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Posts Tagged ‘Buddha’

„Das Herz kennt den Weg“ – ist der Untertitel meines Blogs. Und tatsächlich, unser spirituelles Herz weiß immer, was gut und richtig ist. Es ist der Ort, an dem wir vollkommen verbunden sind mit unserem wahren Selbst und mit Allem-was-ist. Es ist das Zentrum unserer aufrichtigen Liebe, des Mitgefühls, der Freude, Wertschätzung und Dankbarkeit. Ein Leben, das sich aus dem Herzen heraus entfaltet, ist ein Gebet, ein Segen und ein Quell der nie versiegenden Inspiration und Schönheit.

Mein Herzensweg, so fühle ich es immer mehr, ist es, genau diese Freude, Kreativität, Lebendigkeit und Liebe in die Welt zu bringen. Nicht zu heilen, sondern zu ermutigen – nicht zu analysieren, sondern zu befreien – nicht einzulullen, sondern bewusst zu machen – nicht etwas hinzuzugeben, sondern das Falsche weg zu nehmen. Die Menschen zu erinnern an das, was sie in ihrer Essenz sind, und sie unablässig zu ermutigen, ihre einzigartige Farbe und Melodie in die Welt zu bringen. Diese Erde ist – auch wenn es oft nicht den Anschein hat – gut und richtig so wie sie ist, und dennoch haben wir alle die Möglichkeit, sie ein wenig liebevoller, bewusster und heiler zu hinterlassen als wir sie vorgefunden haben. Oder eigentlich ist es nicht DIE Welt, die heiler wird, sondern unsere ureigene Welt, unser Sein und unsere Wirk-lich(t)-keit, die sich verwandelt, je mehr wir unser Herzenslicht verströmen und Liebe leben. Und dazu braucht es nicht mehr, als der Stille des Herzens zu lauschen und der Spur der Freude und Liebe zu folgen. Der Friede in uns entscheidet über den Frieden in der Welt!

In unserem Herzen finden wir die Antworten auf all unsere Fragen, die Lösungen für alle Herausforderungen, und Heilungsimpulse für alle Leiden. Doch Unsicherheit und Zweifel sind oft viel größer als unser Vertrauen in die innere Weisheit. So oft höre ich die Frage: „Wie weiß ich denn, ob es tatsächlich mein Herz ist, das zu mir spricht, und nicht mein Ego oder mein analytischer Verstand?“ Die Frage zeigt nur, wie weit wir uns von unserem Herzen entfernt haben, wie nüchtern wir geworden sind, wie sehr wir uns selbst verleugnet und verraten haben und in was für einer oberflächlichen und oft lieblosen Welt wir uns bewegen. Doch es ist nie zu spät, den Weg in unser Herz zu finden. Mit so vielen Menschen habe ich Herzöffnungsrituale und –meditationen gemacht, und keinem einzigen ist der Zugang je verwehrt geblieben. Wer auch immer du bist, was auch immer du getan hast, was auch immer dir passiert ist, dein Herz heißt dich zu jeder Zeit Willkommen und schenkt dir Trost, Weisheit und Ausrichtung. Es bedarf einzig und allein der Stille, denn die Stimme unseres Herzens ist leise, sanft, subtil.

Wenn du einmal die Stimme deines Herzens vernommen hast, dann wirst du sie niemals mehr verwechseln können. Für mich hat die Botschaft des Herzens ein paar wenige Charakteristika, an denen ich sie unzweifelhaft erkenne:

  1. Die Stimme des Herzens ist immer positiv, klar, bestärkend und liebevoll. Niemals wird ein Funke der Angst, des Zweifels oder der Verurteilung mitschwingen.
  2. Die Botschaft ist einfach. Dein Herz braucht keine spirituellen Konzepte, keinen philosophischen Überbau und keine Wissenschaft. Alles was wahrhaftig und aufrichtig ist, ist einfach. Um das Leben und die Liebe zu verstehen, brauchen wir kein Wissen. Im Gegenteil, je mehr Wissen und Konzepte wir loslassen, umso besser.

Doch das absolut wichtigste Erkennungsmerkmal für mich:

  1. Die Stimme des Herzens ist immer herausfordernd. Das Herz wird uns nicht einlullen, es wird unser Ego – zumindest zeitweise – vom Thron stoßen und uns Demut, Hingabe und Aufrichtigkeit (vor allem uns selbst gegenüber!) lehren. Wenn du es dir bequem machen willst, in deiner Komfortzone bleiben und Recht haben willst, dann solltest du dem Herzen lieber fern bleiben. Wenn du aber mit ihm in Kontakt kommst, dann ist das wie eine transformierende und kraftvolle Begegnung mit einem echten Anam Cara, einem Seelengefährten: Alle Verblendung, Selbstverrat, Urteilen und Projizieren wird dir mit voller Kraft gespiegelt – aber eben auch in tiefer Liebe und Annahme.

Close up hand of statue Buddha.buddhism concept

Das spirituelle Herz ist unser Motor des Erwachens und der Bewusstheit. Da wo wir uns selbst verurteilen, nimmt es uns tröstend und nährend in den Arm, wie eine große Mutter. Wo wir unsicher und im Zweifel sind, trägt es uns und ist uns ein helles Licht. Wo wir unser wahres Wesen verleugnen und in die Irre gehen, ermutigt es uns, zu uns selbst zu stehen. Wo wir aus der Liebe und Einheit herausfallen, rückt es unsere Sicht wieder zurecht.

Noch NIE habe ich von meinem Herzen keine Antwort bekommen. Aber ich habe oft unbequeme Antworten bekommen. Antworten und Wege, die ich oft genug nicht befolgen konnte. Die Angst, die Bequemlichkeit oder der Stolz waren zu groß. Aber das Herz nimmt uns das nicht übel. Die große Weisheit in uns ist sich zu jeder Zeit gewiss: Wenn wir diese Chance nicht nutzen, wird es eine neue geben. Die Lektionen wiederholen sich in unterschiedlichem Gewand – bis wir sie lernen. Das Leben hat Zeit. Es eilt nicht. Unser Herz ebnet uns allen den Weg nach Hause. Wie lange das dauert, ist vollkommen egal.

Der Weg ist das Ziel – und das im wörtlichsten Sinne. Wir sind bereits zu Hause. Auf dem Weg zu sein ist eine Illusion des Ego. Es geht einzig und allein darum, wie entschlossen wir sind, diese Illusion los zu lassen – und damit alles, was wir glauben zu sein, zu haben, zu wissen oder erreichen zu müssen. Ist das nicht wunderbar: Du erlebst dich als das Ego, das kämpft, das von der übrigen Schöpfung getrennt ist, das in der Dualität lebt, das sich in den Grenzen von Zeit und Raum bewegt – und gleichzeitig BIST du das ewig Seiende, die unendliche Weisheit, ein allumfassendes Wesen ohne Grenzen. Reines Bewusstsein. Dein Herz kann dir eine Ahnung davon vermitteln, wann immer du dich mit ihm verbindest!

Ich möchte dir gern zwei Möglichkeiten aufzeigen, mit der Weisheit deines Herzens in Kontakt zu kommen:

  1. Wann immer du dich verstrickt hast, mit dem Rücken zur Wand stehst oder kein Licht im Dunkel mehr siehst, frage dich:

    Was würde die Liebe tun?

    Geh in die Stille und lass die Antwort aus deinem Herzen aufsteigen. Ich kann dir versprechen, sie wird herausfordernd sein! Und dann werde zum mutigen Krieger des Lichts und lebe deine Herzensweisheit. Und wenn du es nicht kannst, dann bitte dein Herz um Trost und Heilung. Wie gesagt, das Leben hat Zeit. Dein Herz wird dich niemals verurteilen. Also solltest du das auch nicht tun. Erkenne an, dass Menschsein oft hart und schwierig ist. Erkenne an, dass Emotionen eine ungeheure Macht haben, erkenne an, dass du noch nicht in jedem Moment die Entscheidung für die Liebe und für die Weisheit treffen kannst. Überhaupt eine Ahnung zu haben, wie die Dinge in Wirklichkeit sind, macht dich schon so reich und strahlend. Du musst es noch nicht immer umsetzen können. Mitgefühl ist eine der innersten Herzensqualitäten. Mach sie dir auch selbst zum Geschenk!

  1. Durchflute dich so oft wie möglich mit Herzensenergie

    Nimm dir 10 Minuten Zeit und zieh dich in die Stille zurück. Such dir eine bequeme Position, am besten im Sitzen auf einem Stuhl oder im Meditationssitz. Verbinde dich zunächst ganz tief mit deinem Atem und lass alle Gedanken und Sorgen los. Und dann begib dich mit deiner ganzen Aufmerksamkeit in dein Herzzentrum in der Mitte der Brust. Wenn du magst, kannst du eine Hand hier hinlegen, um deinen Fokus besser zu halten. Jetzt stell dir vor, wie du durch dein Herz ein- und ausatmest. Sei ganz eins mit deinem Herzen. Und dann aktiviere eine Herzensenergie: Liebe, Dankbarkeit, Mitgefühl, Freude oder Wertschätzung – wähle das Gefühl, zu dem du im Moment den besten Zugang findest. Und dann lass dich in deinem ganzen Sein von dieser Energie durchdringen. Nimm sie wahr mit jeder Faser, so intensiv wie möglich. Spüre, wie sich dein Herzensraum immer weiter ausdehnt, bis du dieses Herzensgefühl nicht mehr nur spürst, sondern selbst dazu geworden bist. Verweile so lange du willst in dieser Stille und Geborgenheit.

Das elektromagnetische Feld des Herzens ist bis zu 5000 Mal stärker als das des Gehirns. Es sendet in jeder Sekunde unzählige Signale, die die Organ- und Zelltätigkeit im ganzen Körper steuern, und die unser Denken und Fühlen – und auch das unserer Umwelt – beeinflussen. Je mehr du also in deinem Herzen und aus deiner Herzensfreude heraus lebst, umso heiler und freier wirst du, und umso mehr wirst du ein Fels sein für andere!

Mein Herz schenkte mir einmal einen wunderbaren, zutiefst wachen Augenblick, den ich kaum in Worte fassen kann: Ich war in einer innigen Umarmung und Herzensverbindung mit meinem Mann und ganz in diesen Moment eingetaucht. Meine Gedanken standen still, die Zeit stand still, und es war in diesem Moment nur eine einzige Wahrnehmung da: Ich wusste, dass ich lebe, und dies war das einzig Wirkliche, was ich mit absoluter Sicherheit behaupten konnte. Wenngleich diese Erkenntnis banal scheinen mag, empfand ich sie in diesem Moment so radikal und revolutionär, und fühlte mich von Euphorie durchflutet. Ich war Leben – nicht mehr und nicht weniger! Ich wusste, dass es in der absoluten Präsenz keine Krankheit, keinen Tod, kein Leid und keinen Mangel gibt. Dann gibt es nur Leben, das sich Sekunde um Sekunde immer wieder erneuert und sich selbst feiert in seiner Vielfalt und Vollkommenheit. Leben, das immer Leben bleibt, auch wenn sich die Form wandelt, ja sogar, wenn die Form nicht mehr da ist. Es ist gleichzeitig jede Form und keine. Das wirklich seltsame in dieser Situation war, dass es tatsächlich keine sinnliche Wahrnehmung war, die mir versicherte, dass ich lebte, sondern dass mein Körper, mein Geist und meine Seele einfach nur von der ewigen Natur des Seins durchdrungen waren.

Es war die ganze Welt in diesem winzigen Augenblick.

Unser Herz hält so viele Geheimnisse für uns bereit. Wir müssen uns nur trauen, auf Entdeckungsreise zu gehen, um dann mutig ein ums andere Mal unsere innere Wahrheit auszudrücken. Das verlangt viel Größe, denn es bedeutet, unser inneres Kind immer wieder tröstend in den Arm zu nehmen, die eigenen Schmerzen und Verletzungen nach und nach loszulassen, uns, unseren Mitmenschen und dem Leben zu vergeben, unser Licht und unsere Macht anzuerkennen, den Mut zu finden, umzukehren oder die Richtung zu ändern, …. – und dann immer wieder Frieden, Liebe und Einheit zu wählen statt in der Angst, der Trennung und im Rechthaben zu verharren. Das ist, was diese turbulenten Zeiten von uns fordern!

Dir, die/der du diese Zeilen liest, möchte ich für deinen Herzensweg einen lieben Freund an die Seite stellen: den Kolibri. Im Schamanismus gilt dieser winzige, schillernde Vogel als Bote des Herzens, der Liebe und der Lebensfreude. Er hilft dir, dich mit deiner inneren Weisheit zu verbinden und immer wieder die Liebe und die Lebendigkeit zu wählen. Und er heilt dein Herz, wenn du meinst, es sei zerbrochen und verletzt. Lass mich dir eines mit tiefster Überzeugung sagen: in deinem Herzen gibt es einen Raum, der unverletzlich ist, der hell leuchtend, einem Diamanten gleich, niemals zerstört oder auch nur angeknackst werden kann. Das, was du als verletztes oder gar gebrochenes Herz bezeichnest, ist in Wahrheit dein Ego, dessen Mäntelchen der Liebe von selbstkreierten Motten durchlöchert ist: Erwartungen, Narzissmus, Enttäuschungen (die im eigentlichen Wortsinne etwas ganz Wunderbares sind: Ent-täuschungen, also das Ende von (Selbst-)täuschungen!), Ängste, Projektionen, Anhaftung etc. Trauere nicht länger, sondern sei dankbar für all die Erlebnisse, die die derbe Textur deines Egos aufgebrochen haben. Jeder Riss, jedes Loch, jede Wunde ist die Chance, in dein leuchtendes Inneres vorzudringen und deine wahre Essenz zu entdecken.

So lautet denn auch die – meiner Meinung nach – wichtigste Botschaft des Herzens: „Die Dinge sind nicht so, wie sie scheinen…!“

Vielleicht magst du mir schreiben, welche Weisheiten du in deinem Herzen schon gefunden hast, wie eine Verletzung deines „Ego-Herzens“ dir Zutritt zu deinem wahren spirituellen Herzen verschafft hat, oder mit welcher Methode du am besten Zugang zu deiner inneren Weisheit bekommst? Ich freue mich sehr, von dir zu hören!

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein!

Von Herz zu Herz,
Deine Christine Samira

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„Die Leute staunen und sagen, dass es ein Wunder sei, auf dem Wasser zu laufen. Nun, für mich ist es ein Wunder auf der Erde zu gehen.“ Thich Nhat Hanh

Eigentlich mag ich das Wort „spirituell“ gern. Ich würde mich selbst als spirituellen Menschen bezeichnen, und umgebe mich auch gern mit solcher Art Menschen. Aber zur Zeit wird mir diese Bezeichnung immer mehr zum Reizwort. Und mehr und mehr suspekt. Dieses Attribut ist mir in den letzten Tagen so oft in Zusammenhängen begegnet, über die ich ehrlich gesagt schon ein wenig erstaunt bin. Ich wundere mich, wer und was so alles als „spirituell“ gilt. Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, als ginge ein großer Teil der „spirituell Suchenden“ einer riesigen Täuschung in die Falle. Was da passiert, ist kein Erwachen und Bewusstwerdung, sondern einfach nur eine Umlenkung der Identifikationen und des Ego – weg von der materiellen Welt hin in eine geistig-esoterische Welt. Die Identifikation und das Ego werden nicht weniger – im Gegenteil!!! Da wird eine Illusion gegen eine andere, viel subtilere, getauscht… vom weltlichen Arschloch zum spirituellen Gutmenschen. Ei, ei, ei, wacht endlich auf, möchte ich da am liebsten schreien. Ihr verstrickt euch noch so viel tiefer ins Ego und in die Verblendung, als wenn ihr nie auf die spirituelle Suche gegangen wärt! So mancher „weltliche Blindgänger“ ist noch präsenter und bewusster, als diese esoterischen Überflieger. Letztere sind viel gefährlicher als ein „ganz normaler“ unbewusster Mensch, denn sie fühlen sich ethisch überlegen, in ihrer seelischen Entwicklung „weiter“, und sind sicher, die Wahrheit, die Moral und den göttlichen Segen für sich gepachtet zu haben. Und sie haben ihr Ego natürlich schon längst überwunden, denn sie sind ja immer in Licht und Liebe. Und wenn sie nicht so ein reines Herz hätten und so weit entwickelt wären, dann könnten sie ja auch nicht mit Engeln kommunizieren, in der Akasha-Chronik lesen, Verstorbene sehen, Mutter Maria channeln, Astralreisen unternehmen und die Aura ihrer Mitmenschen wahrnehmen. Und die ganz Großen unter ihnen lassen dann sogar noch Asche aus ihren Händen rieseln und laufen übers Wasser. Wow, toll!!!

So, jetzt aber genug des Zynismus. In Wirklichkeit macht es mich einfach nachdenklich und fassungslos, wie viel Verblendung und aufgeblähtes Ego unter den sogenannten Spirituellen herrscht. Hattet ihr nicht irgendwann mal eure Suche begonnen mit der Sehnsucht, eure eigene Essenz und Göttlichkeit zu erfahren, ganz im Hier und Jetzt aufzugehen, in die bedingungslose Liebe einzutauchen, von der Illusion der Trennung und der Dualität in die Einheit allen Seins zu erwachen? Wie konnte es sein, dass ihr von diesem Weg der Einfachheit und Ursprünglichkeit abgedriftet seid auf einen Pfad der spirituellen Überheblichkeit und Täuschung? Passt auf euch auf. Macht die Augen auf, lasst euch nicht verführen! WACHT AUF!

Ich denke, das große Problem ist, dass es in unserer Kultur keine gelebte spirituelle Tradition gibt. Die Menschen, die eine Sehnsucht nach Tiefe, nach Bewusstheit und nach Antworten auf die essentiellen Fragen des Lebens verspüren, wenden sich eben zum großen Teil der Esoterik zu. Hier hat sich mittlerweile eine regelrechte Parallelwelt entwickelt. Was in unserer stofflichen Welt das Bankkonto, das fette Auto, der tolle Job, der soziale Status, ein attraktives Aussehen, diverse Titel und Diplome und die Designerwohnung ist, ist in der „spirituellen“ Welt die Hellsichtigkeit, die Fähigkeit der Zukunftsdeutung, die Kommunikation mit Engeln, Geistführern, Verstorbenen und aufgestiegenen Meistern, alte Inkarnationen in Atlantis, die Gabe zu heilen, usw. Der eine identifiziert sich mit seiner teuren Segelyacht, der andere mit seiner Fähigkeit, in vergangenen Leben lesen zu können, der eine mit seinem durchgestylten Modelkörper, der andere mit seiner Herkunft vom Planeten Sirius. Wer hat nun das größere Ego? Wer ist tiefer auf dem Irrweg?

„Jemand sagte einmal zu Ramakrishna: ‚Mein Meister ist ein großer Meister. Er kann über Wasser gehen.’ Ramakrishna antwortete: ‚So ein Unsinn! Ich gebe dem Fährmann zwei Pennies und schon bringt er mich ans andere Ufer. Dein Meister ist ein Dummkopf. Geh zu ihm und mach ihm klar, dass er sein Leben nicht verschwenden soll. Es passiert so leicht.’ Der Verstand sehnt sich nach solchen Spielchen. (…) Manchmal denkt er an Geld oder daran, ein größeres Haus zu haben, mehr respektiert zu werden oder über mehr politische Macht zu verfügen. Wenn du dich schließlich der Spiritualität zuwendest, ist dein Verstand immer noch der gleiche. Jetzt sehnst du dich nach einem Mehr an geistigen Kräften – Telepathie, Hellsichtigkeit und all den anderen Unsinn. (…) Das Leben selbst ist ein Wunder, aber das Ego ist nicht bereit, diese Tatsache zu akzeptieren. Es möchte etwas Besonderes leisten, etwas, das niemand sonst kann, etwas Außergewöhnliches.“ Osho

Verstehst du? Es geht in diesem Leben genauso wenig um Hellsichtigkeit wie es um ein teures Luxus-Auto geht. Für viele gilt ein Mensch erst dann als wirklich spirituell, wenn er offensichtlich über „besondere“ Heilkräfte verfügt, alle möglichen Energien wahrnehmen kann, die Zukunft voraussehen kann, verirrte Seelen ins Licht führen kann, mit der geistigen Welt kommunizieren kann, und so weiter und so fort. Und in je höherem Maße er das praktiziert, umso weiter fortgeschritten, umso spiritueller und umso bewusster soll er sein. Und dementsprechend: Wer in dieser Szene etwas gelten und sich Anerkennung verschaffen will, wer sich den massenhaften Zulauf ratsuchender Menschen sichern will, wer hier zu den Großen zählen will, der muss schon ordentlich mit diesen „außergewöhnlichen Fähigkeiten“ klotzen. Seid ihr denn noch zu retten? Seht ihr nicht, wie verrückt das ist? Freu dich, wenn du diese Fähigkeiten hast, halt den Mund und geh weiter. Identifiziere dich nicht damit, mach dich nicht wichtig, nutze diese Gabe nicht aus, um Macht über andere zu haben. Und wenn du diese Fähigkeiten nicht hast, freu dich, dass diese Versuchung an dir vorüber geht, und widme dich nicht noch extra der Schulung dieser Dinge. Du brauchst sie nicht, es wäre bloße Zeitverschwendung! Schenk dieser Begabung bei anderen Menschen keine große Aufmerksamkeit, damit hilfst du ihnen am meisten. Sie hat keinen Wert an sich. Es ist nichts, was du für ein spirituelles, waches, bewusstes Leben brauchst. Und du brauchst auch diese Menschen nicht. Es gibt kein Problem, für dessen Lösung du nicht selbst alles in der Hand hättest, und es gibt keine Frage, auf die du nicht in deinem eigenen Herzen eine Antwort finden würdest. VERTRAU DIR. SEI MENSCH. Such nicht nach Wundern und wunderbegabten Wesen. Nimm endlich das Wunder wahr, das du selbst bist, und sieh das Wunder im Kleinsten der Schöpfung. Hab den Mut, ein Nichts zu sein und dich aufzulösen im Ozean der Liebe. Nur so findest du nach Hause. Lass dich nicht ablenken von Zauberkünstlern, Gurus und Marktschreiern. Die wahrhaft Großen und Erleuchteten sind die Leisen, die Einfachen, die Demütigen, die, die DU nie erkennen wirst, solange du mit den begierigen, nach Anerkennung, Führung und Bestätigung heischenden Augen des Ego statt mit den klaren, unschuldigen Augen des Herzens schaust. Wie heißt es so schön in einem Zen-Spruch: „Wenn du Buddha triffst, töte ihn.“

Wenn du wirklich nach Antworten suchst, wenn du wirklich ein spirituelles Leben leben willst, dann hab endlich den Mut, in die Tiefe zu gehen – über oberflächliche Konzepte und Äußerlichkeiten hinweg. Tauch endlich ein ins Mysterium des Lebens statt in eine Parallelwelt zu flüchten. Geh durch deine Ängste und Schatten hindurch und entzünde dein Licht. Halte dich nicht auf mit einem Pseudo-Lichtlein. Du betrügst dich doch nur selbst! Die Wunderbegabten, die „besonders weit Entwickelten“, die sich zu Hauf auf dieser Welt tummeln, sind alles Feiglinge. Sie machen sich so lächerlich wichtig und glauben, schon so gut wie am Ziel zu sein. Dabei kratzen sie doch nur an der Oberfläche. Sie haben nur die Welten getauscht, nichts weiter. Und die Bewunderer solcher Menschen laufen einem armseligen Trugbild von Spiritualität hinterher, das sie nur immer weiter von sich selbst und von Gott entfernt. Wacht auf!

Was ist ein spiritueller Mensch? Eines steht fest: es hat rein gar nichts mit derartigen außersinnlichen Fähigkeiten zu tun. Das ist wie mit dem Singen, einer Fremdsprache oder der Malerei. Der eine hat ein großes angeborenes Talent dafür, der andere weniger. Einer hat viel Zeit ins Üben investiert, ein anderer weniger, und der nächste hat überhaupt kein Interesse daran. Kämst du auf die Idee, dass ein Mensch, der perfekt Tangotanzen kann, ein besserer oder bewussterer ist, als einer, der zwei linke Beine beim Tanzen hat? Oder dass ein Mensch, der Meister im Klavierspiel ist, weiter entwickelt ist, als einer, der gerade mal ein paar schiefe Töne auf der Mundharmonika hinkriegt? Wohl kaum, oder? Komisch, dass in der „spirituellen Welt“ ein anderer Maßstab gilt, und gewisse Begabungen mit dem Entwicklungsstand und dem Bewusstheitsgrad eines Menschen gleichgestellt werden. Und seltsam, dass gerade in einem Lebensbereich, in dem es ausschließlich ums Sein geht, so viel Wert aufs Tun und Können gelegt wird – und darauf, etwas Besonderes darzustellen, und sich abzugrenzen, statt eins zu werden mit allem. Hm, irgendwas stimmt doch da nicht, oder? Ein Mensch kann schon nicht sehr spirituell sein, wenn er sich selbst (oder bestimmte Leute) als besser, weiter entwickelt, auserwählter, begabter ansieht als andere. Sucht eure Meister nicht bei den Effekthaschern und Wichtigtuern, bei den vermeintlich „Besonderen“, sondern in denen, die ihr am geringsten achtet. Sie haben euch wirklich etwas zu lehren…

Schenk dein Vertrauen und deine blinde Bewunderung nicht denen, die dir Botschaften aus fernen Welten und fernen Zeiten überbringen, sondern denen, die dich lehren, im Hier und Jetzt zu sein und der Stimme deines eigenen Herzens wieder zu lauschen. Schau in die Augen eines aufrichtig Liebenden und erkenne dich selbst. Hab den Mut, in dich selbst hineinzuhören, vertraue dir und geh den Weg, den dein inneres Licht dir weist. Gib die Autorität über dein Leben nicht in fremde Hände. Öffne dein Herz und erkenne die Wahrheit, erkenne die Liebe. Sie liegt direkt vor dir. Du brauchst sie nicht zu suchen in vergangenen Inkarnationen, in Channelings von Kryon oder der weißen Bruderschaft, in Tarotkarten, in Engelsessenzen oder Botschaften von Verstorbenen. Die Götter waren wirklich weise, als sie den Schlüssel zum Himmel im Herzen des Menschen versteckten. Sie wussten, er würde überall danach suchen, auf den Gipfeln der höchsten Berge, in den tiefsten Tiefen der Ozeane, in den fernsten Galaxien, aber vor dem Weg in sein Heiligtum im Innersten würde er ewig zurückschrecken.

Geh in die Natur, beobachte einen Sonnenaufgang, spüre das feuchte Gras unter deinen nackten Füßen, werde eins mit einer schönen Blume, lass dich berühren vom zarten Grün der neuen Triebe der Nadelbäume – das alles kann dir mehr über die Liebe und dein Leben erzählen, als ein Mensch dies je könnte. DAS ist das Leben. Es ist hier und jetzt – in den einfachen Dingen. Die Wahrheit ist immer einfach, und sie zeigt sich jedem, der sich ihr öffnet, in jedem Augenblick!

Für mich muss ein spiritueller Mensch ein Radikaler sein, ein Ver-rückter, ein Revoluzzer. Einer, der bedingungslos JA zu diesem Leben und zu dieser Welt sagen kann. Der bereit ist, das Göttliche in allem und jedem zu finden. Einer, der dem Ruf seines Herzens folgt, der die vollkommene Verantwortung für sich übernimmt und der sich jeden Tag wieder für die Freiheit und die Unsicherheit entscheidet. Der jeden Moment wachsam und präsent ist, der aufgehört hat, Bekanntes nachzuplappern. Einer, der den Mut hat, aus der Masse heraus zu treten, der keinen Wert darauf legt, was andere über ihn denken oder sagen. Der den Mut hat, seine eigenen Antworten und seine eigene Wahrheit zu finden. Der bereit ist, alles loszulassen – alle gesellschaftlichen Konventionen, Normen, Prägungen, Dogmen, Masken, Rollen – um sein wahres, ursprüngliches Menschsein und seine heilige Essenz zu entfalten. Einer, der bereit ist zu sterben, um neu geboren zu werden. Einer, der den Mut hat, ein Nichts zu sein.

Bist du spirituell?

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Oh, wie wunderbar ist es, den weisen Worten eines Gurus zu lauschen und sich die Lehren eines erleuchteten Meisters zu Gemüte zu führen. In der Gegenwart eines solch besonderen Menschen fällt es leicht, in Liebe, Weisheit und Mitgefühl zu schwelgen. Von ihm lassen wir uns gern unterweisen in den Lektionen eines rechten Lebens. Wie sieht es aber aus mit den Menschen, die uns im schnöden Alltag begegnen? Mit der Supermarktkassiererin, die uns mit ihrer Trödelei den letzten Nerv raubt, mit dem Chef, der uns vor versammelter Mannschaft kritisiert und sich nicht mehr an die versprochene Beförderung erinnern will, mit der Schwiegermutter, die alles besser weiß, dem Partner, der uns betrügt oder dem Nachbarn, der wegen des Gebells unseres Hundes vor Gericht zieht?

In dem Buch „Acht Schritte zum Glück. Der buddhistische Weg der liebenden Güte“ (von Geshe Kelsang Gyatso) habe ich vor Jahren einen Gedanken aufgeschnappt, der mich bis heute fasziniert und berührt: Stell dir vor, alle Menschen, die dir begegnen sind erleuchtete Wesen und sind nur zu dem Zweck da, dich ins Erwachen zu führen. Unser gewöhnlicher, verblendeter Geist sieht nur gewöhnliche, verblendete Menschen, aber ist es nicht möglich, dass in Wirklichkeit ein jeder von ihnen ein vollendeter Buddha ist? Die einzige Person, von der wir mit absoluter Sicherheit sagen können, dass sie nicht erleuchtet ist, sind wir selbst. Von den anderen können wir es nicht wissen.

Dieser Gedanke hat die Macht, unser ganzes Leben auf den Kopf zu stellen. Was würde sich verändern, wenn du in jedem Menschen deinen Meister und Guru, deinen Buddha und deinen Führer zur Erleuchtung sehen könntest? Was, wenn es tatsächlich so wäre, dass DU die letzte Seele bist, die noch nicht erwacht ist? Wenn all das Theater hier nur aus unendlicher Liebe zu DIR veranstaltet würde?

Vielleicht würdest du dich von deinen Mitmenschen tiefer im Herzen berühren lassen und könntest die Liebe hinter ihrem Sein erkennen. Vielleicht würdest du alles, was dir an vermeintlichen Ungerechtigkeiten und Leid widerfährt, als Chance zur Selbsterkenntnis und zum Wachstum annehmen können. Vielleicht hättest du mehr Mitgefühl mit dir selbst und deinem Lebensweg. Vielleicht könntest du dich in größerer Demut vor deinen Mitmenschen und vor der Welt verneigen statt zu trennen und zu urteilen.

Wenn es uns auch nur ab und zu gelingen würde, aus unserer persönlichen Betroffenheit herauszutreten, und die liebende Güte hinter den Erscheinungen unseres Lebens zu erkennen, könnten wir den Himmel auf Erden erschaffen. Doch es kann nur jeder bei sich selbst anfangen. Und sollten wir Tausend Mal scheitern…. – wenn es uns auch nur einmal gelingt, den vollkommenen Buddha in unserem Mitmenschen zu erkennen, dann haben wir damit schon die ganze Welt verändert!

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