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Posts Tagged ‘Einsamkeit’

tanzender-zigeunerin

Sie tanzt ums Feuer, wirbelnd, in Trance.
Als wolle sie den Teufel zum Kampfe fordern.
Trunken vom Leben oder berauscht vom Tod –
sie weiß es wohl selbst nicht so genau.
Ihre Hüften beben zum Herzschlag der Erde,
die Locken wie lodernde Flammen im Wind.

In ihrem Gesang hallt der Schmerz aller Zeiten,
ein Seufzen, das hinwegschmilzt das ewige Eis.
Erfüllt von Sehnsucht, die bitter und süß ist zugleich.
Ihre Tränen sind Regen auf trockener Erde,
ihr Lachen, ein kühnes Versprechen ans Morgen.

Wie eine Wölfin, frei und wild
folgt sie einzig dem Flüstern des Windes.
Über den höchsten Berg und karge Steppen,
von einem Ort zum andern.
Als gäb‘ es ein Ziel geht sie sicheren Schrittes
doch hinterlässt keine Spuren im heißen Sand.
Weit, so weit lässt sie sich tragen
und kommt doch niemals irgendwo an.

Die kühle Nacht ist ihr Geliebter,
der zärtlich sie ins Dunkel hüllt.
Von Tausend Sternen still bewundert
wie sie nackt im sanften Mondlicht badet.
Voll Anmut und erhab‘ner Schönheit,
nur ihrem Herzen treu ergeben.
Wie mutig, diese Seele, doch so zart!
Zerbrechlich –  allzu oft zerbrochen!

Mit allem verbunden, eins mit der Welt
stirbt sie täglich und wird neu geboren.
Reist auf den Schwingen des Adlers durch die Zeit,
erwacht vom Traum der Endlichkeit.
Wildes Mädchen und weise Alte zugleich –
ein ganzes Leben in einem Moment.

Schwarze Augen, die ihr Geheimnis nie verraten,
und doch auf den Grund aller Dinge sehen.
Schöne Zigeunerin, Cigány, schau mich an!
Verbrennen will ich im Feuer deiner Seele.
Cigány!

(Christine Fleckenstein)

In tiefer Verneigung vor den fahrenden Völkern aller Zeiten und in tiefer Verneigung vor meinen ungarischen Ahnen und ihrem Zigeunerblut!

Eine Cigány weint und schreit, lacht und liebt – zur selben Zeit. Sie tanzt, feiert und singt und sie lauscht der Stille. Sie liebt voller Leidenschaft und zieht sich zurück. Sie ist stark und verletzlich zugleich. Ihr Herz ist voller Sehnsucht. Sehnsucht nach Liebe und Zuhause. Und doch kann sie nirgendwo Wurzeln schlagen. Ihre Heimat ist überall und nirgends.
Eine Cigány feiert das Leben und betrauert den Schmerz, sie ist das Leben und der Tod in einer einzigen Sekunde!

Ich umarme euch alle da draußen, ihr Zigeuner und Zigeunerinnen, gitanos und gitanas im Herzen.

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Komm‘ nirgends her, weiß nicht wohin,
bin einfach deinem Ruf gefolgt.

Seit Ewigkeiten auf der Reise.
Hab mich vor langem schon verlor’n.
Kenn‘ weder Heimat noch ein Ziel,
Gefangene im Meer der Zeit.

Die Flügel sind mir schwer geworden,
bin in die Knie gezwungen.
Wart ewig auf den richt’gen Wind,
der liebevoll und leicht mich trägt.

Komm‘ nirgends her, weiß nicht wohin,
wollt nur mal deine Liebe spür’n.

Vielleicht kommt jemand, der mich findet.
Hab vergessen, wer ich bin.
Wo sind denn all die ander’n hin,
die meine Sprache sprechen?

Die Sonne will nicht untergeh’n,
mit ihr bleibt auch der Schatten.
Hab solche Sehnsucht nach zu Hause,
von Einsamkeit und Schmerz zerrissen.

Komm‘ nirgends her, weiß nicht wohin,
hab mich in dir verlaufen.

Bin ohne irgendwas gekommen,
doch allzu schwer scheint mein Gepäck.
Möcht‘ endlich alles von mir werfen
und finden was mir längst gehört.

Will ankommen, und weiß nicht wo,
was quälst du mich, mein armes Herz?
Werd‘ niemals wo zu Hause sein,
Reisende zwischen den Welten.

Komm‘ nirgends her, weiß nicht wohin,
willst DU mich vielleicht finden?

Christine Fleckenstein

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