißt für mich zu leben, wirklich zu leben, aus dem Herzen heraus zu SEIN. Wer tut das schon? Mir wird immer ganz übel, wenn ich so kleine, zugeschnittene Bonsaibäumchen sehe. Es macht mich traurig, einen großen, freien Baum so beschnitten und in eine rigide Form gezwängt zu sehen. Aber genau das passiert mit uns Menschen. Genauso sind unsere Eltern vergewaltigt worden, genauso haben sie uns vergewaltigt, und genauso vergewaltigen wir unsere Kinder. Wann hat der Wahnsinn ein Ende? Wann dürfen wir unsere Zweige wieder in den Himmel wachsen lassen? Wann dürfen wir wieder sein, so wie wir sind? Oder besser gesagt, wann erlauben wir es uns endlich? WANN WOLLEN WIR FREI SEIN UND UNSERE KINDER ZU FREIEN, GLÜCKLICHEN MENSCHEN AUFWACHSEN LASSEN? Es mag sein, dass du als junger Mensch beschnitten und geformt wurdest. Aber jetzt bist du es selbst, der die Schere ansetzt und sein eigenes Wachstum beschneidet. Wirf Schere und Draht weg, und spreng dein enges Töpfchen, dann wird aus dem Bonsai wieder ein echter, großer, wilder, freier Baum!

Mit ihren „Warums?“ hätten unsere Kinder die Macht, uns zu erlösen und zu erleuchten. Aber wir verbieten ihnen das Fragen, denn wir haben Angst, an den Punkt geführt zu werden, an dem die Beschränktheit, Lächerlichkeit und Unsinnigkeit unserer Regeln, Dogmen und unseres Verhaltens und  vermeintlichen Wissens ans Licht kommen. Wir haben Angst davor, zu sagen, „ich weiß es nicht“, Angst, keine Rechtfertigung für unseren eigenen Blödsinn mehr zu finden. Angst davor, dümmer zu sein, als so ein kleines Kind. Aber es ist leider Fakt: Wir sind dumm! Wir wissen, dass wir selbst uns verloren haben und nur noch dumme, unfreie, nachplappernde, funktionierende, angepasste Marionetten sind. Wir wissen tief drinnen, dass wir unser Leben auf Sand gebaut haben. Und den lassen wir uns nicht gern abgraben. Lieber stürzen wir unsere Kinder in dasselbe Unglück. Warum auch nicht, denken wir uns, solange keiner zu rütteln und zu graben anfängt, lebt es sich im Treibsand doch ganz gut. Und wer hat uns schon versprochen, dass das Leben Freude und Lust ist? Und außerdem haben wir uns doch so viele tolle Sicherheitsnetze aufgebaut, die uns vorm Versinken schützen. Wenn WIR schon nicht leben durften und es uns jetzt wo wir könnten, nicht mehr trauen, dann gönnen wir auch unseren Kindern kein Leben. Wir können richtige Monster sein! Und das alles, weil wir aufgehört haben zu denken und zu fühlen, Dinge selbst zu er-fahren. Weil wir unser Fühlen, unsere Herzenssehnsucht, unsere Talente, unsere Weisheit und Einzigartigkeit verraten haben. Weil wir verlernt haben zu zweifeln. Weil wir gelernt haben, alle Brocken, die uns hingeworfen werden, schön brav zu fressen – egal ob von der Kirche, dem Staat, den Meinungsführern und Autoritäten, der Esoterik, der Wirtschaft, den Medien, den Schulen und Universitäten. Weil wir ETWAS sein wollten, statt einfach zu SEIN. Und weil wir jetzt nicht mehr den Mut haben, alles loszulassen, was wir uns in dieser Scheinwelt so hart erarbeitet haben und was uns Sicherheit und Identität und Anerkennung gibt. Weil wir nicht mehr den Mut haben, an unserem Leben und Denken und Glauben zu zweifeln. Weil wir nicht mehr den Mut haben, dieses Haus auf Sand zum Einsturz zu bringen. Weil wir uns nicht trauen, frei zu sein.

„Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“, hat Albert Einstein gesagt. Es wird Zeit, unseren bequemen, warmen Pelz abzustreifen und aus der Herde auszubrechen!!! Oder ziehst du die Sicherheit deiner Schafherde vor? Dann beklag dich aber nicht übers Schafsein…

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